Von Katja Öhlschläger 28.2.2005
Von einer dicken Schneedecke war der Rasen des Karl-Liebknecht-Stadions bedeckt, als die Spielerinnen von Gastgeber Turbine Potsdam und Gast Heike Rheine um 15 Uhr einliefen.
So mancher mag den Kopf geschüttelt haben, dass die Partie überhaupt angepfiffen wurde, stellte die Eissschicht unter dem Schnee für die Spielerinnen doch eine ernsthafte Verletzungsgefahr dar.
Aber Turbine Potsdam befindet sich angesichts der Dreifachbelastung durch Bundesliga, DFB-Pokal und UEFA-Cup (plus die nachzuholenden Spiele aus der Zeit der U 19-WM im November letzten Jahres) in akuter Terminnot und vermutlich ist es auch allein dadurch zu erklären, dass das Spiel überhaupt stattfand.
Jahr für Jahr ergeben sich für das auch international spielende Team gegen Ende der Saison große Terminschwierigkeiten - der lange Winter tut in diesem Jahr sein übriges dazu. Verständlich also, dass das Spiel um (fast) jeden Preis ausgetragen werden sollte. Dennoch ist es sicherlich eine grenzwertige Entscheidung gewesen. Meiner Meinung nach war der Preis zu hoch, denn die Gesundheit der Spielerinnen sollte nach meinem Empfinden trotz aller Terminschwierigkeiten absolute Priorität genießen.
Nichtsdestotrotz, das Spiel fand statt und es wurde schon bald klar, dass dieses Spiel kein gewöhnliches werden sollte. Der Griff in die Schuhkiste schien beiden Teams geglückt. Fast schon nicht mehr verwunderlich, bedeckt der Schnee doch bereits seit einigen Wochen deutschlandweit die Trainingsplätze. Doch der Ball blieb auf dem schneebedeckten Boden fast regungslos liegen, sobald er den Boden berührte, weshalb große Raumgewinne nur durch weite Pässe oder mühsames Aufbauspiel möglich waren.
Ein Kampfspiel also, bei dem Potsdam das Heft von Beginn an in die Hand nahm. Turbines erste Chancen durch Pohlers, Odebrecht und Wimbersky bleiben jedoch ungenutzt. Nach anfänglichem Druck gestaltet sich das Spiel in der Folgezeit ausgeglichener. Die meisten Szenen spielen sich im Mittelfeld ab, es gibt nur wenige Torraumszenen. Silke van den Berg und Liesbeth Migchelsen bei den Gästen sowie Britta Carlson und Inken Becher bei der Heimmannschaft gefallen durch gutes Stellungsspiel und unterbinden die Angriffsversuche der Gegner schon frühzeitig.
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Nach einer halben Stunde kommt Rheine dann erstmals so richtig gefährlich vor das Tor von Nadine Angerer, als Dyanne Bito an der rechten Strafraumgrenze in Szene gesetzt wird und einen satten Schuss abgibt, der jedoch nur den Weg zum Pfosten und nicht ins Tor findet.
Im direkten Gegenzug fällt dann das 1:0 für den amtierenden Deutschen Meister. Die Flanke von Anja Mittag streicht an Freund und Feind vorbei in den Strafraum und landet bei Petra Wimbersky – diese nimmt den Ball an und schiebt die orangefarbene Kugel souverän an Nadine Richter vorbei ins Tor. Wieder einmal ist es Petra Wimbersky, die ein für ihr Team wichtiges und richtungsweisendes Tor erzielt.
Potsdam spielt nun befreiter auf, Zählbares ergibt sich daraus bis zum – auch von den Zuschauern ersehnten (Aufwärmen!) - Pausenpfiff aber nicht mehr.
Hatten allen Grund zum Jubeln:
Britta Carlson, Conny Pohlers und Navina Omilade (v.l.n.r.)
Foto: Jan Kuppert
Nach dem Wiederanpfiff ein ähnliches Bild. Potsdam ist leicht feldüberlegen, die Gäste von der holländischen Grenze halten aber mit aufopferungsvollem Kampf dagegen und wahren ihre Chancen auf einen Punktgewinn immerhin bis zur 59. Minute, als Conny Pohlers mit dem 2:0 und nur eine Minute darauf mit dem 3:0 für die Entscheidung sorgt.
Die Messe ist gelesen, doch dass es auch danach nicht langweilig wird, dafür sorgt Cristiane. Als der brasilianische Neuzugang in der 63. Minute für Petra Wimbersky ins Spiel kommt, erheben sich einige Zuschauer gar von ihren Plätzen, um die Olympiazweite bei ihrem ersten Heimspiel willkommen zu heißen.
In der Folge dominiert Potsdam das Spiel klar, Rheine hat nur noch wenig entgegenzusetzen. Das 4:0 durch Ariane Hingst ist die logische Folge. Den 5:0-Endstand markiert Cristiane und feiert nicht nur deswegen ein gelungenes Hemdebüt.
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Mit ihren Dribblings, technischen Finessen und maßgenauen Pässen gab sie eine beeindruckende Kostprobe ihres Könnens – zweifelsohne ein Genuss, ihr zuzusehen.
Neuzugang Cristiane erzielte heute ihr erstes Bundesligator
Foto: Jan Kuppert
Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätten Dyanne Bito Mitte der ersten Hälfte nicht den Pfosten, sondern in die Maschen getroffen. Doch für „hätte, wenn und aber“ kann man sich nichts kaufen und so gewann – wenn auch in dieser Höhe nicht angemessen – die überlege und in ihrem Vorwärtsdrang zielstrebigere Mannschaft.
Besonders für Rheine, aber nicht nur für Rheine hieß es nach dem Spiel dann Wunden lecken. Wohl kaum eine Spielerin dürfte den Platz gestern ohne eine Schürfwunde verlassen haben. Bleibt zu hoffen, dass keine Spielerin ernsthafteren Schaden davongetragen hat.
Turbine Potsdam:
Angerer, Fuss, Carlson, Becher, Hingst, Omilade (75. Thomas), Odebrecht, Wimbersky (63. Cristiane), Mittag, Pohlers, Zietz
Heike Rheine:
Richter, Aelker, Flacke, Migchelsen, van den Berg, Ran (78. Scholz), Holtgräve, Stegemann, Siegers, Heuvels, Bito
Tore:
1:0 Wimbersky (30.)
2:0 Pohlers (59.)
3:0 Pohlers (60.)
4:0 Hingst (68.)
5:0 Cristiane (70.)
Gelb: Mittag - Aelker
Schiedsrichterin: Janssen (Emden)
Zuschauer: 652
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