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1. Bundesliga

Aufsteiger verliert Erstligapremiere unglücklich – Top-Stürmerin Grings verlässt FCR nach 16 Jahren!!!

FCR 2001 Duisburg – 1.FC Lokomotive Leipzig 2:1 (0:1)

Bericht von Stephan Tegründe, Bilder von Marion Kehren

22. August 2011
   Die Vorfreude in Duisburg auf die Frauen-Bundesliga schien groß: noch nach Spielbeginn strömten etliche Zuschauer ins PCC-Stadion in Duisburg-Homberg, um den letztjährigen Bundesligadritten im ersten Heimspiel der Saison gegen den Aufsteiger aus Leipzig zu bewundern. Die WM hatte wohl trotz des unerwarteten Abschneidens der deutschen Nationalmannschaft offensichtlich ein deutlich gesteigertes Interesse hervorgerufen, dem auch Gewittergefahr und ein starker Regenguss vor dem Spiel keinen Abbruch taten und das für eine bemerkenswerte Kulisse von 1870 Zuschauern sorgte.

Angelika Kirsch, Petra Hauser, Nicole Südholt, Jörg Schemberg

Nach knapp 16 Minuten markierte Lyn Meyer das erste Bundesligator für den Aufsteiger aus Leipzig. Nach einem fatalen Fehler von Duisburgs Keeperin Christina Bellinghoven und einer hervorragenden Hereingabe von Kathrin Patzke, zur zwischenzeitlichen Führung, vollendete .


Nach dem Spiel allerdings verließen viele davon trotz strahlenden Sonnenscheins zwar erleichtert ob des späten Siegtreffers das Stadion, aber auch nachdenklich angesichts der gezeigten Leistung. Diejenigen, die noch etwas länger verweilten, bekamen dann die eigentlich wichtige Nachricht des Tages mit - ein Donnerschlag, der Spiel und Ergebnis zur Nebensache degradierte: mehr noch als das Geschehen auf dem Platz erschütterte die in der anschließenden PK offiziell verkündete Vertragsauflösung der Duisburger Ausnahmestürmerin Inka Grings. Gestern ging in Duisburg eine langjährige - und über die meiste Zeit erfolgreiche - Beziehung zu Ende, die es in dieser Form im Fußball wohl nie wieder geben wird, denn der FCR 2001 Duisburg und seine Ausnahmestürmerin Inka Grings, seit 1995 dem Verein verbunden, trennen sich mit sofortiger Wirkung (hierzu ein ausführlicher Bericht).


Carolin-Sophie HärlingZum Spiel:

Bis um 12.40 Uhr am Sonntagmittag hätte Anne van Bonn die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte sicherlich als großen Erfolg bezeichnet; zu Recht konnte sie angesichts des Spielverlaufs auf einen Punkt hoffen, der für den Aufsteiger nicht unverdient gewesen wäre. Einen Strich durch die Rechnung machte ihr eine Spielerin, die es in Duisburg in der letzten Saison ähnlich schwer hatte wie sie selbst - und die sie nach dem Spiel trotz des Siegtreffers herzlich umarmte: Stefanie Weichelt. Vor allem ihrem Tor kurz vor Spielende und dem unbändigen Kampfwillen, der die anderen Löwinnen mitriss, nach ihrer Einwechslung in der 60. Minute war es zu verdanken, dass der FCR Duisburg die neue Bundesligasaison nicht mit einem Fehlstart begann.

Der FCR legte stark los und machte sich daran, die Vorgaben des Cheftrainers Marco Ketelaer – Kurzpassspiel, wenig lange und hohe Bälle, schnelle Kombinationen - umzusetzen. Der zur neuen Saison vollzogene Systemwechsel von einer Doppelsechs hin zu einem offensiveren System mit zwei Spitzen – welche heute Alexandra Popp und Luisa Wensing hießen, zum Erstaunen nicht weniger Zuschauer - versprach den Duisburger Anhängern in den ersten Minuten eigentlich einen schönen Vormittag: nach einer Flanke von Jennifer Oster verzog Popp in der 2. Minute knapp, wenige Minuten später verhinderte der – berechtigte – Abseitspfiff von Schiedsrichterin Katrin Rafalski die Führung durch Wensing nach Zuspiel von Mandy Islacker, ebenfalls nach einer Oster-Flanke. Weitere drei Minuten zwang ein Popp-Kopfball Carolin Härling – welche den verhinderten Neuzugang Gaëlle Thalmann gut vertrat - im Leipziger Tor zu einer ersten Glanztat. Doch urplötzlich endete das Feuerwerk der Duisburger Offensive, bevor es recht begonnen hatte, wenngleich die Ausrichtung bestehen blieb, ein schnelles Tor erzielen zu wollen.


