1. Liga

Comeback in Schönebeck

Interview mit Melanie Hoffmann

Fotos und Text: Volker Lieberum

15.6.2005 Mein erstes Frauenfußballspiel sah ich im Mai 2002, die Begegnung Frankfurt gegen Duisburg. Zwei Dinge sind mir da besonders in Erinnerung geblieben, Nias dritter Kreuzbandriss und ein kleiner Wusel auf Duisburger Seite mit der Nummer 10. Die Spielerin absolvierte ein unheimliches Laufpensum und motivierte dabei noch ihre Mitspielerinnen. Es war Melanie Hoffmann, die ich gerne in den nächsten Jahren wieder einmal spielen gesehen hätte, doch leider kam es nicht mehr dazu. So blieb sie für mich, nachdem sie 2004 mit dem Fußball spielen aufgehört hatte, unerreichbar. Doch sollte man die Hoffnung niemals begraben, denn seit Anfang April stellt sie der Mannschaft von Essen-Schönebeck ihr Können zur Verfügung und so konnte ich sie nach fast drei Jahren am 10. April das erste Mal treffen und persönlich kennen lernen. Am 1. Mai unterhielten wir uns längere Zeit und Mel stellte sich erst einmal vor.

Melanie: Ja, der kleine Wusel mit der Nummer 10 war ich. Mein Name ist Melanie Hoffmann, ich bin am 29. November 1974 in Haan geboren und gehöre damit zu den schon etwas älteren in der Mannschaft. Ich bin ledig, und habe längere Zeit studiert und dann das Sportstudium abgeschlossen. Anschließend habe ich eine Ausbildung als Hotelfachkauffrau absolviert und arbeite jetzt in einer großen Versicherungsagentur. Das ist damit so mein beruflicher Werdegang.

Mel, privat unheimlich sympathisch

Mein sportlicher Werdegang sieht so aus, ich habe 1979 angefangen Fußball zu spielen, damals war ich fünf Jahre alt. Ich bin wie fast alle Mädels durch Freude zum Fußball gekommen, mein Vater meinte dann, komm geh erst einmal in einen Verein, das war der Haager SV, eine Düsseldorfer Mannschaft. Dort war ich dann bis zur E-Jugend; wir sind anschließend umgezogen und da habe ich ein Jahr in Xanten gespielt. Von dort ging es wieder zurück nach Düsseldorf, hier habe ich noch mal ein Jahr gespielt. Danach ging es zu Fortuna Düsseldorf und ich habe dort 1 ½ Jahre mit den Jungs spielen dürfen und musste dann leider in die Mädchenmannschaft wechseln. Das hat mir überhaupt nicht gepasste, "weil Mädchen konnten kein Fußball spielen". Irgendwann landete ich dann in Duisburg, Rumeln-Kaldenhausen. Hier habe ich sechs Jahre gespielt, bis daraus der FCR 2001 Duisburg wurde.

Volle Konzentration im Spiel

Es kam dann aus der Profiliga Amerikas, der WUSA, ein Angebot, so bin zu den Philadelphia Charge gegangen und habe ein Jahr dort gespielt. Anschließend kam ich zurück nach Duisburg und habe


Zurück in der Bundesliga, Melanie Hoffmann

mich nach einem Spiel schwer verletzt. Ich habe dann aus sportlichen und beruflichen Gründen in Duisburg aufgehört.

FanSoccer: 2004 musste ich leider lesen, dass du deine Fußballkarriere an den Nagel hängst, um dich mehr deinem Beruf widmen zu können.
Ich hatte eine schwere Verletzung gehabt und wurde deshalb auch operiert. In dieser Zeit hatte sich mein alter Arbeitgeber überlegt, was sie mit mir machen könnten und mir ein gutes Angebot für das Hotel Rheinpark in Reest gegeben. Ich sollte dort eine leitende Position besetzen. Da es mir in Duisburg auch nicht mehr gefallen hat, mir dort einiges nicht gepasst hat, kam dieses Angebot zu dem Zeitpunkt gerade richtig. Diesen Schritt bereue ich auf gar keinen Fall. Gut, aufzuhören Fußball zu spielen schon, aber nicht von Duisburg weggegangen zu sein.

