Von Tom Schlimme 24.4.2005
Welch ein Glück, dass beide Mannschaften sowohl mit Abstieg als auch Meisterschaft nichts mehr zu tun bekommen dürften. Sonst würde dieses Spiel noch lange für Diskussionen sorgen, die eigentlich niemandem recht sein können. Doch die Schiedsrichterleistung von Moiken Jung aus Worms wirft leider einige Fragen auf. Eine derart ungerechtfertigte rote Karte wie die gegen Sandra Smisek und ein unter solch merkwürdigen Umständen zustande gekommenes Tor wie das 1:1 durch Karine Levy hat man auch im Frauenfußball bisher noch nicht gesehen. Und das waren noch nicht mal die einzigen Kuriositäten dieses Spiels. Doch der Reihe nach:
Der FSV Frankfurt begann gut, bereits in der 3. Minute die erste Chance für Smisek nach einem von Saskia Bartusiak getretenen Freistoß, doch Smisek kommt mit dem Kopf nicht an den Ball. Ein schöner Schuss von Nadine Hagmann aus 18m zwang Freiburgs ausgezeichnete Torhüterin Alexandra Schwald zu einer Glanzparade, der noch einige weitere folgen sollten. Die Freiburger Abwehr wirkte unsicher, oft wurde der Ball früh verloren und damit Angriffe des FSV ermöglicht.

Freiburgs Torhüterin Alexandra Schwald zeigte eine erstklassige Leistung. Hinter ihr U19 Weltmeisterin Melanie Behringer, die Schützin des Siegtreffers für Freiburg. Bild: Tom Schlimme
So zum Beispiel in der 30. Minute, als Schwald einen fast unhaltbaren Schuss von Smisek mit einer Hand noch zur Ecke lenken konnte. Doch nach diesem Eckball war auch Schwald machtlos, als Gaby König-Vialkowitsch zum 1:0 einköpfen konnte. König-Vialkowitsch konnte wenig später einen strammen Schuss noch von der eigenen Torlinie wegköpfen, und so schien alles nach Plan zu laufen für den FSV. In der 40. Minute gab es nach einem Foul an Patrizia Barucha Elfmeter für den FSV. Eine umstrittene Entscheidung, die jedoch vertretbar sein dürfte. Doch Smisek scheiterte mit einem flach und zu schwach in die Mitte geschossenen Schuss an der starken Schwald. Eine Riesenchance vor der Halbzeit hatte das Team aus Freiburg dann kurz vor dem Pausenpfiff doch noch. Nach krassen Abwehrfehlern stand auf einmal Kerstin Boschert mit dem Ball vor FSV-Torfrau Uschi Holl, doch der Abwehrspielerin des SC Freiburg versagten die Nerven, statt selbst zu verwandeln, schob sie den Ball als Pass ins Niemandsland. So ging der FSV Frankfurt mit einer verdienten 1:0 Pausenführung und einer Warnung, die man sich zu Herzen hätte nehmen können, in die Kabine. 
Karina Levy (links) erzielte unter kuriosen Umständen den Ausgleich für Freiburg. Rechts Jasmin Krämer, die praktisch mit dem Schlusspfiff noch verletzt wurde und ins Krankenhaus gebracht wurde. Bild: Tom Schlimme
Doch bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff kippte das Spiel. Gegen Crailsheim waren die krassen Schnitzer der FSV-Abwehr kürzlich noch ohne Folgen geblieben, doch die Stürmerinnen des SC Freiburg zeigten sich cleverer in der Annahme der ihnen überreichten Geschenke. So störten sich also in der 48. Minute Jasmin Krämer und Melanie Soyah gegenseitig bei der Annahme eines Steilpasses und ließen den Ball durch. Nina Kirchhain war die nächste FSV-Abwehrspielerin, die den Ball nun hätte wegschlagen können, aber auch sie tippte den Ball nur leicht an, so dass Freiburgs Stürmerin Karine Levy mit all der Routine ihrer 38 Lebensjahre den Ball annehmen, weiterführen und über Holl zum Ausgleich ins Tor befördern konnte.
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Das 1:0 durch Gaby König-Vialkowitsch (mit der Nummer 6 nach ihrem Kopfball am Boden) Bild: Peter Henkel
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Der FSV hatte bald danach eine Chance durch Hagmann, die sich am Strafraum schön um eine Gegenspielerin drehte, den Schuss jedoch am Tor vorbei setzte. In der 62. Minute dann aber der nächste Aussetzer der FSV-Abwehr. Ein Pass, der nie hätte durchkommen dürfen, erreichte Freiburgs Kapitänin Katja Bornschein, die jedoch über das Tor schoss. Doch in der 65. Minute kam es dann zum ersten Kuriosum dieses Spiels: Nach einer Ecke faustete Holl den Ball unglücklich vor ihrem Tor senkrecht in die Höhe, und Bornschein konnte das Leder aus dem Fünfmeterraum knapp hinter die Torlinie befördern - oder war noch vor der Linie abgewehrt worden? Schiedsrichterin Jung deutete jedoch ein Foul an und schien auf Freistoß für den FSV zu entscheiden, wurde dann aber nach etwa 10 Sekunden auf die Linienrichtern aufmerksam, die heftig mit der Fahne wedelte und anzuzeigen schien, dass der Ball hinter der Linie war. Nach kurzer Besprechung entschied Jung dann auf Tor. Eine Entscheidung, die Erklärungsbedarf liefert, denn wenn es ein Foul gegen den FSV war, spielt es ja keine Rolle, ob der Ball danach im Tor war oder nicht.
