1. Bundesliga

Wird der FCR Duisburg das „Team 2006“? FSV Frankfurt + X – wer steigt ab?

Eine Prognose für die Saison 2005/2006

Von Katja Öhlschläger, mit Informationen der Korrespondenten

12.08.2005    „Projekt 2006“ hieß das Konzept, das der FCR Duisburg zu Beginn des letzten Jahres vorstellte. Ziel: konsequent auf den Nachwuchs setzen und so ein schlagkräftiges, junges Team formen, das spätestens 2006/2007 – so der Plan – um den Titel mitspielen kann. Nun könnte das aus dieser Arbeit entstandene Team das „Team 2006“ werden, denn beide national zu erreichenden Titel – Meisterschaft und DFB-Pokal – sind in Reichweite. Schon in der vergangenen Spielzeit konnte der Vizemeister FCR Duisburg als erstes Team seit der Saison 1999/2000 – damals wurde eben jener FCR Duisburg Meister – in die Phalanx der beiden Großen – 1. FFC Frankfurt und 1. FFC Turbine Potsdam – eindringen.

Trio an der Spitze

Diesmal verschlägt es sowohl den Meister aus Frankfurt als auch den Titelverteidiger Turbine Potsdam in den UEFA-Cup – weitere Belastungen und aus Nachholspielen sich ergebende englische Wochen sind die Folge. Ein Umstand, von dem der FCR Duisburg profitieren könnte. Denn Nationalspielerinnen – A-Team sowie Jugendnationalmannschaften – stellen alle drei Spitzenvereine in großem Maße, da nehmen sie sich nichts. Gleichwohl kennen Frankfurt und Potsdam beide die Drei- bzw. Vierfachbelastung bereits aus eigener Erfahrung und haben vorgesorgt. Frankfurt, das im Durchschnitt deutlich ältere Team, personell vor der Saison sogar ganz kräftig (siehe  Wechselübersicht).

Der neue Duisburger Dietmar Herhaus tritt die Nachfolge des erfolgreichen Jürgen Krust an

Bild: Andreas Krahforst

Das Fiasko der Saison 2003/2004, in der alle drei Finalspiele verloren gingen und ein Teufelskreis aus Verletzungen und Personalmangel entstand, soll unbedingt vermieden werden. Mit dem stark besetzten Kader – auch im Tor steht die Ersatzfrau Uschi Holl, ihres Zeichens U21-Nationaltorhüterin, der Nummer Eins Marleen Wissink in nichts nach - können nicht nur Verletzungen besser kompensiert werden, größerer teaminterner Konkurrenzdruck dürfte außerdem alle zusätzlich anspornen, denn wer gibt schon gerne seinen Stammplatz ab respektive versauert gerne auf der Bank. Nachteil: Das Team muss sich unter Wettbewerbsbedingungen erst noch einspielen und alle müssen bei Laune gehalten werden.

Turbine Potsdam gelang es nicht, den dicken Fisch an Land zu ziehen, der während der Sommerpause zunächst den Namen Ingvild Stensland und dann Jane Törnqvist tragen sollte. Stenslands Vertrag bei Kolbotn IL läuft noch bis November, die Potsdamer hätten sie aus dem Vertrag kaufen müssen. Ihr Interesse an einem Wechsel in die brandenburgische Hauptstadt hat die Norwegerin jedoch bereits mehrfach betont, sodass ein Wechsel zur Winterpause – dann ablösefrei – in Aussicht ist. Törnqvist wurde bereits als Neuzugang vermeldet, überlegte es sich dann aber kurzfristig doch anders, absolvierte nach der Frist 1. Juli weiter Ligaspiele für ihren schwedischen Verein Djurgarden/Alvsjö und wäre damit ohnehin erst für die Rückrunde in Deutschland spielberechtigt. So blieb der prompte Ersatz für die zu Brauweiler zurückgekehrte Sonja Fuss auf der linken Abwehrseite aus, was der U19-Nationalspielerin Peggy Kuznik, die in der Vorsaison entscheidenden Anteil am Meistertitel hatte, neue Chancen einräumt, sich ihren in der letzten Saison verlorengegangenen Stammplatz wieder zu erkämpfen. Ein weiterer Verlust für das Turbine-Team dürfte der studienbedingte Wechsel von Nationalspielerin Viola Odebrecht in die USA sein. So steht zwar die brasilianische Nationalspielerin Cristiane, die sich nun bereits ein halbes Jahr in Deutschland einleben konnte, als Nachfolgerin bereit, doch es bleibt abzuwarten, ob sie Odebrecht, die seit Jahren die Laufwege ihrer Mitspielerinnen kannte, umgehend ersetzen kann.
Verstärkt wurde die Truppe von Bernd Schröder durch die hoffnungsvollen Talente Monique und Isabell Kerschowski – beide U19-Nationalspielerinnen – und Jana Böhme von Zweitliga-Absteiger Lok Leipzig. Ebenso wird die Brasilianerin Paula, die im Winter zusammen mit Cristiane nach Deutschland kam, in der kommenden Spielzeit das Turbine-Trikot überstreifen. Spielerinnen, die aufgrund der hohen Belastungen durchaus mal in der 1. Mannschaft zum Einsatz kommen können, wohl aber hauptsächlich das Zweitligateam der Potsdamerinnen verstärken dürften.

