1. Bundesliga, 8. SpieltagZu spät aufgewacht1. FC Saarbrücken – Hamburger SV 2:4 (0:3) | ||
Text und Fotos von Martin Kochem 09.11.2009 Zu einem hochverdienten Auswärtserfolg kam der Hamburger SV beim bis dato punktgleichen Bundesligaaufsteiger 1. FC Saarbrücken, welcher wiederum dadurch die große Chance verpasste, ein beruhigendes Polster zwischen sich und den Abstiegsplätzen zu schaffen. FCS-Coach Stephan Fröhlich musste seine Anfangsformation im Vergleich zum Auswärtsauftritt bei den Bayern auch in diesem selbsternannten „6-Punkte-Spiel” im Kampf um den Klassenerhalt erneut umändern. So nahm die vollständig wiedergenesene Selina Dambier die Position der nunmehr durch Grippefolge geschwächten Christina Arend im Sturmzentrum ein und auch in der Defensive wagte Fröhlich ein kleines Experiment, indem dieser die etatmäßige Innenverteidigerin Juliana Edwards zusammen mit Sarah Karnbach auf die „Doppelsechs” beorderte und dafür Laura Vetterlein zusammen mit Ann-Katrin Schinkel die Innenverteidigung bilden ließ. Dieses sollte allerdings gründlich daneben gehen, denn schon nach 10 Minuten führten die bislang eher auswärts als zu Hause überzeugend auftretenden Gäste von der Elbe scheinbar uneinholbar mit 3:0. Gerade 120 Sekunden waren gespielt, als Hamburgs Jungstar Kim Kulig ihre Linksaußen Lena Petermann ins Spiel brachte, diese Gegenspielerin Meredith Teague mit einem einfachen Hackentrick einfach stehen ließ, das Leder flach und scharf an den verdutzten Edwards und Vetterlein vorbei flankte, die am Fünfmeterraum lauernde Kulig den Ball geschickt durchließ und Ana-Maria Crnogorcevic am zweiten Pfosten wartend nur noch den Fuß hinhalten musste – 0:1. ![]() Lena Petermann war in der ersten Halbzeit auf der linken HSV-Angriffseite kaum zu halten - hier hat Meredith Teague das Nachsehen Nur drei Minuten später setzte sich die Europameisterin im HSV-Trikot unter den Augen ihrer eigens aus dem Schwäbischen angereisten Eltern im Laufduell gegen Vetterlein durch, doch konnte FCS-Torfrau Barbara Legrand Kuligs vom rechten Fünfmeterraumeck aus abgefeuerten Schuß im letzten Moment entschärfen. Wiederum nur wenig später behinderten sich Schinkel und Vetterlein nach einem weiten Flankenschlag von Maja Schubert derart unglücklich gegenseitig, dass sich Crnogorcevic den von Schinkels Oberschenkel abklatschenden Ball ersprinten konnte und von der rechten Außenbahn mit klugem Rückpass die mitgelaufene Petermann bediente, welche die Kugel aus zentraler Mittelstürmerposition nur noch einzuschieben brauchte – 0:2 (7.). ![]() Ana Maria Crnogorcevic (Mitte) war vor allem in den ersten 45 Minuten nicht zu halten und traf gleich doppelt Weiter ging´s nahezu im Minutentakt, denn kurz nachdem Vetterlein (8.) im allerletzten Moment gegen die wiederum über die linke Außenbahn durchgebrochene Petermann gerade noch so hatte klären können, sollte die Torschützin zum 1:0 bzw. Vorbereiterin zum 2:0 erneut eiskalt zuschlagen. Wiederum von einem langen Flankenschlags Schuberts bedient übersprintete die extrem stark aufspielende schweizerische Jungnationalspielerin mit dem schwer aussprechlichen Namen locker ihre überforderte Gegenspielerin Schinkel und netzte den von Legrand zunächst klasse parierten sowie etwas glücklich zu ihr zurückprallenden Ball cool und lässig im zweiten Versuch zum 0:3 ein. ![]() Babs Legrand konnt trotz einiger Weltklasse-Paraden die dritte Heimniederlage des FCS letztendlich nicht verhindern |
Kim Kulig entwischte einige Male der FCS-Innenverteidigung - hier in Form von Annka Schinkel | |
Die bemitleidenswerte Legrand hatte ihrem Ärger über den völlig indisponierten „Hühnerhaufen” vor ihr noch nicht richtig Luft gemacht, da rollte bereits die nächste Angriffswelle in Form der steil auf die Reise geschickten Denise Lehmann auf sie zu, doch Legrand konnte in dieser 1:1-Situation per Fußreflex zur Ecke klären. Fröhlich reagierte und versuchte den Gegentor-Supergau mit der Einwechslung von Stephanie Kaiser für Julia Leykauf zu verhindern und damit mehr Ruhe und Stabilität in die Viererabwehrkette zu bringen, was jedoch anfänglich mehr schlecht als recht gelang. ![]() Steffi Kaiser rückte für Julia Leykauf links in die Viererkette und steigerte sich wie ihre Mannschaftskameradinnen mit zunehmender Spieldauer Torchancen besaßen weiterhin nur die Gäste, die immer wieder von der im rechten Mittelfeld überragend aufspielenden Maja Schubert angetrieben wurden und welche Crnogorcevic beinahe deren dritten Treffer aufgelegt hätte, doch diese verzog per Direktabnahme (21.) nur äußerst knapp. Nach Linksflanke von Lehmann hätte die am langen Pfosten lauernde Schubert sich dann beinahe selbst in die Torschützenliste eingetragen, doch die sich langsam fangende Vetterlein konnte im letzten Moment klären (30.). Nach sage und schreibe 33 Minuten traute sich der 1. FCS dann zum ersten Mal so richtig in die gegnerische