Bundesliga 19.Spieltag

Agollis Joker stechen Wolfsburg ins Herz

SG Essen Schönebeck - VFL Wolfsburg 3:2 (1:1)

Von Heinz Günther Sporkel

1.5.2005    Essens Trainer Ralf Agolli sah man nach dem Schlusspfiff die Freude in seinem Gesicht an. Hatte er doch im wichtigen Abstiegsmatch ein goldenes Händchen bewiesen. Gleich „zwei“ Joker zerstörten in einer spannenden Schlussphase den Siegestraum der VW- Städterinnen. VFL Wolfsburg wird wohl - wenn nicht noch ein großes Wunder passiert - den Gang in die zweite Bundesliga Nord antreten müssen.

Um 11 Uhr war Anstoß im Sportpark „Am Hallo“. Die SG Schönebeck machte sofort Dampf. Wollte dem Gegner gleich zeigen, wo der Weg lang geht. In der dritten Minute dann eine Glanztat von Mirja Kothe. Nach einem Eckball für Wolfsburg nahm die schnelle Essenerin den Ball zum Sololauf Richtung VFL Tor auf. Dabei tanzte sie mehrere Gegenspielerinnen aus und schob zum 1:0 ein. Riesenjubel „Am Hallo“, ein Beginn nach Maß für die Schönebecks.

Mirja Kothe schoss bereits nach drei Minuten das 1:0 für Essen

Bild: Volker Lieberum

Nach einer Viertelstunde hätte dann Melanie Hoffmann nach einer Flanke von Charline Hartmann alles klar machen können, doch verpasste Hoffmann den Ball knapp. Die Sicherheit des 1:0 war dann aber auch schon dahin. Essen wollte das Ergebnis verwalten und reagierte nur. In der 21.Spielminute dann ein schönes Kopfballtor von Lindsay Greco. Der verdiente Ausgleich gab nun dem VFL etwas Aufschwung. Wolfsburg war nun feldüberlegen, doch Essen mit den klareren Tormöglichkeiten. Eine schöne Flanke von Sandra Deilmann (eingewechselt für Carina Chojnacki) knallte Hartmann direkt aufs Tor. Doch Torhüterin Anne Rissling rettete mit einer Glanzparade.

Bei einem klaren Foulspiel an Mirja Kothe blieb der Elfmeterpfiff von Christiane Frai aus. Melanie Hoffmanns Freistoss aus 25m ging knapp am Tor vorbei. Bei heißem Sonnenschein waren die Spielerinnen froh, als es zur Pause ging. Auf beiden Seiten sah man aber die Anspannung in die Gesichter geschrieben. Jede Spielerin wusste, worum es ging.

Die zu Saisonbeginn von Brauweiler gekommene Petra Unterbrink erzielte das 2:2 für Essen

Bild: Volker Lieberum

Mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit bestimmte immer mehr der Kampf das Geschehen. Beide Mannschaften begannen offensiv. Doch in der 51. Spielminute dann Entsetzen bei Essen und Freude bei Wolfsburg. Claudia Müller setzte sich durch flankte in den Strafraum, wo Greco den Ball an der herauslaufenden Steffi Löhr vorbei zur 2:1 Führung einschießen konnte. Die VFL Bank nun in Jubeltaumel. Essen ernüchtert und geschockt. Die Führung kam für den VFL gerade richtig. Jetzt konnte man das Konterspiel aufziehen wie beim 4:0 Erfolg bei Bayern München. In der 58. Spielminute bediente Martina Müller ihre Mitspielerin Andrea Wilkens. Doch Steffi Löhr behütete mit einem Superreflex ihre Mannschaft vor der Niederlage. Eine Minute später scheiterte auch Martina Müller an Essens Torfrau. Stefanie Löhr war nach der Wolfsburger Führung Essens Festung.

Ralf Agolli reagierte und setzte nun


Essens Neuzugang Melanie Hoffmann erweist sich als echte Verstärkung. Hier umzingelt von drei Wolfsburgerinnen

Bild: Volker Lieberum

alles auf einer Karte. Brachte er schon in der 46. Spielminute Stephanie Mpalaskas für die am Knie verletzte Jutta Nardenbach, kam nun Petra Unterbrink für die total ausgepowerte Charline Hartmann auf den Platz. Hartmanns Formkurve zeigt eindeutig wieder nach Oben. Wolfsburg hatte nach der Führung bis zur 67. Spielminute das Spiel im Griff. Doch hatte der VFL nicht die SGS Fankurve auf dem Zettel. Die gab nun Gas. Jeder wusste, die Punkte müssen her. Wieder eine Glanzparade von Rissling nach einem tollen Mpalaskas Schuss aus 30m.

