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1.Bundesliga
Dreikampf um den Titel – kann sich Sindelfingen noch retten?
Hinrundenfazit Saison 2005/2006 | ||
Von Katja Öhlschläger03.01.2006 Sicher, werden Kritiker wieder einwenden, hohe Ergebnisse gibt es weiterhin, der Abstand des Spitzentrios zum Rest der Liga ist gewaltig – diese Kritik ist gewiss berechtigt und auch notwendig. Doch setzte sich auch in dieser Saison eine positive Entwicklung hin zu mehr Ausgeglichenheit und Spannung fort. Der FCR Duisburg konnte sich im Meisterschaftskampf etablieren, aus dem Zweikampf zwischen Frankfurt und Potsdam ist nun endgültig ein Dreikampf um den Titel geworden. Der Hamburger SV überraschte besonders zu Beginn der Saison, doch nicht nur den Hanseatinnen blieb es vorbehalten, Teams aus dem Spitzentrio unerwartete Punkteverluste zuzufügen. Der Titelkampf wird nicht mehr nur in den direkten Aufeinandertreffen entschieden – eine Reihe von Teams ist in der Lage, an einem guten Tag den Top-Mannschaften einen Strich durch die Rechnung zu machen. So musste sich vor allem der FCR Duisburg unerwartet oft mit einem Unentschieden begnügen – vier Mal - und kann den Meistertitel nun nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Noch ausstehende Nachholspiele – von besonderer Brisanz wird die Partie zwischen dem FFC Frankfurt und Turbine Potsdam am 15. April um 14.30 Uhr sein – haben, wie bereits aus den vergangenen Spielzeiten gewohnt, erneut eine verzerrte Tabelle zur Folge. Mit Bad Neuenahr, dem VfL Sindelfingen und der SG Essen-Schönebeck gibt es nur drei Teams, die alle elf Hinrundenspiele bereits absolviert haben. Dennoch hat die Tabelle klare Konturen gewonnen - den Meistertitel werden Potsdam, Duisburg und Frankfurt unter sich ausmachen, Bad Neuenahr, Hamburg und Essen kämpfen um ihre Position im Mittelfeld der Tabelle, Freiburg und München werden sich um Anschluss an dieses bemühen müssen, während Brauweiler und Rheine auf der Hut sein sollten, um nicht noch von Sindelfingen von einem Nicht-Abstiegsplatz verdrängt zu werden. Der FSV Frankfurt hingegen scheint als sicherer Absteiger festzustehen.
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Potsdams Torfrau Nadine Angerer, hier nach dem Finaleinzug im UEFA-Pokal in Stockholm, ließ erst vier Gegentore zu (im Hintergrund Karolin Thomas)
Den ersten Platz der Tabelle ziert derzeit UEFA-Cup-Finalist Turbine Potsdam. Die Potsdamerinnen waren mit einer Enttäuschung in die Saison gestartet, als sie gleich am dritten Spieltag gegen die Überraschungsmannschaft der ersten Spieltage, den HSV, ein Unentschieden hinnehmen mussten. Doch die Mannschaft fing sich, fand nach dem Weggang von Viola Odebrecht in die USA zu ihrem Spielsystem zurück, für die Brasilianerin Cristiane im Sturm endlich den passenden Platz und sammelte nicht zuletzt auch im UEFA-Cup Selbstvertrauen für nationale Aufgaben. In einem packenden Spiel in Duisburg bewahrten sich die Turbinen mit einem Unentschieden alle Chancen auf die Meisterschaft und ließen in der Folge keine Punkte mehr – der Tabellenvierte Bad Neuenahr wurde gar mit einem 7:1 aus dem „Karli“ gejagt. So führen die Potsdamerinnen die Tabelle bis zum Wiederbeginn mit einem Punkt vor Duisburg – bei einem Spiel weniger – und ebenso mit einem Punkt, allerdings einem Spiel mehr, vor Frankfurt an. Psychologisch sicher kein Nachteil – ebenso wie die Aussicht, dass Nationalspielerin Viola Odebrecht nach ihrem Jahr in Florida im April zu Turbine zurückkehren will.
Duisburg muss auf Fehler der anderen hoffen ![]()
In Natio (hier gegen Kanada) und Verein die Torschützin vom Dienst: Inka Grings, die mit 19 Toren die Torschützenliste überlegen anführt
andere, nicht das beste Verhältnis haben soll, nicht mehr als Sturmspitze auflaufen und erzielte folglich erst sechs Tore, während Teamkollegin Inka Grings mit 19 Toren die Torschützenliste anführt. Tore, auf die der FCR auch in der nächsten Saison nicht verzichten will - doch die Nationalstürmerin schweigt sich über ihre Zukunft noch aus – wobei das Angebot des unaufhörlich werbenden FC Indiana noch das unwahrscheinlichste sein dürfte -, sodass nach der Vertragsverlängerung mit Trainer Herhaus zwar die Trainerfrage bis 2007 geklärt ist, nicht aber das Gesicht der Mannschaft, aus der gleich mehrere Nachwuchstalente heftig umworben werden.
