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1. Bundesliga, 11. Spieltag

Spiel und erster Satz - Jena

FF USV Jena - 1. FC Saarbrücken 3:1 (2:0)

Text und Fotos von Martin Kochem

07.12.2009   Die Vorzeichen vor diesem Duell der beiden Tabellennachbarn (8. gegen 9.) waren klar verteilt – so konnte sich der Sieger einen großen Schritt von den Abstiegsplätzen entfernen und im in dieser Saison so spannenden Abstiegskampf erst einmal kräftig durchschnaufen.

Am Ende eines jederzeit interessanten, ausgeglichenen und für die Platzverhältnisse recht ansehnlichen Bundesligaspiels hieß es in der Tennissprache ausgedrückt „Spiel und erster Satz – Jena”, die ihren Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz mit einem mühevollen 3:1 (2:0)-Arbeitserfolg auf beruhigende 7 Punkte ausbauen konnten und damit wohl den Grundstein zum Klassenerhalt gelegt haben dürften.

Meredith Teague vs. Kathleen Radtke

Meredith Teague erobert hier den Ball vor Kathleen Radtke

Saarbrückens Coach Stephan Fröhlich hingegen stellte sich nach dem Abpfiff die Gretchenfrage „Was wäre gewesen, wenn...” und dachte dabei insbesondere an die zweite Spielminute, als Kelli Cronkrite einen Befreiungsschlag ihrer US-Landsfrau Juliana Edwards geschickt mit dem Kopf verlängerte, die pfeilschnelle Cynthia Uwak ihrer Gegenspielerin Melanie Groll auf und davonlief und aus neun Metern völlig frei vor dem Tor stehend mit rechts abzog. Doch Jenas Torfrau Jana Burmeister machte per sensationellem Fußreflex diese 100%ige Torchance zur Gästeführung zunichte und konnte kurz darauf auch den Nachschuss von Cronkrite meisterlich parieren.

Der mit viel Selbstvertrauen ins Spiel gegangene FCS blieb am Drücker und hatte nach acht Minuten eine weitere gute Gelegenheit zu verzeichnen, als Selina Dambier auf Zuspiel von Uwak aus halbrechter Position abzog, doch Burmeister konnte sich erneut auszeichnen und die Kugel entschärfen. Nur eine Minute später senkte sich ein als Rechtsflanke gedachter Schuss von Meredith Teague fast ins Tor, doch auch so ließ sich die aufmerksame Burmeister nicht überwinden und lenkte den Ball über die Latte. Die Saarländerinnen bestimmten das Spiel auf dem zwar glitschigen, aber dennoch recht ordentlich bespielbaren Rasen des Unisportzentrums in der ersten halben Stunde beinahe nach Belieben, konnten jedoch diese Überlegenheit nicht in das sicherlich hochverdiente Führungstor ummünzen.

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Meredith Teague hat sich in die Saarbrücker Startelf festgespielt und bereitete den zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer vor

So strich ein 16m-Schuß von Cronkrite nur knapp über die Latte (21.) und es dauerte bis zur 27. Minute, ehe die nach vier Niederlagen in Folge verunsichert wirkenden Thüringerinnen das erste Mal gefährlich vor dem Gehäuse der zunächst völlig beschäftigungslosen Barbara Legrand auftauchten. Nach langem Ball von Groll verschätzten sich sowohl Julia Leykauf als auch Juliana Edwards, doch die die Situation am schnellsten antizipierende Genoveva Anonma setzte das Leder völlig frei vor dem Tor stehend aus halblinker Position mit dem rechten Fuß links neben den kurzen Pfosten. Kurze Zeit später tauchte Jenas Gegenpart zu Saarbrückens Uwak nach erneutem Edwards-Fehler abermals am Gästestrafraum auf, doch auch dieses Mal verzog die 20-jährige Äquatorialguineanerin etwas überhastet.


Keeperin Jana Burmeister

Jenas Keeperin Jana Burmeister hatte großen Anteil am Erfolg ihrer Mannschaft. Hier fängt sie hier sicher eine Flanke vor der einkopfbereiten Ann-Katrin Schinkel ab

Auf der Gegenseite versuchte es Saarbrücken mit Fernschüssen der wiedergenesenen Maike Trach (33.) sowie Cronkrite (42.), welche jeweils nur knapp über das USV-Gehäuse strichen. Praktisch aus dem Nichts heraus fiel sodann die Führung der Gastgeber, als die komplette Viererkette der Saarländerinnen eine Tiefschlafpause einlegte und die mit Torriecher ausgestattete Anonma nach klugem Pass von Yvonne Hartmann sowie einer parallel zur Grundlinie hereingeschlagenen Rechtsflanke von Sylvia Arnold aus 1 m nur noch den Fuß hinhalten musste – 1:0 (43.). Keine 120 Sekunden später folgte dann die wohl spiel(vor)entscheidende Szene, als die sich in klarer Abseitsposition (!) befindliche Sylvia Arnold nach zugegebenermaßen schönem Pass von Susann Utes nicht zwei Mal bitten ließ und aus halbrechter Position mit einem trockenen Rechtsschuss ins kurze Eck das vorweihnachtliche Geschenk der Schiedsrichterassistentin artig annahm. Da mussten sogar die einheimischen USV-Anhänger etwas schmunzeln, denn wirklich (fast) jeder hatte auch ohne Sehhilfe(n) die eindeutige Abseitsposition im Moment der Ballabgabe erkannt...

