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1. Bundesliga

Vor-WM-Jahr verspricht Spannung

Saisonvorschau Saison 2006/2007 - Teil 2

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Von Katja Öhlschläger

11.09.2006  

Voller Optimismus geht Essens Trainer Ralf Agolli in die neue Saison. In ihrem dritten Erstligajahr will die mittlerweile etablierte SG Essen-Schönebeck ihre Platzierung aus dem Vorjahr (6. Platz) verbessern. "Dazu müssen wir einen der Vier schlagen, gegen die wir noch keinen Punkt gemacht haben. Doch mit diesem neuen Kader sollte uns das gelingen", strotzte Agolli vor dem Spiel gegen Potsdam geradezu vor Selbstbewusstsein. Dieses gründet sich vor allem auf die Vorbereitung ("Ich glaube, die beste der bisherigen Vorbereitungen") und das Mittelfeld mit den "Ausnahmefußballerinnen" Katrin Lange und Linda Bresonik, das der Trainer als "eines der besten der Liga" bezeichnet. Weiterhin sei der Kader durch die Neuzugänge aufgewertet worden: "Ich habe nun auf fast allen Positionen Alternativen." Eine der Neuen ist Mandy Islacker. Islacker war nur wenige Minuten vor Ende der Wechselfrist am 31. August vom FCR Duisburg geholt worden. Lange schon war man sich einig, doch nur durch finanzielle Unterstützung der Mannschaft und durch private Geldgeber konnte der Transfer perfekt gemacht werden. Eine Gemeinschaftsleistung, über die sich der Trainer besonders freut. Eine Freude, die vielleicht nur durch den 3:2-Auftaktsieg gegen Potsdam gesteigert werden konnte und die Berechtigung der Essener Ziele unterstreicht.

Mandy Islacker

Last-Minute-Neuzugang in Essen: Mandy Islacker

Foto: Heinz Günter Sporkel

Einen deutlichen Schritt nach vorne hat in der letzten Spielzeit auch der Sc Freiburg gemacht. Mit dem neuen Trainer Dietmar Sehrig gelang nicht nur ein 2:1 gegen den FFC Franfurt, sondern auch die Etablierung in der Tabellenmitte - mit Potenzial nach oben, wenn man bedenkt, dass ohne den Wechselfehler rund um Alexandra Kury noch ein Platz weiter oben rausgesprungen wäre. Zur neuen Saison hat sich der SC mit vielen jungen Spielerinnen verstärkt - am bekanntesten mittlerweile U19-Europameisterin und U20-WM-Fahrerin Juliane Maier, die vom Sv Titisee kam. Abzuwarten bleibt aber, wie die nun deutlich jüngere Mannschaft die Abgänge des Altstars Karine Levy, von Sandra Schneider, Valeria Maillard und Alena Thom wegstecken kann. Bärenstark sind die Breisgauerinnen auf jeden Fall im Tor besetzt, wo sich zur ehemaligen Nationalspielerin Alexandra Schwald noch die Schweizer Nationalkeeperin Marisa Brunner hinzu gesellte.

Nach diesen sieben Teams folgen die Vereine, die man - zumindest im weitesten Sinne - noch als Abstiegskandidaten bezeichnen kann, die teilweise aber durchaus - so der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München - auch nach oben hin positiv überraschen können. Personell enorm stark besetzt ist Aufsteiger Wolfsburg, sodass VfL-Trainer Bernd Hunekes Ankündigung, der Abstiegskampf sei zwar offen, "aber der VfL Wolfsburg steigt nicht ab!", absolut nachvollziehbar ist. Auch Bayern-Trainerin Raith schließt Wolfsburg als Absteiger aus, tippt eher auf Rheine und Brauweiler. Das Jahr in der 2. Liga habe man genutzt, um die "Mannschaft gezielt zu verjüngen" und den Zuschauerschnitt zu erhöhen. Zudem habe die Frauenfußball-Mannschaft "weiter an 'Standing' innerhalb des VfL" gewonnen.

