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28.11.2011
Bericht und Bilder von Sascha Pfeiler
"Es sollte nur noch Auswärtsspiele geben..." konnte man nach dem Spiel des 1.FC Lok Leipzig beim FC Bayern München lesen. Urheber dieses Ausspruches waren Lok-Fans, die in München den dritten Auswärtssieg ihrer Lokomotiven in der ersten Oberhaus-Saison der Sachsen bejubeln durften. Alle bisher ergatterten Punkte der Leipzigerinnen wurden in der Fremde geholt, kein Wunder also, dass die Fans für die Abschaffung der Heimspiele plädieren. Die Fakten des Spiels sagen: Tore von Leipzigs Marlene Ebermann und Lysann Schneider, ein zwischenzeitlicher Ausgleich von Lena Lotzen und fertig ist der Auswärtssieg inklusive zunehmender Abstiegssorgen an der Isar.
Der Jubel nach dem überraschenden Sieg in München kannte bei den Lokomotiven aus Leipzig keine Grenzen. Die Punkte hat das gesamte Team eingefahren und für Trainer Jürgen Brauße gab es das wohl schönste Geschenk zu seinem Geburtstag.
Abstiegssorgen an der Isar. Alles andere als fröhlich ging es nach dem Spiel bei den Bayern aus München zu. Es läuft nicht rund ... es läuft überhaupt nicht! Die von vielen Seiten so hoch geachtete und gelobte Philosophie (ich nehme mich selber nicht aus), mit jungen Spielerinnen aus der Region in der ersten Liga mitzuspielen, gerät immer mehr ins Wanken. Wenn man sich die Tabelle nach dem 10. Spieltag anschaut, muss man erstmals seit über 10 Jahren ganz nach unten schauen, um den FC Bayern zu finden. Spärliche 7 Punkte hat man gesammelt, zu wenig, viel zu wenig für die Ansprüche der Roten! Die Mannschaft befindet sich auf einem Abstiegsplatz; das ist man an der Isar nicht gewohnt. Und wenn man dem fast schon verzweifelt nach Worten und Erklärungen suchenden Trainer Thomas Wörle zuhört, ist die bedrohliche Situation in den Köpfen der meisten seiner Spielerinnen noch nicht angekommen. Wie auch? Die jungen Spielerinnen erleben so eine Situation zum ersten Mal in ihrem kurzen Fussballerleben und gerade deshalb ist der Trainer besonders gefragt. Als Spieler hat Wörle nach eigenen Aussagen oft im Abstiegskampf gesteckt, also sollte er die Erfahrung haben, wie man sich in so einer prekären Situation verhalten muss. Keiner von uns Zuschauern kann die Stimmung in der Mannschaft einschätzen, weil wir zu weit weg sind. Aber was wir an der Körpersprache der Spielerinnen während der sonntäglichen Auftritte erkennen, sieht aus wie Verzweiflung. Die Köpfe hängen, die Spielfreude der vergangen Zeiten ist weg, das leichtfüßige Zusammenspiel der jungen Wilden ist irgendwo auf der Strecke verloren gegangen. Selbst die erfahrenen Spielerinnen um Petra Wimbersky, Isabell Bachor und die reaktivierte Sandra de Pol geben dem geschockten Zuschauer nicht das Gefühl, als würden sie die Jungen an die Hand nehmen, um sich als Team aus der bedrohlichen Situation zu kämpfen. Abstiegskampf muss gelernt werden, vor allem verstanden werden.