Sylvia Arnold  gegen Julia Leykauf

Sylvia Arnold (links) erzielte das vorentscheidende 2:0, kommt hier aber gegen Julia Leykauf einen Schritt zu spät

Mit entsprechender Wut im Bauch kamen die Gäste von der Saar aus den Kabinen und konnten gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs eine Doppelchance verzeichnen, doch die überragende Burmeister zeigte sich sowohl bei Uwaks Versuch als auch bei Trachs Nachschuss auf dem Posten.

Der FCS drängte auf den Anschluss und sollte nach einem zunächst fehlgeschlagenen 25m-Freistoss von Edwards dann doch noch Erfolg haben. Nach Teagues flacher Hereingabe von der rechten Außenbahn nahm Dambier den Ball mit rechts an, schüttelte Groll mit einer geschickten Körperdrehung um die eigene Achse gekonnt ab und donnerte die Kugel aus 10 Metern mit herrlichem Linksschuss unhaltbar ins obere linke Eck (65.) – herrliches Tor einer echten Vollblutstürmerin !

Der hochverdiente Ausgleich gelang der aufopferungsvoll kämpfenden Truppe von der Saar trotz lautstarker Unterstützung seiner mitgereisten Fans jedoch nicht, auch weil Burmeister bei Edwards Freistoß (70.) und einem abgefälschten 22m-Schuss von Cronkrite (71.) stets Herrin der Lage war. Auch eine verunglückte, sich Richtung Winkel senkende Linksflanke von Teague und der darauffolgende Nachschuss der eingewechselten Vicky Hinsberger wurden eine sichere Beute der besten Jenenserin bzw. überhaupt besten Spielerin auf dem Platz.

Mitten in die Druckphase des Gastes hinein fiel dann das aus Sicht der Gastgeberinnen erlösende 3:1, als Goalgetterin Anonma einen genau getimten Hartmann-Freistoß per Kopf aus Nahdistanz in die Maschen drückte (78.). Trotz dieses Nackenschlags gab sich


der Aufsteiger nicht auf, brachte jedoch in den letzten Minuten nichts mehr Erwähnenswertes zustande und hatte bei zwei USV-Kontern gar noch Glück, als die ebenfalls starke Barbara Legrand jeweils per Fußreflex gegen Anonma (86.) sowie Sylvia Arnold (89.) eine deutlichere Niederlage verhindern konnte.

Juliana Edwards

Saarbrückens Abwehr sah zwar bei 2 Gegentoren nicht ganz glücklich aus - hier aber haben Julia Leykauf (weiße Nr. 13) und Juliana Edwards die Sache im Griff

Trainerstimmen:

Heidi Vater (Jena):
„Es war das erwartet schwere Spiel gegen eine selbstbewusste Saarbrücker Mannschaft. Wir waren zunächst etwas verkrampft und hätten uns über einen Rückstand nicht beschweren können. Wir haben heute nicht so gut gespielt wie gegen Wolfsburg letzte Woche, aber wir sind natürlich zufrieden, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben.”

Stephan Fröhlich (Saarbrücken):
„Ich kann meinem Team keinen Vorwurf machen. Einsatz, Wille und Chancen waren vorhanden, um das Spiel erfolgreicher zu gestalten. Kurz vor der Pause haben wir zwei Mal geschlafen und sind dann entscheidend in Rückstand geraten. Heute hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen...Jena war nur 2 bis 3 Minuten effizient, aber das hat gereicht...”

 Meredith Teague vs. Stephanie Milde

Meredith Teague lieferte sich mit Stephanie Milde packende Duelle auf der rechten Außenbahn



FF USV Jena:
Burmeister - J. Arnold, Groll, Radtke – I . Hartmann, Milde, Utes, Höfer (87. Schwarz) - Anonma, S. Arnold, Seiler (59. Feulner)

1. FC Saarbrücken:
Legrand - Leykauf, Schinkel, Edwards, L. Vetterlein (61. Hinsberger) - Karnbach, Trach, Teague, Cronkrite - Uwak, Dambier

Tore:
1:0 Anonma (43.)
2:0 S. Arnold (45.)
2:1 Dambier (65.)
3:1 Anonma (78.)

Gelbe Karten: Höfer – Karnbach, Dambier

Schiedsrichterin: Inka Müller (Potsdam)

Zuschauer: 320


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