| Bericht von Stephan Tegründe, Bilder von Marion Kehren und Katrin Müller
07.10.2011 Herrlichstes Sommerwetter Anfang Oktober im Ruhrgebiet, eine respektable
Kulisse von 1.835 Zuschauern beim Spiel des Tabellenführers gegen einen ambitionierten Fünften – beste Voraussetzungen also für einen schönen
Fußball-Vormittag. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht – zumindest nicht aus Sicht der Duisburger Anhängerschaft: in einem kurzweiligen Spiel
behielt der Tabellenführer aus Duisburg auch nach dem 5. Spieltag seine weiße Weste, besiegte den VfL Wolfsburg verdient mit 3:0 (2:0) und bewies in einer
ersten wirklichen Standortbestimmung in der neuen Saison eindrucksvoll, dass das zuvor von Trainer Marco Ketelaer ausgegebene Ziel (Platz 4) eigentlich nur ein
Minimalziel sein kann.
Einlauf der Kontrahentinnen: mit
dem FCR 2001 Duisburg und dem VfL Wolfsburg trafen am Wochenende zwei Mannschaften aufeinander, die die beiden Top-Teams aus Frankfurt und Potsdam ärgern
wollen: wer hier die Nase vorn hat, hatte der FCR nach 90 Minuten eindeutig geklärt. (Bild: Marion Kehren)
Von Beginn an versuchten die Gastgeberinnen klarzumachen, dass sie nicht gewillt waren, den Wölfinnen das heimische Terrain zu überlassen. Bereits nach vier
Minuten das erste Ausrufezeichen durch Alexandra Popp, die sich nach schöner Vorarbeit von Stefanie Weichelt und Kozue Ando an der Strafraumgrenze durchsetzt
und aus der Drehung das gegnerische Tor nur knapp verfehlt. Nur eine Minute später zieht Simone Laudehr aus 18 Metern ab, trifft aber den Ball nicht optimal.
Grund genug für den Gast, für ein wenig Entlastung zu sorgen, und nach einer Ecke verfehlt ein Kopfball von Nadine Keßler nur um Haaresbreite das Ziel. Aber es
gelang den Wölfinnen nicht, sich dauerhaft zu befreien, und so ist es in der 15. Minute die schnelle Laudehr, die nach Zuspiel von Jennifer Oster auf der
rechten Seite freie Bahn hat und mit einer überlegten Flanke in den Strafraum die heraneilende Alex Popp bedient, die aus vollem Lauf und unhaltbar für Alisa
Vetterlein im Wolfsburger Tor zum 1:0 abzieht.
Wolfsburg durch den Rückstand keineswegs geschockt, drängte nach vorn: eine lange gefährliche Flanke von rechts kann Duisburgs Torfrau Christina Bellinghoven
jedoch mit einer prächtigen Faustabwehr klären. Kurz darauf setzt sich Keßler über rechts durch und zieht ab, aber ihr Schuss streicht am langen Pfosten vorbei
– und nach weiteren zwei Minuten ist es kurioserweise Annike Krahn, deren Klärungsversuch nach einem scharf hereingeschlagenen Ball von Martina Müller
beinahe im eigenen Tor landet. Die folgende Ecke bringt zwar nichts ein, aber der Wolfsburger Druck bleibt hoch: in der nächsten Szene zögert Bellinghoven beim
Herauslaufen einen Moment zu lang, Conny Pohlers verleitet sie zu einem ungenauen Befreiungsversuch, der genau vor den Füßen von Zsanett Jakabfi landet, die
ohne zu zögern draufhält, aber das Duisburger Gehäuse knapp verfehlt. Und es gab weitere Versuche der Gäste, die aber zum einen stark abseitsverdächtig waren
und zum anderen auch das Duisburger Tor nicht ernsthaft in Gefahr brachten. Der FCR ließ sich in dieser Phase das Übergewicht im Mittelfeld abnehmen, und Simone
Laudehr wurde es nun zu bunt: quer über das Feld schrie sie in Richtung ihrer Kapitänin: „Annike, ihr steht zu tief - mehr nach vorn!”
Allmählich zeigte diese Ansage Wirkung, auch wenn die nächste nennenswerte Situation wieder auf Wolfsburger Seite stattfand: Duisburg verliert in der
Vorwärtsbewegung das Spielgerät an Keßler, diese setzt Jakabfi in Szene, die nur durch ein Foul von Luisa Wensing gestoppt werden kann: die Unparteiische
Christina Biehl (sicherlich besser bekannt unter ihrem Geburtsnamen Jaworek) zeigte der Jungnationalspielerin zu Recht Gelb für diese Aktion, die ohne Folgen
blieb.
Auch in der nächsten Szene zunächst Biehl im Mittelpunkt: Ando erobert den Ball an der linken
Seitenlinie in der Spielfeldmitte und startet durch, wird dabei von einer Wolfsburgerin unsanft angegangen – sämtliche Duisburger Fans sind aufgebracht,
weil die Schiedsrichterin nicht auf Freistoß entscheidet – doch Biehl beweist hier Weitblick, auf Vorteil zu erkennen, denn Ando strauchelt zwar, fällt
aber nicht, sondern marschiert weiter und befördert die Kugel direkt in den Lauf von Simone Laudehr, und die an diesem Tag großartig aufgelegte
Nationalspielerin lässt unter den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid mit ihrem Flachschuss in die lange Ecke Vetterlein keine Chance – 2:0!
