Bilder: Volker Lieberum Text: Tom Schlimme 16.5.2005
Für Frankfurt ging es nur darum, sich nicht für die nach dem Spiel angesetzte Meisterschaftsfeier mit Übergabe des Pokals durch DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger die Stimmung durch eine schlechte Leistung zu vermiesen. Für Wolfsburg dagegen stand nichts weniger als der Erhalt einer letzten Chance zum Verbleib in der ersten Liga auf dem Spiel. Doch der neue deutsche Meister 1. FFC Frankfurt spielte engagiert und ließ den tapfer kämpfenden Wolfsburgerinnen nicht den Hauch einer Chance.
Ein Fernschuss von Nia Künzer in der 3. Spielminute ging noch daneben, in der 7.Minute brach dann Kerstin Garefrekes alleine durch, schoss jedoch zu schwach. Nur eine halbe Minute später schon machte Garefrekes es besser, nach feinem Zuspiel von Sandra Albertz konnte sie aus kurzer Distanz zum 1:0 für den FFC Frankfurt einschießen. In der 10.Spielminute wiederum Albertz steil auf Garefrekes, die heute einen sehr guten Tag erwischt hatte und sich auf der rechten Seite oft durchsetzen konnte, diese gab den Ball zurück in die Mitte, doch der Kopfball von Albertz ging ins Niemandsland. Ecke Lingor, Künzer kommt 2m vor dem Tor an den Ball, wird aber abgeblockt, ein Nachschuss von Albertz bleibt ebenfalls hängen, noch einmal Lingor von der Strafraumgrenze, knapp drüber. So ging es Schlag auf Schlag.

Kerstin Garefrekes setzt sich hier gegen Lindsay Greco durch
Wolfsburg war hoffnungslos unterlegen und kam kaum einmal über die Mittellinie. Die Stürmerinnen Martina und Claudia Müller bemühten sich zwar, doch Martina Müller hing vorne meist alleine in der Luft und verschliss sich in Zweikämpfen im Mittelfeld, während Claudia Müller, die wohl das letzte Auswärtsspiel ihrer Karriere spielte, etwas zurückhängend zwar etwas mehr Bindung zum Spiel fand, aber letztlich doch wirkungslos blieb.

Birgit Prinz will den Ball im Tor unterbringen, Saskia Kampf und Anne Rissling haben etwas dagegen
Während das Publikum auf den zweiten Treffer wartete, blieben die Frankfurter Angriffe immer wieder in der vielbeinigen Wolfsburger Abwehr hängen. Birgit Prinz, die viel über die Flügel kam, setzte sich oft gegen zwei oder drei Gegenspielerinnen durch, um dann an der vierten zu scheitern, oder ihre Schüsse wurden von der bärenstarken Anne Rissling gehalten, ihre Flanken abgefangen.

Beste Wolfsburgerin an diesem Tage: Torfrau Anne Rissling
So schaffte es Rissling etwa in der 33.Minute die vor ihr stehende Prinz noch im Stile eines Handballtorwarts abzublocken, oder, als Prinz nach einem Spurt über 40 Meter etwas zu weit
|
Die Freude über den Titel war allen Spielerinnen und Verantwortlichen des FFC Frankfurt deutlich anzusehen!
|
seitlich abgedrängt wurde, den
Winkel so dicht zu machen, dass auch dieser Schuss von Prinz nicht zum Erfolg führte. Die größte Chance vergab Prinz kurz vor der Pause, als sie mutterseelenallein mit dem Ball aufs Tor zulief, sich dann aber im Strafraum von Rissling den Ball noch abnehmen ließ. Nicht die einzige Glanzleistung der Wolfsburger Torhüterin in diesem Spiel!
Wolfsburg hatte gegen Ende der ersten Halbzeit eine Chance durch einen Fernschuss von Andrea Wilkens, der von der Tribüne aus wahrscheinlich gefährlicher aussah, als er war, und vorbei ging, und kurz vor dem Pausenpfiff durch Claudia Müller, die aus 12 Metern vorbeischoss. Diese Möglichkeit von Claudia Müller gehört allerdings schon in den Bereich der sogenannten „Hundertprozentigen“!

