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1. Bundesliga, 17. Spieltag

Klare Verhältnisse im Derby

FCR 2001 Duisburg – SG Essen-Schönebeck 4:0 (2:0)

Bericht von Stephan Tegründe, Bilder von Katrin Müller

19.04.2012
Derbyzeit im PCC-Stadion in Duisburg-Homberg: zu Gast war die SG Essen-Schönebeck, die den Löwinnen in vielen Partien das Leben schwer machte und ein ums andere Mal wichtige Punkte abknöpfte. Am Samstag stand sie jedoch bestenfalls ehrfürchtig dabei, während die Duisburgerinnen kombinierten. Und diese spielten nicht einmal herausragend: dem FCR reichte eine über weite Strecken durchschnittliche Leistung mit einigen punktuellen Highlights, um den Nachbarn aus Essen völlig verdient mit 4:0 (2:0) wieder nach Hause zu schicken. So leicht hatten die Löwinnen es im Derby schon seit Jahren nicht mehr, weder ‚Am Hallo‘ noch im PCC-Stadion.

Anke Preuß

 Anke Preuß, die erst in der vergangenen Woche im DFB-Pokal Spiel gegen den 1. FFC Frankfurt zur "Nummer 1" aufgestiegen war, parierte auch an diesem Samstag wieder ausgezeichnet, obwohl sie deutlich weniger beschäftigt war als noch vor einer Woche.


Mandy Islacker, Katharina LeidingWer die Essenerinnen Ende März beim 1:0-Heimsieg gegen den Meister Turbine Potsdam gesehen hatte, mochte am Samstag seinen  Augen nicht trauen: obwohl nur auf einer Position verändert (Charline Hartmann war nach der 5. Gelben Karte gesperrt, sie wurde durch Ana Cristina Oliveira Leite ersetzt), war das Team von Markus Högner absolut nicht wiederzuerkennen. Und das lag möglicherweise auch daran, dass den Duisburgerinnen etwas zugute kam, was oft in den Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner fehlt: ein frühes Tor zu schießen. Dieses gab ihnen die notwendige Sicherheit, und wie so oft war es Mandy Islacker, die in der 5. Minute goldrichtig stand, als Kozue Ando eine Hereingabe von Jennifer Oster klug weiterleitet, und aus kurzer Distanz keine Mühe hat, Ursula Holl im Essener Gehäuse zu bezwingen. Vanessa Martini und Katharina Leiding wirkten da in der Essener Innenverteidigung noch nicht im Spiel angekommen. Ab diesem Zeitpunkt spielte eigentlich nur eine Mannschaft, nämlich der FCR, während die Essenerinnen nicht in die Zweikämpfe kamen und meist – wie bereits beim ersten Treffer – ehrerbietig gebührenden Abstand ließen. So kamen die Löwinnen zu weiteren guten Chancen, u. a. durch Simone Laudehr oder Jennifer Oster, die jedoch von der gut aufgelegten ehemaligen Nationaltorhüterin gut pariert wurden.

Nach einer halben Stunde fasste sich dann das Geburtstagskind ein Herz: Gülhiye Cengiz, am Samstag 20 Jahre alt geworden, wurde von Oliveira Leite nicht angegriffen, und das Geschenk nahm sie gern an: Cengiz konnte unbehelligt aus 15 Metern abziehen, was wohl für Uschi Holl kein Problem dargestellt hätte; doch Jacqueline Klasen fälschte den Ball leicht, aber entscheidend ab, so dass die Torfrau bei diesem Treffer zwar eine unglückliche Figur machte, aber letztlich chancenlos war. Auf der anderen Seite verlebte Anke Preuß übrigens einen sehr ruhigen Nachmittag.

Der erste –Irini Ioannidou, Jennifer Oster und wohl auch einzige – Aufreger auf Essener Seite kurz danach, als Jessica Bade an der Strafraumgrenze einen Zweikampf mit Mandy Islacker aufnahm, wobei die Duisburgerin den Ball klar, Bade aber gar nicht verfehlte. Dass hier eine ‚farbige’ Reaktion von Schiedsrichterin Heimann ausblieb, ist völlig unverständlich. Die U19-Nationalspielerin, die sich Ende des Monats ohnehin wegen eines Meniskusschadens operieren lassen wird und für den Rest der Saison ausfällt, zog sich bei dieser Aktion zum Glück ‚nur’ eine starke Prellung zu, konnte aber natürlich nicht weiterspielen. Ina Mester nahm in der Folge ihren Platz ein. Bis zur Pause beließen es die Duisburgerinnen dann dabei, von Essen war in der gesamten ersten Halbzeit nur eine nennenswerte Chance durch einen Fernschuss von Irini Ioannidou zu verzeichnen.

