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1.Bundesliga, 6. Spieltag

Schwaches Revierderby bleibt ohne Sieger

SG Essen-Schönebeck - FCR 2001 Duisburg 1:1 (0:0)

12.10.2011
Bericht von Stephan Tegründe


SG Essen-Schönebeck

Isabelle Wolf
Diesen Tag hätte sich die 16-jährige Isabelle Wolf in ihrem Kalender sicher gern rot angestrichen: nur knapp fünf Minuten beim Revierderby war die aus der Regionalliga zum Bundesligisten nach Essen gewechselte Spielerin gegen den Favoriten aus Duisburg im Spiel, da nahm sich die jüngste Spielerin auf dem Platz nach perfektem Zuspiel der erfahrensten – Melanie Hoffmann – die Kugel, ließ die Duisburger Innenverteidigung komplett alt aussehen und auch Torfrau Christina Bellinghoven mit einem satten Flachschuss in die lange Ecke keine Chance … 1:0 für die SG Essen-Schönebeck, acht Minuten vor Schluss; für die junge Spielerin im vierten Bundesligaeinsatz das erste Tor, und das gegen den FCR! Dass der Kalendereintrag bei Isabelle Wolf möglicherweise doch ausbleibt, weil sie damit nicht die gesamten drei Punkte für ihre Mannschaft eroberte und die Überraschung vollends perfekt machte, dafür sorgte – aus Essener Sicht unglücklicherweise – ausgerechnet eine ehemalige Duisburgerin nur wenige Sekunden später: direkt nach dem Anstoß gelangt der Ball zu Jennifer Oster, die eine eher harmlose Flanke von rechts in den Strafraum schlägt - Vanessa Martini will mit dem Kopf klären, erwischt aber den Ball nicht richtig, der sich zum Entsetzen der Gastgeberinnen unhaltbar über die ansonsten souveräne Torfrau Ursula Holl zum 1:1 in die Maschen senkt. Und man muss sagen: drei Punkte wären auch nicht verdient gewesen – das gilt für die SGS genauso wie für die Gäste.

Simone Laudehr Vanessa MartiniEs gibt Spiele, die machen es einem leicht darüber zu schreiben - dieses gehört freilich nicht dazu. Würde man den Bericht auf Tor-, Strafraum- oder auch nur auf schöne Spielszenen beschränken wollen, die Partie wäre sehr schnell erzählt, und das Blatt wäre nicht mal halb gefüllt. Allein eine hohe spielerische Überlegenheit der Löwinnen und einen gefühlten Ballbesitz von 80% (realistisch dürften gut 60% gewesen sein) zu beschreiben, ist wenig ergiebig, und genau das ist es auch, was man über das Duisburger Spiel insgesamt sagen kann. Wenig fruchtbare und ideenlose Aktionen, bei weitem nicht die Ballsicherheit oder ein Flügelspiel, das vor Wochenfrist gegen Wolfsburg noch wunderbar funktionierte, ein unverständliches, zu häufiges Abdriften in ein ‚Spiel durch die Mitte‘ und eine ebenfalls häufige, grundlose Verlangsamung des Spielflusses … all das war nicht nachvollziehbar angesichts der Spielweise der vergangenen Wochen. Und das gilt auch für das gesamte Spiel, denn schnell passten sich die meisten Akteurinnen auf dem Platz den weitestgehend unangenehmen Witterungsbedingungen an – was sie zeigten, war über weite Strecken der Partie trist und einfallslos. Legt man jedoch die spielerischen Mittel der Gastgeberinnen zugrunde, war dies sogar verständlich: sie taten, was sie konnten, unterbanden früh und meist effizient den Spielaufbau der Gäste, nahmen vor allem nach den anfänglichen Unsicherheiten die gegen Wolfsburg noch glänzende Simone Laudehr phasenweise gut aus dem Spiel, so dass die Aktionen, mit denen der FCR hätte gefährlich werden können, sich in Distanzschüssen von Linda Bresonik, Alex Popp und Kozue Ando sowie in nachlässig vorgetragenen Standards erschöpfte. Auch Alexandra Popp hatte über das gesamte Spiel gesehen lediglich zwei gute Torszenen, allerdings hatte die Nationalspielerin, die seit Wochen ihrer Form hinterherläuft, im Abschlusstraining abends zuvor noch einen Bluterguss am Fuß erlitten.

