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1. Bundesliga, 3. Spieltag

"Großer HSV besiegt kleinen HSV"

1. FC Lokomotive Leipzig - Hamburger SV 0:3 (0:0)

04.09.2011
Text und Bilder von Lutz Kollmann

Hamburgs Neuzugang Marie-Louise Bagehorn (links) verwandelt einen Freistoß zum vorentscheidenden 2:0 für den HSV.

"Großer HSV besiegt den kleinen HSV" - auf diesen einfachen wie orginellen Nenner brachte es Lok-Trainerin Claudia von Lanken nach dem Spiel. In der Tat hatte die Partie einen Hauch von Familienfeier, immerhin stehen in den Reihen der Blau-Gelben sechs Aktive, die bereits das Trikot mit der Raute trugen. Leipzig machte über weite Strecken das Spiel. Die Tore dagegen schossen die Hamburger und gaben damit die rote Laterne ab. Die familiäre Idylle trübte lediglich eine unschöne Hamburger Geste zum Spielschluss.

Die ersten Punkte müssen her - so das erklärte Ziel beider Mannschaften vor dem Spiel. Die Gastgeberinnen versuchten, dies von Beginn an umzusetzen. Anne van Bonn, die nach ihrer verletzungsbedingten Auswechslung am vergangen Sonntag einen Tag Trainingsausfall hatte, war wie gewohnt Dreh- und Angelpunkt im Spielaufbau der Leipzigerinnen. Mit steilen Pässen auf die Spitzen Meyer und Patzke ging es immer wieder flott in Richtung Hamburger Strafraum. Im Abschluss fehlte der erst 16-jährigen Lyn Meyer in den entscheidenden Situationen allerdings noch das nötige Durchsetzungsvermögen und die nötige Cleverness. Kathrin Patzke neben ihr war bei HSV-Abwehrchefin Janina Haye gut aufgehoben.
Verheißungsvolle Möglichkeiten gab es trotzdem. Nach 13 Spielminuten knallte Angelina Lübcke einen Freistoß aus 20 m an die Latte und in der 26. Minute konnte HSV-Keeperin Bianca Weech einen van-Bonn-Kopfball erst im zweiten Zufassen unter Kontrolle bringen. In dieser Phase schien eine Leipziger Führung nur eine Frage der Zeit.

Hamburg versuchte sich dagegen in einem kontrollierten Spielaufbau, der streckenweise regelrecht zaghaft wirkte. Das änderte sich nach einer halben Stunde. Vor allem die Standards der Hanseatinnen waren kreuzgefährlich für das Leipziger Tor. Einen Distanzschuss konnte Carolin-Sophie Härling im Lok-Kasten noch an die Latte lenken und nachdem Jessica Wich innerhalb weniger Sekunden zweimal den Pfosten traf, wäre eine Hamburger Führung auch schon zur Pause möglich gewesen. So ging es torlos in die Pause.

Nach dem Wechsel das gewohnte Bild mit einer um Offensive bemühten Leipziger Mannschaft. Die Führung aber gelang den Gästen - bezeichnenderweise mit einen Standard. Einen Eckball, der eigentlich schon abgewehrt schien, hämmerte Marisa Ewers nach 53 Spielminuten zum vielumjubelten ersten HSV-Tor der Saison ins Netz. Nur vier Minuten später verwandelte Hamburgs Neuzugang Marie-Louise Bagehorn einen eher fragwürdigen Freistoß aus halblinker Position zum 2:0. Ein Tor, das von Lanken als völlig unnötig bezeichnete und bei dem Leipzigs Torfrau Caro Härling keine gute Figur abgab.

Die Gastgeberinnen verstärkten nun ihre Offensivbemühungen. Auf der linken Seite ging Jobina Lahr immer wieder in die Spitze und auf der rechten Seite kam Florin Wagner zu ihrem ersten längeren Einsatz. Die 16-jährige kickte im vergangen Jahr noch bei Leipzigs B-Juniorinnen und rechtfertigte ihren Bundesligaeinsatz mit einer ordentlichen Leistung. Die drohende Niederlage vermochte auch sie nicht abzuwenden. Lediglich Kathrin Patzke war es vergönnt, noch einige male in den Hamburger Strafraum einzudringen. Eine Körperdrehung weniger oder der Blick für die gelegentlich besser postierte Mitspielerin wären ihr zu wünschen. Insgesamt hatte die routinierte HSV-Defensive die Sache im Griff. Ein Konter in der Schlussphase, den Aferdita Kameraj zum 3:0 Endstand abschloss, machte Hamburgs Trainer Achim Feifel endgültig zufrieden. Er hoffe, dass dieser erste Sieg seiner Mannschaft das nötige Selbstvertrauen für die Saison gibt. Leipzigs Trainerin dagegen war vor allem von Fehlern und Unsauberkeiten im eigenen Spielaufbau und "ein, zwei Ausfällen" enttäuscht. Gegen diese Hamburger Mannschaft sei ein Punktgewinn möglich gewesen, dafür habe ihre Mannschaft jedoch zu wenig getan. Im nächsten Bundesligaspiel geht es für den Neuling nun wieder gegen ein Schlusslicht. In Leverkusen scheint der erste Zähler gegen eine bisher enttäuschende Werkself realistisch. Bis dahin bleiben der Mannschaft drei Wochen Zeit, an Feinheiten zu arbeiten.

Auf Leipzigs Verletztenliste: Safi
Nyembo, Gabriella TothWieder genesen: Jobina LahrLyn Meyer kam gegen die massive Hamburger Deckung kaum zum ZugEnttäuscht: Gaelle Thalmann, Anne van Bonn

1. FC Lok Leipzig:
Härling, Herrmann (60. Wagner), Patzke, van Bonn, Ludwig, Lübcke, Heller (82. Szuh), Meyer, Krengel, Lahr, Schneider

Hamburger SV:
Weech, Simon (81. Hepfer), Engel, Ewers, Kameraj, Wich, Saländer, Meiforth, Timmermann (75. Brenner), Haye, Bagehorn (85. Nöhr)

Tore:
0:1 Ewers (53.)
0:2 Bagehorn (57.)
0:3 Kameraj (90.)

Gelbe Karten: - / Wich

Schiedsrichterin: Sandra Blumenthal (Pritzwalk), Katia Kobelt, Anke Seemann

Zuschauer: 726



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