Text und Bilder von Lutz Kollmann
15.11.2011 Nach den Achtungserfolgen des vergangenen Spieltages wollten beide Teams nachlegen. Nach der Partie konnte nur Neuenahr-Trainer Colin
Bell Vollzug melden. Die Lok-Elf blieb dagegen spielerisch und kämpferisch vieles schuldig.
Das 0:2
war die endgültige Entscheidung zugunsten der Gäste. Leipzig bekommt den Ball nach einem Eckstoß nicht aus der Gefahrenzone und Celia Okoyino da
Mbabi (rechts) kann aus Nahdistanz vollenden.
Leipzigs Trainer Jürgen Brauße, der mit seiner Mannschaftsaufstellung immer mal wieder für Überraschung sorgt, blieb diesmal
erstaunlich konservativ. Marlene Ebermann, der vor Wochenfrist noch eine Denkpause verordnet worden war, kehrte in die Anfangsformation zurück. Dafür
fehlte Anja Hädrich aus beruflichen Gründen, für sie rückte Jobina Lahr in die Abwehrkette.
Im Aufgebot der Gäste fehlte Neuseelands Nationalspielerin Katie Hoyle auf Grund einer Oberschenkelverletzung.
Über die erste Halbzeit gibt es nicht viel zu berichten.
Colin Bell, dessen Herz auch nach seinem Abschied aus Dresden vor elf Jahren noch am Ost-Fußball hängt, und der regelmäßig in
Sachsen weilt, nannte es eine "ausgeglichene erste Hälfte". In Wirklichkeit war es ein an Höhepunkten armer Kick, mit leicht optischem
Übergewicht der Leipzigerinnen und zwei Möglichkeiten auf Seiten der Gäste.
Wäre es so weitergegangen, hätte die Partie keinen Sieger verdient gehabt.
Als Celia Okoyino da Mbabi kurz nach Wiederanpfiff den Ball an die Latte knallte, änderte sich das glücklicherweise. Es war der Weckruf
für Bells Elf, denn ab da bestimmten die Mädchen von der Ahr das Geschehen. Carolin Härling im Leipziger Kasten bekam wie schon vor einer Woche
in Jena reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Mit tollen Paraden bei Aktionen von Gregorius und Selensky bewahrte sie ihre Mannschaft vor einem
Rückstand.
Bis zur 65. Minute. Anne Heller holte im Mittelfeld Celia Okoyino da Mbabi von den Füßen. Der fällige Freistoß aus zentraler Position, 30 Meter Torentfernung, getreten von Laura Störzel,
schien schon im Blau des Leipziger Nachmittagshimmels entschwunden, senkte sich dann aber zum Entsetzen der Leipzigerinnen und zur Überraschung der
Gäste hinter Härling in die Maschen.
Für die Gastgeberinnen war dies der Bruch. Statt eines kämpferischen Aufbegehrens wie zuletzt, erlebten die 491 Zuschauer Ideenlosigkeit im
Spielaufbau, eine rekordverdächtige Fehlpassquote im Mittelfeld und die Harmlosigkeit des Leipziger Sturms. Einzig die auf dem rechten Flügel
unermüdlich rackernde Jobina Lahr sorgte bei zwei Gelegenheiten für so etwas wie Gefahr im Gäste-Strafraum. Marlene Ebermann, einzige Spitze, und
Safi Nyembo, aus leicht zurückgezogener Position, blieben dagegen blass.
Neuenahr behielt das Spiel unter Kontrolle, hatte durch Gregorius und Doorsoun-Khajeh weitere Torgelegenheiten und sorgte durch Okoyino da Mbabi, mal links,
mal rechts, für ständige Unruhe in der Leipziger Hintermannschaft. Die endgültige Entscheidung leitete Jubilarin Ramona Petzelberger (19.
Geburtstag) mit einem Eckstoß von der linken Seite ein. Nach zwei erfolglosen Abwehrversuchen per Kopf war Celia Okoyino da Mbabi zu Stelle und vollendete
aus Nahdistanz zum 0:2.
Die letzte Leipziger Hoffnung, wenigstens durch einen Heller-Freistoß (85.) den Anschlusstreffer zu erzielen, machte Almuth Schult zunichte.
Schrecksekunde dann, denn nach dem darauf folgenden Eckstoß blieb Anne van Bonn im Gäste-Tor liegen. Sie war mit Almuth Schult zusammengeprallt,
musste behandelt werden und befand sich bei Spielschluss bereits auf dem Weg ins Krankenhaus. Am frühen Abend erreichte uns die Diagnose: Prellung im
rechten Knie. Vorbehaltlich eines MRT am Donnerstag damit erst einmal Aufatmen, denn ein Ausfall van Bonns wäre ein echtes Handicap. Sie ist Organisatorin
der Leipziger Abwehr und ihre gelegentlichen Ausflüge in die Spitze sind auch nicht ungefährlich.
Das Spiel in München in zwei
Wochen dürfte ohnehin die letzte Möglichkeit sein, um vor Weihnachten noch auf Punktejagd zu gehen, denn in den noch ausstehenden Heimpartien gegen
Potsdam und Duisburg scheint das nicht realistisch. Braußes Plan, aus den drei Begegnungen mit direkten Abstiegskandidaten mindestens vier Punkte zu
holen, könnte also an seinem 57. Geburtstag noch aufgehen.
Dann definitiv weiter ohne Kathrin Patzke. Wie der Verein offiziell mitteilte, liege ihre nahe Zukunft in der 2. Mannschaft. Für eine gestandene
Bundesligaakteurin ist der Schritt in die Regionalliga sicher ein herber Rückschlag. Wie Trainer Brauße versicherte, seien dafür rein sportliche
Gründe ausschlaggebend. Patzkes Lebensmittelpunkt ist Hamburg, freitags reist sie zum Training nach Leipzig und weilt dann drei Tage bei der Mannschaft.
Die fehlende Bindung wird sie daher auch zur 2. Mannschaft nicht aufbauen können, vielleicht kehrt dort aber der sportliche -, sprich Torerfolg zurück
und wir können die 29-jährige bald in Liga Eins wiedersehen.
Für das Liga-Urgestein Bad Neuenahr dagegen dürfte die von Verletzungspech begleitete Durststrecke überwunden sein. Mit dem Sieg in
Leipzig konnte man sich zwar noch nicht im Mittelfeld platzieren, ist aber mit nunmehr acht Punkten nah dran.
Und die nächsten so genannten Sechs-Punkte-Spiele kommen gerade recht.
1. FC Lok Leipzig:
Härling, Lahr, Lübcke, van Bonn (89. Pfretzschner), Schinkel, Szuh, Heller, Nyembo (69. Janitzki), Toth (83. Homp), Herrmann, Ebermann
SC 07 Bad Neuenahr:
Schult, Störzel, Schröder, Kuznik, Doorsoun- Khajeh, Maier, Selensky (87. Nati), Rolser, Petzelberger, Okoyino da Mbabi, Gregorius (89.
Mahn)
Tore:
0:1 Störzel (65.)
0:2 Okoyino da Mbabi (78.)
Gelbe Karten: Maier
Schiedsrichterin: Martina Storch-Schäfer (Petersberg), Sabine Stadler, Ann-Kathrin Huck
Zuschauer: 491
Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
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