Bundesliga Nachholspiel vom 19.Spieltag

Duisburg stoppt Frankfurter Alleingang

1. FFC Frankfurt - FCR Duisburg 1:2 (0:0)

Bilder : Volker Lieberum
Text: Tom Schlimme

14.5.2005    Die „jungen Wilden“ des FCR Duisburg haben sich durch eine große Leistung die Chance auf die Vizemeisterschaft redlich verdient. In einer hochklassigen Partie gelang Duisburg durch zwei Tore von Shelley Thompson ein verdienter 2:1 Auswärtserfolg beim als Meister schon feststehenden FFC Frankfurt. Duisburg hat nun bei zwei ausstehenden Spielen bereits einen Punkt Vorsprung gegenüber Potsdam, die nur noch eine Partie zu spielen haben. Die Frankfurter Siegesserie hat damit nach 19 Siegen in 19 Spielen nun im 20.Spiel ihr Ende gefunden.

Dabei begann Frankfurt druckvoll und kam in der 5. Minute zu einer Chance durch Judith Affeld nach Flanke von Birgit Prinz, doch Affeld verpasste den Ball im Fünfmeterraum knapp.

Sandra Albertz (springend) und Anne van Bonn im Zweikampf

Auf der Gegenseite nur wenig später die erste Riesenmöglichkeit für Duisburg: Inka Grings kam ungestört auf rechts zu einem kurzen, steilen Pass in den Strafraum, den sich Shelley Thompson erlief. Frankfurts Torhüterin Marleen Wissink konnte Thompsons Schuss aus kurzer Entfernung noch abblocken, doch der Ball blieb heiß, kam wieder zu Grings, die ihn unerreichbar für Wissink an den Pfosten donnerte.

Im weiteren Verlauf der Partie zeigte sich, dass damit schon die Grundschemata der Angriffe beider Mannschaften erkennbar wurden: Frankfurt kam häufig über die Flügel zu Flanken, die aber in der Mitte abgefangen wurden oder von den Stürmerinnen nicht verwertet werden konnten, Duisburg überbrückte das Mittelfeld mit weiten Pässen durch die Mitte und spielte auch in der Spitze meist steil in den Raum, wo mit Grings und Thompson zwei eminent gefährliche Stürmerinnen für höchste Gefahr sorgten. Während Frankfurt häufig viele Stationen für einen Angriff brauchte, kamen die Duisburger Chancen meist wie aus dem Nichts durch zwei steile, schnelle Pässe zustande.

V.l.: Anne van Bonn, Elena Hauer, Inka Grings, Pia Wunderlich und Judith Affeld

Es war ein schnelles, von beiden Seiten offensives Spiel, bei dem sich die Tormöglichkeiten auf beiden Seiten ständig abwechselten. In der 18. Minute schoss Renate Lingor für Frankfurt aus 14m knapp vorbei nach schöner Flanke von Sandra Albertz, wenig später setzten sich Thompson, Grings und Patrizia Hanebeck gegen fünf, später sogar sechs Frankfurterinnen in deren Strafraum durch, doch Thompson erwischte den Ball dann doch nur


Shelley Thompson war einen Schritt vor Tina Wunderlich, kreuzte geschickt deren Laufweg und hatte dann freie Bahn zum 0:2

noch in einem so ungünstigen Winkel, dass sie nur das Außennetz treffen konnte.Dann wieder auf der anderen Seite Prinz, von der im Frankfurter Sturm die meiste Gefahr ausging, zu Albertz, die setzte von der Strafraumgrenze den Ball auf die Latte. Dann wieder eine Chance für Duisburg, Annike Krahn erreichte Grings mit einem steilen Pass über das halbe Spielfeld, Grings zog sofort ab, doch Wissink konnte abwehren. So ging es bis zur Halbzeitpause hin und her, ohne dass Tore fielen. Eine spannende Partie, trotz strömendem Regen nicht nur kämpferisch, sondern auch technisch auf hohem Niveau, übrigens unter den Augen der Bundestrainerinnen Tina Theune-Meyer und Silvia Neid.

