1. Bundesliga, 1. SpieltagAchtbar geschlagen1. FC Saarbrücken – 1. FFC Turbine Potsdam 0:3 (0:3) | ||
Text und Fotos von Martin Kochem 21.09.2009 Die von einer ganzen Region mit großer Spannung und Sehnsucht erwartete Rückkehr des in der Saison 2007/08 lediglich wegen zweier Tore abgestiegenen 1.FC Saarbrücken in die Frauenfussball-Bundesliga endete zwar erwartungsgemäß mit einer deutlichen Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Potsdam, doch so richtig enttäuscht verließ kaum einer der knapp 800 Zuschauer den traditionsreichen Saarbrücker Kieselhumes, welcher wegen angeblicher Lärmbelästigung und den damit verbundenen Anwohnerklagen erst in der Woche zuvor mächtig ins Gerede gekommen war... ![]() Zu laut für die Bundesliga ? Reaktion der treuen FCS-Fans auf die angebliche Lärmbelästigung am tarditionsreichen Stadion Kieselhumes Turbine begann hochkonzentriert und hatte das Glück, gleich mit der ersten Chance in Führung zu gehen. Nach einem Freistoß von der rechten Seite bekam die Saarbrücker Abwehr den Ball nicht richtig weg und Anja Mittag traf nach zu kurzer Kopfballabwehr von Juliana Edwards mit einem trockenen Rechtsschuss aus 17 Metern ins von ihr aus gesehen linke untere Eck – unhaltbar für die erst vor kurzem noch nachverpflichtete Barbara Legrand im FCS-Gehäuse (4.). ![]() Auch dieses Plakat hat was: Treueschwur und ein frommer Wunsch der Saarbrücker Fans Somit war der Plan von Saarbrückens neuem Coach Stephan Fröhlich, möglichst lange ein 0:0 zu halten, früh durchkreuzt und seinen überwiegend unerfahrenen Spielerinnen war die Nervosität in den folgenden Minuten deutlich anzumerken. Die Gäste aus Brandenburg spürten dies sofort und versuchten mittels Forechecking nachzusetzen, während die Gastgeber vor allem beim Spiel in die Spitze einen Fehlpass nach dem anderen produzierten. Chancen ergaben sich demzufolge zunächst nur für Turbine. So strich in der 16. Minute ein Fernschuss von Isabel Kerschowski aus 25 Metern knapp am linken Pfosten vorbei und nur eine Minute später feuerte die quirlige Jessica Wich aus 7 Metern einen herrlichen Drehschuß ab, den Legrand jedoch mit einer Klasseparade um den Pfosten lenken konnte. Eine Standardsituation bescherte dem Team von Bernd Schröder dann aber nach 21 Minuten doch den zweiten Treffer: Anja Mittag zirkelte einen Freistoß von der rechten Seite auf die am zweiten Pfosten lauernde Rückkehrerin Nadine Kessler, welche den Ball nach Stellungsfehler von Kelli Cronkrite per Kopf herrlich auf die am Fünfmeterraum besser postierte und völlig freistehende Babett Peter zurücklegte und diese hatte dann keine Mühe mehr, die Kugel ebenfalls mit Köpfchen in die Maschen zu drücken – 0:2. ![]() Anja Mittag stellte mit ihrem frühen Treffer zum 1:0 die Weichen auf Auswärtssieg und war auch am zweiten Tor durch ihre Freistoßhereingabe beteiligt Praktisch im Gegenzug hätte es dann mit der ersten nennenswerten Offensivaktion der blau-schwarzen Mädels fast im Tor der bis dahin beschäftigungslosen Desiree Schumann geklingelt, doch landete ein 25m-Kracher der erst vor kurzem 18 Jahre alt gewordenen Maike Trach nur an der Querlatte. Nachdem kurz darauf ein herrlich angedrehter Fernschuss von Mittag nur hauchdünn am langen Pfosten des Saarbrücker Gehäuses vorbeigestrichen war (24.) ereignete sich nur drei Minuten später auf der Gegenseite die vielleicht spielentscheidende Szene: Europameisterin Babett Peter vertändelte den Ball am eigenen 16er äußerst leichtsinnig gegen die leichtfüßige Cynthia Uwak und riss diese (wohlgemerkt als letzte Frau !) im Strafraum klar zu Boden. Eigentlich eine klare Notbremse, doch Schiedsrichterin Martina Storch-Schäfer beließ es zur Verwunderung aller bei „Gelb”, erkannte aber immerhin auf Strafstoß. Juliana Edwards trat an und jagte die Kugel buchstäblich in „American Football – Fieldgoalmanier” in die Wolken, was FCS-Coach Fröhlich nicht nur ziemlich überraschte („von 25.000 Elfmetern macht sie im Training 24.999 rein...”), sondern auch als Knackpunkt für den weiteren Spielverlauf ansah. ![]() Nicht ihr Tag: Juliana Edwards (am Boden) schoss einen Elfmeter in die Wolken und kommt hier gegen Isabel Kerschowskis Flanke etwas zu spät |
Beim Spiel des Aufsteigers gegen den amtierenden Meister waren die Rollen klar vergeben. Doch am Ende waren alle irgendwie zufrieden - Potsdam hatte das Spiel früh entschieden und nahm die drei Punkte mit, Saarbrücken hatte sich gegen den starken Gegner achtbar geschlagen | |
