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1. Bundesliga

Vor-WM-Jahr verspricht Spannung

Saisonvorschau Saison 2006/2007 - Teil 1

Von Katja Öhlschläger

11.09.2006   Jedes Jahr das gleiche Spiel - alle fragen sich, wird die Liga endlich an Spannung gewinnen, wird wieder Potsdam Meister? Oder schon wieder Frankfurt? Schafft es vielleicht endlich mal Duisburg? Werden die Aufsteiger die Liga halten können? Wer überrascht? Fragen, die sich auch diesmal stellen - vor einer Saison 2006/2007, die - diese Prognose sei gewagt - eine weitere und entscheidende Etappe auf dem Weg zu einer ausgeglicheneren Liga darstellen wird.

Schaut man ganz nüchtern, was Zahlen und Namen hergeben, weist einmal mehr der FFC Frankfurt den qualitativ stärksten und quantitativ breitesten Kader auf. Konsequenterweise meldet der UEFA-Cup-Sieger, der einen Etat zwischen 700.000 und einer Million Euro aufweisen kann, Anspruch auf alle drei Titel - Meisterschaft, UEFA-Cup, DFB-Pokal - an. Was Manager Siegfried Dietrich klar ausspricht, hört sich dann diplomatisch leicht abgewandelt so an: "Man muss immer versuchen, die gewonnenen Titel zu verteidigen und die nicht erreichten zu gewinnen" (Trainer Tritschoks). Oder: "Man muss immer versuchen, alle Titel zu gewinnen und unsere Motivation ist groß. Das Triple können wir schon angehen" (Steffi Jones).

Im Tor ersetzt Nationaltorfrau Silke Rottenberg die in die 2. Mannschaft gewechselte langjährige Keeperin Marleen Wissink. Deutschlands Nr. 1 kann damit auf ihre alten Tage auch auf Vereinsebene nochmal internationale Erfahrungen sammeln und nach Vertragsende 2009 direkt als Trainerin im Jugendbereich einsteigen. Im Sturm verließ Sandra Albertz den Verein gen Bad Neuenahr, mit Nationalstürmerin Petra Wimbersky konnte jedoch mehr als ein Ersatz gefunden und die Konkurrenz aus Potsdam gleichzeitig geschwächt werden.

Essi Sainio

Potsdams neue Stürmerin Essi Sainio fällt wegen eines Fußbruchs noch etwa sechs Wochen aus.

Foto: Nadine Bieneck

In der Sommerpause wurde die Mannschaft somit gezielt verstärkt, um gegen Verletzungspech gewappnet zu sein und der Dreifachbelastung standhalten zu können. Bis auf die Abwehr, den klaren Schwachpunkt der Mannschaft, sollte dies gelungen sein. Wie wichtig ein breiter Kader ist und noch werden kann, zeigt ein Blick auf die derzeitige Personalsituation. Die Nationalspielerinnen Pia Wunderlich und Sarah Günther fallen mit ihren Fußverletzungen noch länger aus. Bei Wunderlich sind die konservativen Methoden ausgeschöpft worden - ohne Erfolg, sodass eine Operation droht. Günther wurde bereits operiert und befindet sich noch im Aufbautraining. Karolin Thomas, weiterer Neuzugang aus Potsdam, kam bereits mit einem Kreuzbandriss an den Main und wird noch mehrere Monate brauchen, ehe sie auf den Fußballplatz zurückkehrt.

Wenn es neben der Abwehr noch sichtbare Schwächen gibt bzw. gab, dann war das die Motivation. Doch dies soll nun der Vergangenheit angehören, wie alle Beteiligten betonen. Die arrivierten Kräfte, die ohne großes Turnier in der Nationalmannschaft endlich mal Zeit für einen richtigen Urlaub hatten, aber auch die Neuen. Für Aufregung gesorgt hatte vor allem der Transfer von Petra Wimbersky, die als Erste zwischen den "beiden Großen" Frankfurt und Potsdam wechselte. "Ausschlaggebend für meinen Wechsel waren zum einen gewisse Disbalancen mit dem Trainer, auf der anderen Seite habe ich mich sportlich und perspektivisch in Potdam aber auch nicht mehr so wohl gefühlt. Beim FFC habe ich mich gut eingelebt und das Training ist wirklich gut, was mich positiv überraschte", begründet die 23-Jährige ihren Wechsel.