In Durchgang Zwei ließen es auch die Löwinnen ruhiger angehen, blieben aber weiterhin die dominierende Mannschaft, und Uschi Holl versuchte zunächst weiter tapfer das auszubügeln, was ihre größtenteils völlig indisponierten Vorderleute verzapft hatten. Dies klappte jedoch in der 70. Minute auch nicht mehr: ein langer Ball aus der eigenen Hälfte von Linda Bresonik wird von Mandy Islacker hervorragend weitergeleitet, indem sie Martini und Carole Costa mit einem Heber überlistet, und während erstere Simone Laudehr noch Geleitschutz gibt, bleibt Costa vorsichtshalber direkt stehen: Laudehrs ersten Versuch kann Holl noch mit dem Fuß abwehren, aber ‚Simon‘ schnappt sich den Abpraller und vollstreckt zum 3:0, da auch Katharina Leiding nichts unternimmt, um das zu verhindern. Die nach Frankfurt wechselnde Laudehr ist es auch, die wenige Minuten vor dem Abpfiff den Schlusspunkt setzt: ein wunderschöne, immer länger werdender diagonaler Ball von der Mittellinie aus von Marina Himmighofen wird zunächst von Martini unterschätzt, Costa bleibt wiederholt ehrfürchtig von Laudehr weg, und die hat keine Mühe, aus fünf Metern die bedauernswerte Holl zu überwinden. Zuvor hatte die eingewechselte Barbara Müller, die einen guten Eindruck hinterließ, aus sieben Metern nur die Latte getroffen.

Fazit:
Der FCR hat das unglückliche Pokal-Aus gut verkraftet und sich dank eines frühen Tores im Derby das Leben leicht gemacht. Der Gegner tat sein Übriges dazu, nämlich nichts, und ermöglichte so den Löwinnen einen entspannten Fußballnachmittag, wobei eine durchschnittliche Leistung einen zu keiner Zeit gefährdeten, eher noch viel zu niedrig ausgefallenen Sieg bescherte. Damit ist die erste der Pflichtaufgaben erfüllt, und die Duisburgerinnen halten Kontakt zu Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg. Die Essenerinnen, die gefühlt drei Tage hätten weiterspielen können, ohne eine gefährliche Situation vor das FCR-Tor zu bringen, zehren immer noch von ihrer guten Hinrunde, denn abgesehen von dem eindrucksvollen Sieg gegen Turbine Potsdam gingen nun in der zweiten Halbserie sämtliche Spiele verloren, dabei wurden insgesamt lediglich zwei Tore erzielt – warum, wurde in Duisburg wieder einmal eindrucksvoll gezeigt. Um in puncto Klassenerhalt gänzlich sicherzugehen, sollte am nächsten Wochenende ein Punktgewinn gegen den 1.FC Lok Leipzig reichen – übrigens die einzige Mannschaft mit einer noch schlechteren Rückrundenbilanz: der Abstiegskandidat aus Sachsen hat bisher noch keinen einzigen Punkt geholt.



Sarah Freutel, Melanie Hoffmann, Barbara MüllerUschi Holl, Simone LaudehrMandy Islacker, Simone Laudehr, Barbara Müller, Gülhiye Cengiz




Stenogramm:

FCR 2001 Duisburg:
Preuß – Bresonik (75. Hogewoning), Krahn, Neboli, Himmighofen – Cengiz, Ando (66. Müller), Laudehr, Popp, Oster (72. Weichelt) – Islacker

SG Essen-Schönebeck:
Holl – Ioannidou, Leiding, Martini, Bade (35. Mester) – Klasen, Hoffmann, Dallmann, Hamann, Oliveira Leite (75. Freutel) – Wolf (58. da Silva Costa)

Tore:
1:0 Islacker (5.),
2:0 Cengiz (30.),
3:0 Laudehr (70.)
4:0 Laudehr (87.)

Gelbe Karten:
  - / Ioannidou, Mester

Schiedsrichterin:
Kathrin Heimann (Gladbeck) mit Katrin Rafalski und Martina Storch-Schäfer

Zuschauer:
1.623



Weitere Bilder des Spiels findet ihr unter:
www.girlsplay.de und www.kapixblog.net

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