SC Freiburg Neuzugänge 2006

Die Neuen beim SC Freiburg:
Hinten v.l.n.r.: Bauer, Zirnstein, Kaiser, Sehrig, Lüpke-Narberhaus
Vorne v.l.n.r.: Krüger, Enoch, Faißt, Maier

Foto: Peter Clesle

Unschwer erkennbar an den Neuverpflichtungen, die ohne beträchtliche pekuniäre Unterstützung des Vereins wohl kaum möglich gewesen wären. Mit Jugendnationalspielerin Nathalie Bock, die Brasilianerinnen Cristiane und Paula sowie Torfrau Stephanie Ullrich (die Torwartfrage soll allerdings erst in der dreiwöchigen Spielpause nach dem Auftakt entschieden werden) ist der Kader um Nationalspielerin Martina Müller in der Breite stärker geworden und bietet sich Huneke die Möglichkeit, "unser Spielsystem gegenüber den vergangenen Jahren entscheidend zu verändern.

Ähnlich gestaltet sich die Situation beim FC Bayern München, deren Frauenfußballabteilung von der


TSV Crailsheim Aufstieg 2006

Nach dem Aufstieg aus der 2. Liga Süd wollen die Crailsheimerinnen in der 1. Liga wieder jubeln - über Siege wie den gestrigen in Freiburg und zum Saisonende über den Klassenerhalt.

Foto: www.bawue-loewen.de

Entwicklung beim VfL aber nur träumen kann. Aus seinen begrenzten Möglichkeiten gelang es Trainerin Sissy Raith aber immer wieder, erstaunlich viel zu machen. Im letzten Jahr reichte dies für Rang acht, womit die Trainerin "zunächst nicht zufrieden" ist, in Anbetracht der Ausfälle von Leistungsträgerinnen schlussendlich aber doch "gut leben kann". Wie in den letzten beiden Jahren - Halbfinal-Aus in Potsdam - möchte man im Pokal wieder weit kommen, am liebsten das Endspiel in Berlin erreichen.

Bernd Huneke

Freut sich über das gestiegene Ansehen im Gesamtverein: Wolfsburgs Coach Bernd Huneke

Foto: Volker Lieberum

In der Liga peilt Raith einen Platz im Mittelfeld an und setzt dabei, wie viele ihrer Kollegen, auf das durch die Neuzugänge "minimierte Leistungsgefälle innerhalb des Teams". Ob auch der Weggang der tschechischen Nationalstürmerin Pavlina Scasna nach Schweden dazu beigetragen hat, ist eine Frage, die die Trainerin erst beantworten möchte, wenn die Saison im Gange ist. Doch selbst wenn - lamentieren hilft bekanntlich nicht, also streicht Raith die Verstärkungen für die Offensive durch die Schweizer Nationalspielerin Vanessa Bürki (traf gleich beim überrschenden 4:1 gegen den HSV zum ersten Mal) und die Banecki-Zwillinge heraus. Wobei sie sich der Schwierigkeit bewusst ist, dass sich einige der Neuen nicht nur auf das neue Umfeld einstellen, sondern auch ab sofort "ihr Leben selbst gestalten und verantworten müssen". Schaut man sich das Startprogramm der Bayern-Frauen an - an den ersten vier Spieltagen geht es gegen Hamburg, Bad Neuenahr und Frankfurt - wird die Trainerin einmal mehr ihre Erfahrung in die Waagschale werfen müssen, mit der es ihr schon mehrfach gelang, den ein oder anderen höher eingestuften Club zu besiegen. Ob es also bei Hamburg bleibt?

Sissy Raith

Bayern-Trainerin Sissy Raith peilt einen einstelligen Tabellenplatz an.

