| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
14.11.2011 Das Spitzenspiel der Frauenfußball Bundesliga zwischen dem 1. FFC
Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam sah einen klaren Sieger: die Turbinen aus Potsdam waren ihren alten Rivalinnen aus Frankfurt in allen Belangen
überlegen und spielten sich mit einem verdienten Sieg einen nur noch sehr schwer einholbaren Sechs-Punkte-Vorsprung in der Tabelle heraus.
In dieser
Szene wird Anja Mittag (blaues Trikot) von Sara Thunebro (links) und Keeperin Nadine Angerer abgeblockt, in einer ähnlichen bekam Mittag den Fuß zum
Siegtreffer an den Ball. Potsdams Stürmerinnen tauchten immer wieder blitzschnell und brandgefährlich vor dem Frankfurter Tor auf
Dabei starteten die Frankfurterinnen vor 5.200 Zuschauern (ausverkauft, Rekord im Stadion am Brentanobad für ein Bundesligaspiel) gut und drangen schon in der
zweiten Spielminute in den Potsdamer Strafraum vor. Kerstin Garefrekes wurde nah am Tor gerade noch von Babett Peter auf Kosten eines Eckstoßes abgeblockt. Die
Hereingabe landete auf dem Kopf von Sandra Smisek, die aber nur die Latte traf. Danach spielten sich die fleißig weiter stürmenden Frankfurterinnen noch
zweimal in den Potsdamer Strafraum. Doch in der achten Minute fiel das erste Tor, aber, zu diesem Zeitpunkt überraschend, auf der anderen Seite. Nach einem
Einwurf auf der rechten Seite kam der Ball zu Patricia Hanebeck in den Strafraum, die setzte sich gegen Saki Kumagai durch, spielte flach in den Rücken der
Abwehr, und Jennifer Cramer vollendete mit einem präzisen Schuss ins lange Eck. Riesenjubel bei den Potsdamer Spielerinnen, Schock bei Frankfurt, und von
diesem Moment an war das Spiel gekippt. Nur eine Minute später leitete Hanebeck die nächste gefährliche Situation ein, doch der steil angespielten Yuki
Nakgasato sprang der Ball weg. Es dauerte trotzdem nicht lange bis zum zweiten Potsdamer Tor: wieder kam der Pass von Hanebeck, diesmal auf Genoveva Anonma.
Die Frankfurter Abwehr reklamierte Abseits, vermutlich auch zu recht, auch wenn es dem Fernsehreporter nicht auffiel. Man kann es in der Aufzeichnung aber
gut erkennen, wenn man die Stopptaste benutzt, und live im Stadion war ich mir ebenfalls sicher. Entscheidend ist aber das, was die Schiedsrichterinnen
entscheiden, und die ließen weiter laufen, Anonma war durch, schöner Pass zu Anja Mittag, die hielt den Fuß hin - würde sie doch einmal in der Nationalelf
solche Tore schießen! - und der Ball war drin. 13. Minute, noch genug Zeit, um das Spiel noch zu drehen, doch während Frankfurt sich mühte, in die Nähe des
Potsdamer Tores zu kommen, was auch einige Male gelang, wobei der Ball aber über das Tor, gegen eine Gegenspielerin oder auf die Torhüterin geschossen
wurde, wirkten die Potsdamer Konter deutlich gefährlicher, auch wenn sie nun ebenfalls nichts mehr einbrachten.
Auffällig war, dass Schiedsrichterin Christina Biehl (noch gut bekannt unter ihrem Mädchennamen Jaworek) viel Härte durchgehen ließ. Etliche Schubser und
taktische Fouls von Potsdamer Spielerinnen wurden nur mit Freistößen geahndet, auch wenn damit gute Gelegenheiten für Frankfurt vereitelt wurden. Bei einem
heftigen Einsteigen von Viola Odebrecht gegen Melanie Behringer von hinten in die Beine gab es ebenfalls nur eine Ermahnung, keine Verwarnung. Doch was
macht man als Spielerin, wenn man merkt, dass die Schiedsrichterin eine eher härtere Spielweise akzeptiert? Man passt sich an und spielt auch etwas härter, was
nicht grob unfair heißen soll. Also nicht wie Anja Mittag mit ausgestrecktem Fuß in die Torhüterin rein (dafür gab es immerhin gelb). Doch die Frankfurter
Spielerinnen spielten brav weiter wie immer, nahmen den Kampf letztlich nicht wirklich an. Dazu kam noch, dass man sich auf Frankfurter Seite auch sonst
taktisch einfach nicht aus alten Schemata lösen und auf den Gegner einstellen konnte. Schön weiter mit dem Versuch, ein kompliziertes Kombinationsspiel
aufzuziehen, was nur selten funktionierte, während Potsdam vormachte, wie man mit ganz wenigen Spielzügen brandgefährlich vor des Gegners Tor erscheinen kann.