Bild links: Lokks Ersatzkeeperin Carolin-Sophie Härling machte in ihrer ersten Bundesligapartie einen guten Job


Kozue AndoDies zog sich bis in die Abwehr und hatte fatale Folgen: die neue Kapitänin Krahn war zu weit aufgerückt, der Ball wurde im Spielaufbau verloren, die Abwehrspielerinnen ließen sich überlaufen … und über links startete Kathrin Patzke durch, um einen langen Ball zu erreichen. Dabei war sie schneller als Torfrau Christina Bellinghoven, die einen unverständlichen, überdies noch zögerlichen Ausflug aus ihrem Strafraum unternahm und dann nur noch zusehen konnte, wie Patzke den Ball an ihr vorbei spitzelte und schließlich von der linken Strafraumseite überlegt auf die mitgelaufene Lyn Meyer ablegte, die aus kurzer Distanz zum völlig überraschenden 0:1 für den Bundesliga-Neuling einschob.

Ein Schock für den FCR? Nicht im Gegenzug, wo Härling einen Kopfball erneut glänzend parierte – aber im weiteren Verlauf durchaus, denn nun sollte lange nichts mehr zusammen laufen. Leipzig wurde stärker, stand hinten kompakt und ließ kaum etwas zu, den Gastgeberinnen fehlte jedwede kreative Idee, die Zuordnung stimmte nicht, und einige Spielerinnen hatten sich mit ihrer neuen Position noch nicht wirklich angefreundet. Vor allem Ando ließ auf der 10er Position die geforderte Kreativität vermissen, forderte keine Bälle und konnte die Außen Islacker und Oster nicht ausreichend in Szene setzen. Leipzig witterte seine Chance und versuchte durch Patzke und Meyer gegen die häufig überforderte Abwehrreihe des FCR nachzulegen, scheiterte jedoch an Bellinghoven oder wie in der 37. Minute nach tollem Zuspiel über die rechte Seite durch überhasteten Abschluss von Krengel.

Bild rechts: Weltmeisterin Kozue Ando lies über weite Strecken die geforderte Kreativität vermissen. Die Spielerin wird übrigens die nächsten 14 Tage mit der japanischen Nationalmannschaft unterwegs sein und wird dem FCR fehlen.


Die verletzte Safi Nyembo wurde auf Leipziger Seite schmerzlich vermisst, was den Abschluss betraf - ansonsten hinterließ der Aufsteiger einen deutlich besseren Eindruck als vor ziemlich genau vor einem Jahr Bayer 04 Leverkusen an gleicher Stelle. Möglicherweise hatten die Duisburgerinnen auf einen ähnlich auftretenden Gegner wie seinerzeit beim 9:0 spekuliert und wirkten nun verunsichert. Kurz darauf allerdings ein Lichtblick im Duisburger Spiel: Neuzugang Laura Neboli spielte einen klugen Pass in die SpitzeAlexandra Popp, Josefine Krengel auf Popp, die nicht lange zögerte – aber ihr Schuss aus knapp 20 m krachte gegen die Latte. Es blieb vor der Pause bei dieser Aktion, und die Löwinnen gingen mit einem unerwarteten Rückstand in die Kabine.

