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1. Bundesliga, 2. Spieltag

Zu hoch ausgefallen

1. FFC Frankfurt - Herforder SV 6:0 (2:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Henkel

25.08.2010   Mit 6:0 besiegte der 1. FFC Frankfurt den Aufsteiger Herforder SV standesgemäß, doch große Freude wollte danach auf Frankfurter Seite nicht aufkommen. Zu groß war die allgemeine Unzufriedenheit über die vor allem in der ersten Halbzeit enttäuschende Leistung der Heimelf. Eine echte Wiedergutmachung für die Niederlage in Wolfsburg war trotz des hohen Sieges nicht gelungen.

Die selben Fehler, die zu eben dieser Auftaktniederlage geführt hatten, waren auch im ersten Heimspiel der Saison gegen den Aufsteiger zu sehen, jedenfalls in der ersten Hälfte. Die Abwehr nicht sattelfest, vorne werden viele Chancen vergeben, im Mittelfeld gelingt es nicht, ordentlich Druck nach vorne aufzubauen. Die selben Probleme wie zu Beginn der vergangenen Saison. Probleme, die eigentlich abgestellt schienen, aber nun wieder durchschlagen.

Melanie Behringer gegen Jennifer Voss

Frankfurts Neuzugang aus München, Nationalspielerin Melanie Behringer (hier gegen Jennifer Voss) spielte zentral im Mittelfeld - stark in der Balleroberung, aber vor allem in der ersten Halbzeit mit viel zu vielen Fehlpässen

Frankfurt wurde erst nach etwa 60 Minuten stärker, als Herford abbaute. Vier der sechs Tore fielen erst in den letzten 16 Minuten. Sehr zum Leidwesen von Herfords Trainerin Tanja Schulte, die hinterher ziemlich sauer auf ihr Team war, weil es nicht mehr richtig dagegen gehalten habe, obwohl man sich doch vor der Saison fest vorgenommen hatte, im Kampf gegen den Abstieg auf das Torverhältnis zu achten und um die Vermeidung jedes einzelnen Gegentreffers zu kämpfen.

Wie sehr Herford in Abstiegsnöte kommen wird, möchte ich aber nach diesem Spiel noch gar nicht einschätzen. Für einen Abstiegskandidaten fand ich die Leistung von Schultes Team in der ersten Stunde einfach zu stark. Herford begann offensiv und hielt das Spiel zu Beginn völlig offen. Einer ersten, kleineren, Chance für Herford folgten bis zur 20. Minute drei ebenfalls nicht zwingende Chancen für Frankfurt, dann riss das Frankfurter Spiel völlig ab, den Spielerinnen des FFC gelang gar nichts mehr.

Trainern Tanja Schulte

Herfords Trainern Tanja Schulte konnte in der ersten Halbzeit mit dem Spiel ihres Teams sehr zufrieden sein

Statt dessen kam Herford in der 24. Minute zu einer guten Torgelegenheit, als die steil angespielte und schon durchgebrochene Jennifer Ninaus einfach Pech hatte, dass der Ball so unglücklich aufsprang, dass Ariane Hingst sie noch überholen konnte, und drei Minuten später war es dann Anna Laue, die mit dem Ball vor Nadine Angerer auftauchte und etwa am Fünfmeterraum mit der herauskommenden Angerer zusammenprallte. Laue kam so nicht mehr richtig zum Schuss, der Ball kullerte in Zeitlupe Richtung Tor, das Frankfurter Publikum hielt den Atem an, doch dann rollte der Ball doch nur an das Außennetz. Was viele im Stadion nicht gesehen hatten, jedoch aus den Erzählungen der Beteiligten im Nachhinein deutlich wurde - es hätte wohl Elfmeter geben müssen. Jedenfalls heißt es von Herforder Seite, Angerer hätte hinterher zugegeben, dass man die Szene als Foul hätte werten können.

Immerhin wachten die Spielerinnen des FFC nun aber wieder auf, angetrieben nicht zuletzt von U20-Weltmeisterin Svenja Huth, die sich als Lichtblick im Team präsentierte. Huth spielte dann


Tor Conny Pohlers

Das 1:0 für Frankfurt: Conny Pohlers kann von Lena Wermelt nicht mehr gestoppt werden. Bis zu diesem Tor hatte der Aufsteiger aus Herford gut mit dem Favoriten 1. FFC Frankfurt mitgehalten, doch letztlich brachen mit diesem Pohlers-Tor die Dämme

auch in der 30. Minute Birgit Prinz an, die umspielte Herfords Keeperin Tessa Rinkes, gab weiter zu Conny Pohler, doch sowohl deren Schuss als auch der Nachschuss von Kerstin Garefrekes blieb in der Herforder Abwehr hängen. Wenig später markierte Pohlers aber dann doch das 1:0, als ein Abschlag von Rinkes im Mittelfeld abgefangen wurde, der Ball sofort steil nach vorne auf Pohlers kam, und diese die herauskommende Rinkes überlupfen konnte.

