1. Bundesliga, 1. SpieltagFataler EinstandTennis Borussia Berlin – SC 07 Bad Neuenahr 0:2 (0:0) | ||
Text von Matthias Behlert 23.09.2009 Manche Dinge enden gut, obwohl - oder vielleicht sogar gerade, weil - sie schlecht begonnen haben; bei anderen wiederum ist der Beginn schon das Omen für das Ende. Was Tennis Borussia Berlin angeht, dürfte in den kommenden Wochen schon mal mit einer deutlichen Weichenstellung in die eine oder die andere Richtung zu rechnen sein. Damit ist nicht so sehr das Geschehen auf dem Platz gemeint – denn der Klassenerhalt lässt sich notfalls auch noch mit einer grandiosen Aufholjagd an den letzten 4-5 Spieltagen sichern, wie sie zuletzt der FF USV Jena vorgeführt hat -, sondern gemeint sind die Vorgänge neben dem Rasen und in den Geschäftsräumen, die aber natürlich nicht ohne Einfluss auf die Erfolgsbilanz der Mannschaft bleiben. Doch zunächst zum Spiel. Beide Teams haben sich in der Sommerpause erheblich verstärkt. Für Bad Neuenahr, das in der letzten Spielzeit knapp dem Abstieg entgangen war, standen gleich fünf Spielerinnen in der Startelf, die noch vor wenigen Monaten für andere Vereine gekickt hatten, nämlich die jungen Ex-Wattenscheiderinnen Claudia Götte, Ramona Petzelberger und Sarah Schröder, die ehemalige Saarbrücker Torfrau Romina Holz sowie die Südkoreanerin Yun Hee Cha. Für Aufsteiger TeBe liefen Chantal Willers, Monique Braun und Franziska Hagemann auf, die im Sommer von Turbine Potsdam II gekommen waren. ![]() In der Pause ehrte Sandra Minnert (rechts) die noch verletzte Kerstin Straka (Bildmitte) von TeBe als Torschützenkönigin der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga Nord. Bad Neuenahr begann äußerst druckvoll und setzte sich in der ersten Viertelstunde hartnäckig in der gegnerischen Hälfte fest. Erste Torchancen ergaben sich für Ramona Petzelberger in der 5. und Celia Okoyino da Mbabi in der 8. Minute, die jedoch beide das Tor aus günstiger Position knapp links bzw. rechts verfehlten. Wenig später bekam TeBe-Torfrau Kerstin Prusas bei mehreren Ecken Gelegenheit, ihre Reaktionsschnelligkeit unter Beweis zu stellen. Als Lena Gössling in der 26. Minute von links in den Strafraum eindrang und im Zweikampf mit Jana Teodoridis kurz hinter der Linie zu Fall kam, erkannte Schiedsrichterin Sandra Pasch unverzüglich auf Elfmeter, obwohl das Foul – sofern es denn eins war – außerhalb des Strafraumes stattgefunden hatte. Celia Okoyino da Mbabi legte sich den Ball zurecht und ... setzte ihn an den linken Pfosten. ![]() Vergeblich weist Suzan Sharif (2. v.l.) darauf hin, dass die Ursache für Lena Gösslings Sturz außerhalb des Strafraums lag; Schiedsrichterin Sandra Pasch eilte unverzüglich zum Strafstoßpunkt ... ![]() ... doch Celia Okoyino da Mbabi setzte den Ball gegen den linken Innenpfosten, von wo aus er in Richtung rechte Seitenlinie sprang. TeBe konnte sich nun zunehmend aus der Umklammerung befreien und eigene Angriffe inszenieren, die ihnen in der 31. Minute die erste Ecke einbrachten. Damit ergaben sich jedoch gefährliche Konterchancen für die Rheinländerinnen. In der 37. Minute konnte Kerstin Prusas einen Schuss von Claudia Götte nur noch mit einer Glanzparade aus dem Winkel fischen. Eine Minute später war Celia Okoyino da Mbabi allein durch, doch Monique Braun holte sie noch ein und spielte ihr den Ball sehr gekonnt vom Fuß. Ein Schuss von der halblinks stehenden Lena Gössling wurde wiederum durch eine Prusas-Parade unschädlich gemacht. |
Nur selten bekam Bad Neuenahrs gefährlichste Stürmerin Celia Okoyino da Mbabi von der Berliner Abwehr so viel Aufmerksamkeit wie in dieser Szene. | |
