1. Bundesliga, 6. SpieltagDeftige Revanche1. FC Saarbrücken – SC Freiburg 5:0 (2:0) | ||
Text und Fotos von Martin Kochem 26.10.2009 Gerade mal elf Tage nach dem Aufeinandertreffen in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals standen sich beide Mannschaften erneut gegenüber, diesmal jedoch in der Liga und bei einem gastgebenden 1. FC Saarbrücken, der zwar wieder auf die wohlbehalten von einer Familienfeier aus den USA zurückgekehrte Kelli Cronkrite zurückgreifen konnte, jedoch grippebedingt auf Stürmerin Selina Dambier verzichten musste. So sah sich FCS-Coach Stephan Fröhlich förmlich gezwungen, seine Offensivabteilung umzustellen und beorderte Cynthia Uwak an die vorderste Front – ein Schachzug, der letztendlich diese Partie früh entscheiden sollte Die blau-schwarzen Mädels von der Saar begannen vor der doch etwas enttäuschenden Kulisse von nur 316 zahlenden Zuschauern am Kieselhumes hochkonzentriert und man konnte der gesamten Mannschaft förmlich anmerken, wie diese die 0:2-Pleite aus dem Pokal vergessen machen wollte. So hätte besagte Uwak bereits nach 5 Minuten die Saarbrücker in Führung bringen können, wurde jedoch nach herrlichem Alleingang im letzten Moment abgeblockt. ![]() Cynthia Uwak im Zweikampf mit Julia Zirnstein Bei der nachfolgenden Ecke kam die aufgerückte Innenverteidigerin „Annka” Schinkel frei zum Kopfball, welcher jedoch knapp sein Ziel verfehlte. Auf der Gegenseite hätte es nach einem von Julia Zirnstein gefährlich angeschnittenen Eckball ebenfalls schon rappeln können, doch reagierte die mit einem blauen Veilchen angeschlagen ins Spiel gegangene Babs Legrand glänzend und konnte per Flugparade die Situation klären. In der 11. Minute wäre diese allerdings machtlos gewesen, als ein 19m-Kracher von Kerstin Boschert von der Unterkante der Latte wieder ins Feld zurücksprang – Glück für den FCS, welcher sich davon jedoch unbeeindruckt zeigte und weiter mutig nach vorne spielte. Dieser Mut wurde dann in der 18. Minute belohnt, als Uwak nach schönem Pass von Christina Arend über die linke Seite die gesamte Abwehr der Freiburgerinnen locker überlief und die Kugel aus 6 Metern halblinke Position an der chancenlosen Torfrau Marisa Brunner vorbei ins lange Eck schob - Riesenjubel bei den wie immer wie eine „1” hinter ihrer Mannschaft stehenden Fans sowie natürlich bei der zu Saisonbeginn aus der finnischen ersten Liga an die Saar gewechselten Nigerianerin über deren ersten Bundesligatreffer ihrer Karriere ! ![]() Fleißige Arbeitsbiene mit Torgefahr: Christina Arend hier verfolgt von Martina Moser, war kaum zu stoppen und machte ein Superspiel und gab den Pass zum Führungstreffer Dieser Jubel war kaum verstummt, da lief die pfeilschnelle Uwak auf der linken Seite abermals der Freiburger Hintermannschaft (diesmal in Form von Boschert) davon, doch konnte Brunner deren Schuss aus 9 Metern im letzten Moment zur Ecke klären. Diese gelangte auf Umwegen vor die Füße von der ebenfalls gesundheitlich angeschlagenen ins Spiel gegangenen Sarah Karnbach, welche das Spielgerät aus gut 20 Metern durch Freund und Feind hinweg zum 2:0 ins Netz hämmerte. Ein typischer Fall von „Denkste”, denn Schiedsrichterin Wozniak gab den Treffer zur Verwunderung aller nicht. Allerdings nicht wegen angeblicher Abseitsposition (wie es die Assistentin zunächst anzeigte), sondern wegen angeblicher Behinderung von Torfrau Moser durch die unmittelbar vor ihr postierte Uwak. ![]() Konnte das 0:5-Debakel nicht verhindern: SCF-Torfrau Marisa Brunner |
In Afrika war sie schon zweimal Fußballerin des Jahres, dann ging sie nach Finnland, nun hat sie in der Bundesliga ihre ersten beiden Tore geschossen: Die nigerianische Nationalspielerin Cynthia Uwak, der hier Juliane Maier nur mit Mühe folgen kann, war heute eine der das Spiel für Saarbrücken entscheidenden Spielerinnen | |
