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1. Bundesliga

Der Fluch des Remis

Die Saison 2007/2008 bei der SG Essen Schönebeck

Text von Heinz Günter Sporkel
Bilder von Tom Schlimme

2.7.2008   Nach einer abwechslungsreichen Saison beleuchtet Heinz Günter Sporkel die Entwicklung „seines” Vereins, der SG Essen Schönebeck, bewertet die Leistung einzelner Spielerinnen und gibt am Ende eine Zukunftsprognose:

Saisonverlauf:
Die Saison hatte für den Bundesligaklub Höhen und Tiefen. In der Hinrunde verschenkte man mit zu vielen Unentschieden eine bessere Platzierung. Die Anzahl der Remis-Ergebnisse wirkte sich immens auf die Endtabelle aus. Nach den 11 Spieltagen der Hinrunde hatte Essen bereits sechsmal unentschieden gespielt! Kurios: in der Rückrunde kam kein einziges Remis mehr dazu, so dass die SG Essen Schönebeck dann am letzten Spieltag noch von den Abstiegsduellanten Hamburg und Saarbrücken eingeholt wurde, die es mit dem 1:1 in Hamburg ebenfalls auf sechs Unentschieden in der Saison brachten.

Das Eichhorn ernährt sich mühsam. Wenn es auf den Platz mal lief, gab es kuriose Schiedsrichterentscheidungen, ein Beispiel der geschenkte Elfmeter für Turbine Potsdam (1:1) in der letzten Spielminute. Bitter die Niederlage gegen Duisburg. Hier hatte man die Chancen der ersten Halbzeit liegengelassen und verlor 2:3. Trotzdem war es das beste Spiel der SGS vor der Winterpause.
Es folgten gegen Jahresende Siege in Freiburg und gegen Crailsheim. Die Mannschaft landete zur Winterpause auf Rang fünf. Peinlich nur der Pokalauftritt gegen Duisburg. Chancenlos verlor man auch in der Höhe verdient mit 1:5. Insgesamt war die Hinrunde durchwachsen, teilweise wurde schlechter Fußball geboten. Guter Fußball wurde durch Unvermögen im Ergebnis zunichte gemacht.

In der Winterpause entwickelte sich der Wechsel von Linda Bresonik. Bei einem Live Chat im isf.de waren arge Differenzen wahrzunehmen. Die Weltmeisterin wollte zu einem Top-Klub wechseln. Während fast alle SGS Fans mit einem Wechsel zum Ligakrösus 1. FFC Frankfurt rechneten, war die Bekanntgabe des Wechsels zum Reviernachbarn FCR Duisburg dann eine große Überraschung.

Linda Bresonik

Linda Bresonik, in der vorigen Saison die herausragende Leistungsträgerin des Teams, wechselt nach Duisburg und zeigte sich in dieser Spielzeit in Essen mit Licht und Schatten

Die Rückrunde begann mit einem Pflichtsieg beim Absteiger Wattenscheid 09. Danach der miserable Auftritt im Heimspiel gegen den FFC Frankfurt. (1:7 !)
Es gab in der Rückrunde eine Niederlagen- sowie eine Siegesserie. Doch am Ende der Saison spielte Essen einen hervorragenden Ball. Herausragend der erste Bundesligasieg beim großen Nachbarn und späteren Vize-Meister FCR Duisburg mit 4:1.

Melanie Hoffman entwickelte wieder ihre alte Torgefährlichkeit. Die „alte” Dame erlebte wieder einen tollen Frühling mit hervorragenden Leistungen. Dazu spielte sich Stefanie Weichelt in den Vordergrund. Abwechselnd mit Hoffmann erzielte „Knirpsi” eine Hütte nach der anderen. Am Ende der Saison hätte man die Meisterschaft in andere Bahnen lenken können. Die Riesenkulisse in Frankfurt lähmte aber Schönebeck mehr als den Deutschen Meister. Am Ende der Spielzeit ereichte die SG Schönebeck nur den siebten Tabellenrang, mit dem die eigenen Ansprüche nicht ganz erfüllt wurden. Die Unentschiedenserie der Hinrunde lag wie ein schwerer Stein vor der Haustür. Es war tabellarisch mehr drin für den Ruhrgebietsklub.


Danke an die Fans

Danke an die Fans am letzten Spieltag in Frankfurt: das Team der SG Essen Schönebeck wurde von einem kleinem Trupp treuer Fans unterstützt, die mit einem vom Verein organisierten Fanbus angereist waren

Tor:
Im Tor gab es keine Probleme in Essen. Steffi Löhr fing als Nummer Eins an und hielt gewohnt souverän. Natürlich ist der eine oder andere Klops nicht von der Hand zu weisen, doch Löhr strahlte insgesamt die gewohnte Souveränität aus.
Lisa Weiß spielte sich in der Rückrunde ins SGS Gehäuse. Von ihr gibt es weiter unten unter der Überschrift „Gewinner der Saison” mehr zu lesen.