Alle bei Frankfurt immer mal wieder auftretenden Schwächen wurden von den Potsdamer Spielerinnen gnadenlos offen gelegt. Vorne fehlt eine Knipserin, die auch
bei wenigen Chancen ihre Tore macht. Hinten wirken einige Abwehrspielerinnen zu langsam für schnelle Stürmerinnen, zumindest wenn sie so gut angespielt werden,
wie man das von Potsdam nun mal kennt. Das Spiel aus der Abwehr heraus bei einem früh störenden Gegner, zu häufig miserabel ausgeführte Freistöße und
Eckstöße... alle diese Schwächen hat man schon öfter gesehen, selten wurden sie so hart bestraft wie jetzt von Potsdam.
Das soll jetzt nicht heißen, dass das Spiel einseitig oder schlecht gewesen sei. Es war ein schnelles Spiel auf hohem Niveau, bei dem aber eine Mannschaft,
die des 1. FFC Frankfurt, weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Von den Spielanteilen her war das Spiel weitgehend ausgeglichen, aber die größere
Durchschlagskraft lag ganz eindeutig auf Potsdamer Seite. Zwar hätte eine der durchaus vorhandenen Frankfurter Chancen auch mal rein gehen können, aber
insgesamt geht der Potsdamer Sieg auf jeden Fall in Ordnung. In der zweiten Hälfte zogen sich die Potsdamerinnen dann etwas zurück, machten hinten dicht,
ohne dabei ihre Kontergefährlichkeit aufzugeben, und schaukelten das Ding souverän nach Hause. In dieser Form, und ich sehe keinen Grund, wieso man diese
Form nicht bis Saisonende halten sollte, ist Potsdam in der Bundesliga praktisch nicht zu stoppen. Auch im Viertelfinale des DFB-Pokals, in der
Halbzeitpause wurden ja die Lose gezogen und es kommt schon wieder zum Aufeinandertreffen Franfurt - Potsdam, sehe ich Potsdam nun als klaren Favoriten.
Stimmen zum Spiel:
Bernd Schröder, Trainer des 1. FFC Turbine Potsdam:
Ich denke, die Leute, die hier sitzen, haben gesehen, dass wir heute verdient gewonnen haben. Wir waren heute die bessere Mannschaft. Jede einzelne Spielerin,
von der Torhüterin bis zu den Einwechselspielerinnen, war besser. Wir haben gewonnen, weil wir gewinnen wollten. Wir hatten die bessre Tagesform, hatten das
bessere Team. Frankfurt hat nicht gezeigt, was sie können. Es ist eine Momentaufnahme, selbst bei 6 Punkten Vorsprung, es sind noch viele Spiele, wir haben
eine junge Mannschaft, die auch mal schlecht spielen kann, heute aber waren wir besser.
Sven Kahlert, Trainer des 1. FFC Frankfurt:
Glückwunsch an Potsdam, sie haben verdient gewonnen, weil jede Potsdamerin, die auf dem Platz stand, jeden Ball haben wollte. Das war für mich sehr
enttäuschend, weil es bei einigen meiner Spielerinnen nicht so aussah. Mit der Leistung, die wir heute gezeigt haben, werden wir es in den kommenden Spielen
gegen Potsdam ganz, ganz schwer haben. Wir haben es nicht geschafft, vor diesem tollen Publikum eine gute Leistung zu geben. Ich werde die Mannschaft fragen,
wie sie sich das vorstellen in den nächsten Wochen, wenn sie nicht bereit sind, an die Schmerzgrenze zu gehen, voll an die 100 Prozent zu gehen. Wir haben uns
die Suppe selbst eingebrockt, wir werden versuchen, dies in den nächsten Wochen irgendwie wieder hin zu bekommen. Es sind in Kürze noch drei Knallerspiele vor
uns mit dem Pokalspiel gegen Potsdam, in der Liga kommt Wolfsburg, wir müssen noch nach Duisburg. Gelegenheit genug, es besser zu machen, doch es muss sich
einiges ändern!
1. FFC Frankfurt: Angerer - Krieger, Bartusiak, Kumagai, Thunebro (68. Lewandowski)- Behringer, Weber - Garefrekes, Smisek, Huth (63. Marozsan) -
Bajramaj
1. FFC Turbine Potsdam:
Naeher - Kemme, Peter, Zietz - Schmidt, Odebrecht, Hanebeck (68. De Ridder), Cramer - Mittag (81. Göransson), Anonma (87. I. Kerschowski), Nagasato
Tore:
0:1 Cramer (8.)
0:2 Mittag (13.)
Gelbe Karten: Weber / Anonma, Hanebeck, Kemme, Mittag
Schiedsrichterin: Christina Biehl mit Marina Wozniak und Verena-Kordula Schulz
Zuschauer: 5200
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