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1. Bundesliga, 10. Spieltag

Frankfurt gewinnt den Städtekampf mit Berlin

Tennis Borussia Berlin – 1. FFC Frankfurt 1:6 (1:2)

Text und Bilder von Christian Heidler

30.11.2009   Nach dem 3:1-Auswärtserfolg von Eintracht Frankfurt bei Hertha BSC am Vortag folgte am Sonntag Teil 2 des Städtevergleichs Berlin – Frankfurt. Anders als bei den Männern gingen hier zwar die Hauptstädterinnen in Führung, doch letztlich konnten auch beim Frauenspiel die drei Punkte in die alte Reichsstadt vom Main entführt werden.

Nein, Frankfurt hatte den Aufsteiger keinesfalls unterschätzt, ging auch gleich offensiv zu Werke (2. Spielminute: Kerstin Garefrekes nach Eckball knapp übers Tor), dennoch sah sich der Favorit bereits nach drei Minuten im Hintertreffen. Als sich nahezu alle Akteure vor dem Berliner Strafraum tummelten, landete ein Befreiungsschlag bei Anna Sophie Fechner, die sogleich auf das Frankfurter Tor los stürmte und deren Schuss zwar von Nadine Angerer noch pariert werden konnte, aber dann doch neben dem linken Pfosten im Tor einschlug.

Jubel Fechner

Während Conny Pohlers zum Anstoßpunkt schreitet, jubelt Tennis-Borussin Anna Sophie Fechner nochmals über ihren frühen Führungstreffer.

Bei Tennis Borussia, das mit der selben Anfangsformation wie zuletzt auflief, als gegen Bayern München ein Remis erkämpft werden konnte, nährte der Treffer die Hoffnung auf eine erneute Überraschung. Frankfurt hingegen, das mit Tina Wunderlich für die verhinderte Saskia Bartusiak in der Abwehr und Dszenifer Marozsan für Sandra Smisek im Mittelfeld startete, war gewillt sogleich die Scharte auszuwetzen. Petra Wimberskys Schuss wurde von Kerstin Prusas noch über die Latte gelenkt. Der Druck nahm jedoch weiter zu und fand seinen vorläufigen Höhepunkt in der 11. Minute, als zweimal Conny Pohlers sowie schließlich Sarah Günther an der Berliner Schlussfrau scheiterten. Überhaupt zeigte Prusas eine herausragende Leistung. Was von den Frankfurter Angriffen nicht in der vielbeinigen Abwehr der Lilaweißen hängen blieb, das wurde fast immer zur Beute der routinierten Keeperin. Kein Wunder, dass FFC-Trainer Sven Kahlert nach etwa einer Viertelstunde laut wurde, zudem das Aufbauspiel häufiger zu pomadig gestaltet und zu viele Vorstöße durch die Mitte vorgetragen wurden.

Berliner Funkturm

Vor dem Hintergrund des Berliner Funkturms und des Messegeländes rollt ein erneuter Angriff des 1. FFC Frankfurt.

Wie es besser läuft, demonstrierte sein Team wenig später. Die erneut gut aufgelegte Kerstin Garefrekes setzte sich wieder mal auf ihrer rechten Seite durch, flankte ins Zentrum, wo Prusas zwar noch die Hände an den Ball bekam, aber auch direkt auf Birgit Prinz legte, welche das Leder humorlos in die Maschen beförderte.


Freistoß

Berlins Torfrau Kerstin Prusas, der große Rückhalt ihres Teams, erwartet einen Freistoß.

Im Anschluss blieben die Gäste weiter am Drücker, ohne sich jedoch allzu viele zwingende Chancen zu erarbeiten. Aufregung dann nach 28 Minuten, als Prinz einzig von Chantal Willers bedrängt aufs Borussen-Tor zustürmte und von ihrer Gegenspielerin nur durch ein Foul am Abschluss gehindert werden konnte. Eine eindeutige Notbremse, die auch nach Meinung von TeBe-Coach Thomas Grunenberg eigentlich mit Platzverweis geahndet hätte werden müssen. Schiedsrichterin Sandra Jung pfiff zwar Foulspiel, zeigte aber lediglich die Gelbe Karte.

Vier Minuten später dann eine kuriose Szene auf der anderen Seite bei einem langen Ball in die Frankfurter Hälfte, wo eine Berlinerin im Abseits stand. Während diese aber gar nicht ins Geschehen eingriff, rauschte aus dem Mittelfeld Jana Teodoridis heran, schnappte sich das Spielgerät, rannte zur Verwunderung der schlafmützigen FFC-Verteidigung auf Angerer zu und scheiterte mit ihrem Schuss nur aufgrund einer tollen Reaktion von Nationaltorfrau Angerer!