In der 37. Minute dann das 2:0 für Frankfurt, Garefrekes vollendete nach schönem Zusammenspiel mit Prinz. Doch Herford steckte nicht auf, Ninaus mit gefährlichem Lupfer über Angerer, doch der Ball senkte sich nur auf die Latte. Auch in dieser Phase mit zwei Toren Führung im Rücken wirkte die FFC-Abwehr noch nicht sicher. Kurz vor der Pause dann ein Alleingang von Prinz, mitten durch das Herforder Abwehrzentrum, Rinkes parierte mit Klassereflex, der Abpraller landete bei Sandra Smisek, doch deren Schuss wurde auf der Torlinie von Jessy Torreele weggeköpft.

Tor Kerstin Garefrekes

Kerstin Garefrekes ließ Herfords Keeperin Tessa Rinkes beim 2:0 nicht den Hauch einer Chance

Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs setzte sich Prinz dann noch zweimal durch, erst wurde ihr Lupfer zur Beute von Rinkes, dann traf sie nach Zuspiel von Pohlers nur die Latte. Ein schöner Frankfurter Angriff über Garefrekes und Prinz mit Abschluss ins Netz durch Pohlers wurde wegen Abseits abgepfiffen, wie überhaupt in einigen knapp aussehenden Situationen Abseits gegen Frankfurt entschieden wurde, da würde man sich schon die eine oder andere Zeitlupenauflösung wünschen.

Yvonne Hansmeier gegen Svenja Huth

Herfords rechte Verteidigerin Yvonne Hansmeier (links) hatte einige Mühe mit Svenja Huth, die vor allem in der Phase, als bei Frankfurt sonst nichts lief, sehr positiv auffallen konnte

Von Herford kam nun nicht mehr viel, in der 62. Minute notierte ich mir den Ruf von Tanja Schulte an ihr Team: „Ihr guckt ja nur noch zu!” So war es dann nur logisch, dass Frankfurt die Führung ausbauen konnte. In der 73. Minute setzte sich Huth wieder einmal links durch, ihre Flanke wurde zwar abgewehrt, aber direkt auf Meike Weber, und die traf von der Strafraumgrenze mit schönem Schuss zum 3:0. Das 4:0 war ein Lupfer von Garefrekes über Rinkes nach Zuspiel von Prinz, das anfangs knappe Spiel nun doch einseitig.

Letztlich setzte sich dann doch noch die individuelle Klasse der Frankfurter Spielerinnen durch, so auch beim 5:0, als Melanie Behringer mit feiner Einzelleistung einfach durch die Mitte der Herforder Abwehr kam, und beim 6:0 verteilte Herford schließlich ein Geschenk, als Rinkes beim Abschlag aus kurzer Entfernung Dzsenifer Marozsan


traf und der Ball zu Garfrekes prallte, die so ihr drittes Tor in diesem Spiel erzielen konnte.

Dzsenifer Marozsan gegen Verena Aschauer

Dzsenifer Marozsan, die hier gegen Verena Aschauer den Ball behauptet, fing kurz vor Spielende einen Abschlag der Herforder Keeperin ab und leitete so das 6:0 ein

„Das Beste an diesem Spiel ist das Ergebnis, weder ich noch das Team sind zufrieden mit diesem Spiel” begann dann auch das Schlussstatement von Frankfurts Trainer Sven Kahlert. In der ersten Halbzeit sei kaum ein vernünftiger Spielzug gelungen, in der zweiten Hälfte sei es dann besser geworden, als der Gegner nachgelassen habe und die Räume frei geworden seien. Positiv sei immerhin, dass man nie aufgegeben habe. „Wenn wir so spielen wie heute, wird es sehr schwer, in Potsdam etwas zu holen” schloss Kahlert. Wo er recht hat, hat er recht...

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Dzsenifer Marozsan gratuliert Meike Weber zu deren Tor zum 3:0, Herfords Kapitänin Kerstin Nolte schaut weniger erfreut. Am Ende konnten sich die Frankfurterinnen dann sogar über insgesamt sechs Tore freuen, Herford nur über eine gute Leistung in der ersten Halbzeit, die am Ende keine Punkte brachte

1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Hingst, Bartusiak, Lewandowski - Garefrekes, Smisek (59. Marozsan), Behringer, Huth (83. Kleiner) - Prinz, Pohlers (59. Weber)

Herforder SV:
Rinkes - Hansmeier, Jaques, Wermelt (40. Gröbner), Aschauer - Torreele (52. Schlottmann), Nolte, Voss, Laue (55. Feiersinger) - Pollmann, Ninaus

Tore:
1:0 Pohlers (33.)
2:0 Garefrekes (37.)
3:0 Weber (74.)
4:0 Garefrekes (80.)
5:0 Behringer (87.)
6:0 Garefrekes (90.)

Gelbe Karten: Huth

Schiedsrichterin: Mirka Derlin (Bad Schwartau)
mit Sandra Pansch und Janine Kulow

Zuschauer: 1220


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