| Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel
18.10.2011 Trotz des Ausfalls von sieben verletzten oder kranken
Stammspielerinnen versuchte das Team des FC Bayern München beim Vizemeister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt spielerisch mitzuhalten und offensiv nach
vorne zu spielen. Das ging nach hinten los, denn die Frankfurterinnen konnten ihre individuelle Klasse zeigen und locker mit 7:1 gewinnen.
Sandra Smisek brauchte heute nur sieben
Minuten, um einen lupenreinen Hatrick zu erzielen. Lira Bajramaj (links) und Svenja Huth (verdeckt) gratulieren!
Nachdem in der dritten Minute Sandra Smisek einen schönen Pass von Svenja Huth in die Gasse knapp verpasst und damit die erste kleinere Chance für Frankfurt
vergeben hatte, kamen die Gäste aus München zur ersten richtig guten Chance des Spiels. Steil von Vanessa Bürki angespielt, nahm die Ex-Frankfurterin Petra
Wimbersky, die heute im Münchner Sturm die treibende Kraft war, den Ball gut mit, zog aus vollem Lauf ab, verpasste aber knapp das lange Eck. Doch auch wenn
dieser Ball drin gewesen wäre, angesichts der später gezeigten Kräfteunterschiede wäre der Spielverlauf meiner Meinung nach auch nicht viel anders gewesen.
Denn Frankfurt dominierte nach Belieben, kam immer wieder vor allem über die rechte Seite durch, wo Verteidigerin Katharina Baunach kurzfristig
krankheitsbedingt ausgefallen war und Stürmerin Isabell Bachor gegen die langjährige Nationalspielerin Kerstin Garefrekes völlig überfordert war. So nutzte
es nichts, dass die Münchnerinnen im Sturm mit Wimbersky, Bürki und Laura Feiersinger schön rotierten, hohen Laufaufwand betrieben, früh störten und immer
wieder einen Ansatz von Gefahr erzeugten. Richtig gefährlich wurde es nur vor dem Münchner Tor, so bei einem Freistoß von Melanie Behringer, den Saskia
Bartusiak mit dem Kopf auf Kerstin Garefrekes verlängerte, die dann aber nicht genug Wucht hinter den Schuss bekam. In der 10. Minute aber sprintete
Garefrekes in einen Querpass vor der Münchner Abwehr, drang in den Strafraum ein und bediente Lira Bajramaj, die souverän das 1:0 erzielte.
Bajramaj revanchierte sich vier Minuten später mit einer Kopfballvorlage auf Garefrekes, die dann im Alleingang zum 2:0 erhöhen konnte. Doch die Moral der
Gäste blieb ungebrochen, die Spielerinnen des FC Bayern mühten sich weiter, blieben bei ihrer Taktik, suchten den Anschlusstreffer, allerdings, ohne sich
entscheidend gegen die starke Frankfurter Abwehr durchsetzen zu können. Anders auf der anderen Seite, Huth, auf der linken Seite oft zu frei gelassen, spielte
klasse auf Behringer, die mit starkem Schuss aber nur den Pfosten traf. Behringer war dann aber doch beim dritten Tor beteiligt, spielte den Ball von der
Strafraumgrenze auf Garefrekes, die von drei Gegenspielerinnen bedrängt hinfiel, sich wieder aufrappelte, immer noch den Ball hatte und schließlich sogar noch
eine Flanke schlagen konnte. Sandra Smisek nahm das Geschenk der Bayern-Abwehr an und köpfte völlig freistehend ein. Drei Minuten später erhöhte Smisek dann
zum 4:0 nach traumhafter Kombination. Es gab Szenenablaus der 3.230 Zuschauer für den Kombinationsfußball der Frankfurterinnen, und dies völlig zu recht!
Nun wurden die Spielerinnen aus München auch noch nervös, die krassen Fehler häuften sich in dieser Phase. Wieder von rechts bereitete diesmal Bajramaj das
5:0 vor, wieder erzielt durch Sandra Smisek, die damit einen lupenreinen Hatrick hinlegen konnte. Doch immer noch wehrten sich die Münchnerinnen, kamen zu
einer Chance, bei der das Tor aber verfehlt wurde, und bekamen dann Unterstützung durch die Frankfurter Nationaltorhüterin. Nachdem Abwehrspielerin Ria
Percival einen Steilpass nicht richtig eingeschätzt hatte, war nämlich Laura Feiersinger durch und lief auf den Strafraum zu. Keeperin Nadine Angerer wollte
endlich auch mal mitspielen und kam ihr etwas übermotiviert entgegen. Feiersinger erwischte den steil vorgelegten Ball aber vor dem Strafraum und ganz knapp vor
Angerer, schoss, traf und fügte dem 1. FFC Frankfurt damit im siebten Saisonspiel den ersten Gegentreffer zu. Angerer wäre besser im Kasten geblieben, denn
Percival war dabei, Feiersinger zu stellen. Doch mehr als ein kleiner Schönheitsfehler war dieser Treffer für Frankfurt dann doch nicht, und die
Münchnerinnen hatten sich dieses Tor durch ihre stetigen Offensivbemühungen redlich verdient.
