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Bericht von Stephan Tegründe, Fotos von Volker Nagraszus und Marion Kehren
19. Oktober 2011 Ein interessantes Wiedersehen im PCC-Stadion in Duisburg-Homberg, auf das die Augen vieler gerichtet waren: Martina Voss-Tecklenburg, langjährige Spielerin und Erfolgstrainerin des FCR 2001 Duisburg und bis vor acht Monaten an diesem Ort noch absolut heimisch, kehrte mit ihrer neuen Mannschaft, dem FF USV Jena, an die alte Wirkungsstätte zurück und wurde dabei sowohl von vielen FCR-Fans als auch den meisten Spielerinnen sehr herzlich empfangen, was allerdings nicht auf den Fanclub "Bierbuden-Power" zutraf. Im Stadionheft wurde die Trainerin von Seiten des Fanclubs trauriger Weise mit keiner Silbe erwähnt.

Jenas Neuzugang Amber Hearn bei einer ihrer Kung-Fu-Einlagen. Die Neuseeländerin zeigte sich sehr aktiv und scheute sich nicht in die Zweikämpfe zu gehen - blieb aber bei ihren Aktionen stets ein fairer Gegner. (Foto: Marion Kehren)
Gastgeschenke wollten die Löwinnen an diesem Tag dennoch nicht verteilen, zumal sie sich vorgenommen hatten, nach dem Punktverlust der letzten Woche und dem schwachen Auftritt in Essen wieder etwas mehr Spielkultur und Ideen an den Tag zu legen. Verzichten musste Trainer Marco Ketelaer dabei auf die erkältete Stefanie Weichelt, für sie begann Mandy Islacker. Zudem brachte er in der Startelf, im Vergleich zum Spiel gegen Essen, Jennifer Oster für Gülhiye Cengiz. Bei Jena stand die wieder genesene Kapitänin Laura Brosius wieder in der Startelf und Fata Salkunic nahm dafür auf der Bank Platz.
"Kette" sprach im Vorfeld des Spiels davon, „dass wir das Spiel in Essen analysiert und aufgearbeitet haben“. Gleichwohl während der gesamten ersten 45 Minuten war davon rein gar nichts zu sehen. Es wurde dort angeknüpft, wo man am ‚Hallo‘ am letzten Samstag aufgehört hatte der zaghafte, zu seltene Aufbau eines Flügelspiels landete genauso in der kompakt stehenden USV-Abwehr wie die obligatorischen, sinnlosen Versuche durch die Mitte, und Kreativität stand auch noch nicht auf der Tagesordnung. Zahlreiche Stockfehler und Passungenauigkeiten ermöglichten letztlich den Gästen, die sich zwar weniger zurückhaltend, aber taktisch genauso clever verhielten wie die SGS vor Wochenfrist, eigene Aktionen zu setzen. Diese sahen durchaus vielversprechend aus, blieben aber im Abschluss zumeist ungefährlich: so durch einen Fernschuss von Julia Arnold in der 2. Minute und eine weitere Chance durch ihre Zwillingsschwester Sylvia wenig später - beides wurde von Torfrau Christina Bellinghoven problemlos entschärft. Machtlos wäre sie allerdings in der 14. Minute gewesen, als wiederum Julia Arnold frei zum Schuss kam, das Tor aber um wenige Zentimeter verfehlte. Zwei weitere Möglichkeiten konnten vom schwachen Jenaer Sturm ebenfalls nicht verwertet werden.
Wenn es bei den Duisburgerinnen vorn halbwegs gefährlich wurde, dann war daran Simone Laudehr beteiligt: trotzdem die Nationalspielerin in der 1. Halbzeit bei weitem noch nicht das abrief, was sie kann, war sie doch so ziemlich der einzige Aktivposten im Spiel des FCR, und nachdem Katja Schroffenegger im USV-Tor den Ball in der 23. Minute nach einer Oster-Flanke nicht weit genug aus der Gefahrenzone fausten konnte, fasste sich ‚Simon‘ ein Herz und hielt einfach drauf, verfehlte aber deutlich. Auch die gefährlichste Szene kurz vor der Pause entstand durch Laudehrs Einsatz und ihren satten Schuss aus wenigen Metern, den Jenas Kapitänin Laura Brosius kurz vor der Linie mit absolutem Körpereinsatz abblockte mehr Nennenswertes kam auf Duisburger Seite in der ersten Hälfte nicht zustande. Zufriedene Gesichter gab es in der Pause nur bei den wenigen mitgereisten Fans aus Thüringen.
