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1. Bundesliga, 1. Spieltag

„Bundesligalektion“ für Leverkusen

FCR 2001 Duisburg – Bayer 04 Leverkusen 9:0 (4:0)

Text von Marion Kehren
Bilder von Katrin Müller

16. August 2010   „Für uns war es das erwartete Spiel. Als wir die Spielerpaarungen für die neue Saison bekamen, war ich nicht gerade begeistert und hab gedacht: Da geht es gleich ins pralle Leben! Wir haben heute den Unterschied zwischen der ersten und zweiten Liga zu spüren bekommen. Wir werden aus den Toren lernen und versuchen unsere Fehler wett zu machen. Es wird sehr schwer für uns werden, aber wir freuen uns auf das Abenteuer Bundesliga, “ so die Bilanz von Leverkusens Trainerin Doreen Meier.

Alte und neue Torschützenkönigin: Inka Grings. Mit fünf Toren aus dem heutigen Spiel ist der Grundstein für die gerade begonnene Saison auch schon wieder gelegt.

Doch bevor das muntere Scheibenschiessen im PCC Stadion startete, gab es jede Menge Ehrungen zu absolvieren. Zuerst einmal erhielt Duisburgs Kapitänin Inka Grings von Hannelore Ratzeburg (Vizepräsidentin des DFB) und von Jörg Jacob (stellvertretender Chefredakteur des Kicker Sportmagazins) die Torjägerkanone für die abgelaufene Saison. Danach durften sich die vier U20 WM-Heldinnen Alexandra Popp, Marina Hegering, Turid Knaak sowie Marith Prießen (Leverkusen) über die Glückwünsche und Geschenke des Trikotsponsors Sparkasse Duisburg freuen.

Gratulation an die WM- Heldinen Marith Prießen (Leverkusen), Turid Knaak, Marina Hegering und Alexandra Popp (alle FCR Duisburg) für ihre herausragenden Leistungen bei der U20 Weltmeisterschaft vor wenigen Wochen.

Nach allen Ehrungen konnte es dann auch endlich losgehen. Leider hatte der Wettergott am heutigen Tage kein Einsehen und es schüttete teilweise wie aus Eimern. Sofern sie konnten, suchten die 1.220 angereisten Fans Schutz unter dem Tribünendach. Noch hatten nicht alle ihren Platz erreicht, da schepperte es bereits zum ersten Mal im Tor der Leverkusenerinnen. Femke Maes eröffnete den Torreigen mit einem Hammerschuss nach Vorarbeit von Nationalspielerin Simone Laudehr. Zwar versuchten die Werkself-Frauen gegen die flinken Löwinnen sicher zu stehen, doch gelang dies kaum. Die Duisburgerinnen waren weithin überlegen und störten die Gäste recht früh.



All Hände voll zu tun hatte Leverkusens Defensive, in diesem Falle versuchte Johanna Elsig den Vorwärtsdrang von Kozue Ando zu stoppen.

Der FCR blieb weiter am Drücker, tat sich jedoch die nächsten zwanzig Minuten gegen die tief stehenden Gäste schwer. Leverkusen selber schaffte es kaum einmal die eigene Hälfte zu verlassen, zu spritzig und flexibel das Spiel der Hausherrinnen. Nach einer Ecke von Kiesel, die noch geklärt werden konnte, nutzte die U20 WM-Torschützenkönigin Alexandra Popp eine erneute Hereingabe ihrer Teamkameradin, um per Kopf die 2:0 Führung zu markieren.

Nun rollte der FCR-Express an und kaum vier Minuten später erhöhte Inka Grings auf 3:0. Eine kuriose Szene sorgte schließlich für den 4:0 Halbzeitstand. Mitten im Gewühle vor dem Leverkusener Tor feuerte Ando den Ball gen Bayer Gehäuse. Prießen wehrte das Leder zwar noch auf der Linie ab, aber die Unparteiische Marina Wozniak entschied auf Tor für Duisburg.


Ende einer Lehrstunde in der Bundesliga! Leverkusens erster Auftritt in der höchsten Spielklasse brachte nicht nur viele Defizite ans Tageslicht sondern bescherte ihnen mit der 9:0 Niederlage auch den letzten Tabellenplatz. Torhüterin Lisa Schmitz war sichtlich bedient und war froh als das Spiel abgepfiffen wurde.



Zwei Neuzugänge unter sich, mit sehr unterschiedlichen Auftritten. Während Shelley Thompson am heutigen Tage eher blass blieb, fand Mirte Roelvink sich in der Duisburger Abwehr gut zurecht .

Erst nach langen 35 Minuten schafft Bayer es einen Entlastungsangriff auch einmal halbwegs zu Ende zu führen, aber Neuzugang Shelley Thompson verzog den Ball – somit kein Problem für Uschi Holl. Dies blieb auch die einzige nennenswerte Aktion von Leverkusen. Bayer konnte sich bei Marith Prießen bedanken; denn die Ex-Duisburgerin kennt die Spielzüge ihrer ehemaligen Kolleginnen aus dem Effeff und verhinderte Schlimmeres.

