| Text von Tom Schlimme Bilder von Peter Henkel
04.10.2011 Der 1. FFC Frankfurt hat nach wie vor Schwierigkeiten, in dieser
Saison vollends überzeugend aufzuspielen. Wie schon in den Partien zuvor, hatten die Spielerinnen des DFB-Pokalsiegers Mühe, aus ihren vor allem in der
zweiten Halbzeit zahlreichen Chancen auch Tore zu machen. Gegen ein stark aufspielendes Team aus Bad Neuenahr musste schließlich ein umstrittener
Foulefmeter herhalten, um die knotenlösende Führung zu erzielen. Insgesamt muss der Franfurter Sieg aber aufgrund der deutlichen Überlegenheit über die
komplette zweite Halbzeit hinweg als verdient gelten.
Schiedsrichterin Riem Hussein zeigt auf den
Elfmeterpunkt und Bad Neuenahrs Bianca Rech kann es nicht fassen. Die Entscheidung bleibt umstritten, doch die Fernsehbilder auf DFB-TV
belegen, Riem Hussein hat in sehr vielen Szenen richtig gelegen, und die wenigen weiter umstrittenen - wie auch den nicht gegebenen Handelfmeter - konnte
man so oder so entscheiden
Auch der Beginn war aus Frankfurter Sicht betrachtet noch recht ordentlich. Zwar hatten die Gäste aus Bad Neuenahr bereits in der zweiten Minute eine erste
Chance gehabt, als Ramona Petzelberger nach Balleroberung im Mittelfeld Marie Pyko steil anspielte und diese an der gut parierenden Frankfurter Keeperin
Desiree Schumann scheiterte. Frankfurts Stammkeeperin, Nationaltorhüterin Nadine Angerer, war nicht verletzt, sondern es fand eine schon lange abgesprochene
Rotation im Tor in diesem Spiel statt. „Desiree Schumann hat bei uns drei große Schritte nach vorne gemacht und soll ihre Spielpraxis bekommen. Heute
war sie dann sogar beste Frankfurterin auf dem Platz”, erklärte Trainer Sven Kahlert nach dem Spiel. Nach diesem kleinen Bad Neuenahrer Ausrufezeichen
stürmte dann erst einmal Frankfurt. Melanie Behringer scheiterte an Almuth Schult, die aufgrund ihres Jochbeinbruchs immer noch mit Maske spielt, aber in
diesem Spiel hervorragend halten sollte. Glück hatte Schult allerdings wenig später, als Lira Bajramaj einen Freistoß mit Wucht an die Latte donnerte.
Doch nach einer guten Frankfurter Viertelstunde wurde dann Bad Neuenahr immer stärker. Das Team trat wesentich offensiver auf, als Frankfurts Trainer erwartet
hatte, wie er später in der Pressekonferenz zugab. Mit agressivem Pressing setzte Bad Neuenahr die Frankfurter Abwehr schon im Spielaufbau unter Druck. Dabei
zeigte vor allem Weltmeisterin Saki Kumagai Schwächen, die man bisher noch nicht bei ihr gesehen hat. In der 19. Minute konnte die nach ihrer
Syndesmosebandverletzung wieder genesene Celia Okoyino da Mbabi einen weiten Abschlag von Schult gegen Kumagai erobern, doch ihr Schuss ging knapp am langen
Eck vorbei. In der 30. Minute eroberte Celia dann erneut den Ball gegen Kumagai, ging aufs Tor zu, schoss jedoch zu früh, so dass Schumann mit erneut gutem
Reflex
halten konnte. Wer weiß, was die erst seit einer Woche wieder trainierende Celia mit mehr Spielpraxis aus dieser guten Gelegenheit gemacht hätte! Neben
Celia verdient noch Sara Doorsoun-Khajeh, die auf der linken Bad Neuenahrer Angriffseite für viel Wirbel sorgte, eine besondere Erwähnung. Beide stellten die
Frankfurter Abwehrspielerinnen vor schwere Aufgaben.
Der FFC hatte jetzt eine ganz schlechte Phase und produzierte Fehlpässe ohne Ende. Entsprechend kam Bad Neuenahr immer mehr ins Spiel und zu weiteren Chancen.
