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1. Bundesliga, 12. Spieltag

Unter Wert geschlagen

SG Essen-Schönebeck - 1. FFC Frankfurt 0:3 (0:1)

Bericht von Stephan Tegründe, Fotos von Karin Reuter und Volker Nagraszus

19. Dezember 2011
Erste Partie der Rückrunde und der letzte Spieltag vor der Winterpause im Stadion am Hallo, wohin am 4. Adventssonntag trotz des attraktiven Gegners aus der Mainmetropole und eines (zunächst) sehr schönen Wintertags ‚nur‘ 1.014 Zuschauer den Weg gefunden hatten. Unter ihnen natürlich auch der obligatorische Weihnachtsmann, der den anwesenden Kindern (und nicht nur diesen) eine süße Bescherung bereitete. Für SGS-Trainer Markus Högner und sein Team hatte er indes wohl nichts in seinem Sack gefunden, zumindest waren dort keine Punkte mehr übrig: diese entführte der wieder erstarkte 1. FFC Frankfurt mit dem gleichen Resultat wie im Hinspiel. 0:3 (0:1) hieß es nach 90 Minuten, wobei das Ergebnis um mindestens ein Tor zu hoch ausfiel und die Spielanteile klarer vermuten lässt, als sie sich wirklich darstellten.

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Riesenhype vor dieser Partie: Die Überraschungsmannschaft der Hinrunde gegen den hoch favorisierten FFC Frankfurt. Leider fanden nur etwas mehr als 1.000 Zuschauer den Weg ins Stadion. (Foto: Volker Nagraszus)


Martina Voss-Tecklenburg, Sharon BeckMartina Voss-Tecklenburg, die Trainerin des nächsten Essener Gegners USV Jena, nahm den Spielausfall der Partie des eigenen Teams beim VfL Wolfsburg zum Anlass, die Hausherrinnen ein wenig zu beobachten und am Rande einige Gespräche mit alten Bekannten zu führen. Dies war gut möglich, denn auf dem Rasen ereignete sich zunächst nicht allzu viel.

Die Gäste aus der Mainmetropole mussten aufgrund eines Muskelfaserrisses erneut auf Fatmire ‚Lira‘ Bajramaj verzichten, ebenfalls fehlten die langzeitverletzten Kim Kulig und Stürmerin Ana-Maria Crnogorcevic, und zunächst saß auch Dzsenifer Marozsán wieder nur auf der Bank. FFC-Coach Sven Kahlert vertraute also auf die gleiche Startelf, die einen grandiosen Pokalerfolg gegen Turbine Potsdam einfuhr und am vergangenen Wochenende beim 1:1 in Duisburg zumindest eine sehr gute erste Hälfte zeigte. Die SGS spielte überraschend ohne Vanessa Martini, für sie begann die junge Katharina Leiding in der Innenverteidigung. So standen gegen die ‚Millionentruppe‘ vom Main vier 17-jährige in Högners Überraschungsmannschaft der Hinrunde (denn zu dieser wurde sie unter der Woche von den BundesligatrainerInnen gekürt), und sie machten ihre Sache über weite Strecken sehr gut, ließen die Gäste nur schwer zur Entfaltung kommen; nach vorn fehlte aber noch einiges an Durchschlagskraft. Lediglich eine Chance von Caroline Hamann kann in der ersten Hälfte als aussichtsreich bezeichnet werden.

Svenja Huth, Ursula Holl, Saskia Bartusiak, Melanie HoffmannEin erster Fingerzeig des FFC nach gut einer Viertelstunde, nachdem eine schöne Flanke – halblinks von der Strafraumkante von Svenja Huth – durch Jessica Landström per Kopf hätte verwertet werden können, doch die Schwedin trifft den Ball nicht richtig und erzielt so keine Gefahr für das Tor von Ursula Holl. Frankfurt nun stärker: in der 24. Minute setzt sich Kerstin Garefrekes auf der rechten Strafraumseite durch, und eine Kombination von Flanke und Torschuss landet auf der Latte des Essener Gehäuses.

Wenige Minuten später eine Ecke von rechts für den FFC durch Melanie Behringer, Landström mit dem Kopf vor Holl am Ball, der zu Huth kommt – und die U20-Weltmeisterin drückt den Ball über die Linie. Doch Schiedsrichterin Marina Wozniak bzw. ihre Assistentin hatten eine Torwartbehinderung im Fünfmeterraum durch Landström gesehen – der Treffer zählte folglich nicht. Glück für Essen, denn diese Regelauslegung war ähnlich großzügig wie die in der letzten Woche, als Kerstin Garefrekes in Duisburg ein regulärer Treffer aberkannt wurde – die beobachtete Behinderung ging nämlich von Katharina Leiding aus. In der 40. Minute passt jedoch alles: ein überlegter langer Ball von Sandra Smisek aus der eigenen Hälfte, Landström legt clever ab auf Garefrekes – und ‚KG‘ darf mühelos durch die Essener Defensive spazieren und dann noch aus zwölf Metern gegen die Laufrichtung von Holl abziehen: 0:1, zur Halbzeit aufgrund des leichten spielerischen Übergewichtes verdient - in einer insgesamt eher unterdurchschnittlichen Partie.