Dass die Bundesliga-Trainer, nach ihren Meisterschaftskandidaten befragt, allesamt den FFC Frankfurt nennen, überrascht nicht. Wohl aber, dass als heißester Mitfavorit der FCR Duisburg dem amtierenden Meister Turbine Potsdam den Rang abgelaufen zu haben scheint. Wolfsburgs Trainer Bernd Huneke,


Karolin Thomas, Petra Wimbersky, Hans-Jürgen-Tritschoks, Anna Marciak

Einmal mehr ist der FFC Frankfurt Titelkandidat Nummer eins. Hier die Neuzugänge: Anna Marciak, Karolin Thomas, Silke Rottenberg und Petra Wimbersky (v.l.n.r., 2.v.r. Trainer Tritschoks).

Foto: Nora Kruse

Bad Neuenahrs Coach Didi Schacht und Essens Trainer Ralf Agolli sehen Frankfurt klar in Front, Münchens Übungsleiterin Sissy Raith spricht gegenüber FanSoccer von einem "Zweikampf zwischen Frankfurt und Potsdam. Allerdings muss man abwarten, wie sich zum Beispiel Potsdam im Winter personell verstärkt."

Damit legt die Bayern-Trainerin den Finger in die Potsdamer Wunde. Mit den Abgängen von Petra Wimbersky, Karolin Thomas, Cristiane und dem Fehlen von Anja Mittag bis Mitte November war der personelle Aderlass enorm, gleichwertiger Ersatz konnte in der Sommerpause nicht gefunden werden. Um den besonders dezimierten Sturm zu stärken, verpflichtete der Double-Gewinner die finnische Nationalspielerin Essi Sainio, doch die brach sich bei der U-20-WM in Russland zum zweiten Mal den Fuß und wird noch etwa sechs bis sieben Wochen fehlen. Ebenfalls verzichten müssen die Turbinen zu Beginn noch auf Nationalspielerin Britta Carlson, die nach ihrer Knie-Operation noch nicht fit genug ist.

So ist es kein Wunder, dass auch Trainer Bernd Schröder Frankfurt und Duisburg eine personell bessere Besetzung attestiert. Dazu kommt noch, dass die jungen Spielerinnen von ihren Einsätzen für die Jugendnatios ausgelaugt sind und ohne richtige Pause direkt in den Ligaalltag einsteigen müssen. Dass die Turbinen gleich zum Auftakt zum Angstgegner Essen-Schönebeck mussten, stimmte den Coach schon vorab auch nicht glücklicher. Jetzt, nach der 2:3-Auftaktniederlage, stehen zwar mit den Spielen gegen Wolfsburg und Crailsheim lösbare Aufgaben bevor und folgen die Spiele gegen Frankfurt und Duisburg erst im November und Dezember, wenn Anja Mittag zurück und einige Verletzungen überstanden sind, muss Trainer Schröder aber vor allem an Motivation und Selbstbewusstsein arbeiten, damit sich seine Truppe noch alle Chancen offen halten kann. Potsdam, das viel vom Mannschaftsgeist lebt und, Abgänge hin oder her, mit zahlreichen Nationalspielerinnen gespickt ist, für den Titelkampf abzuschreiben, erscheint auf jeden Fall unangemessen.

Einer, der Potsdam nicht abschreibt, den Turbinen den Weg aber sportlich verbauen will, und seiner Mannschaft das absolut zutraut, ist Duisburgs Trainer Dietmar Herhaus. Schon im vergangenen Jahr wurde mit einem Titel geliebäugelt - das misslang. Eine kleine Enttäuschung, das gibt der Coach unumwunden zu, "aber dann wären uns für dieses Jahr die Ziele ausgegangen", blickt Herhaus im Interview mit FanSoccer schon längst wieder nach vorne.

Dietmar Herhaus

"Hoffentlich mischen auch noch ein oder zwei andere Mannschaften oben mit, damit nicht jeder Fehltritt direkt das Ende der Träume bedeutet", sagt Duisburgs Trainer Herhaus.

