1. Bundesliga, Nachholpartie vom 15. SpieltagVFL bleibt auf der Erfolgsspur1. FC Saarbrücken – VFL Wolfsburg 0:2 (0:2) | ||
Text und Bilder von Martin Kochem 16.04.2010 Der VFL Wolfsburg bleibt in der Bundesliga das Team der Stunde. Mit einem souveränen und so gut wie nie gefährdeten 2:0 (2:0)-Auswärtserfolg beim nach wie vor abstiegsbedrohten Aufsteiger 1. FC Saarbrücken feierten die Wölfinnen im vierten Spiel innerhalb von nur 13 Tagen (!) den dritten Sieg bei einem Remis. Das Team von FCS-Coach Stephan Fröhlich hingegen verpasste einmal mehr, einen vorentscheidenden Befreiungsschlag im Abstiegskampf zu landen... Dabei störte Fröhlich nicht einmal so sehr der Umstand der mit „nur” zwei Toren noch relativ glimpflich verlaufenen Niederlage („gegen eine so gute Mannschaft wie Wolfsburg haben schon ganz andere Mannschaften verloren”), sondern die Art und Weise, mit welcher Einstellung zumindest einzelne Spielerinnen an den „Überlebenskampf” in der 1. Bundesliga herantreten. „Bei manchen habe ich den Eindruck, dass diese nicht wissen, in welcher Situation wir uns befinden und um was es hier eigentlich geht...” haderte Fröhlich noch lange nach Abpfiff auch mit sich selbst, „aber mir fehlen aufgrund der jüngsten Verletzungsmisere auch brauchbare Alternativen...” ![]() FCS-Coach Fröhlich machte seinen Winterneuzugang Noemi Beney erstmals zur Kapitänin und das zurecht, denn die schweizerische A-Nationalspielerin ist stets ein Vorbild für Kampfkrampft und Einsatz - hier köpft sie den Ball kompromisslos aus der Gefahrenzone In der Tat scheint beim FCS in den vergangenen Wochen die Seuche ausgebrochen zu sein, denn neben den langzeitverletzten Sarah Karnbach und Julia Leykauf fiel vor der Partie zu allem Überfluss auch noch die gegen Bayern so stark aufspielende Ann-Kathrin Schinkel kurzfristig mit Knieproblemen aus. Für diese rückte Sabine Blank links hinten in die Viererkette, welche wiederum nach halbjähriger Verletzungspause ihr Comeback in der Anfangsformation geben durfte. Der VFL hingegen schien die Hiobsbotschaft der ebenfalls für den Rest der Saison ausfallenden Eve Chandraratne gut verkraftet zu haben, gaben die Grün-Weißen vor 300 Zuschauern am Kieselhumes von Beginn an den Ton an. Bereits nach 5 Minuten schickte die Ex-Saarbrückerin Selina Wagner A-Nationalspielerin Martina Müller mit einem herrlichen Steilpass auf die Reise, doch die ebenfalls angeschlagen ins Spiel gegangene Barbara Legrand konnte im letzten Moment die Situation im „1 gegen 1” klären. Nach genau einer Viertelstunde war es wiederum Müller, welche das Leder nach feinem Zuspiel von Melissa Wiik freistehend über Legrand, aber auch knapp neben das Tor hob. Nur zwei Minuten später zog Müller nach einer Ecke aus 12 Metern halblinke Position ab, doch Legrand konnte die Kugel gerade noch so mit den Fingerspitzen zu einer weiteren Ecke lenken. ![]() Martina Müller vergab zahlreiche Großchancen - hier verhindert FCS-Torfrau Barbara Legrand schlimmeres Nach 22 Minuten war es dann aber aus Wolfsburger Sicht endlich so weit: Rebecca Smith setzte mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte die pfeilschnelle Zsanett Jakabfi auf der rechten Außenbahn in Szene, diese zog mühelos an Juliana Edwards vorbei, passte von der Torauslinie zurück in den Rückraum, wo die mitgelaufene Anna-Kaisa Rantanen den Ball zunächst mit links nicht voll traf, doch prallte das Spielgerät nach reaktionsschneller Fussabwehr von Legrand direkt vor Wagners Füße, welche sodann aus 6 Metern mühelos zum 0:1 „abstauben” konnte. ![]() Selina Wagner traf -wie bereits im Hinspiel- gegen ihre alten Mannschaftskameradinnen und lieferte darüber hinaus eine sehr ordentliche Partie ab |
Oft herrschte im Saarbrücker Strafraum ein ordentliches Durcheinander - hier befinden sich Anna-Kaisa Rantanen und Juliana Edwards im Luftkampf | |