Svenja Huth, Irina IoannidouNach Wiederanpfiff änderte sich einiges: sowohl auf dem Rasen, denn die Hausherrinnen kamen sichtlich präsenter aus der Kabine – doch vor allem wettertechnisch, denn nahezu die gesamten zweiten 45 Minuten gestalteten sich als ein Wechselbad aus Regen, Graupel und Hagel, und bis auf einige unverwüstliche flüchteten die Zuschauer von der Gegengerade auf die überdachte Tribüne. Von dort sahen sie eine kaum bessere Partie, die zudem mit zunehmender Spielzeit auch den Spielerinnen Schwierigkeiten bereitete, denn die Bodenverhältnisse führten doch zu einigen Ausrutschern.  Die Essenerinnen kamen damit zunächst etwas besser zurecht und folgerichtig auch zu einigen Chancen, vor allem durch Charline Hartmann: zwei Mal scheiterte die Rekordtorschützin der SGS in sehr aussichtsreicher Position an Nationaltorhüterin Nadine Angerer. Auf der anderen Seite stand Garefrekes nach einer schönen Vorarbeit von Maroszán völlig frei und konnte sich die Ecke aussuchen, doch ihr schwacher Kopfball landet in den Armen von Holl.

Gegen eine Spitzenmannschaft bekommt man meist nicht viele Chancen, die sollte man tunlichst nutzen – das mussten schließlich auch die spielerisch und kämpferisch phasenweise besseren Essenerinnen erneut schmerzlich erkennen: in den letzten fünf Minuten zollte die ansonsten gut stehende Essener Innenverteidigung doch der individuellen spielerischen Klasse der Gegnerinnen und dem rutschigen Untergrund Tribut, denn die beiden Jungstars Dzsenifer Marozsán (nach schöner Vorlage von Saki Kumagai) und Svenja Huth mit einem feinen Drehschuss (nach ebenso feiner, wenn auch etwas wetterbegünstigter Vorarbeit von Sara Thunebro) schraubten binnen vier Minuten das Ergebnis auf den doch recht schmeichelhaften Endstand.

Fazit:

Sven KahlertDie favorisierten Gäste gewannen letztlich verdient, aber sicher um ein Tor zu hoch, dies sahen auch beide Trainer so. Sven Kahlert freute sich darüber, dass sein Team den positiven Schub aus den beiden letzten Spielen gegen Potsdam und Duisburg mitnehmen konnte. Markus Högner zollte seiner Mannschaft ein Lob und merkte zu Recht an, dass in der 2.Halbzeit bei eigenem spielerischen Übergewicht und einer besseren Chancenverwertung ein möglicher Ausgleich das Spiel sicher anders hätte beeinflussen können. Eine der entscheidenden Aktionen kommentierte er jedoch sehr kritisch: „Beim 0:1 darf Kerstin Garefrekes nicht so unbehelligt durch unsere Abwehr laufen, da erwarte ich ein taktisches Foul.“

Trotz der dritten torlosen Niederlage in Folge verabschiedet sich die SG Essen-Schönebeck mit einem unerwartet guten 6. Platz in die Winterpause und kann so dem neuen Jahr anders als in den letzten beiden Spielzeiten deutlich entspannter entgegen sehen, wenn es zum Auftakt Ende Februar nach Thüringen geht. In Frankfurt schaut man nach einem Durchhänger von drei Niederlagen in der Liga aufgrund der steigenden Tendenz in den letzten drei Pflichtspielen inzwischen auch wieder etwas gelassener nach vorn – und sicherlich noch mit Spannung auf die DFB-Pokalauslosung am Mittwoch (im Rahmen der Achtelfinal-Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04), wo neben Melanie Behringer der DFB-Teammanager Oliver Bierhoff als Glücksfee auftritt und dafür ‚verantwortlich‘ sein wird, wem man zu Ostern im Halbfinale gegenüber steht.


Jessica Bade, Saki KumagaiMelanie BehringerUrsula Holl, Weihnachtsmann


Stenogramm:

SG Essen-Schönebeck:
Holl – Ioannidou (66. Mester), da Silva Costa, Leiding, Bade – Klasen, M. Hoffmann, Dallmann, Hamann (71. Freutel) – Wolf (55. Oliveira Leite), C. Hartmann

1. FFC Frankfurt:
Angerer – Lewandowski, Bartusiak, Weber, Krieger – Smisek, Percival (70. Kumagai), Behringer (87. Thunebro), Garefrekes, Huth – Landström (58. Marozsán)

Tore:
0:1 Garefrekes (40.)
0:2 Marozsán (86.)
0:3 Huth (89.)

Gelbe Karten:
Oliveira Leite / Krieger

Schiedsrichterin:
Marina Wozniak (Herne) mit Nadine Matthes und Nicola Laura Jepkens

Zuschauer:
1.014


Weitere Bilder unter: www.girlsplay.de und http://karin.mikloweit.de


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