Verdientermaßen fiel der dritte Treffer des Tages jedoch auf der anderen Seite, wobei sich wieder zeigte, dass das Borussen-Bollwerk am besten über die Flügel zu überwinden ist. Diesmal ging es über die linke Seite, wo sich die Schwedin Sara Thunebro vorbildlich durchsetzte und die in der Mitte lauernde Pohlers bediente (40.).

Halbzeit

Beim Gang in die Kabinen zur Halbzeit tauschen sich Schiedsrichterin Sandra Jung (mit Ball), ihre Assistentinnen Swinde Wiederhold und Johanna Gesell sowie Birgit Prinz wohl noch über eine strittige Szene aus.

Mit Franziska Hagemann für Monique Braun gingen die Charlottenburgerinnen in die 2. Halbzeit. Die 213 Zuschauer – darunter auch ein Gutteil anfeuerungsfreudige Frankfurter Anhänger, aber auch Gabriela Wahnschaffe, (ehemalige?) Abteilungsleiterin der Frauenfußballabteilung bei Tennis Borussia – erlebten auch nach dem Wiederanpfiff eine überlegene Elf aus Hessen, die nach acht Minuten nachlegen konnte. Wimbersky nahm eine Flanke von links volley und netzte die Kugel rechts unten ein.

Damit war der größte Widerstand der zuvor aufopfernd kämpfenden Gastgeberinnen gebrochen. Wie Grunenberg später in der Pressekonferenz äußerte, habe sein Team im ersten Durchgang gut begonnen, auch etwas Glück gehabt, nach dem 1:3 hätten seine Mädels aber die Köpfe hängen lassen. Anders als vor der Partie besprochen, ergänzte der Übungsleiter verärgert, hätte seine Mannschaft nicht bis zum Abpfiff gefightet. Tatsächlich häuften sich nun die brenzligen Situationen vor dem Berliner Tor. Beispielhaft seien hier ein von Prusas gehaltener Fernschuss von Thunebro, ein foulverdächtiger Zweikampf gegen Garefrekes im Strafraum und ein schönes Zuspiel von Prinz auf Pohlers in die Spitze, das letztere aber nicht zu verwerten wusste, genannt.

Der nächste Höhepunkt folgte in der 68. Minute: Sollte es tatsächlich ein Torschuss sein oder handelte es sich um eine verunglückte Flanke? Der Schuss von Wimbersky von der linken Außenbahn flog jedenfalls auf Prusas Tor und senkte sich hinter dieser ins lange Eck. Vier Zeigerumdrehungen später dann quasi noch ein Adventsgeschenk einer Berliner Verteidigerin (war es Anissa Holzhaus?), die


eine hohe Hereingabe entweder über das Tor oder zurück zu ihrer Torfrau köpfen wollte, den Ball aber an die Latte setzte. Pohlers, mit dem Torriecher alter Tage goldrichtig stehend, musste den Ball nur noch über die Linie drücken.

In der Schlussphase, die durch einige Wechsel und verletzungsbedingte Unterbrechungen an Fluss verlor, gab es dann immerhin noch einen weiteren Treffer zu vermelden. Diesmal war es Garefrekes, die Nutznießerin des Frankfurter Flügelspiels war und eine Flanke von der linken Seite verwerten konnte (79.).

Pressekonferenz

Adventlich-besinnliche Pressekonferenz mit den Trainern Thomas Grunenberg (links) und Sven Kahlert (rechts).

So endete die insgesamt faire Begegnung mit einem - wie auch Grunenberg hinterher einräumte - verdienten 1:6. Gästetrainer Kahlert zeigte sich zuversichtlich, dass Tennis Borussia noch gegen Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen punkten werde. Mit der Arbeit seiner eigenen Elf war er nur bedingt zufrieden. Zwar sah er insbesondere in der 2. Halbzeit eine gute spielerische Leistung seines Teams, er mahnte aber auch eine bessere Chancenverwertung an.





Tennis Borussia Berlin:
Prusas - Willers, Holzhaus, Lüdtke, Liepack, Braun (46. Hagemann), Teodoridis, Okoe, Hess (74. Heyke), Brückner (74. Tahiru), Fechner

1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger, Günther,Thunebro, T. Wunderlich, Thomas (75. Huth), Marozsán, Garefrekes, Wimbersky (75. Weber), Pohlers (74. Smisek), Prinz

Tore:
1:0 Fechner (3.)
1:1 Prinz (18.)
1:2 Pohlers (40.)
1:3 Wimbersky (53.)
1:4 Wimbersky (68.)
1:5 Pohlers (72.)
1:6 Garefrekes (79.)

Gelbe Karten: Willers

Schiedsrichterin: Sandra Jung (Kleve)

Zuschauer: 213


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