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1. Bundesliga, 4. Spieltag

Chancenverwertung mangelhaft

Hamburger SV – FF USV Jena 2:2 (1:1)

Text und Bilder von Sven-E. Hafft

07.09.2010   Das zweite Saison-Heimspiel brachte den HSV-Frauen nicht den angestrebten ersten Sieg, da sie vor dem Tor nicht effektiv genug agierten. Die kampfstarken Jenaer Gäste gingen sogar zweimal in Führung, sodass die Hamburgerinnen am Ende über den späten Ausgleich noch froh sein mussten.

Den ersten Dreier fest im Blick, begann der HSV druckvoll und zielstrebig. Schon nach drei Minuten bot sich Kim Kulig die erste Gelegenheit, doch sie verfehlte das Tor knapp. Vier Minuten darauf versuchte sie es aus der Distanz erneut, doch Jana Burmeister im Jenaer Tor machte diesen Aufsetzer unschädlich. Der engagierte Beginn der Hausherrinnen führte schnell zu weiteren Chancen, diesmal für Ana Maria Crnogorcevic, deren Schuss nach Pressschlag daneben ging (8.). Eine Minute danach war sie schon wieder da, doch ihr Flachschuss aus 16 Metern wurde zur Ecke abgewehrt. Nach einer Viertelstunde tauchte sie erneut frei vor Burmeister auf, doch diese zeigte eine Glanzparade.

Die 262 Zuschauer in der Wolfgang-Meyer-Sportanlage (leider Minusrekord des Spieltages) freuten sich einerseits darüber, dass ihre Mannschaft so klar dominierte, doch andererseits hätte es längst 2:0 oder höher stehen müssen. Entsprechend unzufrieden war der von Wacker München nach Jena gewechselte Gästecoach Thorsten Zaunmüller. Er forderte aggressivere Zweikämpfe, engeres Markieren und Doppeln der Gegnerinnen, mehr Tempo in Defensive und Offensive sowie schnellere Rückwärtsbewegung nach Ballverlust – alles Punkte, in denen sein recht pomadig agierendes Team noch Reserven hatte.

So kam Jena in der ersten Halbzeit auch nur zu einem Torschuss, doch der fand in der 18. Minute sein Ziel. Genoveva Anonma hatte sich einmal von ihrer Bewacherin Janina Haye gelöst und zog aus 20 Metern satt und unhaltbar ab – es stand 0:1, ein absolutes Zerrbild des bisherigen Verlaufs.

Tor gegen Bianca Weech

Torfrau chancenlos I: Jenas einziger Torschuss im ersten Durchgang führte prompt zum 0:1 durch Genoveva Anonma

Eigentlich ein Schock, doch Hamburg ließ sich nicht bremsen. Fast im Gegenzug setzte sich Jobina Lahr auf der rechten Seite durch und schlenzte den Ball mit links ins lange Eck (20.) – die passende Antwort. Der HSV spielte bissig und zweikampfstark, was zu weiteren Möglichkeiten für Carolin Simon sowie nochmals für Crnogorcevic und Kulig führte. Kurz vor der Halbzeit fast noch ein Jenaer Treffer ins falsche Gehäuse durch Saskia Schwarz, die einen Lattenkopfball aufs eigene Tor setzte.

Tor gegen Jana Burmeister

Torfrau chancenlos II: Kurz nach der Führung bereits der Ausgleich zum 1:1 durch Jobina Lahr

Zur Pause sah Zaunmüller Handlungsbedarf und brachte Lisa Seiler und Saskia Lehnert für Stephanie Milde und Anne Bartke. Hamburg setzte zunächst mit denselben Spielerinnen fort, nicht aber mit derselben Spielweise. Fortan lief nicht mehr viel zusammen, es fehlte an Abstimmung und Präzision, Fehlpässe häuften sich, Torszenen wurden Mangelware.

Nach einer knappen Stunde kam dann Hamburgs schwedischer Neuzugang Antonia Göransson für Desiree Steinike ins Spiel. Kaum auf dem Platz, durfte sie sich schon in eine Freistoßmauer einreihen. Carolin Simon hatte die durchbrechende Anonma festgehalten und dafür Gelb gesehen. Doch das war im Vergleich zum Folgenden das kleinere Übel. Kathleen Radtke schoss


Ana Maria Crnogorcevic gegen Jana Burmeister

Der HSV vergab in der ersten Hälfte reihenweise gute Gelegenheiten, wie hier Ana Maria Crnogorcevic, die an der stark parierenden Jana Burmeister scheitert

einen tückischen Flatterball, den Bianca Weech im Hamburger Kasten nicht recht zu fassen bekam. Sie versuchte noch, den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, was durch die herandrängende Carolin Schiewe nicht gerade erleichtert wurde. Das Leder überschritt die Linie, ohne dass Schiewe noch berührte – Torschützin also Radtke.