Wolfsburgs Sahra Freimuth kam nicht nur wegen des schönen Wetters ins Schwitzen

Bild: Volker Lieberum

Essen setzte nach. Forechecking schon am Strafraum des Gegners. Kein Ball wurde nunmehr kampflos den Wolfsburgerinnen überlassen. Immer wieder mit dem Fanblock im Rücken die Angriffe der SGS. In der 74.Spielminute dann der Auftritt der Petra Unterbrink. Gerade einmal vier Minuten auf dem Spielfeld kam eine Flanke von Melanie Hoffmann. Unterbrink wuchtete den Ball energisch an Anne Rissling zum 2:2 ins Tor. Riesenjubel „Am Hallo“. Die Fans waren aus dem Häuschen und machten weiter kräftig Stimmung. Wolfsburg war nun platt. Die Angriffsmaschine Essen lief auf Hochtouren. Drei Minuten später wieder Glanztat Rissling. Nach einem Freistoss von Hoffmann scheiterte Sabrina Duhme mit einem Kopfball. In der 78. Spielminute wieder Petra Unterbrink und wieder mit Köpfchen, und wieder Rissling. Die kleine Torhüterin (1,69m) hielt wirklich hervorragend.

Wolfsburgs Corinna Biese entweicht ihrer Gegenspielerin

Bild: Volker Lieberum

Dann kam Agollis zweiter Geniestreich. Irgendwie muss der Trainer bei den Einwechselungen den Papst in der Tasche gehabt haben. Melanie Hoffmann sah Stephanie Mpalaskas, die aus Duisburg in der Winterpause gekommene Spielerin hämmerte den Ball aus 25m ins linke Eck. Wolfsburg Torhüterin war bei diesem Hammer machtlos. Doch Mpalaskas, Schönebeck und ihren Fans war das Egal. Riesenjubel auf


der Tribüne „am Hallo". Dann die Möglichkeit für Wolfsburg, doch Steffi Schubert schlug den Ball im letzten Moment noch von der Linie weg (86.). Mirja Kothe hätte dann in der Schlussminute alles klar machen können. Doch der Ball zischte ans Tor vorbei. Christiane Frai erlöste dann die SGS mit dem Schlusspfiff. Essen konnte nun locker in den Mai feiern. Im spannendesten Heimspiel fuhr der abstiegsbedrohte Ruhrgebietsverein einen verdienten Sieg ein und setzte sich vom VFL Wolfsburg ab. Wichtig auch deshalb, weil Crailsheim nach dem Sieg gegen Freiburg (3:1) weiterhin zwei Punkte zurückliegt. Doch das Restprogramm spricht für Schönebeck.

Essens Joker Stefanie Mpalaskas (rechts) im Zweikampf

Bild: Volker Lieberum

Dazu kommt noch, dass man mit der Verpflichtung von Melanie Hoffmann eine Top-Verstärkung geholt hat. In der Pressekonferenz sah man dann Bernd Huneke die Enttäuschung an. Man habe durch eigene Dummheit verloren, doch die Hoffnung stürbe zuletzt.

Ralf Agolli bemängelte, dass sein Team mit einer Führung nicht umgehen könne. Seine Mannschaft agiere erst, wenn man mit dem Rücken zur Wand stehe. Agolli größter Wunsch: Die Leistung der letzten Viertelstunde würde er gerne einmal über 90 Minuten lang sehen.

Essen Schönebeck:
Löhr, Schubert, Mandrysch, Nardenbach (46.Mpalaskas), Arndt, Gäggeler, Kothe, Duhme, Hartmann (70.Unterbrink), Hoffmann, Chojnacki (27.Deimann)

Trainer: Ralf Agolli

Wolfsburg:
Rissling, Polze, Greco, C.Müller, Weber (85.Pieper), Kampf, Mohs, Freimuth (81.Ducan), Wilkens, Biese, M.Müller

Trainer: Bernd Huneke

Schiedsrichterin: Christiane Frai (Bremen)

Assistentinnen: Monique Klauß und Daniela Klein

Tore:
1:0 Kothe (3.)
1:1Greco (21.)
1:2 Greco (51.)
2:2 Unterbrink (74.)
3:2 Mpalaskas (80.)

Gelbe Karten: Gäggeler (82.) – Biese (31.) Mohs (58.)

Zuschauer : 518

Beste Spielerin: Melanie Hoffmann


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