Die zweite Hälfte begann unverändert, sowohl personell als auch spielerisch. Leipzig versuchte den Vorsprung zu verteidigen, und dem FCR fiel wenig ein, etwas daran zu ändern. Nach einer knappen Stunde Spielzeit brachte jedoch eine Standardsituation die Wende: einen wunderbar von Islacker vor das Tor geschlagenen Freistoß verwertete Popp per Kopf unhaltbar zum Ausgleich. Und spätestens mit der kurz darauf erfolgten Auswechslung – Steffi Weichelt kam für Dolores Silva und orientierte sich sofort nach vorn, die glücklose Wensing rückte dafür in die Abwehrkette – schienen bei den Löwinnen Kämpfertugenden zurückzukehren, wenngleich sich spielerisch wenig änderte. Die nachfolgende, bei dem aktuellen Spielstand für viele Zuschauer unverständliche Einwechslung von Barbara Müller für Oster bewirkte auch keine Erhöhung der Kreativität, allerdings wurden die Zuspiele etwas sicherer. Leipzig versuchte in der verbleibenden Zeit den Punkt zu sichern, es war aber deutlich zu merken, dass die Kräfte nachließen.

Bild links: Alexandra Popp brachte die Wendung! Mit ihrem wuchtigen Kopfball, hier gegen Josefine Krengel, sorgte sie für das zwischenzeitliche 1:1 Unentschieden.


Stefanie WeicheltSieben Minuten vor Spielschluss kam nun Linda Bresonik für Wensing, und der Druck des FCR wurde noch stärker. Härling hatte bei einer gefährlichen Szene, in der sich die Duisburgerinnen zudem gegenseitig behinderten, noch zweimal geklärt – aber der letzte Ball trudelte Richtung Torauslinie, und dort stand Weichelt goldrichtig und gab in der 85. Minute der Kugel – und dem Spiel - die entscheidende Richtung. Leipzig gab anschließend zwar nicht auf, hatte aber nicht mehr viel zuzusetzen – auch wenn sich der FCR über eine Strafstoßentscheidung kurz vor Spielschluss nicht hätte beschweren dürfen. Der Pfiff der Unparteiischen blieb jedoch aus, so dass der Aufsteiger mit leeren Händen dastand. Ein weiterer Wermutstropfen für die Lok: die ungarische Nationalspielerin Gabriella Toth wurde mit Verdacht auf Innenbandriss ins Krankenhaus gebracht.


Bild links: Im Gewirr der Leipziger Defensive sorgte Stefanie Weichelt zum vielumjubelten 2:1 Führungstreffer.


Fazit:

Der Aufsteiger schrammte knapp an einer Überraschung vorbei, und der FCR konnte einen Fehlstart noch eben abwenden. Trainer Marco Ketelaer betonte in der anschließenden Pressekonferenz, Fußball sei halt auch eine Kopfsache, und diesen hätten einige seiner Spielerinnen derzeit wohl nicht frei -gestern war es wohl die überwiegende Anzahl der Akteurinnen. In einem über weite Phasen höchst mittelmäßigen Spiel gewann die Heimmannschaft zwar glücklich, ließ aber viele Fragen offen, die in den kommenden Wochen dringend beantwortet werden müssen, auch und gerade was angesichts des nun noch weiter reduzierten Kaders mögliche Neuzugänge betrifft, denn die Zeit drängt hier; zudem steht Kozue Ando wegen der Olympiaqualifikation der japanischen Nationalmannschaft in den nächsten drei Pflichtspielen nicht zur Verfügung.

Das Team von Trainerin Claudia von Lanken hingegen trat zwar ohne Zählbares den Heimweg an, aber erhobenen Hauptes und mit der Erkenntnis, dass es sicher schwierig, aber durchaus möglich ist, auch in der Bundesliga mitzuhalten.


Stenogramm:

FCR 2001 Duisburg:
Bellinghoven – Silva (60. Weichelt), Krahn, Neboli, Himmighofen – Laudehr, Islacker, Oster (75. Müller), Ando – Wensing (83. Bresonik), Popp

1.FC Lok Leipzig:  
Härling – Lahr (89. Homp), Lübcke, , Schneider, Krengel – van Bonn, Herrmann, Toth (56. Ebermann), Heller – Patzke, Meyer (74. Ludwig)

Tore:
0:1 Meyer (16.), 1:1 Popp (59.), 2:1 Weichelt (85.)

Gelbe Karten:
- / Heller

Schiedsrichterin:
Katrin Rafalski (Bad Zwesten) mit Susanne Luft und Anna Scheib

Zuschauer:
1.870


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.kapixblog.net und unter www.girlsplay.de


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