Leverkusens Trainerin zeigte sich sehr glücklich Marith Prießen (hier im Zweikampf gegen Femke Maes) in ihrer Abwehrreihe zu haben. Sie hatte maßgeblichen Anteil daran, dass ihr Team nicht zweistellig verlor.

Nach der Halbzeit erwischte Bayer 04 einen besseren Start. Die Werkself-Frauen spielten nun etwas beweglicher und hatten merklich mehr Spielanteile. So tauchten auch vermehrt Lisa Schwab und Lena Steinbach in der gegnerischen Hälfte auf. Besonders viel Spielfreude zeigten in der Partie die WM-Heldinnen, die sichtlich immer noch auf der Erfolgswelle schweben. Die Löwinnen blieben weiterhin spielbestimmend, auch wenn die Partie so vor sich hin dümpelte. Erst ab der 60. Minute zog das Tempo wieder an und Grings setze eine erste Duftmarke gen Leverkusener Kasten. Kurze Zeit später war Schluss mit lustig und die Torgala á la Inka Grings fand mit vier Toren binnen 18 Minuten ein wirklich bitteres Ende für Bayer 04 - Lisa Schmitz konnte einem schon fast leid tun.

Die Sprungkraft von Alexandra Popp ist schon gewaltig. Dies bekam in der heutigen Partie auch Kathrin Julia Hendrich zu spüren.

Leverkusen war völlig überfordert, und konnte nur noch die zweistellige Niederlage verhindern. Den Schlusspunkt setzte allerdings jemand anderes: Turid Knaak. Ebenfalls noch von der WM beflügelt bereitete sie zwei Tore vor, bevor sie in der 87. Minute mit einem Hammerschuss aus 25 Metern zum 9:0 Endstand vollendete. Den ersten Auftritt in der Bundesliga hatte sich Leverkusen mit Sicherheit anders vorgestellt, hatte man sich doch mit gleich acht Spielerinnen verstärkt, u.a. mit der ehemaligen Nationalspielerin Shelley Thompson, die allerdings über weite Teile des Spieles blass blieb.


Wie viel der Sieg für Duisburg wert sein wird und wie viel er über die Qualität der Mannschaft aussagt, wird sich bereits nächste Woche zeigen; denn dann geht es gegen Angstgegner Essen. Beim Auftaktspiel fehlten Trainerin Martina Voss-Tecklenburg sechs Spielerinnen, nächste Woche muss das Team zudem noch auf Annemieke Kiesel und Neuzugang Mirte Roelvink, aufgrund der WM-Qualifikation, verzichten. Letztgenannte machte übrigens ein hervorragendes Spiel in der Abwehrkette.

In der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Doreen Meier, trotz der hohen Niederlage, zufrieden. „In vielen Situationen waren wir heute einfach einen Schritt zu spät. Vom Ergebnis, aber auch vom Spielerischen her sind wir von einem Ausnahmeteam wie Duisburg noch meilenweit entfernt und eine Stürmerin wie Inka Grings 90 Minuten lang in Zaum zu halten ist schier unmöglich.“



"Inka Grings 90 Minuten unter Kontrolle zu bringen ist schier unmöglich" (so Doreen Meier) auch nicht wenn gleich zwei Leverkusenerinnen (Johanna Elsig und Feride Bakir) auf sie losgehen.

„Wenn man im ersten Meisterschaftsspiel mit 9:0 startet kann man wohl zufrieden sein. Wir haben die Wettkampfpraxis aus der Champions League mitgenommen. Wir wollten heute ein deutliches Zeichen setzen – auch gegenüber einigen Skeptikern; das ist uns absolut gelungen“, so eine zufriedene Martina Voss-Tecklenburg.


Kleine Bemerkung am Rande
Mit Sicherheit ist niemand unfehlbar, doch sollte es einem gestanden Bundesligaverein doch möglich sein den Namen seines Gegners und deren Spielerinnen zu kennen und anständig auszusprechen, oder? Die Vorstellung beim gestrigen Spiel ließ das Maß an Anstand und Professionalität missen!


FCR 2001 Duisburg:
Holl – Wensing, van Bonn (58. Himmighofen), Roelvink, Oster (76. London), Kiesel, Grings, Laudehr, Maes, Maes, Popp, Ando (58.)

Bayer 04 Leverkusen:
Schmitz – Elsig, Hendrich, Knopp, Thompson, Prießen, Schwab (69. Henseler), Beckmann, Steinbach (78. Esser), Bakir (81. Mpalaskas), Stein

Tore:
1:0 Maes (3.)
2:0 Popp (24.)
3:0 Grings (28.)
4:0 Ando (30.)
5:0 Grings (64.)
6:0 Grings (74.)
7:0 Grings (76.)
8:0 Grings (82.)
9:0 Knaak (87.)

Gelbe Karten:
Schwab, Hendrich, Elsig

Schiedsrichterin:
Marina Wozniak (Herne)
mit Kathrin Heimann und Monique Klauß

Zuschauer: 1220

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