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11.10.2011
Bericht von Steffen Langbein, Bilder von Holger Peterlein
Gleich zweimal gastierten am vergangenen Wochenende Potsdamer Fußballteams im Ernst-Abbe-Sportfeld - in einer Thüringer Lokalzeitung hoffte man aus Jenaer Sicht auf vier Punkte. Daraus wurde bekanntermaßen nichts. Während die Männer aus Babelsberg durchaus überraschend mit einem 2:1-Sieg über den FC Carl Zeiss die Punkte mitnahmen, kam der Sieg des aktuellen Meisters Turbine beim FF USV weniger überraschend.

Der Trainerstuhl von Zeiss-Trainer Heiko Weber wackelte nach der neuerlichen Niederlage zunächst bedenklich, was auch noch am Sonntag am Rande des Frauenspiels Thema bei den zahlreich erschienenen Journalisten und den Zuschauern war. Ähnliches hat USV-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sicherlich derzeit nicht zu befürchten, auch wenn die Niederlage mit 0:7 ziemlich deftig ausfiel. Dabei sah es zu Beginn gar nicht danach aus. Jena versteckte sich nicht gegen den Favoriten, kam durch Ex-Turbine Carolin Schiewe per Kopf zur ersten Chance (5.). Auf der Gegenseite köpfte Viola Odebrecht einen Eckball von Genoveva Anonma knapp am kurzen Eck vorbei (9.). Anja Mittag zeigte per Hackentrick auf Nagasato etwas für die Galerie (10.). Der FF USV spielte weiter frech mit, einen Freistoß, aus der eigenen Hälfte von Mirte Roelvink verpasste Sylvia Arnold im Strafraum nur knapp (12.). Wenig später lief der Ball schön und schnell über Sylvia Arnold, weiter mit Absatzkick von Amber Hearn auf Julia Arnold, die mit ihrem 20-Meter-Schuss Alyssa Naeher, die diesmal das Turbine-Tor hütete, vor keine große Probe stellte. Odebrecht versuchte es für Turbine ebenfalls aus der Distanz, allerdings knapp vorbei (19.).
Jena im Konterstil über die Neuseeländerin Hearn, deren Eingabe Sylvia Arnold knapp verpasste (24.). Das Jenaer Publikum war mit der Leistung des gastgebenden Außenseiters zufrieden. Der Autor notierte sich gerade „Jenas Abwehr steht bisher gut“ auf seinen Notizzettel, da gelang Turbine Potsdam das 1:0. Yuki Nagasato köpfelte Odebrechts hohe Eingabe über Jenas Keeperin Katja Schroffenegger ins lange Eck (26.).
Dass Genoveva Anonma weiß, wo in Jena die Tore stehen zeigte sie spätestens in der 33. Minute. Nachdem die Ex-Jenaerin kurz vorher noch das Leder verzog, hämmerte sie den Ball aus 20 Meter mit sattem Linksschuss zum 0:2 in den rechten Winkel. Wenig später zappelte der Ball erneut im Netz, diesmal Yuki Nagasato mit links in den linken Winkel (35.)., fast eine Kopie der Schusstechnik von Anonma und vier Meter weiter vorn. Und weiter ging es mit Treffern der offensivstarken Turbinen fast im Minutentakt gegen in dieser Phase überforderte Jenaerinnen, wie auch Trainerin Martina Voss-Tecklenburg bekannte. Anonma`s Schuss knallte an den linken Pfosten, hoppelte dann auf der Linie entlang, Schroffenegger schnappte sie den Ball hinter der Linie, wie die Linienrichterin fand also 0:4 (37.). Fernsehbilder besagten etwas anderes, aber die haben die Unparteiischen ja nicht zur Verfügung muss man fairerweise erwähnen. Der Jubel der Turbine-Anhänger war kaum verklungen, da setzte sich Anja Mittag gegen zwei Verteidigerinnen im Strafraum durch und jagte das Leder aus Nahdistanz zum 0:5-Pausenstand ins kurze Eck (39.).
