Text und Bilder von Lutz Kollmann
14.12.2011 Potsdams Trainer Bernd Schröder war sichtlich unzufrieden mit der fußballerischen Leistung seiner Spielerinnen, nannte sie "nicht das Gelbe vom Ei".
Sein Leipziger Kollege Jürgen Brauße dagegen freute sich über das "mutige und freche" Spiel seiner Schützlinge.
Verkehrte Welt? Mitnichten - beide resümierten das 0:7 der Leipziger Lok gegen die Potsdamer "Torbienen".
Unterschiedlicher können die Ansprüche eines Serienmeisters und eines Aufsteigers an die eigene Leistung nicht sein.
Erste Chance - erstes Tor. Genoveva Anonma (zweite von rechts) hat sich durchgesetzt und passt nach innen, wo Anja Mittag (Nr. 31) zum 0:1 für Potsdam vollendet.
In Potsdams Startformation stand nach den Verletzungsmeldungen der letzten Woche erstmals in dieser Saison die 18-jährige Kristin Demann und auf Seiten der Gastgeberinnen war Anne van Bonn nach Verletzungspause wieder dabei. Trainer Brauße bot sie im Mittelfeld auf, er wollte die eingespielte Abwehrreihe nicht auseinderreißen. Angesichts des 0:7 möchte man meinen: Hätte er es nur getan.
Entgegen dem Vorsatz der Gastgeberinnen, so lange wie möglich ein "zu Null" zu halten, eröffnete Anja Mittag bereits nach fünf Minuten den Potsdamer Torreigen. Dabei machte es die Leipziger Hintermannschaft ihren Gegnerinnen auch nicht allzu schwer und offenbarte gegen die Potsdamer Spitzen deutliche Defizite im Tempo und im Stellungsspiel. Dazu kam Inkonsequenz wie beim 0:2, als die Leipziger Abwehr den Ball nach Göransson-Ecke einfach nicht aus dem eigenen Torraum brachte und Abstimmungsprobleme wie beim missratenem Abstoß von Härling auf Lübcke, den Nagasato mit dem 0:3 bestrafte. Schröders Trainermine beruhigte sich angesichts der frühen Spielentscheidung. Gerade zu Spielbeginn hatte es ihn kaum auf seiner Bank gehalten. Lautstark mahnte er Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten seiner Spielerinnen an, die in der Tat einiges schuldig blieben. Zu oft fand der finale Pass nicht statt und zu oft mussten Anonma und Nagasato aus Abseitsstellung zurückgepfiffen werden.
Auf der anderen Seite fand das von Brauße gelobte Spiel nach vorn tatsächlich statt. Vor allem über die rechte Seite ging es flott zur Sache, nur die sich bietenden Chancen wurden nicht genutzt. Beste Möglichkeiten durch Schneider (17.), Ebermann (29.), ein Lübcke-Freistoß (34.) und Heller (35.) wurden eine Beute von Potsdams Torfrau Alyssa Naeher. Das 0:4 war dann wieder ein Beweis für die Tatenlosigkeit der Leipziger Abwehr. Nach Göransson-Ecke ließ man Anja Mittag aus der Distanz gewähren, den von der Latte zurückspringenden Ball konnte Debütantin Demann unbedrängt im Tor unterbringen.
Um nicht völlig unter die Räder zu kommen verstärkte Lok nach der Pause die Defensive. Turbine dagegen schaltete einen Gang zurück. Trotzdem reichte es noch zu drei Toren durch Anja Mittag (51.) und Yuki Nagasato (61. und 84.).
Für Lokomotive hatten Marlene Ebermann (61.) und Safi Nyembo (87.) die Möglichkeit, den Anschlusstreffer zu erzielen. Jeweils begünstigt durch Nachlässigkeiten der Potsdamer Abwehrreihe, was Trainer Schröder zur bereits erwähnten Kritik veranlasste.
Einmal in Rage bemängelte der 69-jährige erneut die Zustände im deutschen Frauen- und Mädchenfußball sowie im Nationalteam. Angesprochen auf die Nachwuchsarbeit beim brandenburgischen Bundesligisten machte Schröder seine Ablehnung zu der ab nächstem Jahr geplanten B-Juniorinnen-Bundesliga deutlich und holte auch gleich zu einer Breitseite gegen Verband und Politik aus. Eines muss man dem alten Trainerfuchs nach 40 Jahren Berufserfahrung allerdings zubilligen, er weiß wovon er spricht und er hat nicht Unrecht.
Die komplette Pressekonferenz ist übrigens auf YouTube zu sehen.
1. FC Lok Leipzig:
Härling, Pfretzschner (56. Homp), Herrmann, Toth, van Bonn (74. Szuh), Lübcke, Ebermann (69. Nyembo), Heller, Lahr, Schneider, Schinkel
1. FFC Turbine Potsdam:
Naeher, Demann, Peter (64. Wesely), Anonma (70. Kerschowski), Hanebeck, Cramer, Odebrecht, Nagasato, Göransson, Kemme, Mittag (61. Kulis)
Tore:
0:1 Mittag (5.)
0:2 Anonma (22.)
0:3 Nagasato (25.)
0:4 Demann (38.)
0:5 Mittag (51.)
0:6 Nagasato (61.)
0:7 Nagasato (84.)
Gelbe Karten: Odebrecht
Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf), Anke Seemann, Nicola Laura Jepkens
Zuschauer: 693
Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de
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