| Text und Bilder von Tom Schlimme
29.11.2011 Im Pokal vor wenigen Wochen hatte der VfL Wolfsburg noch unglücklich beim 1. FFC
Frankfurt mit 1:0 verloren. Nun waren die Wölfinnen in der Liga erneut zu Gast in Frankfurt, und diesmal waren sie es, die ein knappes, aber nicht unverdientes 1:0 feiern konnten.
Der VfL Wolfsburg zog damit an Frankfurt vorbei auf den dritten Tabellenplatz, der 1. FFC Frankfurt aber gerät nach nunmehr drei Bundesliga-Niederlagen in Folge immer tiefer in die
Krise.
Das Tor des Tages: Conny Pohlers trifft bei ihrem Ex-Club und schießt
diesen damit tiefer in die Krise. Weder Keeperin Nadine Angerer noch Saskia Bartusiak können daran noch etwas ändern
Dabei begannen die Wölfinnen diesmal längst nicht so furios wie im Pokal, wo sie extrem laufstark und spritzig die Frankfurter Abwehr unter Druck gesetzt hatten. Diesmal war zu
Beginn erst einmal ein vorsichtiges Abtasten beider Teams zu sehen, wobei Frankfurt leichtes Übergewicht hatte. In der siebten Minute holte Melanie Behringer einen Freistoß für
den FFC nah an der Strafraumgrenze heraus, Dzsenifer Marozsan, mit Lira Bajramaj heute wieder in der Sturmspitze, versuchte einen Trick, der blieb aber in der Wolfsburger Mauer
hängen. Im direkten, schnell durchgeführten Gegenzug war Martina Müller fast schon durch, stolperte dann aber, so dass Saki Kumagai klären konnte. Da war es schon wieder, das
bekannte Dilemma in Frankfurt: Der FFC macht es kompliziert, der Gegner einfach. Eine weitere einfache Aktion des VfL brachte dann auch schon das Tor des Tages: 15. Minute, steiler
Pass auf Verena Faißt, die Wolfsburger Linksverteidigerin geht allein Richtung Strafraum, Keeperin Nadine Angerer kommt ihr entgegen, Faißt schießt, Angerer pariert, doch der Ball
springt an ihr hoch und kommt so wieder herunter, dass Conny Pohlers ins leere Frankfurter Tor einschießen kann. Ausgerechnet Conny Pohlers, die in der vergangenen Saison noch
Torschützenkönigin geworden war - im Trikot des 1. FFC Frankfurt. Und das als Einwechselspielerin mit erstaunlich wenig Spielzeit, was ja letztlich auch der Grund war, wieso
Pohlers nach Wolfsburg wechselte, wo sie mit einem festen Platz in der Startelf rechnen kann. Wie positiv die Frankfurter Fans Pohlers noch in Erinnerung haben, zeigte der
freundliche Beifall bei der Begrüßung und mehr noch die Ovations, als Pohlers nach 80 Minuten dann ausgewechselt wurde und sich feiern lassen durfte.
Dieses eine Tor hätte das Spiel aber nicht entscheiden müssen. Schon eine Minute später musste Wolfsburgs Keeperin Alisa Vetterlein in höchster Not vor Kerstin Garefrekes
klären. Doch das war es dann auch schon wieder mit guten Frankfurter Chancen. Wolfsburg, von Trainer Ralf Kellermann offensichtlich sehr gut eingestellt, stand gut, machte die
Räume eng, und die Spielerinnen des FFC schafften es einfach nicht, den nötigen Druck aufzubauen. Das Spiel aus der Abwehr heraus wirkte ratlos, Anspielstationen Mangelware.
Steile Pässe aus dem Mittelfeld ins Nichts waren aber auch keine Lösung für die Frankfurter Probleme. „Schnell spielen!”, forderte Frankfurts Trainer Sven Kahlert,
doch es wirkte nicht so, als würden seine Spielerinnen ihn hören. Irgendwie hatte man den Eindruck, die Mannschaft spiele mit Beruhigungsmitteln im Blut, alles in einem Tempo,
meist klein klein, irgendwie kompliziert, irgendwie ineffektiv. „Geht doch vorne rein, in die Spitze” rief Kahlert seinen Sturmspitzen Lira Bajramaj und Dzsenifer
Marozsan zu, doch er schien nicht recht durchzudringen. Wobei auch die Frage zu stellen ist, ob Bajramaj und Marozsan wirklich die idealen Sturmspitzen sind oder nicht besser ein
Stück hinter den Spitzen aufgehoben sind, Positionen, die die beiden scheinbar instinktiv immer wieder zu suchen scheinen. Doch da ist in einem relativ gleichmäßig besetzten
Mittelfeld wenig Platz und es gibt auch derzeit keine andere Spielerin im Kader des 1. FFC Frankfurt, die als typische Sturmspitze, vor allem als effektive Knipserin zu bezeichnen
wäre. Ana-Maria Crnogorcevic ist verletzt, Jessica Landström genießt momentan wohl nicht das Vertrauen des Trainers. Denn, dies sei vorweggenommen, Landström wurde, obwohl einzige
Stürmerin auf der Bank, nicht eingewechselt, und Kahlert erklärte in der Pressekonferenz nach dem Spiel auf die Frage warum, sie sei schlicht und einfach nicht besser
als die Stürmerinnen auf dem Platz.