Wie bereits angeführt, könnte der FCR Duisburg der große Sieger sein, wenn Potsdam und Frankfurt mit der Vierfachbelastung klarkommen müssen. Andererseits hat die vergangene Saison die Erwartungen auch deutlich steigen lassen – es bleibt nun abzuwarten, wie es das überwiegend junge Team, flankiert von erfahrenen Kräften wie Torfrau Silke Rottenberg und Stürmerin Inka Grings, verstehen wird damit umzugehen. An personeller Kontinuität wird es jedenfalls nicht mangeln, denn das Team blieb im Wesentlichen zusammen – auch für Linda Bresonik, die ihr Karriereende verkündet hat, steht die Tür zur Rückkehr noch offen. Mit Verena Hagedorn aus Bad Neuenahr, die aufgrund ihres Kreuzbandrisses allerdings erst in der Rückrunde wir eingreifen können, und Rückkehrerin Stefanie Mpalaskas konnte die Mannschaft sogar noch mal punktuell verstärkt werden. Gute Voraussetzungen also für den neuen Trainer Dietmar Herhaus ( siehe Interview), der in der Vorbereitung allerdings erst in den letzten Tagen das gesamte Team zur Verfügung hatte, weil zahlreiche Spielerinnen mit den Jugendnationalmannschaften unterwegs waren – die andere Seite einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit eben. Dafür hatten aber die jungen Talente aus der U17 des Vereins in der Vorbereitung die Gelegenheit, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, was Herhaus nun einige Alternativen bietet. Auch im Pokal will man diesmal unbedingt länger vertreten sein – das Erstrunden-Aus im letzten Jahr passte so gar nicht in die Saison des FCR.

U19-Nationalspielerin Katharina Grießemer (hier im Trikot des FC Bayern München) verstärkt in der kommenden Saison den Hamburger SV

Foto: Volker Lieberum

Endspiel am letzten Spieltag?

Es wird also spannend werden im Titelkampf, eine Prognose scheint hier aufgrund der vielen Unwägbarkeiten nahezu unmöglich. Sollte der FCR Duisburg vor allem


Personeller Aderlass beim FFc Heike Rheine: Mit Nadine Richter, Liesbeth Migchelsen, Marieke Ran, Silke van den Berg, Iris Flacke (v.l.n.r.) und Claudia Aelker verließen gleich sechs Leistungsträgerinnen den Verein

Bild: Silvia Schmidt

noch in Sachen Konstanz zulegen, bleiben Verletzungsmiseren aus und behält das Sturmduo Thompson/Grings den Torriecher – dann, ja dann könnte es wirklich etwas werden für Duisburg. Aber wenn das Wörtchen „wenn“ eben nicht wäre - und genau deshalb ist eben genauso gut möglich, dass es doch wieder Frankfurt wird. Oder Potsdam.
Zumindest sollte es nicht nur spannend werden, sondern dies auch bis zum letzten Spieltag. War der Titelkampf in der letzten Saison schon am 3. Spieltag der Rückrunde vorentschieden, steht diesmal das Duell zwischen Frankfurt und Potsdam am drittletzten Spieltag an, das zwischen Duisburg und Frankfurt gar am letzten Spieltag im Duisburger PCC-Stadion. Auch der DFB rechnet also durchaus mit einem ganz starken FCR...

Die drei bereits besprochenen Teams scheinen die ersten drei Tabellenplätze bereits gebucht zu haben – wer könnte danach folgen?

