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1. Bundesliga, 21. Spieltag

Tausend Chancen bis zur Meisterschaft

1. FFC Turbine Potsdam - SC 07 Bad Neuenahr 1:0 (0:0)

Text von Detlef Püschel
Bilder von Jan Kuppert

05.05.2010   Am 21.Spieltag holte sich der amtierende deutsche Meister, der 1. FFC Turbine Potsdam, vorzeitig auch die Meisterschaft 2010. Gegner waren die Spielerinnen aus der Kurstadt Bad Neuenahr. Die gingen ohne ihre beiden A-Nationalspielerinnen Lena Goeßling und Celia Okoyino da Mbabi an den Start, die verletzt Zuhause blieben.

Vor dem Anpfiff, entrollten die Turbinen ein langes Transparent, auf dem geschrieben stand; "IHR FÜR UNS! WIR FÜR EUCH! DANKE FANS!" Das bedarf sicherlich keines Kommentares.

Meisterfeier

Da war es schon geschafft. Ein Bild von der Meisterfeier am Abend nach dem Spiel: v.l.: Bianca Schmidt, Leni Larsen Kaurin und Jennifer Zietz feiern den Titel. Doch bis dahin war es ein schweres und spannendes Stück Arbeit gewesen

Von Beginn an machte Potsdam klar, dass für sie in ihrem letzten Heimspiel nur ein Sieg zählt, um damit schon vorzeitig die Meisterschaft zu gewinnen. Natürlich war diese Erwartungshaltung der 2816 Zuschauer im Karl-Liebknecht-Stadion spürbar, und damit lag sicher auch viel Druck bei den Gastgeberinnen. Thomas Obliers, Trainer des SC 07 Bad Neuenahr, gab von Beginn an eine sehr defensive Strategie vor, die sein Team auch bis zum Abpfiff beibehalten sollte.

 Bianca Schmidt  gegen Lydia Neumann

Bianca Schmidt kommt gegen Lydia Neumann zum Kopfball - die Szene des Spiels, denn der war drin!

Turbine begann druckvoll, aber auch recht nervös, und kam in der 10. Minute zur ersten Torchance. Viola Odebrecht köpfte nach einem Freistoß den Ball oben auf das Tor der Kurstädterinnen. Kurz darauf verfehlten auch Babett Peter ,per Kopf, und Jenny Zietz per Fuß nur ganz knapp das Tor von Romina Holz.

Die Offensivbemühungen der Gäste blieben harmlos. Anders die Platzherrinnen, die mit gutem Kombinationsfußball das Gästebollwerk knacken wollten. Immer wieder ging es über die Flügel, aber der letzte Pass war meistens zu ungenau. Chancen fast im Minutentakt, aber die finale Aktion war oft ein Fehlpass, oder irgendeine Abwehrspielerin kam noch mit Fuß oder Bein dazwischen. Kaum mal Entlastungsmöglichkeiten für die Gäste, wie in der 22.Minute, durch die agile Anne Bartke. Fast im Gegenzug war aber wieder Potsdam am Drücker, durch zwei Möglichkeiten von Anja Mittag.

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Anja Mittag war am Verzweifeln. Die Turbinen erspielten sich eine Torgelegenheit nach der anderen, doch die Bälle wollten nicht reingehen

Standardsituationen sind eigentlich nicht Turbines Spezialität, aber an diesem Tag ging von ihnen doch viel Gefahr aus. In Minute 32, Ecke Anja Mittag, Nadine Keßler köpft den Ball ans linke Tordreiangel. Da konnte sie leider nicht viel Druck dahinter bringen. Kurz danach ein toller Pass von Anja Mittag, der Lira Bajramaj am langen Pfosten finden sollte, aber die an diesem Tag überragende Peggy Kuznik funkte noch dazwischen. Welle auf Welle rollte nun auf Romina Holz zu, aber noch stand die SC 07-Abwehr sicher, und der deutsche Meister wirkte doch sehr verkrampft, mit zu vielen Fehlern im Zuspiel. Kurz vor der Halbzeit dann noch eine sehr gute Möglichkeit durch Anja Mittag, nach schönem Zuspiel von Lira Bajramaj. Doch leider ging auch der links vorbei. Jenny Zietz probierte es auch noch mal aus gut und gerne 30 Metern, aber auch der ging drüber.

Dann war Halbzeit, und Bernd Schröder war richtig sauer über sein Team, das seine Vorgaben wohl nicht so umgesetzt hatte, wie er es sich vorgestellt hatte.


Meister Turbine Potsdam

Der Meister von 2009 ist auch der Meister 2010: einen Spieltag vor Schluss machten die Turbinen den Titel klar. Kapitänin Jennifer Zietz zeigt ihrem Team die Meisterschale

Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild, Potsdam stürmte, und Bad Neuenahr wurde weiter in die Defensive gedrängt. Nach 52 Minuten hatte der Potsdamer Anhang schon den Jubelschrei auf den Lippen, als Nadine Keßler, nach tollem Doppelpass mit Jessica Wich, den Ball etwa einen halben Meter neben das Tor setzte. Keine 60 Sekunden später vergab die gleiche Spielerin dann eine 100%-ige, als nach einem Schuss von Anja Mittag, die ansonsten fehlerfreie Romina Holz den Ball nicht festhalten konnte, und Nadine Keßler den Abpraller aus etwa 7-8 Metern über das leere Tor ballerte. Oh Mann, das Nervenkostüm der Turbinen flatterte aber gewaltig.

