| Text von Stephan Tegründe, Bilder von Sandra Kunschke
01.09.2011 Zweites Pflichtspiel der Frauen-Bundesliga im Leverkusener
Ulrich-Haberland-Stadion, wiederum gegen den Deutschen Meister aus Potsdam - und auch dieses Mal gab es wie im letzten Match der abgelaufenen Spielzeit nichts
für die Bayer 04-Frauen zu holen: Beim Heimauftakt in der neuen Saison verlor Leverkusen – wie schon in der Vorwoche in München – mit 0:3 (0:2)
gegen Turbine Potsdam.
Potsdams Torhüterin Ann-Katrin Berger, die für
die verletzte Anna-Felicitas Sarholz spielte - hier schneller als Johanna Elsig
Bayer startete mit einer recht defensiven Ausrichtung: vor der Viererkette spielten mit Götte, Weber und Elsig gewissermaßen drei „6er”; und es
wurde klar, dass man ein schnelles Gegentor, wie es am letzten Sonntag in München kassiert wurde, unbedingt vermeiden wollte. Dies klappte zunächst gut, und die
ersten Minuten gehörten der Heimmannschaft, die zwar vorsichtig agierte, aber sich keineswegs versteckte. Potsdam hatte zu Beginn noch Schwierigkeiten, ins
Spiel zu finden. Für Weltmeisterin Yuki Nagasato – sie spielt derzeit mit ihrem Nationalteam die Olympiaqualifikation der asiatischen Staaten –
rückte Antonia Göransson in die Spitze, die sich dort erst orientieren musste. Doch auch wenn Leverkusen in den ersten zehn Minuten optisch leicht überlegen
wirkte, wollten keine zwingenden Chancen herausspringen – zumal Doreen Meier ihre Topstürmerin Shelley Thompson zunächst auf der Bank gelassen hatte und
in der Spitze Lisa Schwab gegen die stabile Turbine-Abwehr allein auf weiter Flur stand. Entsprechend ergaben sich Chancen für die Baver-Elf ausschließlich aus
Distanzversuchen, beispielsweise von Susanne Kasperczyk direkt in der Anfangsphase und Francesca Weber noch einer knappen Viertelstunde. Die Bälle, die auf das
Tor von Ann-Kathrin Berger kamen, stellten für den Sarholz-Ersatz jedoch kein Problem dar.
Der Meister fand dann zunehmend besser ins Spiel, erste gefährliche Situationen konnten von der Leverkusener Abwehr jedoch geklärt werden oder wurden von der
Linienrichterin Abseits gewunken. Eine schöne, von Marith Prießen unterschätzte Flanke von Jennifer Cramer erwischte die überraschte Anonma in aussichtsreicher
Position auf dem falschen Fuß, ein Schuss von Mittag landete knapp neben dem Tor – der Druck der Turbinen wurde immer größer. In der 24. Minute
schließlich war es soweit: der mitgereiste Turbine-Anhang konnte sich über einen von Anonma erfolgreich abgeschlossenen Konter – schön eingeleitet von
Patricia Hanebeck und Viola Odebrecht – freuen und bejubelte damit auch einen ganz besonderen Treffer, denn dieses war das 1000. Tor für Turbine Potsdam
in der Bundesliga.
Bayer 04 keineswegs geschockt, aber dennoch unruhig im Spielaufbau, und Potsdam kam zu einigen gefährlichen Chancen, da vor allem Kathy Hendrich in der
Leverkusener Abwehr einen gebrauchten Tag erwischt hatte und den Ball mehrfach unnötig vertändelte; Turbine konnte jedoch keinen Profit daraus schlagen, da
Keeperin Lisa Schmitz alle Situationen entschärfen konnte. In der 43. Minute war Schmitz jedoch auch machtlos, als Bianca Schmidt nach einem Cramer-Eckball mit
anschließendem missglücktem Klärungsversuch der Abwehr trocken aus neun Metern abzog und zum 2:0 für die Gäste traf. Fast im Gegenzug hatte Johanna Elsig die
Riesenmöglichkeit zum Anschlusstreffer, verzog aber knapp, so dass es für die Gastgeberinnen mit dem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause ging.