Was gelingt Bad Neuenahr mit dem neuen Trainer?

Bereits in der vergangenen Saison meldete der SC 07 Bad Neuenahr Ansprüche an, die Großen zumindest einige Male zu ärgern. Mit den Neuzugängen Minnert, Rech und da Mbabi erschien das durchaus realistisch, doch die fehlende Konstanz und interne Probleme, die im Frühjahr zum Rücktritt von Doreen Meier nach Ende der Saison führten, verhinderten den Sprung auf das imaginäre Podest. Am letzten Spieltag musste man gar dem FC Bayern München noch den vierten Platz abtreten.
Zur neuen Saison gelangen keine nennenswerten Verstärkungen bzw. müssten sich diese erst noch zeigen. Bianca Rech (Sunnana/Schweden) und Verena Hagedorn (Duisburg) müssen erst mal ersetzt werden. Dafür kam Nadine Hagmann vom Ligakonkurrenten FSV Frankfurt und wurde für die Torhüterposition mit Kerstin Wasems eine Spielerin mit Erstligaerfahrung reaktiviert. Ob sie oder Jasmin Paganetti das Tor der Kurstädterinnen hüten wird, ist allerdings noch unklar. Entscheiden wird dies der neue Trainer Dietmar Schacht, an dem es nun liegt, mehr aus dem personell stark besetzten Team rauszukitzeln und für die dafür nötige Konstanz zu sorgen.

Das größte Potenzial für einen Platz in der oberen Tabellenhälfte sehe ich weiterhin beim FC Bayern München und auch beim zuletzt abstiegsgefährdeten Hamburger SV. Bayern München wird zwar an dem Verlust von Tanja Wörle und Katharina Grießemer (beide zum HSV) zu knabbern haben, doch stellt der Verlust von Leistungsträgerinnen für das Münchner Team keine neue Situation dar. Immer wieder kann die Frauenabteilung des führenden deutschen Fußballvereins Spitzenspielerinnen nicht halten, weil der Gesamtverein der Abteilung die Mittel kürzt. Gut, wenn man dann eine Trainerin wie Sissy Raith ( siehe Interview) hat, die es in beeindruckender Weise versteht, aus der Not eine Tugend zu machen und dennoch ein schlagkräftiges Team zu formen. „Entscheidend werden wieder die ersten Spiele nach der Sommerpause für uns sein. Wenn es uns gelingt, einen erneut guten Start hinzulegen, kann es abermals mit einem Platz in der oberen Hälfte der Tabelle klappen“, so Raith. Doch zumindest die ersten Spiele haben es in sich: am zweiten Spieltag kommt der Meister aus Frankfurt, dann geht es nach Bad Neuenahr, ehe man in Aschheim den FCR Duisburg empfängt. Andererseits sind die meisten „dicken Brocken“ dann schon vorbei – und man kann zuversichtlich sein, dass es Raith wieder gelingt, mit ihrem Team danach Punkt um Punkt einzufahren, um sich in oberen Tabellenregionen zu bewegen.

Bianca Rech wechselte vom SC 07 Bad Neuenahr nach Schweden zu Sunnana SK

Bild: Volker Lieberum

Obere Tabellenregionen – die waren in der letzten Saison für den Hamburger SV doch ziemlich weit entfernt. Nachdem im letzten Jahr insbesondere der Verlust von Britta Carlson, die gen Potsdam wechselte, nicht zu kompensieren war, verlässt den Verein nun auch die zweite Nationalspielerin, nämlich Sarah Günther in Richtung Frankfurt. Doch während Carlson, die mittlerweile auch in der Nationalmannschaft eine echte Größe darstellt, die Schaltzentrale war, dürften die Neuzugänge Tanja Wörle und Katharina Grießemer den Verlust wieder aufwiegen. Zudem blieb Aferdita Kameraj, die lange Zeit von Turbine Potsdam umworben wurde, dem Verein erhalten, und kam mit U19-Nationaltorfrau Tessa Rinkes ein junges Talent an die Elbe. Potenzial, das auszuschöpfen nun die Aufgabe des neuen Trainergespanns um Achim Feifel und Daniel Gehrke ist. Erste Veränderungen deuteten sich in der Vorbereitung bereits an. So stellte der neue Coach das System von 4-4-2 auf 4-2-1-3 um, um schneller aus der Abwehr spielen zu können. Zudem soll so Torjägerin Tanja Vreden, die zuletzt zu sehr auf sich allein gestellt war, besser über die Außen bedient werden können. Eine Reihe von Verletzungen allerdings darf nicht kommen – denn der zweite Anzug des HSV ist nicht erstligareif.

