Bundesliga 16. Spieltag

Wenigstens das Wetter passte!

1.FFC Frankfurt – FFC Heike Rheine 3:1 (2:0)

Von Katja Öhlschläger

4.4.2005    Gestern kam es im Frankfurter „Stadion am Brentanobad“ zu einem Spiel zweier Mannschaften, deren Ausgangsposition viel unterschiedlicher nicht sein könnte. Der FFC Frankfurt befindet sich nach makelloser Bundesliga-Bilanz auf dem besten Wege zum Meistertitel, Rheine geriet zuletzt nach der Niederlage in Crailsheim zunehmend in den Abstiegskapmf. So lässt sich auch der Wunsch erklären, den Rheines Manager Alfred Werner im Stadionheft äußerte: möglichst lange ohne Gegentor bleiben.

Das zumindest gelang nicht. Der Gastgeber, der ohne die an einer im Freiburg-Spiel zugezogenen Knieverletzung laborierenden Steffi Jones auflief, machte diese Hoffnung schon nach drei Minuten zunichte. Pia Wunderlich setzt sich auf rechts gut durch, flankt in den Fünfmeterraum, Nadine Richter im Kasten der Gäste kann die Flanke nicht abwehren, und so braucht Birgit Prinz aus Nahdistanz nur noch einschieben.

Schon vor dem Spiel guter Laune: Die Spielerinnen des FFC Frankfurt bei der "Teambeschwörung.

Bild: Jochen Ditschler

Bei herrlichem Fußballwetter hofften nun wohl alle auf ein temporeiches Spiel, löst ein frühes Tor doch oft die taktischen Fesseln. Bei Rheine wird das auch sichtbar: die Gäste beschränken sich nicht auf ein Einigeln im eigenen Strafraum, sondern zeigen sich ihrerseits desöfteren vor dem Tor von Marleen Wissink.

Die zweite große Chance hat aber der FFC Frankfurt, ein Fernschuss von Lingor geht allerdings weit am Tor vorbei.
Nach anfänglicher Feldüberlegenheit der Heimmannschaft, erarbeitet sich nun Rheine mehr Spielanteile und kommt zu drei guten Chancen durch Marieke Ran. Erst kommt sie im Strafraum zum Schuss, aber Abseits. Dann verteilt Kerstin Garefrekes gegen ihren alten Verein ein Gästegeschenk und verhilft erneut Ran mit einem krassen Fehlpass zu einer Großchance. Die Holländerin scheint jedoch selbst überrascht und zieht knapp rechts am Tor vorbei. Drei Minuten später ist es wieder Ran, die sich mit einer couragierten Einzelaktion durchbeißt – nach Tumulten im der Frankfurter Abwehr kann Meike Weber jedoch klären.

Nun ist Frankfurt wieder an der Reihe. Ein Konter läuft rechts über Garefrekes, deren Flanke findet die im Strafraum freistehende Lingor, doch Nadine Richter schnappt ihr den Ball knapp vor den Füßen weg.

Sorgte einige Male für Gefahr: Marieke Ran, links, rechts Louise Hansen

Bild: Tom Schlimme

Was danach folgt, ist fußballerische Magerkost. Frankfurt schaltet mehrere Gänge zurück und verhilft Rheine durch viele Fehlpässe zu mehr Spielanteilen. Die engagierten Dyanne Bito und Ran sorgen ein ums andere Mal für gefährliche Aktionen, sind im Abschluss allerdings nicht konsequent genug.


Da kommt er geflogen: Der Kunstschuss von Renate Lingor zum 2:0

Bild: Peter Henkel

Gegen Ende der ersten Hälfte dreht dann Frankfurt nochmal ein wenig auf und kommt durch Lingor zum 2:0. Ein von selbiger ausgeführter Eckball kann noch abgewehrt werden, doch den Abpraller schnappt sich die glänzende Technikerin, zieht aus gut 20 Metern in halblinker Position einfach ab und schlenzt den Ball mit viel Effet ins rechte obere Eck. Symptomatisch allerdings: Das Tor resultiert aus einer Einzelaktion. Im Kombinationsspiel hapert es, es passieren deutlich zu viele Fehlpässe.

Kurz vorm Pausenpfiff geht ein satter Fernschuss von Silke van den Berg knapp rechts vorbei, so bleibt es beim 2:0 zur Pause.
Frankfurt ist überlegen, aber nicht engagiert und zwingend genug.

