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1. Bundesliga, 22. Spieltag

Gerechtes Unentschieden und ein „Servus“ für Uschi Holl

SG Essen-Schönebeck - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)

Bericht und Fotos von Marion Kehren

29. Mai 2012 – Es war angerichtet im Stadion „Am Hallo“! Die Meisterschale aufgebahrt, über 2000 Zuschauer (Saisonrekord) und davon mehr als 150 Wolfsburger Fans (!!!) sorgten für eine tolle Atmosphäre an diesem Essener Spielort, als die „Schiedsrichterin des Jahres“, Christine Baitinger die Partie anpfiff. Der perfekte Tag endete letztendlich mit einem leistungsgerechten 1:1 Unentschieden, aber für viele Essener war dieses Ergebnis zweitrangig. Sie wollten sich verabschieden von ihrer Heimstätte, dem „Stadion Am Hallo“und von der ehemaligen Nationaltorhüterin Uschi Holl, die am gestrigen Tage ihre Karriere beendete.

Julia Kathrin Hendrich, SG Essen-Schönebeck

Das nächste große Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs verläßt die Bühne. Die Welt- und Europameisterin tritt nach vielen Jahren Hochleistungssport ab, um sich eine neue Herausforderung zu suchen. Danke & mach's gut!


WolfsburgfansMit einer Kopie der Meisterschale im Gepäck reiste Heike Ulrich frisch aus Frankfurt an, denn vor der Partie konnte man noch nicht erahnen, ob nicht doch noch ein kleines Fußballwunder in Potsdam passieren würde. Die Wolfsburgerinnen waren bis in die Zehenspitzen motiviert, sie wollten partout ihre Hausaufgaben erfüllen und ihre theoretische Chance nutzen. Ein Blick auf die Schale brachte die ein oder andere Spielerin zum Träumen. „Die hätte ich auch einmal gerne“, so Stürmerin Zsanett Jakabfi kurz vor Anpfiff. Aber Essen war nicht gewillt sich so einfach geschlagen zu geben, zumal man tunlichst Platz 5 in der Tabelle sichern wollte.

VfL-Coach Ralf Kellermann musste seine Startformation umstellen, denn mit Rebecca Smith und Maren Tetzlaff vielen gleich zwei Stammkräfte aus. So rückte u.a. Navina Omilade in die Startformation. Wolfsburg erwischte den besseren Start und setzte Essen von Anfang an massiv unter Druck. Bereits nach vier Minuten hatten die Wölfinnen ihre erste gute Gelegenheit durch Zsanett Jakabfi zu verbuchen, doch der Ball landete an der Querlatte. Von dem lauten Getöse der zahlreichen mitgereisten Fans wurden die Wolfsburgerinnen immer wieder nach vorne getrieben, nur ein zählbarer Erfolg sprang dabei nicht heraus. Essen selber konnte sich nur langsam aus der Umklammerung der Gäste löse und kam lediglich zu zwischenzeitlichen Entlastungsangriffen u.a. durch Linda Dallmann und Charline Hartmann. Nach knapp 20 Minuten wurden die Wolfsburger Fans etwas ruhiger, denn der erhoffte Ausrutscher von Potsdam blieb aus und das sprach sich auch schnell bis zur Mannschaft rum. So entwickelte sich im Laufe der ersten Halbzeit ein unterhaltsamer Sommerkick ohne viele Torraumszenen. Die beste SGS-Chance hatte Melanie Hoffmann, die nach Zuspiel von Dallmann an VfL-Torfrau Vetterlein scheiterte.