Stadionsprecher und Fernsehmoderator Rold Töpperwien und FFC Manager Siegfried Dietrich. Wer hat wohl wen zum Tanz aufgefordert?
Damit sind allerdings auch die eineinhalb Wolfsburger Tormöglichkeiten des gesamten Spiels vollständig aufgezählt. Die Frankfurter Chancen alle zu schildern, würde dagegen den Rahmen bei weitem sprengen.
Das zweite Tor fiel dann in der 60.Minute, nach dem Garefrekes wieder einmal frei von rechts flanken konnte, und Sandra Albertz, mit die kleinste auf dem Spielfeld, den Ball mit dem Kopf von der Strafraumgrenze aus unerreichbar für Rissling in hohem Bogen in die Ecke beförderte. Das 3:0 besorgte dann Prinz, die sich diesen Treffer redlich verdient hatte, durch einen schönen Flachschuss nach einer Ecke von Lingor.

Kerstin Garefrekes zeigt den Pokal einigen Wolfsburgerinnen
Eigentlich hätte Frankfurt zweistellig gewinnen müssen, so drückend war die Überlegenheit und so zahlreich die Torchancen. Die Chancenauswertung ist als die alleinige Frankfurter Schwachstelle in diesem Spiel auszumachen, vielbeinige Abwehr und starke Torfrau hin oder her. Gegen Potsdam im Pokalfinale in zwei Wochen wird es keinesfalls so viele Tormöglichkeiten geben.
Wolfsburgs Manko war der Spielaufbau, es gelang einfach nicht, den Ball länger als wenige Sekunden in den eigenen Reihen zu halten, und so rollte Angriff auf Angriff auf das Wolfsburger Tor.
|

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bei der Pokalübergabe an die Spielerinnen. Im Vordergrund Hannelore Ratzeburg, die Vorsitzende des Ausschusses für Frauenfußball des DFB
Wolfsburg ist nach diesem Spieltag endgültig abgestiegen. Es ist schade um diesen Verein, der den verletzungsbedingten Ausfall von Steffi Gottschlich und einiger anderer Spielerinnen die ganze Saison über nie kompensieren konnte, aber vielleicht kann Wolfsburg ja dem Beispiel von Brauweiler folgen und den direkten Wiederaufstieg in die erste Liga schaffen.

Zwei,die sich gut verstehen: FFC Manager Siggi Dietrich und Trainer Dr. Jürgen Tritschoks
Spannender als das Spiel war hinterher bei der Meister- schaftsfeier die Frage, wer wen mit Sekt übergießt. Besonders aktiv war hier Frankfurts Torfrau Marleen Wissink, die von Manager Siggi Dietrich über Nia Künzer bis Trainer Jürgen Tritschoks jeden mit Sekt taufte, der nicht ganz schnell das Weite suchte. Eine schöne Feier bei Sonnenschein vor 1720 Zuschauern, bei der neben DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger auch DFB-Vizepräsident Dr. Engelbert Nelle und die Vorsitzende des Frauenfußballausschusses des DFB, Hannelore Ratzeburg anwesend waren.

Von links: Meike Weber, Tina Wunderlich und Kerstin Garefrekes trinken auf die Meisterschaft
1.FFC Frankfurt:
Wissink,
T. Wunderlich, Künzer (66. Weber),Affeld, Jones,
Hansen, Lingor, Garefrekes (80. Hartel), P.Wunderlich,
Prinz, Albertz (73. Kliehm)
VFL Wolfsburg:
Rissling,
Freimuth (63. Weber), Biese, Kampf,
Mohs, Polze, Hauck, Greco (90.Duran),
M. Müller, Wilkens 874.Pieper), C. Müller
Tore:
1:0 Garefrekes (8.)
2:0 Albertz (60.)
3:0 Prinz (90.)
Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa)
Gelb: Mohs
Zur FanSoccer-Startseite
|