Erzähl uns etwas genauer, warum der Beruf dir wichtiger war.
Ich hatte damals meine Ausbildung als Hotelkaufrau in Goch begonnen als das Angebot aus den USA kam, so dass ich meine Ausbildung abgebrochen bzw. unterbrochen hatte. Als ich aus den Staaten zurückkam, hatten meine Eltern den Arbeitgeber gewechselt und sind von Goch nach Reest gezogen. Da hatte man mir die Möglichkeit gegeben die Ausbildung fortzuführen. Da mir das Hotel so entgegengekommen war und mir als Berufsanfänger diese leitende Position angeboten hatte und ich damit auch viel mehr Geld verdienen konnte, habe ich das natürlich wahrgenommen. Denn Volker bedenke bitte, wir haben im Frauenfußball einen Amateurstatus, wir machen alles in unserer Freizeit, wir bekommen Geld kein dafür. Höchsten eine Fahrgeld- und eine Aufwandsentschädigung; das war's. Im Grunde ist das etwas Idealismus, was wir hier machen. Somit habe ich meine Priorität in den Beruf, in meine Zukunft. Das ich jetzt in eine ganz andere Sparte gerutscht bin, das ist etwas anderes.

Erst dachte ich an einen Aprilscherz als ich hörte, die Melanie spielt wieder bei der SGS Essen-Schönebeck und ich dich endlich wieder gefunden hatte. Wie kam es dazu?
Das erste Spiel hatte ich am 03. April, sonntags, in Freiburg. Den Mittwoch davor rief mich Stephanie Schubert an und meinte zu mir, Mel, hast du Lust mitzutrainieren? Nun ich sage, du, ich habe jetzt ein Jahr nicht mehr aktiv auf dem Feld gespielt. Zwar hatte ich ab und zu in der Halle gespielt, aber das ist ein ganz anderer Bewegungsablauf. Na ja, sagte ich, ich komme einfach mal. Donnerstags beim Training wurde ich direkt herzlich empfangen. Keiner meckerte da, "ah, jetzt kommt die Hoffmann mal wieder. Einmal trainiert und schon will sie sonntags mitspielen". Ich war sofort in das Team integriert.


Also im Grunde war es nur der Anruf von der Schubi, die mich gefragt hatte, ob ich Zeit und Lust hätte und ich sagte, "klar, ich komme gerne und wenn ich euch helfen kann, probieren wir es einfach". Konditionell bin ich zwar noch nicht auf dem Laufenden, aber mittlerweile geht es, denn ich tue auch privat unheimlich viel dafür und ich merke, dass es aufwärts geht. Für die neue Saison erhoffe ich mir natürlich noch mehr.
(Du rennst wieder rum wie frühe, überall und nirgends)
Nein nicht ganz, ich merke es nach 70/ 80 Minuten, da muss ich dann einmal durchpusten, aber das wird schon besser.

Wie hast du dich in der Zwischenzeit fit gehalten? Hast du irgendwo Fußball gespielt?
Ich habe natürlich nicht von heute auf morgen aufgehört Sport zu treiben. Ich joggte regelmäßig, so dass ich konditionell immer ganz, ganz weit oben war. Darum hatte ich also, kaum einen Leistungsabfall gehabt. Letztes Jahr im September war bei mir der Verdacht auf einen Bannscheibenvorfall aufgekommen, da konnte ich zwei/ drei Monate gar nichts machen, hatte strengstes Sportverbot. Doch wie es sich nachher herausstellte, waren zwei Wirbel draußen, die dann wieder eingerenkt worden sind. Ich war auch sonst die ganze Zeit fit und habe jetzt vier bis fünf Kilo weniger als in Duisburg.

Melanie mit Bibiana Steinhaus

In Mönchengladbach gibt es ein Fußballcenter, d.h. "Laola", dort spiele ich regelmäßig in der Halle mit den Herren Fußball. Das macht riesigen Spaß, 1 ½ Stunden durch, ohne Pause und da geht es schon ganz schön auf die Puste. Nur sind es eben ganz andere Bewegungsabläufe.

Was schätzt du, wie viel Prozent deiner Leistungsfähigkeiten du schon wieder erreicht hast?
Ich würde sagen 60 - 70%, glaube mittlerweile sind es 70%. Aber das steigert sich von Woche zu Woche, das geht ratz-fatz und ich merke das auch selber, denn ich fühle mich fiter und kann längere Laufwege gehen.

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