Der FFC Frankfurt hat bis zur Winterpause die beste Bilanz vorzuweisen, musste nur zu Hause gegen den FCR Duisburg ein Unentschieden hinnehmen. Strauchler, wie sie sich Duisburg und Potsdam leisteten, blieben aus – doch der zweite echte Härtetest nach dem Spiel gegen Duisburg steht im April noch aus, wenn Turbine Potsdam ans Brentanobad kommt. In der Rückrunde muss man dann bei den beiden Hauptkonkurrenten auswärts antreten und wie Potsdam mit der Dreifachbelastung Liga, Pokal und UEFA-Cup samt damit verbundener Nachholspiele klarkommen. Doch wird diese Belastung diesmal etwas geringer sein, da die Halbfinalspiele im UEFA-Cup bereits im November über die Bühne gingen. Zudem könnten die Frankfurterinnen von ihrem hochkarätigen, sehr ausgeglichenen Kader profitieren, der es ihnen ermöglicht, allen Spielerinnen von Zeit zu Zeit Pausen zu schenken – keine andere Mannschaft hat seine Spielminuten so gleichmäßig auf so viele Spielerinnen verteilt wie der FFC Frankfurt (Quelle: www.tabellator.de). |
Die erste Überraschung der Saison - der Hamburger SV, hier Kapitänin Alexandra Gärtner und Torfrau Bianca Weech, erreichte bei Turbine Potsdam ein Unentschieden | |
Das Loch danach
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Sandra Smisek startete als Neuzugang beim 1. FFC Frankfurt voll durch Doch diese 31 Tore reichten zu Tabellenplatz vier nach der Hinrunde für Bad Neuenahr, wobei Verfolger Hamburger SV punktgleich ist und ein Spiel weniger absolviert hat. Mit dem neuen Trainer Didi Schacht gelang der ersehnte Sprung nach ganz vorne nicht, gegen die drei Top-Teams konnte kein Punkt erkämpft werden – in Potsdam (1:7) und gegen Duisburg (1:9) mussten sogar herbe Niederlagen eingesteckt werden, sodass man in der Kurstadt platzierungsmäßig auf der Stelle tritt. Platz vier dürfte auch am Saisonende das Ende der Fahnenstange sein, muss allerdings auch hart erkämpft werden. Mithelfen dabei kann in der Rückrunde auch Neuzugang Linda Bresonik, die nach ihrem Premierenspiel im Pokal gegen ihren alten Verein aus Duisburg nun auch in der Bundesliga spielberechtigt ist. An weiteren Verstärkungen, ob schon in der Winterpause oder zur neuen Saison, sind die Neuenahrer dem Hörensagen nach auch dran. Ob dies in naher Zukunft zum Sprung an die Spitze reicht, wird sich zeigen müssen. Spitze ist Neuenahr allerdings in negativer Form in einer anderen Kategorie, nämlich bei der Kartenbilanz. Mit drei gelb-roten und 26 gelben Karten belegt Neuenahr hier den ersten Platz – zum Vergleich: der FFC Frankfurt, Turbine Potsdam, der FCR Duisburg und der HSV zusammen kommen gerade mal auf 21 gelbe Karten.
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Die SG Essen-Schönebeck, hier Charline Hartmann, Mirja Kothe und Sandra Deilmann (v.l.n.r.) beim Torjubel, hat sich in der 1. Liga etabliert
Wechselhafter HSV Rundum zufrieden kann man dagegen in Essen sein. 14 Punkte konnten bereits eingefahren werden, mit dem Abstieg wird die Truppe von Trainer Ralf Agolli, der sich unlängst für ein weiteres Jahr an die SGS band, nichts zu tun haben. Nachdem im letzten Jahr bis zuletzt um den Klassenverbleib gekämpft werden musste, liegen die Essenerinnen dieses Jahr nur zwei Punkte hinter dem ambitionierten SC 07 Bad Neuenahr und kündigen für die neue Saison bereits frühzeitig weitere Verstärkungen an. Die erfolgreiche Arbeit der Essener Verantwortlichen lässt sich darüber hinaus auch in den Zuschauerzahlen messen, denn mit durchschnittlich 858 Zuschauern liegt Essen hier hinter den drei Top-Teams auf dem vierten Platz. Während sich die SGS im Ruhrgebiet erkennbar einen Namen gemacht hat, hat sich dies offensichtlich noch nicht deutschlandweit rumgesprochen, denn mit gerade mal 295 Zuschauern im Durchschnitt, die die SGS auswärts angelockt hat, liegt sie auf dem letzten Platz (Quelle: www.tabellator.de).
