| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
04.09.2011 Mit einer extrem defensiven Taktik versuchten die Gäste aus Jena beim
Bundesligarekordmeister 1. FFC Frankfurt zu bestehen. Das ging eine Halbzeit lang gut, doch am Ende stand dann doch ein klares 3:0 der haushoch überlegenen und
dennoch nicht vollends überzeugenden Frankfurterinnen zu Buche.
Jenas Keeperin Katja Schroffenegger wehrt hier
einen Ball vor Kerstin Garefrekes ab. Schroffenegger bot eine sehr gute Leistung und blieb fehlerlos. Ohne ihre Taten hätte Jena das Spiel noch höher
verloren!
Die Abwehr Jenas fing praktisch bei der zweiten Stürmerin Sylvia Arnold an, die sich mit großem kämpferischem Einsatz in die Zweikämpfe warf, nach vorne
aber kaum etwas zustande brachte. Damit war Arnold allerdings immer noch deutlich präsenter auf dem Platz als die einzige Spitze der Gäste, Amber Hearn. Der
Neuzugang aus Neuseeland sah die ganze Spielzeit über kaum einmal einen Ball aus der Nähe, ich erinnere mich nicht, dass sie in den Genuss gekommen wäre, das
runde Leder auch einmal zu berühren. Dementsprechend verlebte Frankfurts Keeperin Nadine Angerer einen sehr ruhigen Nachmittag, an dem kein einziger Schuss auf
ihr Tor abgegeben wurde. Ganz anders sah es bei Katja Schroffenegger im Tor von Jena aus, die außer bei einem Frankfurter Durchhänger Mitte der ersten
Halbzeit andauernd beschäftigt war und bei dem 0:3 aus ihrer Sicht noch Glück hatte, dass zwei Bälle an das Aluminium gingen und etliche Fernschüsse von
Melanie Behringer haarscharf flach am Pfosten vorbei strichen. Dazu parierte Schroffenegger noch im Herauslaufen mehrmals glänzend, zweimal gegen Ana Maria
Cronogorcevic und einmal gegen Kerstin Garefrekes.
Trotzdem schien bei der Pressekonferenz nach dem Spiel Jenas Trainerin Martina Voss-Tecklenburg zufriedener mit dem Spiel ihrer Mannschaft zu sein als der
siegreiche Frankfurter Trainer Sven Kahlert. Kahlert war richtig angefressen, vor allem mit der ersten Halbzeit gar nicht zufrieden. „Von der Leistung
in der ersten Halbzeit bin ich maßlos enttäuscht. Der Wille war da, aber die Laufwege waren nicht so, wie wir das vorher besprochen hatten. Wir sind
viel zu viel mit dem Ball gelaufen, wenn wir überhaupt mal durch gekommen sind, dann waren das die vier Aktionen, wo wir schnell gespielt haben. In der
Halbzeitpause haben wir das dann besprochen, und die zweite Halbzeit hat mich dann etwas versöhnt, aber ohne dasss ich zufrieden nach Hause gehe. Das ist nicht
der Fußball, den wir letztes Jahr gezeigt haben, auch nicht der, den
wir dieses Jahr spielen wollen. Wir werde noch an ein paar Schrauben drehen müssen, damit es besser wird.”
Dabei kann man sagen, so schlecht war Frankfurt nun nicht, auch nicht in der ersten Halbzeit. Drückend überlegen, sowohl technisch wie auch athletisch
stärker als ihre meist sehr jungen Gegenspielerinnen dominierten die Frankfurterinnen das Spiel von Beginn an. Doch, und das war das Problem, lange Zeit
gelang es nicht, aus der deutlichen Überlegenheit Kapital zu schlagen, und zwar nicht nur, weil die Chancen nicht gut verwertet wurden, nein die Zahl der
richtig guten Torgelegenheiten war in der ersten Halbzeit auch einfach zu gering, war kein Spiegelbild der Feldüberlegenheit. Das lag allerdings auch daran,
dass Jena richtig gut verteidigte. „Wir haben in der Woche versucht, Lust daran zu gewinnen, ein Spiel zu zerstören, dem FFC die Spielfreude zu nehmen,
und das ist in der ersten Halbzeit auch ganz gut gelungen”, erklärte Voss-Tecklenburg hinterher und lag damit sicher richtig. Ihre Spielerinnen warfen
sich aufopferungsvoll in die Frankfurter Angriffe, Julia Arnold und Carolin Schiewe als Staubsauger vor der Abwehr, Mirte Roelvink und Kathleen Radtke in der
Innenverteidigung, sie alle bekamen immer wieder das entscheidende Bein dazwischen, und wenn das nichts half, dann war da noch die starke Keeperin im Rücken -
oder es half einfach das Glück, wie beim Pfostenschuss von Behringer oder als Lira Bajramaj einen der wenigen schönen Angriffe der ersten Halbzeit - Saskia
Bartusiak hatte Cronogorcevic geschickt, die legte quer und Bajramaj hätte nur einzuschieben brauchen - vergeigte, indem sie aus drei Metern nur das Außennetz
traf.
