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06.11.2011
Bericht und Bilder von Sascha Pfeiler
"Nach dem 2:0 war die Messe gelesen." Mit diesem Satz kommentierte Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder das Spiel. Das klingt erstmal nach einer klaren Angelegenheit für den Meister beim Auswärtsspiel an der Isar, doch so klar war die Angelegenheit bei weitem nicht. "Wenn Ivana Rudelic nach dem Wiederanpfiff den Ausgleich macht, kann das Spiel kippen und es geht ganz anders aus", so Schröder weiter. Und genau diese Situation war in der Tat der Knackpunkt in einer intensiv aber jederzeit fair geführten Begegnung der beiden Bundesliga-Cup-Finalisten. Am Ende machten Clerverness, Effektivität und eine gewisse Genoveva Anonma den Unterschied. Turbine Potsdam gewann nach dem 0:1 durch Bianca Schmidt und einem lupenreinen Hattrick Anonmas mit 0:4 in München und winkt durch den überraschenden Patzer des 1.FFC Frankfurt beim SC Freiburg ohne Punktverlust von der Tabellenspitze der 1. Bundesliga.
Genoveva Anonma (links, im Zweikampf mit Ex-Nationalspielerin Petra Wimbersky) schoss Turbine Potsdam mit einem lupenreinen Hattrick in der 2. Halbzeit an die Tabellenspitze der 1. Bundesliga. Mit nunmer 14. Saisontreffern führt Anonma die Torschützenliste deutlich an
Bayern lässt Potsdam nicht entfalten. Die erste Halbzeit war geprägt durch den Ballbesitz des Deutschen Meisters Turbine Potsdam. Speziell in der Anfangsphase drückte Potsdam die Bayern gewaltig in die eigene Hälfte, kam aber nicht zu klaren Torchancen. Münchens Abwehr um Routinier Sandra De Pol stand kompakt und fing ein ums andere Mal die Angriffsbemühungen des Gegners sicher ab. Bayerntrainer Thomas Wörle wirkte mit der Abwehrarbeit seiner Mannschaft durchaus zufrieden: "Wir wussten von Anfang an, dass Turbine Potsdam die spielbestimmende Mannschaft sein wird. Durch die konzentrierte Arbeit meiner Mannschaft haben wir den Gegner kaum zur Geltung kommen lassen."
In der 26. Minute kam Turbine zum verdienten Führungstreffer. Kapitänin Jennifer Zietz trat einen Freistoß von halblinks über 30 Meter weit in den bayerischen Strafraum und Bianca Schmidt setzte sich per Kopf gegen Petra Wimbersky durch und traf mit ihrem zweiten Saisontreffer ins Tor von Bayernschlussfrau Kathrin Längert. Die letzte Viertelstunde des ersten Durchgangs befreiten sich die Bayern etwas mehr aus den Angriffsfesseln des Meisters. Doch es blieb lediglich bei Bemühungen. Nicht zwingend genug fanden die Angriffe der Münchnerinnen statt, Ivana Rudelic war oft mutterseelenallein im Spiel nach vorn. Kurz vor dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichterin Anja Kunick kamen die Bayern dann doch noch zu ihrer ersten nennenswerten Torchance. Einen Eckball von Petra Wimbersky traf Ivana Rudelic volley und der Ball ging nur knapp am Tor der Amerikanerin Alyssa Naeher vorbei.
Anonma macht den Unterschied. Direkt nach dem Wiederanpfiff dann der von Bernd Schröder angesprochene Knackpunkt im Spiel. Erneut stand Bayerns Ivana Rudelic im Mittelpunkt des Geschehens, als sie aus dem Mittelfeld mit einem wunderschönen Pass bedient wurde und vollkommen alleine auf das Potsdamer Tor zusprinten konnte. Ihren Schussversuch zum möglichen Ausgleich parierte Alyssa Naeher mit einer Glanzparade. Im direkten Gegenzug schlug Äquatorialguineas Nationalstürmerin Genoveva Anonma zum ersten Mal zu. Nach Zuspiel von der zur Halbzeit für Jennifer Cramer eingewechselten Antonia Göransson konnte Anonma aus kurzer Distanz zum 0:2 abziehen.
Die Einwechslung Görransons brachte dem Potsdamer Spiel noch mehr Schwung, durch den sich auch die Bayern anstecken ließen; das Spiel wurde für die 1.580 Zuschauer im Sportpark Aschheim ansehnlicher. In der 57. Spielminute hatte wieder Rudelic das Tor auf dem Fuß, als sie durch Vanessa Bürki steil auf das Turbinentor geschickt wurde. Und wieder fand die Allgäuerin kroatischer Abstammung ihre Meisterin in Potsdams Torfrau Naeher.
Und weiter ging es mit der Anonma-Show: In der 67. Minute überlistete sie technisch brilliant Kathrin Längert zum 0:3 und nur drei Minuten später stellte sie nach Zuspiel von Anja Mittag den 0:4 Endstand her. Ein lupenreiner Hattrick von Genoveva Anonma, der Spielerin des Tages, die mit nunmehr 14 Saisontoren deutlich die Torschützenliste der 1. Bundesliga anführt (vor Conny Pohlers aus Wolfsburg mit 9 Toren).
Bernd Schröder fand nach dem Spiel "tröstende" Worte für seinen Trainerkollegen Thomas Wörle: "Die Kollegen aus Frankfurt haben mir erzählt, wie schlecht die Bayern in diesem Jahr sind. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich bin angenehm überrascht von den Bayern, sie haben sehr gut in der Abwehr gestanden und teilweise gefährlich nach vorne gespielt. Wir hatten heute große Probleme und vielleicht ist das Spiel ein bis zwei Tore zu hoch ausgefallen."
   
FC Bayern München: Längert, Schöne, B.Eder, De Pol, Wenninger (78. Romert), Schnaderbeck, Wimbersky, Rudelic, Bürki, Feiersinger (83. Bachor), Lotzen
1.FFC Turbine Potsdam: Naeher, B.Schmidt, Peter, Kemme, Zietz, Odebrecht, Hanebeck, Cramer (46. Göransson), Nagasato (69. De Ridder), Mittag, Anonma (78. I.Kerschowski)
Tore: 0:1 B.Schmidt (26.) 0:2 Anonma (47.) 0:3 Anonma (67.)
0:4 Anonma (70.)
Gelbe Karten: - / Odebrecht
Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa) mit Annett Unterbeck und Susann Dittmar
Zuschauer: 1.580
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