Die Saarländerinnen ließen sich jedoch von dieser Entscheidung nicht entmutigen und sollten nur wenige Minuten später dafür belohnt werden: nach Ecke von Cronkrite stibitzte die heute in der Defensive stark verbesserte Juliana Edwards den Ball mit der Hacke akrobatisch in den Strafraum, wo die goldrichtig postierte Uwak die Kugel mit dem Kopf unhaltbar ins Freiburger Tor verlängerte – 2:0 (24.). Die auf der Linie postierte Martina Moser hatte das Abseits aufgehoben, was diesmal sogar der Schiedsrichterassistentin nicht entgangen war... Beflügelt von ihren beiden Toren drehte die zweifache afrikanische Fußballerin des Jahres nun so richtig auf und konnte beim nächsten steil vorgetragenen Angriff von der hoffnungslos überforderten Valeria Kleiner nur per Notbremse zu Fall gebracht werden. Eigentlich eine klare Notbremse, da Kleiner „letzte Frau” war, doch statt der berechtigten roten Karte beließ es die Unparteiische bei gelb, was jedoch der bereits mit einem Kärtchen dieser Farbe vorbelasteten Kleiner nichts nutzte – Platzverweis ! Nachdem Brunner einen Distanzschuss der im offensiven rechten Mittelfeld stark aufspielenden Meredith Teague entschärfen konnte (32.), wollte Schiedsrichterin Wozniak im ungleichen Laufduell zwischen Uwak und Zirnstein ein Foulspiel der Nigerianerin gesehen haben und verhinderte somit per Pfiff deren lupenreinen Hattrick (34.). Die letzte Chance vor der Pause gehörte den Gästen, doch Legrand zeigte sich in der Nachspielzeit bei einem Schuss von Anja Hegenauer auf dem Posten und fischte den Ball mit einer Weltklasseparade aus dem Winkel (45.+2). ![]() Meredith Teague (links) entpuppt sich immer mehr als wertvoller Neuzugang in den Reihen Saarbrückens - hier behauptet sie sich gegen Selina Nowak Unmittelbar nach Wiederbeginn stellte sich Boschert im Zweikampf mit Uwak mehr als dumm an und brachte diese im Strafraum eindeutig zu Fall – klare Sache: Elfmeter ! Nachdem sich Edwards nach zwei kläglich vergebenen Elfmetern verständlicherweise nicht mehr an den Punkt traute, schnappte sich Karnbach kurzentschlossen den Ball und versenkte diesen (wohl noch mit Wut über ihr aberkanntes Tor im Bauch) eiskalt zur Vorentscheidung (49.) ![]() Coole Elfmeterschützin: Sarah Karnbach zeigte keine Nerven und traf zum 3:0 Doch die Freiburgerinnen gaben sich trotz des aussichtslosen Rückstands nicht auf und bemühten sich ernsthaft um den Anschlusstreffer. Diesen vergab jedoch zunächst Myriam Krüger, welcher der Ball nach weitem Flankenwechsel der eingewechselten Sinah Amman sowie Stellungsfehler von Legrand vor die Füße fiel, jedoch das Leder freistehend aus 20 Metern über das Gehäuse setzte (56.) sowie Annika Eberhardt, welche frei vor dem Tor stehend wegrutschte bzw. den Ball nicht mehr erreichen konnte (63.). Im Gegenzug fiel dann die endgültige Entscheidung: Teague wurde auf der rechten Seite von Karnbach schön in Szene gesetzt, passte das Leder per Rückpass mit viel Übersicht auf die enorm fleißige Christina Arend, deren Schussversuch zwar von Zirnstein noch abgeblockt werden konnte, doch gegen den strammen Nachschuss von Maike Trach aus 13 Metern war die schweizerische Nationaltorfrau machtlos – 4:0. Nun spielte nur noch der FCS und für die Gäste schien sich ein Debakel anzubahnen, doch vergab zunächst Trach nach herrlichem Anspiel von Arend nur knapp (69.) und konnte Brunner nach Solo von Uwak zunächst Schlimmeres verhindern (70.). Mit dem schönsten Spielzug des Tages fand die unerwartet deftig ausgefallene Revanche letztendlich ein krönendes Ende, als Trach die Kugel nach zweifachem Doppelpass mit Uwak herrlich zum 5:0 ins lange Eck schlenzte (80.). |
SCF-Trainer Günter Rommel konnte dem Debakel auf der anschließenden Pressekonferenz immerhin noch etwas Gutes abgewinnen, sah den Platzverweis von Valeria Kleiner sogar als „positiven Knackpunkt” für seine Mannschaft an und nahm diesen sogar auf seine Kappe: ![]() Räumte eigene Fehler in der taktischen Aufstellung ein: ein nachdenklicher SCF-Coach Günter Rommel „Ich muß Valeria schon nach 10 Minuten rausnehmen, die hatte gegen die pfeilschnellen Spitzen Arend und Uwak nicht den Hauch einer Chance. Zu Zehnt hat meine Mannschaft dann auf einmal engagierter und aggressiver gespielt und hat sich endlich gegen die sich abzeichnende Niederlage gewehrt. Es war jedenfalls keine Arbeitsverweigerung, denn meine Mannschaft hat trotz des aussichtslosen Rückstandes weiter mutig nach vorne gespielt, hatte jedoch letztendlich gegen die solide Saarbrücker Abwehr am heutigen Tage keine Chance.” ![]() Entdeckt immer mehr Vollstreckerqualitäten: Maike Trach hier unmittelbar vor ihrem 3. Saisontreffer
Überglücklich resümierte ein sichtlich erleichterter FCS-Coach Stephan Fröhlich:
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