Foto: Volker Lieberum

Hört man sich im Trainerkreis nach der Abstiegsfrage um, werden der TSV Crailsheim, Rheine und Brauweiler am häufigsten genannt. Dass ein Aufsteiger grundsätzlich erwähnt wird, ist nichts Neues. Nur Wolfsburg hat sich zu namhaft verstärkt, um ernsthaft von einem potenziellen Absteiger sprechen zu können. Aber auch Crailsheim werden gute Chancen eingeräumt, anders als 2004/2005 diesmal die Klasse zu halten. Ralf Agolli nennt explizit Brauweiler und Rheine als Absteiger, Sissy Raith "hofft sehr, dass die nötigen Punkte für den Klassenerhalt eingefahren werden können" und setzt dabei auf den neuen Trainer Günther Wörle und seine Tochter Tanja als "Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld", wenngleich abzuwarten bleibt, wie stark Wörle nach zehnmonatiger Pause aus gesundheitlichen Gründen schon wieder ist. Wörle bringt wie auch die ehemaligen Sindelfingerinnen Karin Burger und Nadine Beck zusätzliche Erstligaerfahrung ins Team, das es mit der "Erfahrung aus der Aufstiegssaison 2004/2005" und der "Teamfähigkeit" (Trainer Wörle) erstmals in der Vereinsgeschichte schaffen will, die eingleisige Bundesliga zu halten. Am Ende möchte der Trainer, der seine Mannschaft mit Brauweiler und Rheine um den Klassenerhalt kämpfen sieht, "einen einstelligen Tabellenplatz belegen", wie er gegenüber FanSoccer berichtet.


Ein Unterfangen, das dem FFC Heike Rheine im letzten Jahr gelang. "Mit dem neunten Platz haben wir das vor der Saison gesteckte Ziel vollends erreicht", resümiert Heike-Trainerin Nicole Werner zufrieden. Nach der Saison verließen mit Torfrau Frederike Bittner, Jugendnationalspielerin Nathalie Bock, Theresa Hunecke und Jessica Torny wichtige Spielerinnen den Verein - Nationalspielerin Kerstin Stegemann, die Werner als "das Herz der jungen Mannschaft" charakterisiert, jedoch blieb in Rheine. Eine schon fast überlebenswichtige Personalie für Heike, haben doch "einige meiner Spielerinnen ihren Verbleib vom Verbleib von Kerstin Stegemann abhängig gemacht", plaudert die Trainerin gegenüber FanSoccer aus dem Nähkästchen. So wichtig das Bleiben von Stegemann für Rheine und die Mannschaft ist, sind sich dennoch viele Beobachter einig, dass Heike einen deutlich schwächeren Kader als im Vorjahr aufweist. Eine Einschätzung, gegen die sich Werner vehement wehrt. "Der Eindruck täuscht. Bereits in der Vorbereitung hat sich gezeigt, dass wir mit den Zugängen die Abgänge absolut kompensieren können. Man merkt bei jeder Spielerin unseres jetzigen Kaders, dass die Mannschaft im Vordergrund steht, und nicht die eigene Person."

Nicole Werner

Freut sich über den Einsatz ihrer Mannschaft und blickt optimistisch in die neue Spielzeit: Heike-Trainerin Nicole Werner

Foto: Volker Lieberum

Als Abstiegskandidat Nummer eins muss der FFC Brauweiler Pulheim gehandelt werden. Gewaltige personelle Probleme und fehlende finanzielle Mittel stürzen den Traditionsverein in existenzielle Nöte. Lena Fehrenbach und Stefanie Löhr sind zum Saisonauftakt im Urlaub, Alexandra Muresan und Birgit Defterli nicht mehr dabei, wieder anderen Spielerinnen fehlt noch die Spielberechtigung und die eminent wichtige Stürmerin Mariana Ciorba bekam ihre Aufenthaltsgenehmigung erst in letzter Sekunde. Um mit elf Spielerinnen in Rheine antreten zu können, die erst 16-jährige Paula Balzer trug übrigens die Kapitänsbinde, wurde daher die bereits zurückgetretene Sonja Bleibler reaktiviert. Trotz engagierter und motivierter Leistung kamen die FFClerinnen beim Konkurrenten um den Klassenerhalt aus Rheine mit 2:6 unter die Räder (siehe Spielbericht. So sind es einzig die Einstellung und der Kampfgeist der Mannschaft, aus denen Brauweilers Coach Küpper noch seine Hoffnung zieht: "Ich habe hervorragend mit den Mädels gearbeitet, sie haben sehr gut trainiert", berichtet Trainer Willi Küpper von der Vorbereitung, die Balsam auf die Seele des derzeit so arg mit anderen Sorgen geplagten Coaches gewesen sein muss.

Willi Küpper

Trainer Willi Küpper und sein Team vom FFC Brauweiler Pulheim erwartet eine sehr schwere Saison.

Foto: Nora Kruse

Allen Spielerinnen wünschen wir eine erfolgreiche Saison ohne Verletzungen!

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