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1. Bundesliga, 11. Spieltag

Heim-Knoten geplatzt

Hamburger SV – Tennis Borussia Berlin 1:0 (1:0)

Text und Bilder von Sven-E. Hafft

08.12.2009   Zum letzten Heimspiel des Jahres 2009 stand der HSV vor einer ähnlichen Situation wie zwei Wochen zuvor gegen Freiburg: Wieder ging es gegen einen vermeintlichen Underdog und wieder winkte im Siegesfalle der angestrebte Mittelfeldplatz. Nur gab es diesmal auch Unterschiede: Der Gegner hatte noch den gleichen Trainer und die Einheimischen durften sich zwischendurch den Ehrentitel "Bayern-Bezwingerinnen" anheften. Es galt also, das groteske Missverhältnis von einem Heimpunkt gegen zehn Auswärtspunkte etwas abzubauen. Den Gästen aus der Hauptstadt hingegen durfte man - auch im Hinblick auf den Hamburger Heimkomplex - durchaus einen Erfolg zutrauen.

Die Hanseatinnen begannen entsprechend nervös und leisteten sich in der Anfangsphase eine Menge von Fehlpässen und technischen Fehlern. Da auch Berlin hier kaum nachstand, wechselte der Ballbesitz ständig, was wiederum stark an das erwähnte Freiburg-Spiel erinnerte.

Florence Okoe vs. Marisa Ewers

Florence Okoe (hier vor Marisa Ewers am Ball) war ein ständiger Unruheherd und neben Anna Sophie Fechner auch die beste Berlinerin, verursachte allerdings den Strafstoß

In der 11. Minute schließlich erkämpfte sich TeBe eine erste Chance, doch der Schuss von Franziska Hagemann wurde eine sichere Beute von HSV-Torhüterin Bianca Weech. Nach einer guten Viertelstunde dann Ecke für Berlin. Den zunächst abgewehrten Ball schoss Kapitänin Franziska Liepack mit links sehr gefährlich aufs Tor, verzog jedoch knapp.

Auf der Gegenseite setzte Silva Lone Saländer nach einer misslungenen Berliner Abwehraktion nach, geriet allerdings in Rücklage und schoss über das Tor (22.). Sieben Minuten danach rettete TeBe-Torfrau Cordula Busack knapp vor Denise Lehmann. Diese kam schon kurz darauf erneut zu einer guten Gelegenheit, setzte ihren Versuch aber ebenfalls zu hoch an (31.).

 Franziska Liepack vs. Denise Lehmann

TeBe-Kapitänin Franziska Liepack versucht einen Schuss von Denise Lehmann abzuwehren

Zwischenzeitlich hatte HSV-Trainer Achim Feifel mehr Bewegung im Spiel gefordert, denn seine Mannschaft wirkte teilweise regelrecht blockiert. Nach 36 Minuten dann ein Hamburger Angriff über rechts. Die in den Strafraum eingedrungene Marisa Ewers wurde von Florence Okoe gelegt; Schiedsrichterin Angelika Söder entschied auf Strafstoß, den Saländer gewohnt sicher verwandelte.

Silva Lone Saländer

Silva Lone Saländer beim Elfmeter

Das Hamburger Spiel wurde etwas besser, von gewonnener Sicherheit konnte allerdings keine Rede sein. Immerhin ließ man jetzt kaum noch Berliner Gelegenheiten zu und ging mit dem Vorsprung in die Pause.


Suzan Sharif, Chantal Willers, Franziska Liepack und Ana Maria Crnogorcevic

Zu dritt stoppen die Gäste einen Hamburger Angriff (v. l. Suzan Sharif, Chantal Willers, Franziska Liepack und Ana Maria Crnogorcevic). Am Ende reichte dem HSV ein Elfmetertor zum ersten Heimsieg der Saison

Hier trat die langzeitverletzte Aferdita Kameraj als Nikolaus auf und verteilte vom Sponsor zur Verfügung gestellte Geschenke an die Zuschauer – ein nettes Highlight, welches das an diesem Tage unerklärlicherweise fehlende Programmheft fast vergessen machte. Im Interview mit ihr erfuhr man auch, dass sie im Laufe der Rückrunde wieder spielen kann. Co-Trainer Javier Navarro, danach befragt, wie man den Sieg in der zweiten Halbzeit festhalten wolle, sagte: "... indem wir drei bis vier Gänge (!) hochschalten ..." – bezeichnend!