Der VFL setzte nun nach und kam nach dem gleichen Schema zu weiteren Großchancen. Immer wieder wurde Jakabfi mit Steilpässen aus dem Mittelfeld in die Nahtstelle der Saarbrücker Viererabwehrkette in Szene gesetzt. So bediente Jakabfi beispielsweise in Minute 24 mit einer Rechtsflanke Müller, deren Kopfball aus 11 Metern jedoch knapp am linken Pfosten vorbei strich. ![]() Zsanett Jakabfi stieß immer wieder in die Nahtstelle der linken Saarbrücker Abwehrseite vor Kurze Zeit später scheiterte Jakabfi dann ganz alleine vor dem Saarbrücker Gehäuse stehend im direkten Duell an Legrand, welche mit ihrem ohnehin schon angebrochenen Finger Schwerstarbeit verrichten musste und den Ball erneut mit den Fingerspitzen zur Ecke lenken konnte (28.). Nachdem die unter den gegebenen Umständen eine absolute Weltklasseleistung abliefernde Legrand nach exakt einer halben Stunde per Superreflex Müllers insgesamt fünfte Großchance zunichte gemacht hatte, musste sich die sympathische Bensheimerin kurz danach aber doch zum zweiten Male geschlagen geben. Nach einer Ecke von Andrea Wilkens landete die zu schwache Kopfballabwehr von Kelli Cronkrite genau vor Müllers Füßen, deren Schuss zunächst noch von Sif Atladottir abgeblockt werden konnte, bevor Smith die ihr vor die Füße springende Kugel aus 5 Metern mit Vehemenz zum 0:2 unter die Latte hämmerte (33.). ![]() Rebecca Smith erzielte das vorentscheidende 2:0 Erst jetzt schienen die Gastgeberinnen ein wenig aus ihrer Lethargie zu erwachen und kamen im Gegenzug zum ersten Male einigermaßen gefährlich vor das Gehäuse der bis dato beschäftigungslosen Alisa Vetterlein im VFL-Tor. Cynthia Uwak schickte ihre Sturmpartnerin Christina Arend steil, jedoch konnte die Bronzemedaillengewinnerin der U 20-WM 2008 geschickt den Winkel verkürzen. Die einzig hochkarätige Torchance des FCS in der ersten Halbzeit machte die seit der Rückrunde neue Nummer 1 im VFL-Tor mit einer absoluten Weltklasseparade zunichte, als diese Cronkrites Schuß (39.) aus spitzem Winkel mit einer Hand aus demselbigen fischte. Zu allem Überfluss musste der FCS kurz vor dem Pausenpfiff den verletzungsbedingten Ausfall von Uwak einstecken, welche sich nach einem Zusammenprall eine schwere Schulterprellung zuzog. Für Uwak kam Selina Dambier in die Partie, welche sich unmittelbar nach Wiederbeginn mit einem schönen Pass auf Arend gut einfügte, doch die Torjägerin mit derzeitiger Ladehemmung scheiterte wie schon so oft in den Spielen zuvor an der bereits am Boden liegenden Vetterlein. |
Diese Schlüsselszene hätte im Falle eines Saarbrücker Anschlusstreffers eventuell zu einer Kehrtwende in dieser Begegnung führen können, doch so blieb der VFL im weiteren Spielverlauf jederzeit Herr der Lage und verwaltete seinen Vorsprung relativ mühelos. Darüber hinaus versäumten es die Wölfinnen, etwas für ihr Torverhältnis zu tun und vergaben insgesamt noch drei weitere Topchancen: zunächst konnte Wiik nach Rechtsflanke von Jakabfi im letzten Moment von Edwards gestört werden und Wagner setzte den Abpraller per Kopf knapp am Tor vorbei (52.). Und auch Müller sollte der zehnte Saisontreffer an diesem Donnerstagnachmittag vergönnt bleiben, als diese den Ball im Fallen (70.) sowie einen weiteren Heber knapp vorbeisetzte (85.). ![]() Suomi-Import Anna-Kaisa Rantanen (links) bleibt hier im Duell mit Kelli Cronkrite Siegerin und entpuppt sich immer mehr als Top-Neuzugang Auf Seiten des FCS, welcher meilenweit von seiner gegen die Bayern gezeigten geschlossenen Mannschaftsleistung entfernt war, sei allenfalls noch ein raffinierter Schlenzer von Dambier zu erwähnen, welcher allerdings knapp am Winkel vorbeiflog (68.). Letztlich fiel es dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass die ansonsten sehr ordentlich leitende Unparteiische in der Nachspielzeit eine klare absichtliche Torwartrückgabe auf Vetterlein nicht ahndete. So blieb es beim verdienten Gästeerfolg, für welchen VFL-Coach Ralf Kellermann sodann ein Sonderlob an seine Mannschaft aussprach, während für FCS-Übungsleiter Fröhlich nunmehr das „Nervenspiel mit vier weiteren Abstiegsendspielen” erst so richtig begonnen hat... ![]() Vereintes Familienglück nach Schlusspfiff: Laura (FCS, 2. von links) und Alisa Vetterlein (VFL, 2, von rechts) umgarnt von ihren Eltern Thomas und Susanne, die sich dieses gemeinsame Event ihrer Töchter nicht entgehen ließen
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