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Die nächste knifflige Situation ergab sich wiederum nur zwei Minuten später auf der Gegenseite. Die ansonsten zuverlässige und vor allem nach der Pause stark aufspielende Julia Leykauf brachte ihre Torfrau mit einer zu kurzen Kopfballrückgabe in Bedrängnis, Wich funkte dazwischen, fiel jedoch anschließend wohl zu theatralisch über die herausstürzende Legrand, sodass die unmittelbar daneben stehende Unparteiische nach kurzer Überlegungspause trotz heftiger Reklamation von Wich auf Abstoß entschied. Die richtige Antwort darauf gab die gleiche Akteurin jedoch kurze Zeit später, indem diese das Leder aus dem Hintergrund in den Strafraum schnibbelte und die Kugel an Freund und Feind vorbei und letztendlich vom rechten Innenpfosten in den Saarbrücker Kasten rutschte – 0:3. Damit war bereits nach einer halben Stunde Spielzeit „der Drops gelutscht” und beinahe hätte Mittags Kopfball nach Rechtsflanke von Lira Bajramaj das 0:4 bedeutet, doch flutschte das Leder haarscharf am rechten Pfosten vorbei (35.). ![]() Beste Akteurin in blau-schwarz - die nigeriansiche Nationalspielerin Cynthia Uwak wechselte aus der ersten finnischen Liga in die Bundesliga Nach der Pause schien es zunächst so, als ob die „Torbienen” ihren Hunger auf weitere Treffer noch nicht gestillt hätten und kamen durch Wich (52.) sowie Mittag (53.) zu weiteren guten Gelegenheiten. Doch hielten nun auch die Gastgeberinnen sichtbar dagegen, kamen über den Kampf besser ins Spiel und kamen ihrerseits mit durchaus ansehnlichen Spielzügen sogar zu nennenswerten Torchancen. So wurde Neuzugang Cynthia Uwak, Saarbrückens auffälligste Akteurin, nach 54 Minuten von der neben Selina Dambier als zweite Spitze aufgebotenen, jedoch zumeist ziemlich in der Luft hängenden Christina Arend mittels herrlichem Steilpass auf die Reise geschickt, scheiterte jedoch an der aufmerksamen Schumann im Potsdamer Gehäuse. ![]() Nadine Kessler wurde an ihrer alten Wirkungsstätte freundlich begrüßt und war nach dem Abpfiff die meistgefragteste Person In der 70. Minute flankte die technisch äußerst versierte Uwak auf Mittelstürmerin Dambier, deren Direktabnahme strich jedoch knapp am langen Pfosten vorbei. Von Potsdam war nun bis auf einen herrlichen Alleingang von Jenny Zietz (74.) nicht mehr viel zu sehen und man beschränkte sich auf die Verwaltung des sicheren Dreitorevorsprungs. Dafür nahm das sehr fair geführte und eigentlich „unaufregende Spiel” (O-Zitat Schröder) in der letzten Viertelstunde einen für beide Seiten fast tragischen Verlauf. Nachdem sich zunächst FCS-Abwehrchefin Sabine Blank bei einem Abwehrversuch eine starke Prellung zugezogen hatte und mit der Trage vom Feld gebracht werden musste (66.) erwischte es eine Viertelstunde vor Schluss auch Vicky Hinsberger, die in der eigenen Hälfte an der Außenlinie unnötigerweise übelst von Jessica Wichs gestrecktem Fuß umgegrätscht wurde und das Feld ebenfalls nur mit fremder Hilfe verlassen konnte. Warum die unmittelbar danebenstehende Schiedsrichterassistentin bzw. Hauptschiedsrichterin Storch-Schäfer dieses durchaus rotwürdige Foul noch nicht einmal mit einer gelben Karte ahndete, bleibt einzig und allein deren Geheimnis. Dafür saß das gelbe Kärtchen bei schwersten Vergehen wie das „Sich-Nicht-schnell-genug-Entfernen bzw. Abstandhalten beim Freistoß” äußerst locker, was Maike Trach und Corina Schröder durchaus bezeugen können... Der negative Höhepunkt des Dauereinsatzes des Roten Kreuzes ereignete sich jedoch auf der Gegenseite, als die steil geschickte Maike Trach und Torfrau Desiree Schumann aufeinander zuliefen und die junge Potsdamer Torfrau nach erfolgreicher Kopfballabwehr außerhalb des Strafraums derart unglücklich auf dem Boden aufprallte, dass diese zunächst kurz das Bewusstsein |
verlor und anschließend minutenlang behandelt werden musste, ehe sie mit einer satten Platzwunde und Verdacht auf schwere Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden musste. ![]() Saarbrückens Coach Stephan Fröhlich war trotz der erwartet deutlichen Niederlage nicht unzufrieden
Trainerstimmen: ![]() Potsdams Coach Bernd Schröder sah bezüglich des Leistungsvermögens noch viel Luft nach oben - gab sich jedoch trotzdem locker und gelöst
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