Nach der Pause kam beim Deutschen Meister Isabel Kerschowski für Göransson, fügte sich gut ins Turbine-Spiel ein und fiel vor allem durch ihre Zweikampfstärke
auf. Bayer setzte zunächst unverändert fort, sowohl was die Aufstellung als auch die Unsicherheit in der Hintermannschaft betraf. Lisa Schmitz konnte sich aber
erneut mehrfach auszeichnen und Schlimmeres verhindern. In der Folge brachte Trainerin Doreen Meier mit Shelley Thompson eine Stürmerin für die glücklose
Hendrich, die sich zwischenzeitlich auch noch eine gelbe Karte eingehandelt hatte. Meier nahm ihre Spielerin nach dem Spiel in Schutz: „Auf Kathy können
wir uns in der Innenverteidigung sonst hundertprozentig verlassen, aber sie hat in der Nacht zuvor kaum schlafen können. Sie wegen der Fehler aus dem Spiel zu
nehmen kam für mich nicht in Frage, aber nach der Verwarnung wurde es mir doch zu heiß.”
Trotz Meiers Absicht, nun auf die Offensive und "alles oder nichts" zu setzen, wurde Leverkusen nicht
torgefährlicher und präsentierte sich vorn einfach zu harmlos, bis eine knappe Viertelstunde vor Schluss nach einer unübersichtlichen Situation im Potsdamer
Strafraum der Ball zur freistehenden Turid Knaak kam und diese aus kurzer Distanz einnetzte – dies allerdings aus einer Abseitsposition, so dass das Tor
keine Anerkennung fand. Kurz darauf verließ auch Knaak das Feld und wurde durch die junge Merle Barth ersetzt.
Auf der anderen Seite machte Turbine es besser: wiederum nach einer Ecke der auffälligen Jennifer Cramer stieg Odebrecht am höchsten und markierte den
3:0-Endstand für die Potsdamerinnen. Doreen Meier war dennoch zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft, bemängelte allerdings den in vielen Situationen
offensichtlich fehlenden Mut vor dem Tor. Potsdams Trainer Bernd Schröder zeigte sich nach dem Spiel abgesehen vom Ergebnis etwas unzufrieden mit seiner
Mannschaft, vor allem was die Chancenverwertung betraf, und zollte dem Gastgeber ein Lob: „Dem Gegner ist es gelungen, gut mitzuspielen und einen frühen
Rückstand zu verhindern, allerdings ging vorn zu wenig. Man darf die Mannschaft aber vor allem fußballerisch nicht unterschätzen.” In Leverkusen mag man
sich möglicherweise über die anerkennenden Worte freuen, nützen wird es freilich wenig: Bayer 04 steht gemeinsam mit dem Hamburger SV noch ohne Punkt und Tor am
Tabellenende und muss am kommenden Samstag in Duisburg antreten. Der deutsche Meister empfängt am Sonntag den bisher stark auftretenden Aufsteiger aus Freiburg.
Fazit:
Der Deutsche Meister gewann in Leverkusen verdient, aber glanzlos. Der Torabschluss ließ insgesamt zu wünschen übrig, was aber auch an der herausragenden
Torfrau Lisa Schmitz lag. Die Gastgeberinnen waren vielleicht etwas zu defensiv eingestellt; sie spielten zwar über weite Strecken gut mit, zeigten aber oft zu
wenig Mut im Abschluss und zu viel Respekt, gerade vor der Robustheit und dem körperlichen Durchsetzungsvermögen, mit dem Turbine vor allem durch Spielerinnen
wie Viola Odebrecht und Isabel Kerschowski wie gewohnt auftrat.
Bilder:
Oben links: Bianca Schmidt, die Torschützin zum 0:2, im Zweikampf mit der eingewechselten Merle Barth
Oben rechts: Genoveva Anonma taucht vor der starken Bayer-Torhüterin Lisa Schmitz auf, die wie hier mehr als einmal Kopf und Kragen riskierte
Mitte:Mit Isabel Kerschowski kam neuer Schwung in die Partie. Hier enteilt sie Bella
Linden
Unten:Viola Odebrecht, Torschützin zum 3:0, im Zweikampf mit Bayer 04-Neuzugang Turid
Knaak
Spiel-Stenogramm:
Bayer 04 Leverkusen: Schmitz – Kasperczyk, Hendrich (66. Thompson), Prießen, Elsig – Götte, Weber, Linden (73. Beckmann), Knaak (80.
Barth), Moik – Schwab
1. FFC Turbine Potsdam:
Berger – Peter, Schmidt, Kemme – Cramer, Zietz, Odebrecht, Hanebeck – Mittag (71. de Ridder), Göransson (46. I. Kerschowski), Anonma
Tore:
0:1 Anonma (24.) 0:2 Schmidt (43.) 0:3 Odebrecht (83.)
Gelbe Karten: Hendrich / -
Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne) mit Monique Elsner und Kathrin Heimann
Zuschauer: 515
Weitere Bilder von diesem Spiel unter: www.girlsplay.de
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