Die Kandidaten für das Mittelfeld

Mit einem kleinen Abstand zu den bisher genannten Teams sehe ich danach ein Trio aus dem SC Freiburg, Essen-Schönebeck und dem FFC Brauweiler. Nach meiner Prognose, doch glücklicherweise ist auch im Frauenfußball eine Prognose eben nur eine Vermutung, dürfte es für diese Teams nicht für die obere Tabellenhälfte reichen. Sie sollten es aber schaffen, den Klassenerhalt schon vor den letzten Spieltagen zu sichern.

Der SC Freiburg ist ein klassisches Team für einen Mittelfeldplatz. Um weiter nach oben zu kommen, bräuchte das Team mehr herausragende Spielerinnen wie Melanie Behringer oder Torfrau Alexandra Schwald. Nicht nur U21-Nationalspielerin Behringer hält dem Club aus dem Breisgau weiterhin die Treue – überhaupt liegt die Stärke der Freiburgerinnen auch darin, ein eingespieltes Team aus Spielerinnen zusammenzuhaben, das bis auf wenige Veränderungen bereits viele Jahre in dieser Konstellation zusammenspielt. Auch zur neuen Saison blieb das Team größtenteils zusammen – sicherlich ein Vorteil für den neuen Trainer Dietmar Sehrig, der die Nachfolge von Thomas Reger antritt, nachdem dieser aus privaten Gründen den SC Freiburg verließ.

Für die SG Essen-Schönebeck gilt der altbekannte Satz, dass das „zweite Jahr das schwerste ist“. Doch auch nur bedingt, denn wenn man so will, dann glich die Rückrunde schon fast einem „zweiten Jahr“. Einem tollen


Saisonstart folgte der Einbruch in der Rückrunde, sodass der Klassenerhalt erst auf der Zielgerade gesichert werden konnte. Für die neue Saison bieten sich im Angriff mit Neuzugang Stefanie Weichelt ( siehe Interview), die beim FFC Frankfurt sowohl nationale als auch internationale Erfahrungen sammeln konnte, nun mehr Alternativen, sodass Torjägerin Charline Hartmann nicht länger als Alleinunterhalterin fungieren muss. Mit Melanie Hoffmann ( siehe Interview), die – in der Winterpause reaktiviert – entscheidenden Anteil am Klassenerhalt hatte, konnte zudem eine wichtige Leistungsträgerin gehalten werden. Und wenn man aus den schmerzhaften Erfahrungen der Rückrunde gelernt hat, dann sollte die SG Essen-Schönebeck auch in der Saison 2006/2007 im Fußball-Oberhaus vertreten sein.

Der Traditionsverein FFC Brauweiler Pulheim hat sich nach dem Abstieg in der Saison 2003/2004 nun sofort wieder in der 1. Liga zurückgemeldet. Mit klarem Vorsprung sicherte sich das Team von Trainer Willi Küpper in der 2. Liga Nord den ersten Platz. Doch das Team aus dem Aufstiegsjahr ist nicht das Team für die 1. Liga. Leistungsträgerinnen wie Stürmerin Anja Koser oder Abwehrchefin Tünde Nagy beendeten ihre Karriere, U19-Nationalspielerin Katrin Schmidt geht ins Ausland. Alleine Koser und Schmidt erzielten in der vergangenen Saison zusammen 41 Tore. Ein personeller Umbruch ist also unverkennbar. Aber die Neuzugänge machen Hoffnung, dass der Umbruch gelingt. Mit Leah Sims aus den USA kam eine neue Kraft für die Viererkette, mit Barbara Legrand eine bundesligaerfahrene Torfrau und Stürmerin Mariana Ciorba bekam mit der erfahrenen Alexandra Muresan von der SpVgg Oberaußem-Fortuna eine starke Sturmpartnerin an ihre Seite. Alles in allem sollte der Klassenerhalt daher zu erreichen sein.

Anja Koser war in der letzten Saison mit 27 Toren Torschützenkönigin des FFc Brauweiler. Jetzt beendete sie ihre Karriere

Bild: Nora Kruse

2006/2007 wieder dabei?