V.l.: Duisburgs Trainer Jürgen Krust mit den Bundestrainerinnen Tina Theune Meyer und Silvia Neid

Nach der Pause verging keine volle Minute, bis Wissink gegen Grings schon wieder gerade noch mit dem Fuß abwehren mußte. Gegenseite: Prinz setzt sich wieder einmal auf dem Flügel durch, legt die Flanke zurück auf Lingor, doch die schießt knapp vorbei. Prinz von links, Duisburgs Nationaltorhüterin Silke Rottenberg hält den Schuss aus spitzem Winkel. So ging es Schlag auf Schlag.

Dann brach schließlich der Bann: ein genauer Pass von Grings erreichte Thompson, die am Fünfmeterraum allein, aber eng gedeckt von Nia Künzer den Ball annehmen konnte, sich geschickt drehte und Wissink mit einem platzierten Schuss aus kurzer Entfernung nicht den Hauch einer Chance ließ.

Nia Künzer sah nicht gut aus in dieser eins zu eins Situation, hatte möglicherweise auch verschlafen, Thompson durch einen Schritt nach vorne rechtzeitig ins Abseits zu stellen. Insgesamt bot das nach langer Verletzungspause zurückgekehrte „Golden Girl“ der letzten WM aber eine sehr gute Leistung und ist auf dem besten Wege, sich an alte Stärke heranzukämpfen. Frankfurt wirkte nach dem Tor keineswegs geschockt, spielte munter weiter nach vorne und kam zu mehreren Ausgleichschancen. Doch einmal konnte Petra Hauser den Ball vor der einschussbereiten Prinz gerade noch zur Ecke lenken, das andere Mal ging ein Ball von Pia Wunderlich durchs Niemandsland zwischen Tor und Spielerinnen, kurz, ein Tor auf Frankfurter Seite wollte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht fallen. In der 74. Minute dann erreichte wieder so ein steiler Pass aus der Tiefe die schnelle Thompson, die sich in einem Duell in vollem Lauf diesmal gegen Tina Wunderlich


durchsetzte, noch eben Torhüterin Wissink ausspielte, und zum 2:0 einschoss. Eine feine Einzelleistung von Thompson, die Frankfurts Trainer Tritschoks später so kommentierte, dass eine solche Stürmerin einfach nicht immer zu halten sei. Es war für die in der Torschützenliste weiter führende Thompson bereits der 27. Saisontreffer.

Tina Wunderlich hatte wenig Möglichkeiten, das 0:2 durch Shelley Thompson zu verhindern

Zwei Minuten später konnte Prinz zum 2:1 für Frankfurt verkürzen, als sie nach einem Freistoß vom Strafraumrand flach und unhaltbar für Rottenberg in die lange Ecke schießen konnte. Das Team des FFC Frankfurt bäumte sich in der letzten Viertelstunde gegen die sich abzeichnenende Niederlage auf, doch es gelang nicht mehr, Duisburg wirklich ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Beste Spielerinnen: Grings, Thompson / Prinz

Der Teamgeist ist in Ordnung: Nach dem Spiel trafen sich die Spielerinnen, Trainer und Reservespielerinnen des FFC Frankfurt, um die Niederlage in einem Kreis gemeinsam zu verarbeiten

1.FFC Frankfurt:

Wissink, Jones, Affeld, Künzer, T. Wunderlich, Hansen, P. Wunderlich, Lingor, Garefrekes, Prinz, Albertz (64. Weber)

FCR Duisburg:

Rottenberg, van Bonn, Hauser, Krahn, Wilder, Hauer, Laudehr (81. Bajramaj), Hanebeck (86. Oster), Schäpertöns, Thompson, Grings

Tore:
0:1 Thompson (56.)
0:2 Thompson (74.)
1:2 Prinz (76.)

Schiedsrichterin: Christine Frai (Bremen)

Zuschauer: 1180

Gelb: Künzer


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