Von Tom Schlimme 14.4.2005
Am Ende zählte nur noch der Sieg. Selten hat ein Schlusspfiff solche Begeisterungsstürme am Bornheimer Hang ausgelöst wie gestern nach dem Spiel gegen den Hamburger Sportverein.
Nachdem die Spiele nach der Winterpause bisher vier Niederlagen in Folge gebracht hatte, verhelfen die drei Punkte dem FSV nun doch noch zu einem kaum einzuholenden Abstand zu den Abstiegsplätzen, so dass nun in Ruhe für die nächste Saison geplant werden kann. Doch die Spielerinnen des HSV waren zu recht sehr enttäuscht über ihre Niederlage, denn sie waren sehr nahe dran gewesen, wenigstens einen Punkt vom Hang zu entführen.

Nadine Hagmann schoss das schönste Tor des Tages Bild: Volker Lieberum
Nachdem Nadine Hagmann in der 12. Minute nach schönem Zuspiel von Patrizia Barucha aus gut 20 Metern mit einem Bombenschuss die Führung für den FSV erzielt hatte, sah es lange so aus, als würde der FSV dieses Spiel locker gewinnen können. Zu unbedarft wirkte das Team des HSV, zu oft glich das Spiel vor allem des HSV eher einem Schulhofgebolze als einer Bundesligabegegnung, wenn der Ball immer wieder planlos senkrecht in die Höhe befördert würde, als gelte es, einen Preis für die Kerze des Tages zu gewinnen. Doch auch die Spielerinnen des FSV wirkten häufig eher unbeholfen gegen einen schwachen Gegner. In der 39.Minute hätte Maja Schubert nach katastrophalen Abwehrfehlern für den HSV ausgleichen können, doch frei vor dem Tor schoss sie aus kurzer Entfernung über den Kasten. Auf der Gegenseite hatte allerdings auch Sandra Smisek eine ähnliche Chance ausgelassen, als sie wohl selber überrascht war, dass ein Ball, der sie nie und nimmer hätte erreichen dürfen, doch noch zu ihr durchkam, und sie dann ebenfalls überhastet über das Tor schoss. So ging es dann mit dem 1:0 in die Pause.
Nach der Pause schien die Partie dann im gleichen Stil weiterzugehen, der FSV leicht überlegen, aber durch zu häufige Abspielfehler ohne zwingende Chancen, der HSV eher planlos. Doch in der 50.Spielminute ertönte plötzlich ein Pfiff, und es gab Elfmeter für Hamburg nach Foul an Maja Schubert im Strafraum. Nationalspielerin Sarah Günther schickte Ursula Holl in die Ecke und versenkte das Leder in der Mitte des Tores.
Nur wenig später aber mußte auch Bianca Weech, Torhüterin des HSV, den Ball aus den Maschen ihres Netzes holen. Ihre eigene Mitspielerin Frederike Engel hatte eine von links gezogene Flanke unglücklich mit voller Wucht getroffen und aus 18 Metern unhaltbar eingeschossen, ein Tor, das, wäre es auf der richtigen Seite gefallen, jeder Stürmerin zur Ehre gereicht hätte.
Damit war der alte Abstand wieder hergestellt, doch sicherer wurden die Aktionen des FSV dadurch nicht. In der 60. Minute stand es
|
Saskia Bartusiak setzt sich durch, am Boden Tanja Vreden Bild: Volker Lieberum
|
dann plötzlich sogar wieder unentschieden: Die Abwehr des FSV spekulierte auf Abseits und Tanja Vreden - beste Stürmerin des HSV an diesem Tag - nutzte die Gelegenheit, um aus ca. 12 Metern flach zum 2:2 einzuschießen. Alle Proteste des FSV und der Zuschauer nutzten nichts, das Tor zählte, und der FSV wirkte nun verunsichert, während der HSV plötzlich stärker wurde. Beim FSV stimmte die Zuordnung nicht mehr, und der HSV kam folgerichtig sogar zum Führungstreffer durch die eingewechselte Kathrin Patzke in der 75. Spielminute. Patzke kam im Fünfmeterraum frei zum Schuss, wobei die nächste Gegenspielerin ausgerechnet FSV-Stürmerin Barucha war, während die Abwehrspielerinnen des FSV irgendwoanders über den Platz irrten.

Die erst 17-jährige Frederike Engel mußte nach dem Spiel wegen ihres Eigentors getröstet werden.Bild: Tom Schlimme
"Auswärtssieg!", skandierten vier mitgereiste HSV-Fans optimistisch, doch immerhin gab es jetzt ein Aufbäumen beim FSV. Da, wo die spielerischen Mittel nicht ausreichten, wurde nun gerannt und gefightet. So hielt die Führung für den Gast auch nur fünf Minuten, bis Barucha eine schöne Flanke von rechts vor das Tor des HSV zog, wo Neuzugang Rebecca Smith nur noch zu ihrem ersten Treffer für den FSV einzuköpfen brauchte. Die angeschlagene Jennifer Meier, die erst in der 55. Minute eingewechselt worden war, war es dann, die an ihrem 24. Geburstag fünf Minuten vor Spielende den Siegtreffer für den FSV erzielen konnte, in dem sie den Ball schön über die herauslaufende Weech ins Tor hob.
Insgesamt war der Sieg verdient. Der FSV hatte mehr Spielanteile und mehr Torchancen, tat sich gegen einen schwachen HSV aber
|

Das Geburtstagskind Jennifer Meier schoss den Siegtreffer für den FSV Bild: Volker Lieberum
schwerer, als nötig gewesen wäre.
Beide Teams werden sich für die nächste Saison verstärken müssen, wollen sie nicht nächstes Jahr von Saisonbeginn an in Abstiegsgefahr geraten. Die ersten Schritte dazu wurden ja bei beiden Vereinen durch Trainerwechsel und Verpflichtung neuer Spielerinnen bereits eingeleitet, und beiden Teams war während und auch nach dem Spiel anzumerken, dass Teamgeist und Kameradschaft in Ordnung sind, so dass eine Basis für die Zukunft sicher vorhanden ist.
FSV Frankfurt:
Holl,
Stunz, Soyah, Krämer, König-Vialkowitsch (76. Koch),
Smisek, Bartusiak, Smith, Hagmann,
Barucha (55. Meier), Kiesewalter
Hamburger SV:
Weech,
Cohn, Haye, Gärtner, Kameraj,
Engel, Wilmes (70. Patzke), Günther, Saländer,
Schubert, Vreden
Tore:
1:0 Hagmann (12.)
1:1 Günther (51.)
2:1 Engel (Eigentor) (55.)
2:2 Vreden (60.)
2:3 Patzke (75.)
3:3 Smith (80.)
4:3 Meier (85.)
Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Pleißa)
Gelb: Gelb:
Holl, Kiesewalter
Schubert, Kameraj
Zuschauer: 150
Zur FanSoccer-Startseite
|