 Peggy Kuznik gegen Lira Bajramaj

Peggy Kuznik im Abwehrzentrum von Bad Neuenahr machte ein Riesenspiel, hier gegen Lira Bajramaj

Das wäre es doch gewesen, das von allen so lange ersehnte Tor. Aber es blieb weiter beim 0:0, und die Anspannung beim Team und seinen Fans stieg von Minute zu Minute. Sollte es am Ende doch nicht zur Meisterfeier reichen? Aber die Turbine drehte jetzt auf Hochtouren.

Nach einer schönen Flanke der sehr gut spielenden Tabea Kemme setzte Viola Odebrecht einen Kopfball rechts neben das Gästetor. Dann brachte Bernd Schröder neue Kraft, denn für die etwas glücklose Jessica Wich kam Turbines Wintereinkauf, Yuki Nagasato. Eine tolle Kombination über Viola Odebrecht und Anja Mittag vollendete Jenny Zietz mit einem strammen Schuss, der nur ganz knapp über das Tor zischte. Dann folgte eine weitere brenzlige Situation für die Kurstädterinnen, als Anja Mittag im Strafraum zu Fall kam. Im Stadion sah es für mich wie ein Schwächeanfall von Anja aus, aber die Zeitlupe auf DFB-TV offenbarte, dass Julia Debitzki schon das Knie ausgefahren hatte, und so manche Schiedsrichterin da wohl auf Strafstoß entschieden hätte. Aber die ansonsten recht gute Marija Kurtes hatte diese Zeitlupe nicht zur Verfügung, und so ließ sie weiterspielen.

Dann kam Isabel Kerschowski, für Viola Odebrecht, der an diesem Tag nicht ganz so viel gelang wie in den Spielen zuvor. Potsdam drückte weiter, denn ihnen lief so langsam die Zeit davon. Aber noch hielt das Abwehrbollwerk, das von der sensationell spielenden Peggy Kuznik geleitet und zusammengehalten wurde. Jetzt probierte sich die gerade eingewechselte Yuki Nagasato als Eckballschützin. Und ihre schöne Hereingabe fand den Kopf von Bianca Schmidt, die mit ihrem allerersten Saisontreffer endlich die ersehnte Erlösung brachte.
Oh Mann, da polterten jetzt aber 2816 Steine durch das Stadion, denn nach den gefühlten tausend vergebenen Chancen unkten schon einige Zweifler, dass Turbine heute noch 2 Stunden spielen könnte, ohne das Runde ins Eckige zu bekommen.

Bianca Schmidt

Bianca Schmidt, hier am Boden die Gratulation ihrer Kolleginnen entgegen nehmend, schoss ihr erstes Saisontor - und was für ein wichtiges!

Jetzt war es nicht mehr weit bis zur Titelverteidigung, denn Bad Neuenahr machte weiterhin keine Anstalten, die das Tor der beschäftigungslosen Anna Felicitas Sarholz hätten irgendwie


gefährden können. Potsdam drängte jetzt weiter, wollte unbedingt noch nachlegen, und kam zu weiteren Riesengelegenheiten, die aber allesamt vergeben wurden. So blieb es spannend bis zum Schlusspfiff.

Dann war es also geschafft. Der 1. FFC Turbine Potsdam ist somit am vorletzten Spieltag schon vorzeitig zum vierten Mal gesamtdeutscher Meister geworden. Während die Turbinen schon ausgelassen auf dem Feld tanzten, verschwand Bernd Schröder ziemlich missgestimmt in den Katakomben. Erst dort schien er sich gesammelt zu haben und realisierte wohl für sich, dass er es bereits zum zehnten mal geschafft hatte, eine Potsdamer Frauenmannschaft zu einem Meistertitel zu führen.

Bernd Schröder und Dr. Theo Zwanziger

Potsdams Trainer Bernd Schröder nahm die Glückwünsche von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger entgegen

Vor der offiziellen Siegerehrung lobte DFB-Präsident Theo Zwanziger ausdrücklich auch den SC 07 Bad Neuenahr für seinen aufopfernden Kampf. Ich persönlich fand die sehr defensive Taktik von Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers, die dazu führte, dass Potsdams Torhüterin Anna Felicitas Sarholz in 90 Minuten vielleicht zwei oder höchstens drei Ballkontakte hatte, einem Team, das auf Platz 6 der Tabelle steht, nicht ganz angemessen.

Dann war es endlich so weit, und alle Spielerinnen des alten und neuen Meisters durften ihre Medailien, nebst Küßchen, Umarmung und Händedruck in Empfang nehmen. Als Letzte war dann Kapitän Jenny Zietz an der Reihe, die dann auch als erste den Meisterpokal in die Hand nehmen durfte. Sie stemmte ihn vor der Mannschaft in die Höhe, und das ganze Stadion jubelte und sang; "We are the Champions". Jetzt stehen für die Turbinen noch zwei Aufgaben an, von denen das CL-Finale sicher das absolute Saison-Highlight werden wird.

Anna Felicitas Sarholz und Lira Bajramaj

Sektdusche nach dem Spiel: Anna Felicitas Sarholz und Lira Bajramaj mit Meisterschale und Getränk


1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz - B. Schmidt, Peter, Henning, Odebrecht (60. I. Kerschowski), Keßler, Zietz, Kemme, J. Wich (56. Nagasato), Bajramaj, Mittag

SC 07 Bad Neuenahr:
Holz - Hagmann, Kuznik, Störzel, Doorsoun-Khajeh, Neumann (89. Bakir), Petzelberger, Selensky, Cha (80. Pyko), Bartke (85. Fols), Debitzki

Tore:
1:0 B. Schmidt (68.)

Gelbe Karten: Doorsoun-Khajeh

Schiedsrichterin:Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 2816


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