Das Spiel war mit diesem Halbzeitstand natürlich schon zur Pause entschieden. In der zweiten Hälfte
nahm Frankfurt dann etwas Tempo heraus, während die Münchnerinnen nun besser standen, wozu sicher beitrug, dass die eingewechselte Corinna Paukner eine
bessere Abwehrleistung bot als vor ihr Isabell Bachor. Die erste gute Chance im zweiten Durchgang hatte dann wieder Wimbersky, die gut zum Schuss kam,
doch der Ball wurde zur Ecke gelenkt, der ersten und einzigen der Münchnerinnen in diesem Spiel übrigens. Das Spiel war nun offener, ohne dass man im
Stadion anfangen musste, sich um Frankfurt Sorgen zu machen. Nach einer Schaffenspause zogen die Spielerinnen dann auch das Tempo wieder an und kamen noch
zu zwei weiteren Toren. Das 6:1 war das Ergebnis eines traumhaften Doppelpassspiels zwischen Baramaj und Garefrekes, abgeschlossen von Garefrekes. Beim 7:1
traf die eingewechselte Jessica Landström nach einem Eckstoß mit der Schulter. Vorher hatte Längert bereits einen Schuss von Dzenifer Marozsan, ebenfalls
eingewechselt, das erste Mal nach langer Verletzungspause, gerade noch zur Ecke gelenkt und wenig später mit prima Fußabwehr einen Schuss von Huth
abgewehrt. An Längert lag es nicht, das der FC Bayern heute sieben Tore kassieren musste!
Münchens Trainer Thomas Wörle zeigte sich nach dem Spiel zwar enttäuscht, aber nicht wirklich überrascht. „Gegen den 1. FFC Frankfurt können wir nur
gewinnen, wenn alles hundertprozentig klappt, wenn wir das 1:0 machen oder wenigstens das 0:0 lange halten. So haben wir sehen müssen, dass diese Frankfurter
Mannschaft zu stark für uns ist, wir müssen unsere Punkte gegen andere Gegner holen!”
Frankfurts Trainer Sven Kahlert, der zwei Tage vorher 41 Jahre alt geworden war (Herzlichen Glückwunsch von dieser Stelle!) konnte seiner Mannschaft zufrieden
ein "Riesenkompliment" machen. „Die erste Halbzeit war so, wie wir uns das schon früher in dieser Saison vorgestellt hatten. Wir müssen aber sagen, dass
München gut gestartet war und Chancen hatte, nur dann haben sie uns die Tore selber aufgelegt. Über das Gegentor bin ich froh, jetzt hört endlich das Gerede
auf, wann es denn nun fallen würde!”
So geht der 1. FFC Franfurt nun gut gerüstet mit Selbstvertrauen in die Serie der "großen Spiele", beginnend mit dem Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg
in zwei Wochen.
1. FFC Frankfurt: Angerer - Krieger (77. Landström), Kumagai (46. Lewandowski), Bartusiak (68. Marozsan), Percival - Garefrekes, Weber, Behringer,
Huth - Bajramaj, Smisek
FC Bayern München:
Längert - Schöne, Eder, De Pol, Bachor (46. Paukner) - Wenninger, Schnaderbeck - Feiersinger, Wimbersky, Hartmannsegger - Bürki
Tore:
1:0 Lira Bajramaj (10.)
2:0 Garefrekes (14.)
3:0 Smisek (29.)
4:0 Smisek (32.)
5:0 Smisek (35.)
5:1 Feiersinger (41.)
6:1 Garefrekes (75.)
7:1 Landström (85.)
Gelbe Karten: - / Paukner
Schiedsrichterin: Christina Biehl (Schwollen) mit Ines Appelmann und Sonja Kuttelwascher
Zuschauer: 3.230
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