In der 36. Minute ließ Saskia Bartusiak einen steilen Ball unglücklich abprallen, Pyko kam zum Schuss aus ca. acht Metern, doch knapp vorbei. Der wäre
unhaltbar gewesen! Erst kurz vor der Pause gelangen beim FFC noch einmal zwei Aktionen, doch bei einem aussichtsreichen Freistoß seitlich nah am Strafraum
köpfte Ana Crnogorcevic den ihr von Bajramaj gut aufgelegten Ball deutlich vorbei, und Melanie Behringer drosch einen flach auf sie zukommenden Pass in
Rückenlage kommend hoch über den Kasten. So ging es torlos in die Pause.
Aus dieser kamen dann aber die Frankfurterinnen deutlich gestärkt zurück. Kerstin Garefrekes eroberte gleich nach Wiederanpfiff im gegnerischen Strafraum
den Ball, statt einem Schuss brachte sie aber nur ein schwaches Abspiel zustande, und so war diese an sich gute Chance auch wieder vertan. Doch man sah von
Bad Neuenahr kaum noch etwas nach vorne, auch ein weiterer krasser Fehlpass von Kumagai konnte nicht mehr in eine nennenswerte Gelegenheit für die Gäste
umgemünzt werden. Frankfurt bestimmte nun das Spiel und kam in der 54. Minute zu einer Großchance, als Schult eine Flanke unterlief - ihr einziger Fehler in
diesem Spiel - und Bajramaj im Strafraum abzog. Doch der Ball prallte an die Hand von Leonie Maier - aus kurzer Entfernung, doch die Hand war auch nicht
sehr eng angelegt. Bajramaj forderte Elfmter, doch Schiedsrichterin Riem Hussein ließ weiterspielen. Eine knappe Entscheidung!
In der 62. Minute verfehlte Crnogorcevic nach Zuspiel von Sara Thunebro mit dem Kopf nur ganz knapp
das Bad Neuenahrer Tor, dann parierte Schult erneut klasse nach einem Schuss von Sandra Smisek. Auch bei einem Schuss von Crnogorcevic aus der Drehung wenig
später war Schult rechtzeitig unten. So zeichnete es sich ab, irgendwann musste einfach das Tor fallen. Doch wer weiß, wie lange es noch gedauert hätte,
hätten die Frankfurterinnen nicht die Möglichkeit vom Elfmeterpunkt aus bekommen. Das war heftig umstritten und kam so: Melanie Behringer ging mit dem Ball
am Fuß in den Strafraum, bekam dabei einen leichten Schlag weg, machte jedoch noch zwei Schritte. Hussein ließ Vorteil gelten, doch dann fiel Behringer
doch, und Hussein pfiff das voran gegangene Foul. Den Strafstoß verwandelte Sandra Smisek zum 1:0, und Bad Neuenahrs Trainer Colin Bell regte sich so sehr
auf, dass er auf die Tribüne verbannt wurde. Auch im Nachhinein waren die Proteste aus Bad Neuenahr noch sehr laut. Auf dem Platz hätte ich auch eher
gesagt, es war kein Elfmeter, nach Sicht der Aufnahmen auf DFB-TV kann ich zumindest nachvollziehen, was Schiedsrichterin Hussein, die nah am Geschehen war,
gesehen hat. Der Schlag ans Bein, den Behringer bekommen haben soll, ist auch im Fernsehen kaum zu sehen, aber man kann ihn erahnen, und wer näher dran ist,
sieht das dann auch. Das wäre dann mit der Auslegung der Vorteilsregel sogar eine sehr gute Entscheidung der Schiedsrichterin gewesen. Aber, ganz klar, das
war eine äußerst knappe Entscheidung.
Es gelang den Gästen aus Bad Neuenahr nun aber auch nach dem Gegentor nicht mehr, dem Frankfurter Druck eigene Angriffe entgegen zu setzen. War der FFC in der
ersten Halbzeit noch zu keinem einzigen Eckstoß gekommen, waren es nun bald schon sieben, die allerdings alle, ähnlich wie im Spiel in der Champions League in
Norwegen, eher kläglich vergeben wurden. Erst der achte Eckstoß - Schult hatte gegen Crnogorcevic klasse pariert - brachte dann das zweite Frankfurter Tor, als
der Ball am kurzen Eck verlängert wurde und ausgerechnet Saki Kumagai, der bisher so viele Fehler unterlaufen waren, sich am langen Eck gut gegen Celia Okoyino
da Mbabi durchsetzte und verwandelte. Damit war das Ding gelaufen und Frankfurt hatte auch aus dem Spiel heraus immerhin ein Tor erzielt. Bad Neuenahr hatte
noch eine gute Gelegenheit, die einzige der zweiten Halbzeit, als die eingewechselte Sarah Gregorius in der 86. Minute steil angespielt auf Schumann zulaufen
konnte, doch Schumann parierte den harten Schuss klasse, ihre beste unter vielen guten Taten an diesem Tag. Eine Minute später gab es dann noch einmal Elfmeter
für Frankfurt, diesmal völlig unstrittig, doch die gefoulte Jessica Landström schoss selber und scheiterte mit einem halbhohen Schuss an der starken Almuth
Schult. So blieb es beim 2:0, welches auch eher dem Spielverlauf entspricht als ein höheres Ergebnis.