Das Frankfurter Publikum war aber zufrieden, richtig Sorgen musste man sich nicht machen, zu klar war die
Überlegenheit, zu einseitig das Spiel, und die Tore zu Beginn der zweiten Halbzeit beruhigten die Nerven zusätzlich. In der 50. Minute hatte Crnogorcevic,
schön angespielt von Svenja Huth, die beflügelt von ihrer Nominierung für die A-Nationalmannschaft einige Kabinettstückchen zeigte, noch knapp am langen Eck
vorbei gezielt. Eine Minute später spielte Sandra Smisek einen öffnenden Pass diagonal auf Garefrekes, die zirkelte von rechts eine ihrer gefürchteten
Flanken nach innen, und Bajramaj vollendete sauber mit dem Kopf. Als dann Mirte Roelvink ihren einzigen Aussetzer des Spiels nahm und eine Flanke von
Behringer unglücklich zur Keeperin zurück köpfte, war es um Jena geschehen. Die schnelle Crnogorcevic spritzte in den Ball und vollendete zum 2:0. Das 3:0
hatte dann bald danach Garefrekes auf dem Fuß, scheiterte aber an der glänzend parierenden Schroffenegger. Das muss Kerstin Garefrekes so gefuchst haben,
dass sie danach die Brechstange auspackte. Nur eine Minute später lief Garefrekes mit dem Ball quer durch den Strafraum von Jena, ließ dabei vier
Gegenspielerinnen plus Keeperin aussteigen und machte doch noch ihr Tor zum 3:0.
Das Spiel war damit entschieden, Frankfurt spielte gefällig weiter, die Hitze, es waren 32 Grad im Schatten, auf dem Platz dürfte es deutlich heißer gewesen
sein, forderte einen gewissen Tribut, und so blieb es dann beim 3:0, wobei Crnogorcevic Pech hatte, mit einer schönen Direktabnahme nur die Latte zu treffen.
Damit hat Frankfurt nach drei Spielen neun Punkte auf dem Konto und 10:0 Tore, Jena Null Punkte und 0:7 Tore. Es wird spannend werden zu sehen, wie sich
Frankfurt gegen einen stärkeren Gegner präsentiert, und auch bei Jena darf man gespannt sein, wie man sich gegen einen Gegner auf Augenhöhe schlägt, wenn es
gilt, auch selber mal das Spiel machen zu müssen!
Bilder:
Oben links: Blumen für Gina Lewandowski: Der Ausflug zurück in die USA in der bundesligafreien Zeit hat sich für die Frankfurter Innenverteidigerin
gelohnt - mit den
Western New York Flash wurde sie letzte Woche US-Meisterin!
Mitte rechts: Unterschiede: Kerstin Garefrekes zwei Köpfe größer und um ein
vielfaches erfahrener als ihre erst 16-jährige Gegenspielerin Sara Löser. Löser war wegen des Ausfalls von Lisa Seiler ins Team gerutscht, musste zur
Halbzeitpause wegen blutiger Blasen an den Füßen passen. Die Tore fielen erst danach!
Mitte links: Ana Maria Crnogorcevic machte ihr erstes Tor für Frankfurt. Rechts
Mirte Roelvink, Jenas Innenverteidigerin
Unten: Wegen der Hitze nutzte Schiedsrichterin Monique Elsner (Frauenfußballfans besser bekannt unter ihrem bisherigen Namen Monique Klauß), eine
Wechselunterbrechung, um den Spielerinnen eine Wasserpause zu gönnen - Jenas Keeperin Katja Schroffenegger - Frankfurts Stadionsprecher Rolf Töpperwien mit
Trainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem Spiel
Spielstenogramm:
1. FFC Frankfurt: Angerer - Krieger, Bartusiak, Weber (73. Thunebro), Percival (73. Lewandowski) - Garefrekes, Smisek (82. Herbert), Behringer, Huth -
Cronogorcevic, Bajramaj
FF USV Jena:
Schroffenegger - Brosius, Roelvink, Radtke, Löser (46. Heinze) -
J. Arnold, Schiewe - Kraus (67. Lehnert), S. Arnold, Milde - Hearn (87. Stübing)
Tore:
1:0 Bajramaj (51.)
2:0 Cronogorcevic (57.)
3:0 Garefrekes (70.)
Gelbe Karten: - / Kraus
Schiedsrichterin: Monique Elsner (Duisburg) mit Nicola Laura Jepkens und Nadja Lange
Zuschauer: 1960
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