Die größten Sorgen um den Klassenerhalt müssen sich meiner Einschätzung nach der VfL Sindelfingen und der FFC Heike Rheine machen. Der FSV Frankfurt scheint nach einem nahezu totalen personellen Wechsel als sicherer Absteiger schon vor dem ersten Anpfiff festzustehen.

Das Team des VfL Sindelfingen ist schwer einzuschätzen, da es nur wenige Spielerinnen mit Erstligaerfahrung aufweist, gleichzeitig aber im letzten Jahr gezeigt hat, dass es einen langen Atem hat und an den letzten Spieltagen noch mal entscheidende Punkte einfahren kann. Mit der neuen Torfrau Alisa Vetterlein, die vom SC Freiburg kam, und einer eingespielten Mannschaft will man die Klasse halten ( siehe Interview mit Manager Siegfried Althaus). Während der erste Spieltag, an dem man in Potsdam antritt, noch keinen Aufschluss darüber geben wird, wie Sindelfingen einzuordnen ist, wird sich insbesondere in den Spielen gegen direkte Konkurrenten erweisen, ob die Sindelfingerinnen sich in der 1. Liga halten können oder das Abenteuer 1. Bundesliga erst einmal vorbei sein wird.

Große Probleme könnte auch der FFC Heike Rheine bekommen, der – in der Saison 2003/2004 noch Dritter – in der vergangenen Saison deutlich abgebaut hat. Weniger durch den verletzungsbedingten Ausfall von Nationalspielerin Kerstin Stegemann, als durch finanzielle und personelle Probleme, die sich jetzt in dem Verlust von gleich sechs Leistungsträgerinnen (Migchelsen, Aelker, Ran, Flacke, van den Berg, Richter) äußern.
Zur neuen Saison kamen denn auch gleich zehn neue Spielerinnen, überwiegend junge Talente, mit denen jetzt aus der Not eine Tugend gemacht werden soll. Insbesondere zu erwähnen sind hier die Verpflichtungen von U19-Torfrau Friederike Bittner (aus Gütersloh) und U17-Nationalspielerin Nathalie Bock (Wattenscheid). Beruhigend für Trainerin Nicole Werner, dass Kerstin Stegemann nach ihrer Knieverletzung aus der Europameisterschaft und Stürmerin Jessica Torny nach ihrem Kreuzbandriss von Saisonbeginn an einsatzbereit sind.

FSV-Trainer Frank Fahle musste gehen. Die Mannschaft ging - nahezu komplett - daraufhin auch.

Bild: Tom Schlimme

Bleibt noch der FSV Frankfurt, für dessen Klassenerhalt es sicherlich die mit Abstand höchsten Wettquoten gäbe. Die Probleme der letzten Saison sind bekannt – zur Winterpause kam mit Frank Fahle ein neuer Trainer, mit dem die Mannschaft gut zusammenarbeitete und früh die Abstiegsregionen verlassen konnte. Doch dann präsentierte die Abteilungsleitung im Rahmen des Spiels gegen Turbine Potsdam mit Frank Schwalenberg einen neuen Trainer für die kommende Saison. Solidaritätsbekundungen für Frank Fahle von Seiten der Spielerinnen, Ankündigungen, auch zu gehen, wenn Fahle gehen müsse, und schließlich der Weggang nahezu aller Spielerinnen waren die Folge. Mit Ivonne Baerthel, Annika Stunz, Torfrau Verena Volz, der noch verletzten Anna Marciak und Safi Nyembo, die in der vergangenen Saison Kurzeinsätze beim FFC Frankfurt bekam, haben lediglich fünf Spielerinnen Erstligaerfahrung. Der Etat ist mit 90.000 Euro (70.000 Euro davon sind TV-Gelder) nicht erstligatauglich und so könnte es gut sein, dass im Falle des wahrscheinlichen Abstiegs die Frauenfußball-Abteilung des FSV Frankfurt, einst Aushängeschild des Clubs vom Bornheimer Hang (dreimal Deutscher Meister), am Ende ist. Ein Traditionsverein, dessen Verlust die Liga schmerzen wird.

Prognose hin oder her – am Sonntag rollt endlich wieder der Ball und wir werden verfolgen dürfen, welche Überraschungen, Enttäuschungen und Triumphe die neue Saison zu bieten hat.

Das FanSoccer-Team, das die neue Saison natürlich wieder umfassend begleiten wird, wünscht allen Spielerinnen eine verletzungsfreie Saison!

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