Stimmen zum Spiel:
Colin Bell, Trainer des SC 07 Bad Neuenahr: „Ich versuche, mich zu beruhigen. Vielen Dank an die netten Fans, die mich auf der Tribüne aufgenommen haben!
Wir sind gut in das Spiel reingekommen, haben hart gearbeitet in der Woche nach der unnötigen Niederlage in Jena. Wir haben Frankfurt sehr gut studiert, uns
das Spiel in Norwegen genau angeschaut. Dadurch waren wir sehr gut eingestellt und hätten durch Marie Pyko und Celia Okoyino da Mbabi in Führung gehen müssen.
Es war ein offener Schlagabtausch, wir wollten zeigen, dass wir uns nicht verstecken müssen. Glück gehabt haben wir dann beim Lattentreffer. In die zweite
Halbzeit sind wir dann schwerer reingekommen, aber wir hatten uns eigentlich wieder gefangen. Den Elfmeterpfiff empfinde ich als katastrophale
Fehlentscheidung, aber ich habe nichts beleidigendes gesagt, sondern nur gesagt, dass ich das lächerlich finde, dazu stehe ich auch. Dieses Elfmetertor hat uns
das Spiel weggenommen.”
Sven Kahlert, Trainer des 1. FFC Frankfurt: „Bad Neuenahr hat offensiver gespielt, als wir das erwartet haben. Es war kein schönes Spiel von uns, ich
will das auch gar nicht schön reden, bis zur 50. Minute hat vieles nicht gepasst. In der Pause habe ich versucht, die Mannschaft an ihre Stärken zu erinnern,
versucht, die Konzentration zu erhöhen und appelliert, mit Kopf und mit Auge zu spielen. Wir haben oft die falsche Lösung gesucht, aber später lief es dann ja
besser. Den Elfmeter kann ich nicht beurteilen, aber mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als der Ball dann drin war. Vielleicht sind die Köpfe auch schon
beim Mittwoch, wir werden darüber sprechen, am Mittwoch muss alles stimmen.”
Colin Bell dann zum Abschluss zu Sven Kahlert: „Ich habe das Spiel vom Mitwoch ja nun wirklich sehr gründlich viele Male angesehen, wenn ihr so spielt,
wie dort in der ersten Halbzeit, nur etwas konzentrierter im Abschluss, dann schießt ihr drei Tore!”
Fazit:
So richten sich nun alle Augen auf das Rückspiel der Championsleague gegen den norwegischen Meister Stabaek. Gegenüber dem Spiel gegen Bad Neuenahr wird sich
der 1. FFC Frankfurt steigern müssen, zumal die Norwegerinnen aufgrund ihrer komfortablen Ausgangsposition alle Trümpfe in der Hand haben. Mit Bad Neuenahr
aber steht derzeit eine Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz der Frauenfußball Bundesliga, die dort auch aufgrund der in Frankfurt gezeigten Leistung
absolut nichts verloren hat! Bad Neuenahr wird, wenn man so weiter macht wie hier in Frankfurt und von weiteren schweren Verletzungen verschont bleibt, in der
Tabelle schnell wieder aufsteigen!
1. FFC Frankfurt: Schumann - Percival (64. Krieger), Kumagai, Bartusiak, Thunebro - Garefrekes, Smisek, Behringer, Huth (64. Weber) - Cronogorcevic
(85. Landström), Bajramaj
SC 07 Bad Neuenahr:
Schult - Maier, Kuznik, Störzel, Schröder (82. Nati) - Rech - Pyko (88. Selensky), Hoyle (78. Gregorius), Petzelberger, Doorsoun-Khajeh - Okoyino da Mbabi
Tore:
1:0 Sandra Smisek (73. FE)
2:0 Kumagai (84.)
Gelbe Karten: - / Petzelberger, Rech
Besondere Vorkomnisse: Landström verschießt Foulelfmeter (87.)
Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg) mit Imke Lohmeyer und Lena Dittmann
Zuschauer: 2630
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