Foto: Andreas Krahforst

Mit Silke Rottenberg und Shelley Thompson haben zwei wichtige Spielerinnen den Club verlassen, sieht der Übungsleiter seine Mannschaft - nicht zuletzt dank der Verpflichtung von Sonja Fuss und Viola Odebrecht - aber dennoch "in Tiefe und Breite besser besetzt." Am schwerwiegendsten scheint der Verlust von Torfrau Rottenberg zu sein, auch wenn Herhaus betont optimistisch erklärt, dass der FCR auch weiterhin kein Torwartproblem hat". Bei den Nachfolgekandidatinnen Kathrin Längert, letztjährige Nummer zwei, und Lena Hohlfeld, kam vom polnischen Meister AZS Wrozlaw, hat die erst 19-jährige Längert das Rennen gemacht. Herhaus vertraut also weiter auf die Jugend und ist


sich des Drucks auf seine Mannschaft offensichtlich bewusst, wenn er - mit der Frage konfrontiert, ob alles außer einem Titel eine Enttäuschung sei - abwehrt, man wäre "nur dann enttäuscht, wenn wir unser Potenzial nicht umsetzen und andere deshalb vor uns ins Ziel kämen."

Lena Goeßling

Lena Goeßling, die neue Mittelfeldstrategin beim SC 07 Bad Neuenahr.

Foto: Florian Büchting

Der FCR Duisburg hat es geschafft, aus dem Zweikampf einen Dreikampf zu machen. Der Liga könnte es nur gut tun, stießen noch weitere Teams in diese Phalanx und gäbe es noch mehr Spiele mit offenem Ausgang. Ein Wunsch, den übrigens auch Coach Herhaus, wenngleich nicht ganz uneigennützig, hat: "Hoffentlich mischen auch noch ein oder zwei andere Mannschaften oben mit, damit nicht jeder Fehltritt direkt das Ende der Träume bedeutet." Wer könnte das sein? Wie immer in den letzten Jahren ist hier zuvorderst der SC 07 Bad Neuenahr zu nennen, aber auch der Hamburger SV hat gute Karten. Für eine Überraschung könnten der SC Freiburg und Essen sorgen.

In Bad Neuenahr hielten sich Ab- und Zugänge in etwa die Waage. Während Nicole Bender und bereits einige Wochen zuvor Linda Bresonik den Verein verließen, sollen Lena Goeßling und Sandra Albertz in der Offensive für gleichwertigen Ersatz sorgen. Wenn dann, wie im letzten Jahr - "Meine Mannschaft hat eine sensationelle Saison gespielt", lobt Trainer Schacht - wieder Platz vier rausspringt, wäre das "super", will der Coach keinen allzu hohen Druck aufbauen. Entscheidend wird sein, wie gut eingespielt sich die Mannschaft zum Saisonauftakt präsentiert. Nach der schweren Auftaktpartie in Duisburg (0:1) muss man in der Kurstadt nicht eben geknickt sein, denn Zuletzt hatte man gegen die Rumelnerinnen einige heftige Schlappen einstecken müssen, wie überhaupt das Abschneiden gegen die Top-Teams stark verbesserungswürdig ist. "Das ist eben noch der Unterschied zwischen den ersten Drei und uns", bestätigt Schacht. Allzu hohe Niederlagen sollten sich die Kurstädterinnen auch in den folgenden Spielen nicht leisten, wenn sie ihr enormes spielerisches Potenzial abrufen möchten. Bis zum 6. Spieltag dauert es, ehe man gegen den TSV Crailsheim zum ersten Mal auf einen Club trifft, dessen Name beim Kampf um den Klassenerhalt fällt. Neben dem VfL Wolfsburg - gegen Frankfurt und dann in Potsdam - hat Bad Neuenahr damit das schwerste Auftaktprogramm zu bewältigen. Ihren Saisonauftakt bestritten die Frauen vom Hamburger SV beim FC Bayern München, wo es für Katharina Grießemer ein Wiedersehen mit ihrem alten Verein gab. Die U19-Weltmeisterin war in ihrem ersten Hamburger Jahr vom Verletzungspech verfolgt und verpasste wegen eines Kreuzbandrisses den Großteil der Saison. Doch jetzt will sie wieder neu angreifen und gemeinsam mit den starken Neuzugängen Shelley Thompson, Anna Blässe, Christine Schoknecht und Christina Plessen den Aufwärtstrend im HSV-Frauenfußball fortsetzen. Großartig hatten die Hanseatinnen die Vorrunde der letzten Spielzeit bestritten, ehe die meisten Spielerinnen gegen Ende der Rückrunde nur noch den letzten Spieltag herbeisehnten, weil zahlreiche Spielerinnen verletzt waren. Macht das Verletzungspech diesmal einen Bogen um die Hansestadt, sieht es trotz des schmerzlichen Weggangs von Aferdita Kameraj gut aus für die Truppe um Coach Armin Feifel, die nach dem verpatzten Saisonstart in München (1:4) diesmal nun vielleicht das Feld von hinten aufrollen kann.

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