Hälfte, doch lenkte die bis dato beschäftigungslose Bianca Weech einen 25m-Fernschuss von Kelly Cronkrite gekonnt um den Pfosten. Nachdem Schinkel im letzten Augenblick gegen Kulig das 0:4 verhindert hatte (38.), war dann wieder das Traumduo des Tages” an der Reihe: Rechtsflanke Schubert, Direktabnahme Crnogorcevic und der vom Lattenkreuz zurückprallende Ball landete in den Armen der eigentlich schon geschlagenen Legrand (41.). So ging es unter der stillen Fassungslosigkeit des einheimischen Publikums „nur” mit einem 0:3 in die Kabinen, wo laut Fröhlich sodann eine „kurze, aber prägnante Halbzeitansprache” stattfand, welche ihre Wirkung nicht verfehlen sollte. Während der HSV im Gefühl des sicheren Vorsprungs nun 1-2 Gänge herausnahm, taute Saarbrücken allmählich aus seinem Dornröschenschlaf auf und konnte sich vor allem offensiv deutlich besser in Szene setzen. So schüttelte Cynthia Uwak nach feinem Zuspiel von Karnbach zunächst Nina Brüggemann ab und ihren Linksknaller aus 18 Metern (50.) konnte Weech erst im Nachfassen festhalten. Nur fünf Minuten später verlängerte Uwak einen weiten Abschlag von Legrand geschickt mit dem Hinterkopf auf die sich stets bemühende Dambier, doch landete deren kluger Heber aus gut und gerne 30 Metern nur knapp über der etwas zu weit vor ihrem Tor postierten Weech im Toraus. ![]() Denise Lehmann (HSV), Laura Vetterlein (FCS), Lena Petermann (HSV) und Juliana Edwards (FCS) v.l.n.r. im rassigen Kampf um das Leder In der 59. Minute war es dann per Standradsituation soweit: nach einer Ecke von Cronkrite hielt die still und leise mit nach vorne aufgerückte Schinkel am ersten Pfosten stehend den Kopf hin und wuchtete die Kugel unhaltbar zum 1:3-Anschlusstreffer unter die Latte. So etwas wie leise Hoffnung keimte auf und der FCS machte infolgedessen auch das Spiel, ohne sich allerdings die ganz großen Torgelegenheiten herausspielen zu können. Mit der Hereinnahme der angeschlagenen Chrissi Arend nach 72 Minuten setzte Fröhlich alles auf eine Karte und verstärkte zusätzlich die Offensive, was dem HSV gegen die nun wie wild anstürmenden Saarländerinnen folgerichtig eine Kontergelegenheit nach der anderen einbrachte. Nachdem zunächst Crnogorcevic im Alleingang gescheitert war (77.), brachte kurz darauf die schön freigespielte Lehmann sodann das Kunststück fertig, die Kugel völlig freistehend aus 6 Metern statt ins leere Tor an Legrands Bein zu schießen, von wo |
aus der Ball zunächst an den Pfosten und dann zurück in deren Arme sprang – eine unglaubliche Szene! Das Auslassen dieser tausendprozentigen Chance sollte sich dann auch nur kurze Zeit später rächen, als Meredith Teague einen langen Ball aus der Abwehr heraus auf Dambier schlug, diese direkt auf Arend weiterleitete, welche per genialem „no look-Pass” Goalgetterin Uwak steil auf die Reise schickte und die zweimalige afrikanische Fußballerin des Jahres sich mit einem Linksschuss aus 11 Metern aus leicht abseitsverdächtiger Position ihr drittes Saisontor nicht mehr nehmen ließ – 2:3. Nun kam auch so etwas wie Stimmung auf, denn die bis dato entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit eher zurückhaltend aufgetretenen FCS-Fans wachten nun -wie ihre Mannschaft- ebenfalls auf und machten sich -wohl sehr zum Ärger der querulierenden Anwohner rund um das altehrwürdige Stadion am Kieselhumes- lautstark bemerkbar. Leider zu spät, denn nur drei Minuten später setzte es den für Blau-Schwarz den endgültigen K.O.: die kurz zuvor eingewechselte Nicole Schmitt verlor den Ball unnötigerweise an Nina Jokuschies, diese passte in den Lauf der eingewechselten Nicole Zweigler, welche wiederum direkt die mitgelaufene Schubert bediente und diese ihre herausragende Leistung mit dem Treffer zum 2:4-Endstand krönte. ![]() Große FCS-Schwenkfahnen sorgen neuerdings auch für eine bessere Optik am Kieselhumes Beide Trainer waren sich dann auch nach dem Schlusspfiff der im Übrigen sehr überzeugenden Schiedsrichterin Sandra Jung (auch das sollte einmal erwähnt werden !) über den hochverdienten Gästesieg einig. Während Fröhlich seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit vorwarf, sich „emotionslos, widerstandslos sowie mit körperlosem Spiel dem Gegner ergeben zu haben”, zeigte sich HSV-Coach Achim Feifel mit dem Auftreten seiner Truppe nur nach dem Seitenwechsel nicht so recht einverstanden („da haben einige wohl zur Pause gedacht, das Ding sei schon gegessen”). Letztendlich wurde jedoch unisono konstatiert, dass der HSV von den Gastgeberinnen zum Toreschießen förmlich eingeladen worden war und das Ergebnis auch durchaus höher hätte ausfallen können bzw. müssen... ![]() Kim Kulig spielte vor dem Seitenwechsel groß auf und tauchte immer wieder brandgefährlich vor dem Saarbrücker Tor auf. Letztlich entschied der HSV das Spiel bereits in dieser ersten Halbzeit
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