Silva Lone Saländer, Ilka Heye, Senem Özer

Zum Verdruss von Torschützin Saländer scheitert auch dieser Angriffsversuch (links Ilka Heyke, rechts Senem Özer)

Die zweite Halbzeit bot kaum einen Unterschied zur ersten, allerdings stand die HSV-Abwehr noch besser, sodass die Gäste trotz einiger Vorstöße überhaupt nichts Zwingendes mehr zustande brachten. Die Rothosen kamen ab und an zu Gelegenheiten wie etwa Lehmann, deren schöner Drehschuss gehalten wurde (59.). Kurz darauf wurde sie gegen Imke Wübbenhorst ausgewechselt.

Die einzige Gelbe Karte des Spiels handelte sich HSV-Kapitänin Janina Haye ein, die im Kampf um den Ball zu spät kam und nur noch die Gegenspielerin Anna Sophie Fechner traf (62.). Fünf Minuten darauf dann das ersehnte Comeback von Kim Kulig, die für die angeschlagene Saländer kam und nach einmonatiger Verletzungspause wieder in das Geschehen eingreifen konnte. Sie brachte noch einmal Belebung in den Angriff – ihr schöner Außenspannstoß verfehlte das Gästetor nur knapp (77.).

Cordula Busack vor Maja Schubert

Vergebliche Mühe: Berlins Torfrau Cordula Busack ist gegen Maja Schubert zuerst am Ball

In der Schlussphase noch ein Aufreger: Ein Berliner Angriff sah Fechner im Strafraum, wo sie zu Fall kam, doch Spielleiterin Söder zeigte sofort Weiterspielen an. Das hatte die Berliner Bank anders gesehen, was dort für einigen Unmut sorgte.

TeBe-Trainer Thomas Grunenberg versuchte alles und wechselte noch einmal frische Offensivkräfte ein: Rumanatu Tahiru für Suzan Sharif (80.) und Anne Rose Lindner für Ilka Heyke (84.), während Hamburg in der 89. Minute Nicole Zweigler für Ana Maria


Crnogorcevic brachte. Doch die letzte Szene gehörte dem HSV: In der Schlussminute behauptete Maja Schubert den Ball mit einer exzellenten Einzelleistung an der rechten Außenlinie, flankte exakt auf Kulig, deren Aufsetzerkopfball aus kurzer Distanz danebenging – eine große Gelegenheit zum 2:0.

Das war's, Hamburg hatte den Heimkomplex, wenn auch recht mühsam, besiegt und sich in der Tabellenmitte eingeordnet. Wenngleich der Sieg einer Standardsituation entsprang, war er durch das qualitative und quantitative Chancenplus des HSV durchaus verdient. Die Berlinerinnen müssen sich hingegen in einem Abstiegskampf, der noch einige Spannung verspricht, behaupten.

Bianca Weech

Klare Ansagen an ihre Vorderleute: Hamburgs Keeperin Bianca Weech wurde kaum ernsthaft geprüft

Das Trainerfazit:

Thomas Grunenberg (TeBe Berlin): "Der Unterschied war, dass Hamburg einen Elfmeter bekommen hat und wir nicht, das war für uns bitterböse. Wir sind nicht schlechter als die anderen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion und haben eine reelle Chance auf den Klassenerhalt."

Achim Feifel (HSV): "Nach der Hinrunde haben wir nun einen Punkt mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Es war ein wichtiger Sieg, in dem allein die Punkte zählen. Wir freuen uns, jetzt wieder nach vorn statt nach hinten schauen zu können. Gegen kompakte, defensiv eingestellte Mannschaften haben wir allerdings nach wie vor Schwierigkeiten."


Hamburger SV:
Weech – Haye, Freese, Brüggemann, Lübcke – Ewers, Jokuschies, Schubert, Saländer (67. Kulig) – Lehmann (60. Wübbenhorst), Crnogorcevic (89. Zweigler)

Tennis Borussia Berlin:
Busack – Willers, Sharif (80. Tahiru), Liepack, Braun – Teodoridis, Okoe, Heyke (84. Lindner), Özer – Fechner, Hagemann

Tore:
1:0 Saländer (36., Foulelfmeter)

Gelbe Karten:Haye (Foulspiel) / –

Schiedsrichterin: Angelika Söder (Schwarzenbruck)

Zuschauer: 294


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