Danach passierte bis zum Halbzeitpfiff nicht mehr viel; und auch in Durchgang zwei plätscherte das Spiel zunächst ein wenig vor sich hin, bis – wer sollte
es auch sonst sein – Simone Laudehr sich in der 56. Minute wieder schön über rechts durchsetzt und eine lange Flanke auf die an der Strafraumgrenze
freistehende Gülhiye Cengiz schlägt, die mit einer herrlichen Direktabnahme die Duisburger Fans jubeln lässt – 3:0, und das mit ihrem schwächeren linken
Fuß! Für die junge Löwin war dies in ihrem vierten Bundesligaspiel eine schöne Belohnung für eine engagierte kämpferische Leistung – und gleichzeitig die
Entscheidung in diesem Spiel, denn wirklich nennenswerte Chancen ergaben sich für die Gäste nicht mehr. Das Sturmduo Conny Pohlers und Martina Müller blieb über
die gesamte Spieldauer blass und enttäuschend. Sicherlich kann man phasenweise von einem leichten spielerischen Übergewicht der Gäste im Mittelfeld sprechen,
aber vor dem Tor blieben die Wölfinnen doch weitestgehend zahnlos und stellten die Duisburger Viererkette vor keine ernsthaften Probleme: ein weiteres Mal
klärte Bellinghoven noch spektakulär per Faustabwehr nach einer Hereingabe und entschärfte eine folgende brenzlige Situation ebenfalls souverän. Auf Duisburger
Seite zwang Barbara Müller Wolfsburgs Torfrau Alisa Vetterlein noch zu einer Glanzparade, aber der FCR tat nun auch nicht mehr als nötig, um diesen Sieg nach
Hause zu bringen und den Rest des wunderschönen Sonntags weiterhin als Spitzenreiter zu genießen.
Dies gilt natürlich auch für die kommende Woche, an deren Ende unerwartet ein erneutes Spitzenspiel wartet: bereits am Samstag sind die Löwinnen im Revierderby
beim derzeitigen Überraschungsvierten, der SG Essen-Schönebeck, zu Gast. Der VfL Wolfsburg muss mit nun acht Punkten Rückstand auf das Spitzentrio seine
Ambitionen etwas relativieren: hier wartet am Sonntag im heimischen Duell gegen den Aufsteiger 1.FC Lok Leipzig, der sich aktuell von seiner Trainerin Claudia
von Lanken getrennt hat und in sehr unruhigem Fahrwasser schwimmt, zudem eine absolute Pflichtaufgabe.
Italiener wird neuer Sportdirektor bei den Löwinnen
Duisburgs Cheftrainer Marco Ketelaer zeigte sich trotz des klaren Erfolges nicht vollständig zufrieden, da ihm die spielerische Umsetzung seiner Vorgaben nicht
so ganz gefallen hatte; an der Chancenverwertung seines Teams hatte er jedoch absolut nichts auszusetzen. Wolfsburgs Coach Ralf Kellermann bemerkte nach dem
Spiel, er habe sein Team lange Zeit auf Augenhöhe und ein deutliches Chancenplus in der ersten Hälfte für seine Mannschaft gesehen – eine Einschätzung,
die sicherlich nicht viele teilten. Gülhiye Cengiz, die Torschützin zum 3:0, war überglücklich: „Wahnsinn – mein erstes Tor in der Bundesliga, und
dann noch mit meinem schwachen Fuß ... ich wusste erst gar nicht, was ich machen soll, als ich Simons Ball kommen sah, und dann habe ich halt
draufgehalten.” So einfach ist Fußball manchmal.
Zum Ende der Pressekonferenz überraschte der FCR mit einer unerwarteten Personalie: es wurde mit Claudio Marcone ein neuer sportlicher Leiter/Sportdirektor
vorgestellt, der sich ab sofort um die sportlichen Belange des Vereins, vorrangig natürlich der 1. und 2. Mannschaft, kümmern soll. Der 47-jährige Italiener,
zunächst als Spielerberater der Duisburger Verteidigerin Laura Neboli in Erscheinung und in Kontakt mit dem FCR getreten, verfügt über nicht wenig Erfahrung im
internationalen Frauenfußball und soll diese nun einbringen, um den Club mittelfristig wieder in den selbigen zu führen.
Das Spiel in Kürze:
FCR 2001 Duisburg: Bellinghoven – Wensing, Krahn, Neboli, Himmighofen – Cengiz; Oster (69. Müller), Laudehr, Weichelt – Ando (55.
Bresonik), Popp
VfL Wolfsburg:
A. Vetterlein – Faißt, Omilade (64. Smith), Henning, Bunte – I. Hartmann (64. Blässe), Goeßling, Jakabfi, Keßler (72. Moser) – Pohlers,
Müller
Tore:
1:0 Popp (15.) 2:0 Laudehr (37.) 3:0 Cengiz (56.)
Gelbe Karten:Wensing / Goeßling
Schiedsrichterin: Christina Biehl (Schwollen) mit Ines Appelmann und Sonja Kuttelwascher
Zuschauer: 1.835
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Weitere Bilder vom Spiel auf:
www.girlsplay.de
und www.kapixblog.net
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