Während die erste Halbzeit trotz fehlender fußballerischer Klasse aufgrund der vielen Chancen auf beiden Seiten noch zu gefallen vermochte, reißt die zweite Hälfte wohl keinen der 1120 Zuschauer vom Hocker.
In der 47. Minute sorgt Garefrekes im Nachschuss für Gefahr, Richter kann auf der Linie klären. Danach plätschert das Spiel nur noch vor sich hin. Der Fernschuss von Louise Hansen, der Fallrückzieher von Prinz in Richters Arme und auch Rans Fernschuss sind die einzigen nennenswerten Aktionen in einer zerfahrenen zweiten Halbzeit. Rheine scheint mit dem Zwei-Tore-Rückstand zufrieden, bei Frankfurt läuft nicht viel zusammen.

Passend, weil kurz vor Abpfiff, entschädigen Prinz und Bito die Zuschauer für das mäßige Spiel. Prinz kommt aus 20 Metern zum Schuss und setzt den Ball ins linke untere Eck – ein nicht ganz unhaltbarer Schuss.

Nia Künzer in ihrem ersten Heimspiel seit ihrem Comeback, hier mit Dyanne Bito, die den Ehrentreffer für Rheine erzielte

Bild: Tom Schlimme

Im Gegenzug entwischt Bito erst Nia Künzer und dann kann auch die eingewechselte Christina Zerbe nicht mehr klären. So steht Bito denn Wissink gegenüber und schiebt den Ball an der machtlosen Frankfurter Torhüterin links vorbei ins Tor. Ein verdienter Ehrentreffer nach den vielen Chancen in der ersten Hälfte.

Der Frankfurter Sieg war nie wirklich in Gefahr, trotz mäßiger Leistung und vieler Fehlpässe, die den Spielaufbau störten, war der Meisterschaftsaspirant klar überlegen. Positiv herauszugeben sind insbesondere Tina Wunderlich, die in Rheines Drangphase Mitte der ersten Halbzeit durch aufmerksames und konsequentes Zweikampfverhalten zu gefallen wusste, sowie die engagierten und Verantwortung übernehmenden Lingor und Prinz.
Nia Künzer, die ihr Heim-Comeback feierte, muss den Anschluss erst noch finden. Ihr vorsichtiges, ja teils noch ängstliches Zweikampfverhalten fällt auf, ist aber nach so langer Pause und vier Kreuzbandrissen


Und da ist er drin.

Bild: Volker Lieberum

auch verständlich. Sie wird sich ihre Zeit nehmen müssen, um wieder zu alter Form zurückzukehren.

Den Bogen schließt dann noch einmal Alfred Werner. Er hatte im Stadionheft noch eine zweite Hoffnung geäußert: „ Eine knappe Niederlage mit zwei Toren Differenz, vielleicht auch nur mit einem Treffer weniger, wäre für uns schon so etwas wie ein Sieg“. Dies gelang, die Gäste mussten also nicht gänzlich unzufrieden die Heimreise antreten, auch wenn einige Spielerinnen nach dem Abpfiff sehr niedergeschlagen wirkten. Verständlich, denn auch eine in Maßen gehaltene Niederlage ist eben kein „Sieg“, wie Alfred Werner vor dem Spiel meinte.

Spielt unauffällig, aber effektiv: Judith Affeld bei einer akrobatischen Einlage

Bild: Jochen Ditschler

Auffällig bei den Gästen ist das große Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft. An guten Ansätzen durch Liesbeth Migchelsen, Kerstin Stegemann (auf die das Spiel allerdings sehr stark, vielleicht schon zu stark zugeschnitten scheint), Bito oder Ran fehlt es nicht. Doch fehlt die fußballerische Ausgeglichenheit, sodass ein geordneter Spielaufbau nicht stattfindet.

Frankfurt bleibt damit auf Meisterschaftskurs und hat vor den letzten 6 Spielen 9 Punkte Vorsprung vor Potsdam und 11 vor Duisburg (ein Spiel weniger).
Punkte in Frankfurt hatte Rheine sicherlich nicht einkalkuliert, diese muss sich das Team insbesondere bei den Spielen gegen den HSV, in Wolfsburg oder auch beim FSV Frankfurt erarbeiten, denn die Abstiegsplätze kommen bedrohlich nah.

1.FFC Frankfurt:

Wissink, Künzer, T. Wunderlich, Kliehm (74. Zerbe), Weber, Hansen, Affeld (63. Albertz), Lingor, Garefrekes, Prinz, P. Wunderlich

FFC Heike Rheine:

Richter, Flacke, Aelker, Migchelsen, Hunecke, Hüwe, van den Berg, Stegemann, Heuvels (72. Holtgräve), Ran, Bito

Tore:

1:0 Prinz (3.)
2:0 Lingor (38.)
3:0 Prinz (89.)
3:1 Bito (90.)

Schiedsrichterin:Schumacher (Oberhausen)

Gelb: Hansen, Aelker

Zuschauer: 1120


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