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Mit 0:0 ging es in die Kabine, und trotz klarer Feldvorteile für Bad Neuenahr in den ersten 45 Minuten schien für die Berlinerinnen zu diesem Zeitpunkt noch einiges möglich. Die zweite Halbzeit begann dann auch wesentlich ausgeglichener als die erste, doch wurde Bad Neuenahrs gefährlichste Angriffsakteurin Celia Okoyino da Mbabi von der Berliner Abwehr nun des öfteren sträflich vernachlässigt. Folgerichtig fiel dann auch 7 Minuten nach Wiederanpfiff das 0:1, als die völlig frei vor dem Tor stehende Celia einen von rechts kommenden Pass Lena Gösslings in den schmalen Zwischenraum zwischen Kerstin Prusas und dem linken Pfosten köpfen konnte. TeBe forcierte zunehmend das Angriffspiel und erlangte, als in der 60. Minute auf Berliner Seite erstmals die ghanaischen Nationalspielerinnen Rumanatu Tahiru und Florence Okoe ins Bundesligageschehen eingriffen, sogar mehr und mehr Feldvorteile. Der Abschluss jedoch blieb weitgehend harmlos. Jana Teodoridis, die ihre Position auf dem rechten Flügel an Rumanatu Tahiru abgetreten hatte, tauchte in der Folge mal in der Mitte, mal ganz links auf. Diese Variante hat vielleicht eine gewisse Zukunft, doch ist sie gewiss noch nicht ausgereift. Vor allem versäumte es Jana am Anfang mehrmals, auf die rechts völlig freistehende Rumanatu zu passen und versuchte sich stattdessen allein gegen zwei oder drei Abwehrspielerinnen durchzusetzen, was kläglich scheiterte. ![]() Die beiden ghanaischen Nationalspielerinnen Florence Okoe und Rumanatu Tahiru konnten nach ihrer Einwechslung in der 60. Minute dem Spiel von TeBe zwar einige neue Impulse geben, doch für die entscheidende Wende reichte es nicht. Insgesamt wirkte das Kombinationsspiel von TeBe jedoch schon deutlich gefälliger als bei zahlreichen Zweitligabegegnungen der vergangenen Saison. Bestraft wurde das mangelnde Vermögen der Berlinerinnen, sich echte Chancen zu erspielen, 8 Minuten vor dem Ende mit einem Sonntagsschuss von Claudia Götte. Der von halblinks aus gut 20 m getretene Ball war sehr schwer zu berechnen, schien sogar noch ein wenig vom Wind beeinflusst und senkte sich schließlich zum 0:2 ins lange Eck. In der Nachspielzeit hatte die freistehende Celia Okoyino da Mbabi die Chance, auf 3:0 zu erhöhen, doch war es wieder einmal Kerstin Prusas, die dies zu verhindern wusste. Zur Leistung der Schiedsrichterin sei angemerkt, dass Frau Pansch in der ersten Halbzeitrecht recht unsicher und oftmals überzogen agierte, in Halbzeit 2 jedoch deutlich zurückhaltender und souveräner pfiff, was dem Spiel insgesamt sehr gut tat. Nun noch einige Worte zum Geschehen außerhalb des Platzes, auf das sich der Begriff 'fatal' im Titel auch eigentlich nur bezieht. Am 17.09.2009, also drei Tage vor Beginn der Bundesligasaison, erfuhr die Frauenfußballwelt, dass Abteilungsleiterin Gaby Wahnschaffe, die sich seit Jahrzehnten mit größtem Engagement für den Frauenfußball bei Tennis Borussia einsetzt und von zahllosen Fans übereinstimmend als die Seele der Frauenabteilung bezeichnet wird, durch den Vorstand des Fördervereins von ihren Funktionen entbunden wurde. Sie selbst wurde weder im Vorfeld von dieser Absicht informiert noch zu der betreffenden Sitzung geladen. Wie ein Mitglied des Vorstands erklärte, gäbe es mehrere Konfliktpunkte, und die einzige Konstante bei diesen verschiedenen „Kriegsschauplätzen” sei Gaby Wahnschaffe. Ohne ins Detail zu gehen, möchte ich dazu sagen, dass sich das durchaus ganz anders sehen lässt, |
nämlich dass die einzige Konstante dabei gekränkte männliche Eitelkeiten sind sowie der Versuch, sich die jahrzehntelang stiefmütterlich behandelte Frauenabteilung nun, da sie sich zu einem gewissen Prestigeobjekt entwickelt, quasi unter den Nagel zu reißen. ![]() Die Abteilungsleiterin der TeBe-Frauen, Gaby Wahnschaffe, vor einer der zahlreichen Solidaritätsbekundungen und Protestlosungen gegen ihre Entlassung, die an diesem Tag im Stadion hingen. Derzeit besteht die begründete Hoffnung, dass er seine Stimme zurückzieht, womit die Entscheidung keine Mehrheit mehr hätte. Davon abgesehen deutet einiges darauf hin, dass dieser Beschluss nicht rechtskonform war, weil der Vorstand des Fördervereins gar nicht zu Personalentscheidungen befugt ist. Wie dem auch sei, eine TeBe-Frauenabteilung ohne Gaby Wahnschaffe ist kaum vorstellbar, und sollte diese Entscheidung nicht revidiert werden, hätte dies ganz gewisse diverse Folgen, die sich für die Zukunft des Frauenfußballs bei TeBe eigentlich nur negativ auswirken können. Nicht zuletzt stehen die Spielerinnen geschlossen hinter Gaby, und sollte sie tatsächlich abgesägt werden, hätte dies vielleicht sogar personelle Konsequenzen im Kader. Zumindest aber wäre es der Moral der Mannschaft ganz sicher nicht zuträglich.
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