Carolin Simon gegen Genoveva Anonma

Textiltest mit Folgen: Für dieses taktische Foul an Genoveva Anonma kassierte Carolin Simon Gelb

Tor gegen Bianca Weech II

Den darauf folgenden scharf getretenen Freistoß von Kathleen Radtke bekam HSV-Keeperin Bianca Weech nicht unter Kontrolle - der erneute Rückstand war da

Der HSV erneut mit dem Rücken zur Wand – sollte diese Heimseuche denn unbesiegbar sein? Diesmal aber kam es anders. Es entwickelte sich nunmehr ein sehr ansehnliches Spiel, denn Jena hatte die schwache erste Halbzeit abgelegt und Hamburg wachte nach dem Rückstand auf. Trainer Achim Feifel stärkte nun gezielt die Offensive, denn es musste unbedingt Zählbares her. Es kam Maja Schubert für Torschützin Jobina Lahr.

Kurz darauf eine dicke Chance für Jenas Saskia Schwarz, doch Weech war auf dem Posten. Für Aferdita Kameraj betrat anschließend Nicole Zweigler das Feld. Chancen von Göransson und Heike Freese blieben ungenutzt. Nach 84 Minuten brachte Jena Jofie Stübing für die verletzte Schwarz. Eine Minute später Ecke für Hamburg von rechts durch Carolin Simon. Der Ball kam lang auf Kim Kulig, die über Jana Burmeister hinweg ins lange Eck köpfte – der hochverdiente Ausgleich.

Kim Kulig gegen Sylvia Arnold

Kim Kulig (rechts, gegen Sylvia Arnold) lieferte eine starke Partie, trat als echte Führungsspielerin auf und köpfte den immens wichtigen Ausgleich zum Endstand

Jetzt war alles drin, Hamburg drückte auf den Sieg. Zwei Minuten nach dem Ausgleich eine ähnliche Situation, als Nicole Zweigler, wiederum nach Zuspiel von Simon, zum Kopfball kam, doch den nicht zwingend genug platzierten Ball lenkte Burmeister über das Tor. Ein letzter Schuss von Göransson verfehlte sein Ziel (das wäre ein Traum-Einstand


gewesen), und dann ertönte der Schlusspfiff der souverän leitenden Marija Kurtes.

Gemischte Gefühle bei den Zuschauern, denn man hatte trotz des späten Ausgleichs doch eher zwei Punkte verloren als einen gewonnen. Zudem rutschte der HSV durch den Leverkusener Erfolg gegen Wolfsburg auf den vorletzten Tabellenplatz ab, was nach der gezeigten Leistung aber durchaus vorübergehender Natur sein dürfte. Bereits am nächsten Spieltag in Saarbrücken haben die Hamburgerinnen die Chance, ihre oft gezeigte Auswärtsstärke in Punkte umzusetzen.
Jena dagegen steht vor einem schweren Heimspiel gegen Bayern München und sollte hierfür lieber an die zweite als an die erste Hamburger Halbzeit anknüpfen.

Trainerstimmen:

Thorsten Zaunmüller (USV Jena): „Im Spiel nach vorn gibt es noch einiges zu tun. In erster Linie wollen wir die Klasse halten, das heißt so früh wie möglich die nötigen Punkte sammeln. Langfristig wollen wir die Mannschaft an das Mittelfeld heranführen.”

Janina Haye gegen Genoveva Anonma

Janina Haye (links) hatte mit der Bewachung der brandgefährlichen Genoveva Anonma das ganze Spiel über eine anspruchsvolle Aufgabe

Achim Feifel (HSV): „Aus unseren Möglichkeiten in der ersten Halbzeit mussten wir viel mehr machen, da müssen wir zwei Tore vorlegen. So schießt Jena genau einmal aufs Tor und es steht 1:0 für den Gegner, so gnadenlos ist nun einmal Fußball. Über den späten Ausgleich müssen wir natürlich froh sein, wenngleich er hochverdient war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel total aus der Hand gegeben, völlig die Kontrolle verloren. Die Eingewechselten haben noch mal richtig Gas gegeben, damit konnten wir wenigstens noch das Unentschieden erreichen.”



Hamburger SV:
Weech – Jokuschies, Haye, Freese, Steinike (58. Göransson), Kameraj (73. Zweigler), Saländer, Lahr (68. Schubert), Simon, Kulig, Crnogorcevic

FF USV Jena:
Burmeister – J. Arnold, Schiewe, Groll, Brosius, Radtke, Milde (46. Seiler), Schwarz (84. Stübing), S. Arnold, Bartke (46. Lehnert), Anonma

Tore:
0:1 Anonma (18.)
1:1 Lahr (20.)
1:2 Radtke (61.)
2:2 Kulig (85.)

Gelbe Karten: Simon / J. Arnold

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 262


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