Der FSV wirkte nach dem Rückstand verunsichert, zwar bemüht, aber nicht durchschlagskräftig genug gegen eine sicher zu bezwingende Abwehr des SC Freiburg. Auf der Gegenseite bekam
die eingewechselte Ines Österle dann von der FSV-Abwehr eine Chance geschenkt, doch Holl konnte den Ball noch zur Ecke lenken. Freiburgs U19 Weltmeisterin Melanie Behringer, die sich bis dahin einige Male mit dem Ball gegen mehrere Gegenspielerinnen festgelaufen hatte, zeigte dann, wie es gemacht wird. Behringer setzte sich auf links schön durch und ließ Holl mit einem satten Flachschuss keine Chance. Damit schien in der 85. Minute die Entscheidung praktisch gefallen, doch die eingewechselte Jennifer Meier konnte den FSV nur eine Minute später noch einmal heranbringen. 
Wohl zu unrecht vom Platz gestellt: Sandra Smisek. Am Boden Katja BornscheinBild: Tom Schlimme
Jetzt wurde es hektisch. In der 88. Minute gab es rot für die Freiburgerin Alexandra Stegmann nach einer Notbremse an Smisek direkt am Strafraum. Den fälligen Freistoß schoss Meier in die Mauer, doch der Ball kam zu einer FSV-Spielerin, wurde vor das Tor gegeben und Smisek prallte vor dem Tor heftig mit Torhüterin Schwald zusammen. Schiedsrichterin Jung entschied auf Freistoß für Freiburg und gab Smisek die gelbe Karte wegen Foulspiel, eine wahrscheinlich berechtigte Entscheidung. Schwald hatte sich bei der Aktion verletzt und hatte große Schmerzen im Arm. Freiburg konnte aber nicht mehr auswechseln, so dass Schwald nach einer Behandlungspause die Zähne zusammenbiss und weitermachte. Beim Abschlag sah man aber, dass sie den Arm kaum bewegen konnte, und als sie den Ball wegschlug, entfuhr Schwald ein Schmerzensschrei, der bis zur hintersten Ecke des Stadions zu hören war. Die Schiedsrichterin drehte sich um, sah Smisek, die jedoch gute 10 Meter von Schwald entfernt stand, und zeigte ihr die gelb-rote Karte, wohl im Glauben, dass ein weiteres Foul von Smisek ursächlich für den Schrei von Schwald gewesen war. Wenn es so war, eine krasse Fehlentscheidung.
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Ich dachte zuerst, Smisek habe etwas gesagt und dafür gelb-rot erhalten, doch später erklärte mir
FSV-Trainer Frank Fahle, dass die Schiedsrichterin wohl von einem zweiten Foul ausging, obwohl Schwald selbst später erklärt habe, dass Smisek mit dem Schrei beim Abschlag nichts zu tun hatte. Doch damit nicht genug des Chaos:
Schwald tauschte ihr Trikot mit einer Mitspielerin, weil sie mit dem verletzten Arm nicht mehr im Tor bleiben wollte, und stellte sich für die letzten zwei Minuten als Abwehrspielerin auf den Platz. Ein Vorgang, in dem die Verantwortlichen des FSV einen möglichen Regelverstoß sehen, denn es ist unklar, ob damit ein vierter Wechsel vorlag, oder ob die Statuten erlauben, dass während des Spiels die Rollen von Torwart und Feldspieler getauscht werden können.

Schiedsrichterin Moiken Jung schien nicht immer den Durchblick zu haben. Mit der 6 Gaby König-Vialkowitsch, neben ihr Nadine Hagmann, Katja Bornschein schaut zu Bild: Tom Schlimme
Leider wurde praktisch mit dem Schlusspfiff die Frankfurterin Jasmin Krämer noch schwer verletzt ( sie wurde mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert), ohne dass Schiedsrichterin Jung dies überhaupt registrierte, auch dies keine Glanzleistung des Schiedsrichtergespanns.
Am Ende bleiben also einige Fragen offen: Wie kam es zum Sinneswechsel von Jung beim 1:1, wieso gab es rot für Smisek, und ist es regelgerecht, dass Freiburg die Position der Torhüterin mit einer Feldspielerin tauschte, nachdem schon dreimal gewechselt worden war?
Unabhängig von diesen Fragen wird man sich beim FSV aber auch mit den eklatanten Fehlern in der Abwehr auseinandersetzen müssen, die momentan regelmäßig auftreten, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Torfabrik aus Potsdam am 8.5. am Bornheimer Hang zu Gast sein wird.
FanSoccer wünscht den verletzten Spielerinnen Alexandra Schwald und Jasmin Krämer eine schnelle Gesundung!
FSV Frankfurt:
Holl,
Soyah, Krämer, Kirchhain,
König-Vialkowitsch, Smisek, Bartusiak, Hagmann, Smith (78. Stunz),
Kiesewalter, Barucha (65. Meier)
SC Freiburg:
Schwald,
Stegmann, Boschert, Thom, Söder,
Maillard (78. Österle), Kury, Behringer, Schneider,
Levy (75. Kaltenbach), Bornschein (86. Höfflin)
Tore:
1:0 König-Vialkowitsch (30.)
1:1 Levy (48.)
1:2 Bornschein (65.)
1:3 Behringer (85.)
2:3 Meier (86.)
Schiedsrichterin: Moiken Jung (Worms-Herrnsheim)
Gelb: Hagmann, Stegmann
Gelb-Rot:
Smisek (90. wiederholtes Foulspiel)
Rot:
Stegmann (88. Foulspiel)
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