Bundesliga 18.Spieltag

Vergebene Chance

FSV Frankfurt - TSV Crailsheim 1:0 (0:0)

Von Tom Schlimme

17.4.2005    Der TSV hatte die Chance, durch einen Sieg beim FSV Frankfurt einen wichtigen Schritt zum Klassenerhalt zurücklegen zu können. Zur Halbzeitpause hätte es locker 0:4 für Crailsheim stehen können. Doch selbst allerbeste Torchancen blieben ungenutzt, und so erkämpfte sich dann in der zweiten Halbzeit der FSV ein 1:0 und damit den Sprung auf Platz 5 der Tabelle.

Crailsheim legte los wie die Feuerwehr und kam schon nach 3 Minuten zur ersten Chance, doch die gute FSV-Torhüterin Uschi Holl war im Strafraum einen Tick schneller am Ball als TSV-Angreiferin Claudia Nußelt. Doch so ging es weiter: ein schöner Fernschuss von Nußelt strich über das Tor, Crailsheims Abwehrspielerin Eva Gronbach klärte gut gegen Saskia Bartusiak, in der siebten Spielminute rettete ein umstrittener Abseitspfiff den FSV aus brenzliger Situation.

Dann kamen die Minuten der Claudia Nusselt, die alleine den TSV Crailsheim zum Sieg hätte schießen können, ja müssen:

Die Abwehr des FSV erwies sich als anfällig gegen lange Pässe nach vorne, und immer wieder gelangten Bälle zu Nusselt, die damit alleine aufs Tor losstürmte. Das erste Mal war es FSV Abwehrspielerin Jasmin Krämer, die einen langen Ball aus der Crailsheimer Hälfte nur Richtung eigenes Tor anschubste, so dass Nusselt sich das Leder angeln und alleine aufs Tor stürmen konnte, doch Holl wehrte zur Ecke ab (9.Minute). Das zweite Mal, nachdem FSV Abwehrspielerin Nina Kirchhain am Ball vorbei getreten hatte, verstolperte Nusselt im Fünfmeterraum (13.Minute). Beim nächsten Mal setzte sich Nusselt gegen Melanie Soyah durch, scheiterte aber sechs Meter vor dem Tor an Torfrau Holl (15.Minute). Beim vierten Mal schließlich zog Nusselt auf der linken Seite alleine vors Tor, doch ihr Schuss geriet eher zum Kullerbällchen (23.Minute).

Claudia Nusselt hatte alleine vier Hundertprozentige auf dem Fuß. Links Nina Kirchhain

Bild: Tom Schlimme

Der FSV Frankfurt brauchte mehr als eine halbe Stunde, um im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger zu seiner ersten Chance zu kommen. Sandra Smisek nahm an der Strafraumgrenze einen


Das Tor des Tages durch Julia Kiesewalter

Bild: Volker Lieberum

schönen Pass von Nadine Hagmann auf und schoss gefährlich knapp flach links vorbei. Allein diese Szene deutete an, was eine gefährliche Stürmerin wie Sandra Smisek aus den Großchancen von Claudia Nusselt gemacht hätte. Kurz vor der Pause köpfte dann noch Gaby König-Vialkowitsch über das Tor der Crailsheimerinnen, das war es auch schon vom FSV in der ersten Halbzeit.

Crailsheim war drückend überlegen gewesen, hatte sich wesentlich stärker präsentiert als etwa der Hamburger Sportverein am Mittwoch hier an gleicher Stelle, doch in die Kabinen ging man mit einem torlosen Unentschieden.

Es kam, wie es kommen mußte (wo ist das Phrasenschwein?). Der FSV kam wie verwandelt aus der Kabine und setzte Crailsheim nach dem Wiederanpfiff gehörig unter Druck. Julia Kiesewalter war für Patrizia Barucha gekommen und brachte neue Impulse, aber die ganze Mannschaft spielte plötzlich wie aufgedreht. So dicke Chancen wie Crailsheim in der ersten Halbzeit konnte sich der FSV zwar nicht herausspielen, aber ein Kopfball von Rebecca Smith ging nur knapp über das Tor, dann köpfte Bartusiak ebenfalls nur knapp vorbei, schließlich schoss Kiesewalter aus dem Fünfmeterraum knapp am langen Eck vorbei, aus abseitsverdächtiger Position zwar, aber ein Pfiff war nicht ertönt. In der 74.Spielminute war es dann soweit: Die für Smith eingewechselte Annika Stunz setzte sich auf dem linken Flügel durch und spielte einen genialen Pass zu Sandra Smisek, die den Ball nach innen paßte. Dort wartete Julia Kiesewalter und verwandelte mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck.

Der FSV ließ sich diese Führung nun nicht mehr nehmen. Crailsheim blieb weitgehend chancenlos in dieser zweiten Hälfte, während der FSV noch zu kleineren Chancen durch einen Fernschuss, den die gute Crailsheimer Torfrau Stefanie Kübler über das Tor lenkte (unverständlich, dass das Schiedsrichtergespann auf Abschlag entschied), und einen Schuss von Stunz, den Kübler halten konnte, kam.


Auf keinen Fall gibt der Tabellenstand nach diesem Spiel (FSV Fünfter, der TSV Vorletzter) die Leistung beider Mannschaften an diesem Tage wieder. Beide Teams hatten je eine gute Halbzeit, und ein Unentschieden wäre das Mindeste, was das Team aus Crailsheim verdient gehabt hätte.

Daniela Held (rechts) köpft den Ball vor Sandra Smisek weg.

Bild: Tom Schlimme

FSV Frankfurt:

Holl, Soyah, Krämer, Kirchhain, König-Vialkowitsch, Smisek, Bartusiak, Hagmann, Smith (65. Stunz), Meier (84. Koch), Barucha (46. Kiesewalter)

TSV Crailsheim:

Kübler, Schumpa (76. Goodmann), Gronbach, Veeh (83. B. Müller), Jähn, Held, Hörber, Würth, Treyer, Breunig (60. Illenberger), Nußelt

Tore:

1:0 Kiesewalter (74.)

Schiedsrichertin: Anja Kunick (Lissa)

Karten: Keine

Zuschauer: 200


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