Abwehr:
Marina Himmighofen wurde als Ersatz für Steffi Schubert verpflichtet. „Himmi” spielte eine tolle Saison und ist sofort eine Leistungsträgerin geworden.
Carina Chojnacki gehört ebenfalls zu den wichtigsten Stützen. Fällt die robuste Abehrspielerin aus, fehlt ein Mosaikstein im Team.
Sabrina Duhme mit einer durchwachsenen Saison. Die Abwehrspielerin steigerte sich aber in der Rückrunde. Hier fehlt aber die Konstanz.
Ein absoluter Gewinn war die Hochstufung aus dem Juniorenbereich von Inka Wesely!
Insgesamt gab es in der Abwehr in der Saison mal Hui- und mal Pfui-Erlebnisse. Mal strahlte man Souveränität aus wie in Duisburg oder gegen Bayern München. Doch man hatte auch den Hang, mal löchrig wie ein Schweizer Käse zu sein. Hier muss die SGS noch stabiler werden.

Marina Himmighofen und Conny Pohlers

Marina Himmighofen (links, im Zweikampf mit Conny Pohlers) erwies sich als wichtige Verstärkung der Essener Abwehr

Mittelfeld:
Das Mittelfeld verliert mit Linda Bresonik an gewichtiger Qualität. Bresonik ist eine Ausnahmespielerin und nicht zu ersetzen. Doch in dieser Saison hatte Linda gerade im Bezug Konstanz ihre Probleme. Des öfteren verfiel Bresonik in eine Michael-Ballack-Mentalität, man sah die Spielerin nicht.
Essen wird trotzdem Bresonik’s Qualitäten vermissen.
Melanie Hoffmann wurde in der Rückrunde mit mehr Freiheiten nach vorne ausgestattet. Mit dieser Freiheit wurde die Spielerin zu einer Torkanone. Eine tolle Rückrunde für Mel.
Franci Weber und Susanne Kasperczyk gaben den Mittelfeld wichtige Impulse. Doch habe ich die persönliche Meinung, dass da noch mehr kommen kann.
Wichtig bei soviel Offensive ist auch eine Spielerin für die „Schweinearbeit”. So hält Stephanie Mpalaskas dem offensiven Mittelfeld den Rücken frei. Man sieht „Em-Pi” nicht, sie verrichtet ihre Arbeit, ohne aufzufallen und dies verdammt gut.

Ralf Agolli und Francesca Weber

Ralf Agolli, hier mit Francesca Weber, trainiert die SGS seit 2001. Er hat den Verein in die erste Liga geführt und stellt eine Institution in Essen dar


Sturm:
Stefanie Weichelt ist im Sturm momentan der Ballermann. Die Frau macht vor dem gegnerischen Tor mächtig Theater. Weichelt ist eine feste, souveräne Größe im SGS Spiel.
Charline Hartmann war immer SGS Torjägerin Nummer Eins. Diese Zeiten scheinen nun allerdings vergessen zu sein. Hartmann landete auf Grund ihrer Leistungen auf der Bank und wird wohl einen anderen Weg einschlagen.
Isabelle Linden wurde von Fortuna Köln in der Winterpause geholt. Die Jung-Nationalspielerin traut sich eine Menge zu. Ihre Technik sowie ihre Körperhaltung sprechen Bände. Hier hat man ein Juwel an die Ruhr geholt.

Isabelle Linden

Isabelle „Bella” Linden, in der Winterpause von Fortuna Köln nach Essen gekommen, präsentierte sich als vielversprechendes Talent, von dem noch viel zu erwarten ist

Taru Laihanen wurde in der Winterpause aus Finnland geholt. Taru wurde zum kleinen Publikumsliebling. Ihre Gelassenheit und ihre Freundlichkeit, dazu immer ein nettes Lächeln zeichnen die Stürmerin aus. Laihanen hätte eine längere Einsatzzeit verdient gehabt. Die Fans hätten die junge finnische Nationalspielerin gerne weiter „Am Hallo” gesehen.

Taru Laihanen

Die junge finnische Nationalspielerin Taru Laihanen spielte sich schnell in die Herzen der Fans, erhielt jedoch wenig Einsatzzeit und geht, vom Heimweh geplagt, zurück nach Finnland

Trainer
Ralf Agolli, seit 2001 bei der SG Essen Schönebeck. Ein anderer Trainer ist undenkbar in Essen. Für den Frauenfußball ein absoluter Gewinn. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, der auch mal gerne Tacheles spricht und sich nicht in seine Arbeit reinreden lässt. Abnutzungserscheinungen sind nach sieben Trainerjahren auch nicht zu erkennen. Der Job macht Spaß und die Mannschaft hört auf den Trainer.
Er versteht es, Talente in die Mannschaft einzubauen. Jungen Spielerinnen ihre Auszeit zu geben. Wer nicht mitzieht, kann genauso sein Fett wegbekommen.
Kirsten Schlosser, seine Co Trainerin, ist seine wichtige Stütze.
Für Manager Willi Wißing gibt es keinen besseren Trainer für die SGS. Man hält zusammen wie Pech und Schwefel und dies auch in der nächsten Spielzeit.


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