Im zweiten Durchgang musste etwas passieren - das hatte wohl auch Marco Ketelaer erkannt, als er kurz nach Wiederbeginn die sich warmlaufende Jackie Groenen zur Bank rief. Diese ersetzte in der 52. Minute die völlig blasse Kozue Ando, und es wirkte schnell, als habe man einen Hebel umgelegt, denn ab dem Zeitpunkt lief es besser. Und nur wenige Minuten später ergab sich auch Zählbares nach einer Vorlage von Luisa Wensing, die von Alexandra Popp per Kopf entscheidend verlängert wird und zu der freistehenden Mandy Islacker gelangt; sie zieht aus halblinker Position ab und lässt dabei Katja Schroffenegger keine Chance zur bis dato noch schmeichelhaften Führung für den Gastgeber.
Jena, insgesamt keineswegs so passiv wie vor Wochenfrist die SGS, spielte weiter gut mit und versuchte sich Chancen zu erarbeiten. Und beinahe wäre es Luisa Wensing gewesen, die bei einem Klärungsversuch nach einem Freistoß der Gäste das eigene Tor traf aber sie verfehlte um wenige Zentimeter. Weitere Aktionen der Thüringerinnen waren ebenfalls wieder aussichtsreicht, aber im Abschluss nicht durchschlagskräftig genug. Auf der anderen Seite brachte die unkonventionelle Spielweise der jungen Niederländerin, die zwar oft sehr wuselig und ohne taktische Linie zu agieren scheint, es dabei aber schafft, hier und da wirklich überraschende Situationen zu kreieren, Duisburg die nötige Überlegenheit und den FCR damit letztlich auf die Siegerstraße. Dennoch war es einmal mehr ‚Simon‘, die sich in der eigenen Hälfte den Ball schnappt, über das halbe Spielfeld spaziert (wobei die Jenaerinnen wohlwollend zusehen), dann ungehindert Linda Bresonik bedient, die aus 18 Metern flach und trocken abzieht: wieder keine Chance für Schroffenegger beim 2:0. Dies war die Vorentscheidung in der 79. Minute; Jena gab zwar noch nicht auf, war aber in keiner weiteren Aktion mehr zwingend genug, um die Abwehr des FCR in Bedrängnis zu bringen. Im Gegenteil sorgte nach einer erneuten Vorlage von Laudehr von der linken Seite die eingewechselte Barbara Müller vier Minuten vor Spielende aus kürzester Distanz für den Schlusspunkt in einem Spiel, das sich vor allem dank Simone Laudehr und der 16-jährigen Jackie Groenen für den FCR letztlich noch erfolgreich gestaltete.
Stimmen zum Spiel:
USV-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg äußerte sich auf der anschließenden Pressekonferenz im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Mannschaft, sprach aber auch von einem letztlich verdienten Sieg der Löwinnen, der nicht nur ihrer Meinung nach jedoch ein Tor zu hoch ausgefallen war. „Woran es uns mangelt, ist jemand der die Chancen, die wir uns erarbeiten, auch erfolgreich abschließt. Die Effizienz, die Duisburg heute zeigte, fehlt uns, und das macht halt den Unterschied.“ Was jedoch ihren absoluten Unmut erregt hatte, war die Karikatur auf den Plakaten und dem Titelbild der Stadionzeitung ‚Löwen-Echo‘ und damit hatte sie sicherlich nicht unrecht: „Keine Mannschaft und keine Spielerin hat es verdient, als Würstchen dargestellt zu werden. Das ist nicht lustig, und darüber sollte man vielleicht einmal nachdenken.“
FCR-Coach Marco Ketelaer bestätigte im Wesentlichen die Spieleinschätzung seiner ehemaligen Kollegin. Er zeigte sich von der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit enttäuscht, sah im zweiten Durchgang aber eine Leistungssteigerung und lobte in dem Zusammenhang zu Recht seine jüngste Akteurin, Jackie Groenen, die das Duisburger Spiel nach ihrer Einwechslung ordentlich belebte.
   
Stenogramm:
FCR 2001 Duisburg:
Bellinghoven Wensing, Neboli, Krahn, Himmighofen, Bresonik, Oster (66. Cengiz), Laudehr, Ando (52. Groenen), Islacker (77. B. Müller), Popp
FF USV Jena:
Schroffenegger Roelvink, Radtke, Löser, Brosius, Milde (63. Salkunic), Schiewe, J. Arnold (84. Beil), Seiler (75. Schmutzler), Hearn, S. Arnold
Tore:
1:0 Islacker (57.)
2:0 Bresonik (70.)
3:0 B. Müller (85.)
Gelbe Karten:
Islacker, Neboli / Löser
Schiedsrichterin:
Christine Baitinger (Magstadt) mit Ülfet Car und Isabelle Herrmann
Zuschauer:
1.462
Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de
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