Bundesliga 14.Spieltag

Frankfurt entthront den Meister

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 2:1 (0:1)

Von Tom Schlimme

6.3.2005    "Die haben jetzt Schiss in der Hose", so konnte man Potsdams Goalgetterin Conny Pohlers kürzlich nach den hohen Potsdamer Siegen gegen Rheine und Hamburg vernehmen. Ähnlich äußerte sich auch Potsdams Trainer Bernd Schröder. Mit "die" waren die Spielerinnen des FFC Frankfurt gemeint, denen der deutsche Meister aus Potsdam durch einen Sieg die Tabellenführung aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses hätte abnehmen können.

Kaum jemand hätte dann noch einen Cent darauf gewettet, dass sich die Potsdamerinnen dann noch einen Punktverlust geleistet hätten, zu souverän waren die Auftritte der Brandenburgerinnen in dieser Saison gewesen - wenn man das Heimspiel gegen den FFC Frankfurt im Oktober einmal beiseite läßt.

Sandra Albertz beim Eckball, aus dem sie den Siegtreffer für den FFC Frankfurt machte. In diesem Moment war sie noch gut bewacht durch Jennifer Zietz und Britta Carlson...

Bild:Tom Schlimme

Klar ist nach dieser Partie: Die beiden großen aus Potsdam und Frankfurt spielen wirklich in einer eigenen Liga. Es war der mit Abstand stärkste Auftritt einer Gastmannschaft am Brentanobad in dieser Saison gewesen. Klar ist aber auch: mit hätte, wenn und aber gewinnt man keinen Meistertitel. Am Ende siegte der FFC Frankfurt und hat nun bei sechs Punkten Vorsprung beste Aussichten, die Meisterschaft ganz souverän nach Hause zu fahren.

Dabei hatte es so gut angefangen für die Potsdamerinnen: Eine einzige Chance durch Birgit Prinz in der 5. Spielminute hatten sie zugelassen, doch der schön mit der Hacke aufs Tor gespitzelte Ball konnte noch vor der Linie abgefangen werden. Dann ging es recht ausgeglichen hin und her, wobei bei beiden Strafräumen meist Endstation für die Stürmerinnen zu sein schien. Katrin Kliehm, die heute wieder als Abwehrspielerin rechts in der Viererkette eingesetzt war und nach vorne kaum zur Wirkung kam, konnte zweimal knapp vor Anja Mittag klären. Von Anja Mittag ging in der ersten Halbzeit überhaupt die meiste Torgefahr auf Potsdamer Seite aus, doch in der 32.Minute konnte Steffi Jones die nach einem Steilpass von der Mittelinie gut gestartete Mittag gerade noch erreichen und aufhalten. In der 34.Minute war es dann soweit: Potsdam war wieder einmal mit einer Handvoll Spielerinnen am Frankfurter Strafraum, Navina Omilade gab den Ball mit dem Kopf hoch in die Mitte, die Frankfurter Abwehr bekam den Ball nicht weg, und Petra Wimbersky konnte aus gut 15 Metern mit einem schönen Linksschuss die Potsdamer Führung erzielen.


v.l: Anja Mittag, Birgit Prinz, Inken Becher und Judith Affeld beim Kampf um den Ball

Bild: Tom Schlimme

Zwei weitere gute Chancen hatte Wimbersky, die in keiner Weise angeschlagen wirkte, dann noch vor dem Halbzeitpfiff. Einmal schoss sie knapp vorbei, das andere Mal konnte sich Judith Affeld gerade noch in den Schuss werfen. So ging es in die Kabinen, und die Stimmung beim Potsdamer Anhang war prächtig, daran hatte eine Frankfurter Chance durch einen Freistoß von Renate Lingor mit dem Pausenpfiff nichts ändern können, denn der Schuss ging knapp vorbei.

Nach der Halbzeitpause erschienen die Frankfurterinnen dann mit Sandra Albertz für Meike Weber und gingen nun auch mutiger in die Offensive. Potsdam geriet unter Druck, und so war es nur folgerichtig, dass Albertz aus einem Getümmel im Strafraum heraus in der 62. Minute den Ausgleich erzielen konnte. Nur zwei Minuten später konnte Kerstin Garefrekes erst im letzten Moment aufgehalten werden, ein zu unplatzierter Schuss von Birgit Prinz wurde leichte Beute für Potsdams Torfrau Nadine Angerer, und so verkehrten sich jetzt die Verhältisse im Vergleich mit der ersten Halbzeit.


Inken Becher, die ein sehr gutes Spiel gegen Birgit Prinz machte

Bild:Tom Schlimme


Eine Riesenchance aber hatten die Turbinen noch: Nach einem weiten Abschlag von Angerer verlängerte die inzwischen für die aus der Nase blutende Anja Mittag eingewechselte Cristiane geschickt mit dem Hinterkopf, und Petra Wimbersky zog mutterseelenallein mit dem Ball aufs Tor. Es war der rechtzeitig herausgelaufenen


Marleen Wissink zu verdanken, die sehr geschickt den Winkel verkürzte, dass Wimbersky knapp vorbeischoss. Insgesamt aber blieb Frankfurt in der zweiten Halbzeit überlegen. Das Siegtor schoss dann wieder Sandra Albertz, die in dieser Saison fast alle ihre Tore erst nach Einwechselung als Jokertore gemacht hat, wieder aus dem Getümmel heraus nach einer Ecke. Vielleicht hätte Nadine Angerer den knapp vors Tor gezogenen Ball abfangen sollen, aber so war es geschehen. Insgesamt war es ein gerechtes Ergebnis. Frankfurt war den entscheidenden Tick stärker gewesen und hatte das Quäntchen Glück, ohne das es im Aufeinandertreffen dieser praktisch gleichstarken Mannschaften auch nicht geht. Beide Mannschaften präsentierten sich sehr kompakt und durchgehend gut besetzt, so dass es schwer fällt, einzelne Spielerinnen herauszugreifen. Besonders zu loben ist mit Sicherheit die Abwehr von Potsdam, allen voran hier Inken Becher, aber auch Britta Carlson und Sonja Fuss wirkten sehr sicher. Auf Frankfurter Seite ist der Sieg wohl vor allem der geschlossenen Mannschafts- leistung zuzuschreiben, so dass es mir heute unmöglich erscheint, hier eine Spielerin herauszuheben.



Aufstellung:

1.FFC Frankfurt:

Wissink, Jones, T.Wunderlich, Kliehm, Affeld, Hansen, P.Wunderlich, Weber (46.Albertz), Lingor, Garefrekes, Prinz

1.FFC Turbine Potsdam:

Angerer, Fuss, Carlson, Becher, Zietz, Hingst, Omilade, Odebrecht, Wimbersky, Mittag (66. Cristiane), Pohlers

Tore:

0:1 Wimbersky 34.
1:1 Albertz 62.
2:1 Albertz 86.

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Zuschauer: 1650

gelbe Karten: Fuss, Lingor


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