1. Liga 22. Spieltag (vorgezogenes Spiel)

"Crailsheim - wir leben noch!"

TSV Crailsheim - 1. FFC Turbine Potsdam 2:0 (1:0)

Von Matthias Rotsch

11.05.2005    Daß sich die Fußballerinnen des TSV Crailsheim im Abstiegskampf noch nicht aufgegeben haben, zeigte der 2:0 (1:0) Sieg gegen den amtierenden Meister Turbine Potsdam. "Glücklich aber verdient" holten sie sich die drei Punkte, die sie mit einer mäßigen Leistung am Sonntag Bayern München überlassen mußten.

Erst hatte es den Anschein, als ob es die Termingötter des DFB schlecht meinten mit dem TSV Crailsheim. So war die Letztrundenbegegnung gegen den Noch-Meister Turbine Potsdam wegen des UEFA-Cup-Finals vorverlegt worden. Doch was eigentlich ein Vorteil für die Konkurrenz im Abstiegskampf hätte sein können, entpuppte sich als glücklicher Umstand für den TSV, denn Turbine Potsdam ist quasi schon auf dem Weg nach Stockholm, zumindest gedanklich. Nicht daß Turbine im Spiel gegen die Kellerkinder nicht gewollt hätte - im Gegenteil: Ganz klar war die Devise ausgegeben, druckvoller schneller Beginn, ein, zwei Tore machen und dann gemütlich Ergebnisverwaltung betreiben.

So lief der Ball in der Anfangsphase bei Potsdam frei nach belieben, und Crailsheim war hoffnungslos überfordert. Einige Riesenchancen waren die logische Folge und es hatte den Anschein, als ob der Plan aufgehen sollte, allein das Tor wollte nicht fallen. Auch bei besten Einschußmöglichkeiten agierten Conny Pohlers und Kolleginnen zu unkonzentriert, auch ein wenig unglücklich. Nach gut 20 Minuten schaltete Potsdam einen Gang zurück, und hatte dennoch dauerhafte Initiative. Crailsheim beschränkte sich darauf, die Mitte dicht zu machen, und spielte das beliebte englische Spiel "Who can kick the ball farthest" - nämlich auf die einzige Spitze Claudia Nußelt. Das 1:0 für Crailsheim (45.) kurz vor dem Pausenpfiff resultierte jedoch aus dem einzigen gelungenen Crailsheimer Spielzug der ersten Halbzeit, als Carina Breunig sich schön in Szene setzte und frei vor dem gegnerischen Tor auftauchte. Zunächst konnte Nadine Angerer noch abwehren, doch gegen den Nachschuß war sie machtlos.

Die zweite Halbzeit fügte sich nahtlos an die erste an. Potsdam machte das Spiel, Crailsheim versucht mit langen Bällen zu Kontern zu kommen.


Mit zunehmender Spieldauer jedoch schienen die Turbinen ein wenig gefrustet angesichts der kargen Chancenausbeute, hatte sich die vielbeinige TSV-Defensive doch gut an die immer einfallsloseren Angriffsbemühungen des Gegners (meist durch die Mitte) gewöhnt. Gar so mühsam hatte man sich den Ausflug nach Hohenlohe-Franken offenbar nicht vorgestellt. Und als sich die Einzelkämpferin Claudia Nußelt in der 77. Minute ein einziges Mal gegen Abwehr und Linienrichterin durchsetzen konnte (2:0), war das Spiel gelaufen.

Einen faden Beigeschmack mag dieses Ergebnis bei der direkten Crailsheimer Konkurrenz im Abstiegskampf hinterlassen. Und freilich mag man spekulieren, wie das Spiel hätte ausgegehen können, wenn nicht die drei Finalspiele in den Potsdamer Köpfen herumgegeistert wären. Doch am Willen der Gäste war nicht zu zweifeln, allenfalls an deren Konzentration, anders lassen sich die vielen kläglich vergebenen Chancen im ersten Durchgang eigentlich nicht erklären.

Beste Akteure der Gäste waren Sonja Fuss und Ariane Hingst, die ihre Mannschaft das ganze Spiel hinweg antrieb, aber so gar nicht mit dem Schicksal dieser Partie einverstanden war und meinte, ihren Frust an der Schiedsrichterin auslassen zu müssen, was diese trocken mit Gelb beantwortete.

Auf Seiten des Noch-nicht-ganz-Absteigers aus Crailsheim verdiente sich die Abwehr um Sandra Würth ein Sonderlob, ebenso die quirlige Carina Breunig, die sich nach ihrem Führungstreffer immer mehr zutraute und verstärkt durch schöne Aktionen im Mittelfeld auffallen konnte.

Turbine-Trainer Bernd Schröder nannte das Ergebnis anschließend "verdient", und suchte gar nicht nach Ausreden. Wer mit sechs oder sieben Nationalspielerinnen ("ich weiß gar nicht wie viele") auflaufe, der müsse so ein Spiel einfach gewinnen. Auch verwahrte er sich vorsorglich gegen den Vorwurf, das Spiel fahrlässig weggegeben zu haben und verwies darauf, auch gegen die anderen "Abstiegskandidaten" mit Spielerinnen aus der zweiten Reihe aufgelaufen zu sein. Im Hinblick auf das erste Finalspiel gegen Djurgården/Älvsjö nannte er diese Niederlage einen "schweren Rucksack", den die Mannschaft nun zu tragen habe.


Wulf Saur, Übungsleiter des TSV, konnte natürlich strahlen. Er gab unumwunden zu, daß seine Mannschaft nach einer Viertelstunde schon hätte mit 0:3 zurückliegen können. Nachdem dies überstanden war, zeigte er sich sehr zufrieden mit der disziplinierten Leistung seiner Elf, die trotz drückender Überlegenheit des Gegners kaum echte Chancen mehr zugelassen habe.

Ein Wort noch zu den Leistungen der Schiedrichter. Martina Storch-Schäfer leitet das recht faire Spiel noch ganz ansehnlich, wenngleich ein wenig pingelig. Indiskutabel hingegen die Leistungen ihrer Assistentinnen. Es ist bewundernswert, wie ruhig Claudia Nußelt blieb, als sie ein ums andere Mal äußerst zweifelhaft wegen angeblicher Abseitsstellung zurückgepfiffen wurde. Hier herrscht nach wie vor dringend Nachholbedarf, zumal dieses Spiel ja leider keine Ausnahme darstellt.

Aufstellungen:

TSV Crailsheim

Kübler, Schumpa (57. Goodman), Gronbach, Veeh, Held, Hörber (88. Wagner), Würth, Treyer, Jähn, Breunig, Nußelt (79. Müller)

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer, Becher, Höfler (46. Omilade), Fuss, Thomas, Odebrecht, Hingst, Zietz, Cristiane, Podvorica (70. Schiewe), Pohlers

Schiedsrichterin: Storch-Schäfer (Petersberg)

Zuschauer: 320

Tore:

1:0 Breunig (45.)
2:0 Nußelt (77.)

Gelbe Karte: Hörber, Held - Hingst, Thomas

rote Karte:-

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