Nach der Pause kam Jena zunächst ganz gut ins Spiel, Hearns Kopfball war ein erster Beleg. Dann aber schlug erneut ausgerechnet Anonma aus Nahdistanz zu und markierte schon ihren 11. Saisontreffer (48.)! Auch die eingewechselte Schwedin Antonia Göransson beteiligte sich nun am Potsdamer Offensivspiel (51., 54.). Generell schienen die Schröder-Schützlinge aber einen Gang rauszunehmen. Die Defensive des FF USV stand auch besser als die Minuten vor der Pause. Jenas Offensivbemühungen zumeist über Hearn und Sylvia Arnold, die vorn meist ziemlich allein waren, bringen das Tor der Gäste aber kaum in Gefahr.
Ins Turbine-Spiel kam mit der eingewechselten Isabel Kerschowski wieder etwas mehr Torgefahr. Eine ihrer Flanken landete nach Abwehrversuch bei Göransson, die zum 0:7-Endstand traf (73.). Julia Arnold hatte nach Zuspiel von Karoline Heinze noch eine dicke Chance wenigstens zum Ehrentreffer, Naeher vereitelte aber mit starker Parade das Gegentor (83.).
Aus gegenseitiger Kooperation und Respekt besuchten übrigens die USV-Frauen ebenso das Spiel der Männer wie einen Tag später die Zeiss-Männer bei den Frauen auf der Tribüne saßen. Einmalig sicherlich in Fußballdeutschland übrigens auch, dass beim Frauenspiel mehr Gästefans dem Spiel beiwohnten, als am Vortag bei den Männern aus Potsdam angereist waren. Die Turbine-Anhänger verbreiteten wie gewohnt tolle Stimmung, aber auch das Jenaer Publikum trug trotz der Niederlage zur tollen Atmosphäre auf der Tribüne im Jenaer Paradies bei. Auch ein japanisches Fernsehteam war mit vor Ort und beobachtete vor allem seine Weltmeisterin Yuki Nagasato.
Stimmen nach dem Spiel:
Martina Voss-Tecklenburg (USV Jena):
„Die ersten 20 Minuten haben wir noch ganz gut mitgehalten, das erste Gegentor war dann der Knackpunkt. Dann folgten ein paar Blackouts von uns, Traumtore und auch ein paar unglückliche Situationen gegen uns. Potsdam war sehr stark und effektiv und hat fast jeden unserer Fehler bestraft.“
Bernd Schröder (Turbine Potsdam):
„Ich hätte nicht gedacht, dass wir hier so hoch gewinnen. Wir haben auch einen sehr guten Tag erwischt und einige Traumtore erzielt.“
Genoveva Anonma (Turbine Potsdam):
„Es war heute ein schwieriges Spiel für mich, ich hatte vorher etwas Angst gegen meine Freunde spielen zu müssen. Ich hatte schöne Jahre hier in Jena Über die drei Tore kann ich mich deshalb nicht so richtig freuen.“
   
FF USV Jena:
Schroffenegger, Roelvink, Radtke, Seiler, Löser, Milde (70. Heinze), Schiewe (80. Kraus), J. Arnold, Salkunic, Hearn, S. Arnold
1. FFC Turbine Potsdam:
Naeher, B. Schmidt (65. I. Kerschowski), Peter, Kemme (46. Göransson), Zietz, Odebrecht, Hanebeck, Cramer, Nagasato (75. De Ridder), Mittag, Anonma
Tore:
0:1 Nagasato (25.)
0:2 Anonma (33.)
0:3 Nagasato (35.)
0:4 Anonma (37.)
0:5 Mittag (39.)
0:6 Anonma (48.)
0:7 Göransson (73.)
Gelbe Karten: S. Arnold / -
Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne) mit Kathrin Heimann und Nadine Matthes
Zuschauer: 1.010
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Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
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