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28.09.2011
Bericht und Bilder von Karin Reuter
Die Marschroute von Thomas Wörle, Trainer des FC Bayern München, war vor dem Spiel klar. Er wollte eine leidenschaftliche Leistung seiner Mannschaft sehen und 3 Punkte mit an die Isar nehmen. Bei der SG Essen-Schönebeck musste Trainer Markus Högner verletzungsbedint auf Katarina Tarr und Jessica Bade verzichten. Dazu kam noch die gesperrte Elena Hauer. Mit umgestellter Abwehr gelang der SGS ein achtenswerter Heimsieg durch das frühe 1:0 von Caroline Hamann bereits in der 3. Minute.
Bei strahlendem Sonnenschein und vor einer tollen Zuschauerkulisse zeigte sich das Team aus Essen sofort nach dem Anpfiff durch Schiedsrichterin Ines Appelmann angriffslustig und bissig. Es waren noch nicht ganz 3 Minuten gespielt und die SGS erkämpfte sich den ersten Eckball der Partie. Von Melanie Hoffmann kurz auf Irini Ioannidou ausgeführt, landet deren Hereingabe in den Strafraum vor den Füßen von Caroline Hamann, die sich mit dem 1:0 Führungstreffer bedankte. Die Bayernabwehr war dabei so abwesend, dass man annehmen mochte, sie hätten noch gar nicht gemerkt, dass das Spiel bereits läuft. Das Endergebnis stand also bereits 87 Minuten vor Ende der Partie fest, aber es passierte noch einiges.
Vom frühen Rückstand sichtlich schockiert, fanden kaum ins Spiel. Nicole Banecki verstand die Situation wohl zuerst und fasste sich ein Herz, als sie brasilianisch mit einigen Übersteigern gleich 2 Essenerinnen ausschaltete. Erst an Abwehrspielerin Linda Dallmann scheiterte die 3-fache A-Nationalspielerin.
Kurz vor der Halbzeitpause versuchte die SGS die nach wie vor bestehende Unsicherheit und Nervosität der Bayernfrauen auszunutzen und kam durch Melanie Hoffmann zu zwei weiteren Großchancen. In der 38. Spielminute setzte Hoffmann den Ball noch knapp über das Tor, kurz vor dem Halbzeitpfiff scheiterte sie dann an Bayerntorfrau Kathrin Längert, die mit einer spektakulären Aktion retten konnte.
Die Halbzeitpredigt von Thomas Wörle fiel sicher nicht gemütlich aus und so rissen sich die Bundesliga-Cup Gewinner zusammen. Ivana Rudelic kam für Laura Feiersinger und die im Allgäu geborene Stürmerin kroatischer Abstammung zeigte sofort ihr Können. Ursula Holl im Tor der SGS konnte den Schuss von Rudelic gerade noch zur Ecke klären. Mit dieser Aktion war genau der Schwung im Spiel, den die 1.286 Zuschauer in Halbzeit eins trotz der Führung des Heimteams vermissten. Essen stand gut sortiert in der Abwehr und die Bayern hatten ihre Mühen, irgendwo eine Lücke zu finden. Die ehemalige Nationaltorhüterin Holl im Essener Tor strahlte aber große Sicherheit aus und dirigierte ihre Abwehr lautstark und professionell.
Die Mannschaft von Trainer Markus Högner verteidigte mit Geschick und wachen Augen. Der knappe Vorsprung sollte mit allen Mitteln über die Zeit gebracht werden. Das gelang der SGS wunderbar, auch der letzte Versuch der Bayern auf den Ausgleich, als Vanessa Bürki die Querlatte traf, blieb erfolglos. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung erkämpfte sich die SG Essen-Schönebeck den zweiten Heimdreier der noch jungen Saison.
Mit 9 Punkten aus 4 Spielen steht die SGS etwas überraschend direkt hinter den Großen aus Duisburg, Frankfurt und Potsdam. Markus Högner machte seiner Mannschaft nach dem Spiel ein großes Kompliment: "Wir haben von Anfang an gefightet. Wir waren einfach reif, die Bayern zu schlagen. Das war ein Sieg der Moral." Selbstbewusst und mit Blick auf das kommende Spiel beim Meister Turbine Potsdam fügte Högner an: "Wir wollen punkten!"
Mit ungewohnt deutlicher Kritik an der eigenen Mannschaft fiel das Urteil von Thomas Wörle aus: "Es war interessant zu sehen, wie eine Mannschaft mit begrenzten Mitteln einen FC Bayern, der scheinbar aus 11 Prinzessinnen besteht, gewinnen kann." Solche scharfen Worte sind vom ehemaligen Zweitligaspieler bisher nicht zu hören gewesen. Wörle weiter: "Mittlerweile sind wir im Abstiegskampf. Wenn unsere Spielerinnen nicht verstehen, wie man Frauenfussball spielt, werden wir es in dieser Liga schwer haben!"
SG Essen-Schönebeck: Holl, Dallmann (90. Freutel), Dörpinghaus, Martini, M.Hoffmann, Ioannidou (62. Wolf), C. Hartmann (87. Bemmelen), da Silva Costa, Klasen, Mester, Hamann
FC Bayern München: Längert, Schöne, Baunach, Lotzen (60. S. Banecki), Wenninger, Wimbersky, N. Banecki, Schnaderbeck, Feiersinger (46. Rudelic), Bachor, Bürki
Tore: 1:0 Hamann (3.)
Gelbe Karten: c. Hartmann / N. Banecki, Wimbersky
Schiedsrichterin: Ines Appelmann (Alzey) mit Christina Biehl (geb. Jaworek) und Sonja Kuttelwascher
Zuschauer: 1.286
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