Jacqueline Klasen Linda Dallmann Marina Himmighoven Mandy IslackerEigene Angriffe startete die SG Essen-Schönebeck kaum – das schien auch zunächst gar nicht das Ansinnen zu sein, denn zu gut verstanden sie sich nach einer unruhigen Anfangsphase darauf, das Spiel der Gäste zu zerstören bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen. Man hatte in Essen offensichtlich die Hausaufgaben gemacht und war sich bewusst darüber, dass der FCR immense Probleme mit Mannschaften bekommt, die recht tief stehen und defensiv ausgerichtet sind – das war so schon gegen Leipzig und in Sand zu sehen. Möglicherweise wäre für die Duisburger ein Einsatz der Niederländerin Jackie Groenen gegen ihren alten Verein lohnend gewesen, denn auch wenn die junge Dame gelegentlich etwas zu viel läuft – sie tut es wenigstens, und etwas Kreatives, Überraschendes springt dabei auch oft heraus – und vielleicht war auch noch eine Rechnung offen. Doch wie reagierte der FCR? Ihm fiel dazu schlichtweg wieder nichts ein außer den beschriebenen Mitteln – was sich auch im zweiten Durchgang nicht wirklich änderte. Mit der Einwechslung von Jennifer Oster für Stefanie Weichelt bewegte sich etwas mehr auf dem rechten Flügel, und nach einer weiteren Einwechslung (Mandy Islacker kam für Gülhiye Cengiz) – sorgte genau dieses Duo für den eigentlichen ersten Aufreger des Spiels – wohlgemerkt, nach 73 (!) Minuten: nach einer langen Flanke von Oster erwischt Islacker die Kugel knapp vor der Torauslinie und schlenzt den Ball ins Tor – doch das Schiedsrichtergespann hatte eine Abseitsstellung gesehen. Ob das wirklich falsch war, vermochte selbst die Torschützin nach Ansicht der Fernsehbilder nicht mehr eindeutig zu sagen – daran kann man vielleicht ermessen, wie schwer es gewesen sein mag, dies in Sekundenbruchteilen richtig zu entscheiden. Und in der Nachbetrachtung klären sich auch die beiden anderen vermeintlich strittigen Szenen, die vor Ort noch vehement als Elfmeter gefordert worden waren – beides waren eindeutig keine Strafstöße, im Gegenteil hätte man bei der zweiten Situation, als Alexandra Popp in Ina Mester hineinfliegt, auch durchaus eine gelbe Karte wegen Unsportlichkeit zeigen können: Schiedsrichterin Marija Kurtes bot insgesamt zwar keine fehlerfreie Leistung, aber sie war sicherlich nicht so schlecht, wie die Zuschauer sie nach dem Spiel mit Buh-Rufen und Pfiffen machen wollten. Kurz nach dem möglicherweise zu Unrecht erfolgten Abseitspfiff war die Entscheidung allerdings eindeutig, denn Isabelle Wolf spurtete der zu langsamen Annike Krahn – trotz eines deutlich längeren Laufweges! – auf dem Weg zum 1:0 einfach davon. Doch während die SGS-Fans noch skandierten und der Essener Stadionsprecher zur Torverkündung ausholte, unterlief auf der anderen Seite der ansonsten gut spielenden Vanessa Martini das beschriebene Missgeschick. So blieb es letztlich bei einem gerechten Remis in einer insgesamt spielerisch schwachen Begegnung.

Isabelle Wolf Annike Krahn Laura Neboli
SGS-Trainer Markus Högner sprach nach dem Spiel davon, dass sein Team nach bisher schon engagierten Leistungen gegen die Top-Teams der Liga dieses Mal endlich etwas Zählbares in Händen halte. „Drei Punkte für uns wären hier und heute sicher des Guten zu viel gewesen. Aber meine Spielerinnen haben es gegen Frankfurt und in Potsdam schon bewiesen mitzuhalten, und heute haben sie gesehen, dass sie für ihre Einsatzbereitschaft und für den Kampf doch einmal belohnt werden. Bis auf die ersten zwanzig Minuten, in denen Duisburg durchaus ein Tor hätte erzielen können, weil wir einfach zu weit weg vom Gegner standen, bin ich mit dem Spiel absolut zufrieden, denn danach hat sich die Mannschaft taktisch hervorragend verhalten. Aber auch wenn wir bereits zehn Zähler auf dem Konto haben: der heutige Punkt ist nur ein weiterer gegen den Abstieg – doch wenn die Mannschaft so weiter fightet und an sich glaubt, dann bekommt sie das auch ausgezahlt.“ FCR-Coach Marco Ketelaer war verständlicherweise enttäuscht und machte daraus keinen Hehl: „Was wir heute geboten haben, war zu wenig, und auch dieser Punkt ist für uns natürlich zu wenig. Wir haben nicht den Aufwand betrieben und das umsetzen können, was wir gegen Wolfsburg und Freiburg noch gezeigt haben. Das Spiel heute war schwach, da nehme ich meine Mannschaft klar in die Pflicht, denn sie kann besser spielen, aber ungeachtet der Enttäuschung heute wir werden genauso weiterarbeiten und den Weg so weitergehen, wie ich mir unsere Art, Fußball zu spielen vorstelle.“

Alexandra Popp Ina Mester Jacqueline Klasen
Gelegenheit dazu bekommt die Mannschaft des FCR 2001 Duisburg sicher nächste Woche in einer Partie, die zwar keinen Derbycharakter hat, aber eine andere, ganz besondere Brisanz birgt: am kommenden Sonntag ist der FF USV Jena mit der früheren FCR-Erfolgstrainerin Martina Voss-Tecklenburg in Duisburg zu Gast.
Die SG Essen-Schönebeck sollte mit gesundem Selbstvertrauen die durchaus nicht leichte Aufgabe in Leipzig angehen, wohl wissend, dass man dort mit einer derartigen Vorstellung sicherlich keinen Erfolg haben wird. Aber es macht derzeit wirklich den Eindruck, als wisse Markus Högner absolut, was er tut – entsprechend dürfte er auch für diese Partie die richtige Taktik finden.




SG Essen-Schönebeck:
Holl - Mester, da Silva Costa, Martini, Dörpinghaus - Klasen, Ioannidou (46. Bade) - Dallmann, M. Hoffmann, Hamann (77. Wolf) - C. Hartmann (73. Oliveira Leite)

FCR 2001 Duisburg:
Bellinghoven - Wensing, Krahn, Neboli, Himmighofen - Bresonik - Cengiz (70. Islacker), Laudehr, Weichelt (54. Oster) - Popp, Ando


Tore:
1:0 Wolf (82.)
1:1 Martini (83. Eigentor)


Gelbe Karten: C. Hartmann / Islacker

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf) mit Caroline Telahr und Christine Tebeck

Zuschauer: 1.316




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