Immerhin, gegen Ende der ersten Halbzeit kam der FFC dann doch noch zu einigen Chancen. Nach einem Flankenlauf von Garefrekes auf links kam Marozsan an den Ball, schoss sich
jedoch selber an die Hand. Dann hatte Marozsan wirklich großes Pech, als sie nach einem Eckstoß angespielt von Saskia Bartusiak nur den Pfosten traf. Doch viele Chancen
vergeben die FFC-Spielerinnen schon in der ganzen Saison durch zu komplizierte Spielweise. So in der 43. Minute, als Svenja Huth von rechts klasse in den Strafrau eindrang,
Bajramaj anspielte, doch diese setzte zum Dribbling an, statt zu schießen, und schließlich versprang ihr der Ball. Nur eine Minute später war es dann Marozsan, die am Strafraum
hätte schießen können, statt dessen spielte sie einen Fehlpass. Die klarere Gelegenheit hatte dann zum Schluss der ersten Halbzeit noch einmal der VfL Wolfsburg: Nadine Keßler
fing einen Ball im Frankfurter Aufbauspiel im Mittelfeld ab, spielte zu Pohlers, die allein vor Angerer, doch die Nationalkeeperin parierte den Schuss aus kurzer Distanz
hervorragend.
Nach der Pause begann der FFC stark, erspielte sich nach 10 Sekunden den ersten Eckstoß der zweiten Hälfte. Doch dann
ging es erst mal weiter wie bisher, Fehlpässe beim Spielaufbau, und wenn der Ball doch mal vorne war, bloß nicht selber schießen, immer die Verantwortung noch mal weiter
reichen, es war grausam anzusehen. Dabei dominierte der FFC das Spiel durchaus, Kellermann äußerte sich hinterher ziemlich unzufrieden über das Spiel seiner Elf im zweiten
Durchgang. Doch was nützen optische Überlegenheit und Ballbesitz, wenn dabei nur wenige Chancen heraus springen und man aus diesen wenigen Chancen dann auch noch nichts
macht... Allerdings muss man auch sagen, Alisa Vetterlein im Wolfsburger Tor parierte einige Male sehr gut gegen Schüsse aus spitzem Winkel von Bajramaj und Garefrekes. Auch
einen Freistoß von Behringer fischte Vetterlein klasse aus dem Eck.
Fazit:
Es war auch Glück dabei, dass Wolfsburg dieses Spiel gewann, was von Wolfsburger Seite auch zugegeben wurde. Aber wenn man sich anschaut, wieviel "Pech" der 1. FFC Frankfurt in
dieser Saison schon hatte - in Stabaek super Spiel hingelegt, viele Chancen vergeben und schließlich 1:0 verloren, bei der 1:0-Niederlage in Freiburg einen Elfmeter vergeben und
aus vielen Chancen kein Tor gemacht, beim 0:2 gegen Potsdam aus vielen Chancen kein Tor gemacht, zweimal Aluminium getroffen, jetzt beim 0:1 gegen Wolfsburg wieder nur den Pfosten
erwischt - das kann dann kein reines Pech mehr sein, sondern hat System. Nur welches, wenn man das wüsste, könnte man es vielleicht abstellen...
1. FFC Frankfurt: Angerer - Krieger (58. Percival), Bartusiak, Kumagai, Weber - Garefrekes, Smisek, Behringer, Huth - Bajramaj (86. Lewandowski), Marozsan
VfL Wolfsburg:
Vetterlein - Tetzlaff, Smith, Henning, Faißt - Jakabfi (84. Blässe), Keßler, Goeßling, Hartmann - Pohlers (80.Moser), Müller (90. Bunte)
Tore:
0:1 Pohlers (15.)
Gelbe Karten:- / Pohlers
Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa) mit Anett Unterbeck und Susann Dittmar
Zuschauer: 1890
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