Marlene Ebermann trifft. Die Leipziger Mannschaft von Trainer Jürgen Brauße hat mit dem Kampf um das Verbleiben in der Liga gerechnet und trat in München auch dementsprechend auf. Beachtlich dabei: Die Lokomotiven sind ebenfalls ein sehr junges Team, scheinbar aber richtig eingestellt. So nutzte die 21-jährige Marlene Ebermann in der 26. Minute eines bis dahin unansehnlichen Spiels die Unordnung in der Bayernabwehr, umspielte die mit 85 Bundesligaeinsätzen erfahrene Bianca Eder und verlud letztendlich Bayerntorfrau Kathrin Längert zum überraschenden aber nicht unverdienten 0:1 und damit zu ihrem dritten Saisontreffer. Ein wirkliches Aufrappeln der Bayernfrauen konnte nach dem Rückstand niemand der offiziell 530 Zuschauer im Sportpark zu Aschheim erkennen. Bemühungen waren durchaus da, aber es waren Einzelaktionen, die das Gefühl vermittelten, dass selbst die Mitspielerinnen nicht wussten, was die ballführende Spielerin in der jeweiligen Situation vor hatte. Laura Feiersinger machte hin und wieder auf der rechten Angriffsseite der Bayern Druck, doch Gefahr für Carolin-Sophie Härling im Leipziger Tor kam dabei nicht heraus.
Lysann Schneider macht den Sieg perfekt. Die Halbzeitansprache von Wörle fiel wohl kurz aus, denn nach knapp 10 Minuten war der Trainer bereits wieder auf der Bank. Gewirkt haben seine Worte scheinbar schon, denn Lena Lotzen köpfte in der 49. Minute einen Eckball von Katharina Baunach zum Ausgleich. Und genau in dieser Phase zeigte sich die Unerfahrenheit der Bayern im Kampf um den Klassenerhalt. Der Jubel über den Ausgleichstreffer war noch nicht verhallt, da nutzte Lok in Person von Abwehrspielerin Lysann Schneider die erneute Unordnung und markierte ebenfalls per Kopf die erneute Führung für die Sachsen. Die Mannschaft von Geburtstagskind Jürgen Brauße zeigte eindrucksvoll, wie das Wort Effektivität geschrieben wird und wie man auf den Punkt genau konzentriert agieren kann.
Von diesem erneuten Rückschlag konnten sich die Bayernfrauen nicht erholen. Erst nach 65 Minuten reagierte Wörle mit der Einwechslung von Nicole Banecki und Ivana Rudelic, die sofort Leben ins Münchner Angriffsspiel brachten. Die Schlußphase des Spiels gehörte dem Angriffspiel der Bayern. Auf einmal war dieses Aufbäumen zu spüren, frischer Wind durch die richtigen Einwechslungen kam auf, doch auch das brachte nichts mehr, denn Lokomotive spielte die Führung konzentriert und kämpferisch zuende. So macht man das wohl im Kampf um den Abstieg. Der Jubel war auf Leipziger Seite riesig, verständlich nach 3 Punkten, die nicht einkalkuliert waren.
Ausblick. Lok Leipzig hat das Soll für 2011 wohl erfüllt. In den beiden noch ausstehenden Spielen in diesem Jahr gegen Meister Turbine Potsdam und den Tabellenzweiten FCR 2001 Duisburg wird nicht mit Punkten gerechnet, noch dazu sind beides Heimspiele. Wir erinnern uns: Leipzig kann nur in der Ferne.
Die Bayern haben dagegen 2 Sechs-Punkte-Spiele vor der Brust. Jeweils auf gegnerischem Platz geht es gegen die direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt Hamburger SV und Bayer 04 Leverkusen. Die Mannschaft kann sehr viel gutmachen, aber auch alles verspielen. Das Potential ist vorhanden, nur müssen die Köpfe richtig eingestellt werden. Viel Arbeit für das Trainerteam um Thomas Wörle.
FC Bayern München:
Längert, B. Eder (38. Paukner), De Pol, Baunach, Schnaderbeck, Wimbersky, Romert, Bachor (66. Rudelic), Bürki (66. N. Banecki), Feiersinger, Lotzen
1. FC Lokomotive Leipzig:
Härling, Lahr, L. Schneider, Schinkel, Heller, M. Herrmann, Toth, Homp (66. Reichenbach), Lübcke, Szuh (53. Nyembo), Ebermann (89. Wagner)
Tore:
0:1 Ebermann (26.)
1:1 Lotzen (49.)
1:2 L. Schneider (50.)
Gelbe Karten: Bürki, Romert / -
Schiedsrichterin: Monique Elsner (Duisburg) mit Isabelle Herrmann und Kristina Hofbauer
Zuschauer: 530
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Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de
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