Navina Omilade, Vanessa MartiniDie zweite Halbzeit begann so wie die erste aufgehört hatte. Die Doppelspitze Müller/ Pohlers sorgte zwischenzeitlich immer wieder für Unruhe im Strafraum der Essenerinnen. Als Katharina Tarr jedoch die gut aufgelegte Conny Pohlers unsanft im Strafraum zu Fall brachte, musste Uschi Holl in ihrem letzten Spiel doch noch einmal hinter sich greifen, denn Nadine Kessler verwandelte diesen Strafstoß sicher zu 0:1 Führung. Kurz danach war auch der Arbeitstag von Holl beendet und sie wurde unter großem Applaus gegen Lisa Weiß ausgewechselt. Alle Spielerinnen der SG Essen standen Spalier als die Ex-Nationalkeeperin vom Rasen ging und ihre Handschuhe für immer abstreifte. Auch Ralf Kellermann wechselte noch einmal kräftig aus und gab so Leni Larsen Kaurin, Nathalie Bock und Martina Moser ebenfalls noch einmal die Möglichkeit ein letztes Mal für die Grün-Weißen aufzulaufen und sich so von ihren Fans zu verabschieden. Das Spiel war nun vollkommen zur Nebensache geworden, da erwischte Charline Hartmann das Leder optimal und glich in der 84. Minute per Kopfball zum 1:1 aus. Nach dem Abpfiff feierten beide Teams ihre tollen Saisonleistungen mit ihren Fans und ließen die Korken knallen.


Stimmen zum Spiel:

Ursula (Uschi) HollUschi Holl (Torhüterin SG Essen-Schönebeck): „.Heut war es schon ein komisches Gefühl hier aufzulaufen, ich wusste alles wird nun endgültig sein und als ich gesehen habe, dass die Lisa zur Bank läuft, habe ich schon so ein Kribbeln in den Armen und Beinen bekommen und wusste: Okay, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Ich denke, ich brauche noch ein paar Tage um das alles zu realisieren. Jetzt mache ich erst einmal Urlaub und werde erst einmal wieder in meinem alten Job bei der Deutschen Bank anfangen. Aber wer weiß, vielleicht  ergibt sich ja auch noch etwas anderes. Ich bin ganz froh, dass ich mein letztes Jahr hier spielen durfte. Essen ist das Beste, das mit je passieren konnte!“

Ralf Kellermann (Trainer VfL Wolfsburg): „Aus meiner Sicht war es heute ein leichter Sommerkick, denn keiner hat wirklich mehr daran geglaubt, dass wir hier heute hätten Meister werden können. Dass hat man schon im Laufe der Woche beim Training gemerkt und ich kann es auch keinem verübeln. Dennoch wollten wir hier heute gewinnen, was zwar nicht so ganz geklappt hat. Wir sind alle mächtig stolz, denn das ist unser bestes Saisonergebnis. Jetzt freuen wir uns auf die kommende Saison und auf die Champions League. Der Kader wird zurzeit aufgerüstet und dann werden wir nächste Saison versuchen anzugreifen.“

Markus Högner (Trainer SG Essen-Schönebeck): „Meine Mannschaft hat heute eine tolle Leistung gezeigt. Wolfburg war uns teilweise überlegen, aber die Mannschaft hat an sich geglaubt und nie aufgegeben. Der späte Ausgleich spiegelt den Charakter dieser Mannschaft wieder und ich bin richtig stolz auf sie. Vor der Saison waren wir Abstiegskandidat Nummer 1 und jetzt stehen wir hier mit dem fünften Tabellenplatz. Wenn man bedenkt wie gering unseren finanziellen Mittel und wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind ist dieses Endergebnis schon sensationell.“


Sarah Freutel, Anna Blässe"Essener Humba"Wölfinnen


Stenogramm:

SG Essen-Schönebeck:
Holl (75. Weiß) - Leiding, Ioannidou (81. Mester), Dörpinghaus, Tarr, Martini, Dallmann, M. Hoffmann, Freutel (66. I. Wolf), Hamann, C. Hartmann

VfL Wolfsburg:
Vetterlein - Faißt, Henning, Omilade, Goeßling, Keßler, Bunte, Jakabfi, Blässe (81. Moser), Pohlers (76. Bock), M. Müller (71. Larsen Kaurin)

Tore:
0:1 Keßler (71. FE)
1:1 C. Hartmann (84.)

Gelbe Karten:
Ioannidou, Dörpinghaus / -

Schiedsrichterin:
Christine Baitinger (Magstadt) mit Ülfet Car und Susanne Luft

Zuschauer:
2.012 (Saisonrekord!!!)


Weitere Bilder unter: www.girlsplay.de und www.kapixblog.net


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