Der SC Freiburg hat sich erwartungsgemäß im Mittelfeld platziert, konnte sogar den Duisburgerinnen ein Unentschieden abtrotzen und sollte mit dem Abstieg in diesem Jahr nichts zu tun haben. Abwehrspielerin Alexandra Stegmann, die im April von ihrem Studienjahr aus Kanada zurückkehren wird, kann daher ganz beruhigt in den Breisgau zurückkehren.
Nationalspielerin Bianca Rech, hier mit der U21 gegen Dänemarks Ditte Larsen, verstärkt in der Rückrunde den FC Bayern München Ähnlich sieht es beim FC Bayern München aus, der sich nach einem schweren Saisonstart – gegen den FFC Frankfurt, in Bad Neuenahr, gegen den FCR Duisburg – Schritt für Schritt die Punkte erkämpft hat und mit nun elf Punkten solide auf Platz acht rangiert. Da sich die Verletzung von Jugendnationalspielerin Julia Simic als weniger ernst als zunächst befürchtet erwies, Simic schon in der Hinrunde wieder auflaufen konnte und am Sonntag |
mit Nationalspielerin Bianca Rech ein namhafter Neuzugang vermeldet werden konnte, kann der FCB der Rückrunde gelassen entgegen sehen und sich vielleicht sogar noch um den ein oder anderen Platz verbessern, wie es den Münchnerinnen in der Vergangenheit schon mehrfach gelang.
Zittern bis zum Schluss? Nicht wenige hatten vor der Saison den Namen Heike Rheine auf den Lippen, wenn die beiden Absteiger prognostiziert werden sollten. Und tatsächlich konnten die Rheinenserinnen nur acht Punkte einheimsen, dürfen sich also gegen die direkten Konkurrenten aus Sindelfingen und Brauweiler keine Schlappe leisten. Der Weggang der langjährigen Leistungsträgerinnen Migchelsen, Aelker, Ran, Flacke, van den Berg und Richter konnte augenscheinlich nicht kompensiert werden. Auch die guten Leistungen der neuen Torhüterin Friederike Bittner, die aus der Mannschaft positiv herauszuheben ist, halfen da nur bedingt. Mit Juniorennationalspielerin Lena Wermelt, die in der letzten Woche verpflichtet wurde, hat der Verein sicher einen guten Griff getan, doch müssen weitere Verstärkungen folgen, will man nicht spätestens in der neuen Saison richtig in den Abstiegsstrudel geraten, wenn es keinen nahezu feststehenden Absteiger wie den FSV Frankfurt gibt. Der VfL Sindelfingen, der derzeit den elften Tabellenplatz belegt, sollte sich vielleicht die Rückrunde des TSV Crailsheim in der letzten Saison zum Vorbild nehmen. Zur Winterpause rechnete kaum jemand mehr mit den Crailsheimerinnen, die abgeschlagen den letzten Platz belegten. Doch in der Rückrunde zeigten sie, was man mit einem langen Atem alles noch erreichen kann. Für den Klassenerhalt reichte es am Ende dann doch nicht, doch Crailsheim hatte auch einen größeren Abstand als Sindelfingen, die in der Aufstiegssaison 2004/2005 bewiesen, dass sie einen langen Atem haben. Bis zum 15. Spieltag hatte damals Saarbrücken die Nase vorn, doch Sindelfingen hatte den besseren Endspurt. Unter dem neuen Trainer Günter Rommel gibt es für die Schwäbinnen also keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben, zumal die Anfangsschwierigkeiten in der Eliteklasse, die durch das mörderische Auftaktprogramm (bis zum 6. Spieltag gegen die derzeit vier bestplatzierten Teams) keineswegs gemildert wurden, überwunden sein dürften.
![]() Viel zu lachen gab es für Nicole Sprauer und den VfL Sindelfingen in der Hinrunde nicht - doch die Hoffnung sollte nicht aufgegeben werden
FSV Frankfurt - ein Traditionsverein vor dem Ende ![]() Ein Bild, symptomatisch für die Situation beim FSV Frankfurt - Anne Engel und Yvonne Baerthel schieben mächtigen Frust nach einer der vielen Niederlagen Verbesserung unter dem Dach des FSV Frankfurt ist daher nicht zu rechnen – es sei denn, man nutzte das Potenzial, das 80.000 Euro Tv-Gelder bieten, für die Frauen-Abteilung aus. Wahrscheinlicher erscheint da noch, dass der FSV Frankfurt im kommenden Jahr gänzlich von der Frauenfußball-Karte verschwindet und die Mannschaft beim FC Hanau 93 Unterschlupf finden könnte. Fest steht, dass sowohl Sindelfingen als auch Frankfurt nicht nur punktemäßig zu den vor ihnen platzierten Teams aufsteigen müssten. Nein, sie müssten sie punktemäßig auch überholen, da sie auch in punkto Torverhältnis weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen liegen.
Wir von FanSoccer freuen uns auf eine spannende und umkämpfte Rückrunde und wünschen allen Spielerinnen eine verletzungsfreie zweite Saisonhälfte! | |