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1. Bundesliga, 5. Spieltag

Erfahrenheit zahlt sich gegen Jungspunde aus

Hamburger SV - 1. FFC Frankfurt 0:4 (0:2)

Text von Sunny
Bilder von Sven E. Hafft

19.10.2009   Der 5.Spieltag brachte für den HSV ein volles Haus. Der „FC Bayern München des Frauenfußballs”, wie der 1.FFC Frankfurt aufgrund seiner Erfolge gerne genannt wird, war Gast in der Wolfgang-Meyer Sportanlage in Hamburg.

Beide Mannschaften mit ziemlichen Unruhen vor dem Spiel. Während beim 1.FFC Frankfurt der Cheftrainer Günter Wegmann in der vergangenen Woche beurlaubt wurde und Co-Trainer Sven Kahlert die Mannschaft übernahm, suchte man in Hamburg, nach dem 0:3 Pokal aus in Wolfsburg und der dritten Niederlage in Folge, nach dem eigenen Selbstbewusstsein.

Beide Mannschaften auch mit erheblichen Veränderungen im Vergleich zur Vorwoche. Der HSV veränderte seine komplette Abwehr. Im Tor gab es einen Wechsel: Gaelle Thalmann musste auf der Bank Platz nehmen und wurde von Bianca Weech verdrängt. Zudem ließ HSV-Trainer Achim Feifel Catharina Schimpf und Angelina Lübcke, nach durchwachsenen Leistungen in den letzten Spielen, draußen. Dafür wich Heike Freese auf die linke Verteidigerposition, die erst 16-Jährige Nina Brüggemann komplettierte die Innenverteidigung mit Janina Haye und rechts kam Maja Schubert zum Einsatz. Zudem kam die im Pokal geschonte Kim Kulig, wie auch die zweite 15-Jährige im Team, Lena Petermann, zum Einsatz.

Lena Petermann und  Sara Thunebro

Es war ein Spiel mit vielen packenden Zweikämpfen, wie hier zwischen Lena Petermann und Sara Thunebro

Beim 1.FFC Frankfurt kamen, im Vergleich zur Vorwoche gegen den FC Bayern München, Svenja Huth, Gina Lewandowski und Laura Del Rio Garcia für Tina Wunderlich, Karolin Thomas und Meike Weber in die Startformation. Kerstin Garefrekes rückte wie auch schon im Pokalspiel in Bad Neuenahr nach hinten auf die Position rechts in der Viererkette, um die zuletzt anfällige Abwehr der Frankfurterinnen zu stärken.

Der HSV begann, im Vergleich zum 0:6 in Potsdam, engagierter, ging bissiger in die Zweikämpfe und versuchte dem 1.FFC Frankfurt das Leben schwer zu machen. Bereits in der 3. Minute kommt der HSV zu seiner ersten Chance. Ana Maria Crnogorcevic kann im Mittelfeld den Ball erobern, die darauf einen Doppelpass mit Lena Petermann spielt und alleine aufs Tor zulaufen kann. Jedoch verspringt ihr der Ball bei der Annahme und die darauffolgende Flanke kann von der Frankfurter Abwehr geklärt werden. Der 1.FFC Frankfurt hatte in den ersten Minuten mit mehr Ballbesitz, der HSV hielt aber dagegen und kam auch zu seinen Chancen. In der 11. Minute dann die erste Torchance für die Frankfurterinnen und man sieht zum ersten Mal das Stürmerduo Marozsan/Del Rio Garcia in Aktion. Auf der rechten Seite kann sich Marozsan durchsetzen, flankt in die Mitte auf die einschussbereite Sturmpartnerin, doch die zieht ihren Volleyschuss rechts am Tor vorbei.

Maja Schubert vs. Birgit Prinz

Maja Schubert kann in dieser Szene Birgit Prinz gerade noch stoppen

Gleich darauf die nächste Aktion für Frankfurt. Svenja Huth kann sich auf der rechten Seite sowohl gegen Janina Haye wie auch gegen Heike Freese durchsetzen, kann dann erneut auf Del Rio Garcia spielen, die Volley abzieht, doch Bianca Weech im Tor der Hamburgerinnen kann mit einer klasse Parade das Tor verhindern.
In der 15. Minute dann das 0:1. Nach einer flachen Ecke des FFC von Marozsan kommt der Ball zu Abwehrspielerin Freese, die den Ball rausschlagen will, jedoch nicht richtig trifft, so dass der Querschläger direkt auf die Füsse von Birgit Prinz fällt und die aus ca. 16 Metern den Ball ins Tor drischt. Torhüterin Weech war ohne jegliche Chance. Erneut ein Gegentor in den ersten 15 Minuten gegen den HSV. Die junge Mannschaft des HSV muss in dieser Saison sehr viel Lehrgeld zahlen und kommt immer wieder durch individuelle Fehler in Rückstand.


1:0 für Frankfurt

Der Ball zappelt im Netz. Birgit Prinz erzielte gerade das 0:1 – Torhüterin Bianca Weech ist geschlagen

Doch diesmal brach der HSV nicht ein und versuchte weiterhin sein Tor zu erzielen. In der 17.Minute eine gute Chance für den HSV. Erneut spielt auf der rechten Seite Lena Petermann einen Steilpass auf Crnogorcevic, die wieder ihre Gegenspielerin hinter sich lassen kann, schräg auf das Tor von Nadine Angerer zulaufen kann. Crnogorcevic schießt auf das Tor, doch Angerer kann den Ball halten. Den Abpraller kann sich Crnogorcevic erneut erkämpfen, spielt hinter die Abwehr auf Maja Schubert, doch auch ihr Schuss wird von Angerer abgewehrt und schließlich zur Ecke geklärt.

Ana Maria Crnogorcevic

Die sahen sich heute öfters gegenüber – Ana Maria Crnogorcevic bleibt an Nadine Angerer hängen

Die erste Halbzeit zeigte einen guten Unterhaltungswert und einige Torchancen. In der 23.Minute dann wieder eine Chance für den FFC Frankfurt. Eine Flanke von rechts wird von Maja Schubert verschätzt. Der Ball fliegt über sie zu ihrer Gegenspielerin Petra Wimbersky, die den Ball im Strafraum annimmt und aufs Tor schießt, jedoch wird auch dieser Schuss von Schlussfrau Bianca Weech gehalten. In der 38. Minute dann doch das 0:2. Nach einer Flanke von rechts von Sandra Smisek, fliegt der Ball über drei Abwehrspielerinnen des HSV direkt auf Birgit Prinz, die den Ball erneut volley im Tor unterbringen kann. Mit diesem 0:2 ging es in die Pause. Beide Trainer konnten mit ihren Mannschaften zufrieden sein. Gerade der HSV zeigte, im Vergleich zum Spiel in Potsdam, ein komplett anderes Gesicht, war engagiert und kam zu Torchancen. Jedoch fehlte ihnen die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Tor Birgit Prinz

Schiedsrichterin Monique Klauß zeigt auf den Mittelkreis, während Birgit Prinz kniend das 0:2 feiert

Nach dem Seitenwechsel hatte der HSV gleich wieder eine gute Chance. Doch wieder ist es Ana Maria Crnogorcevic, die alleine aufs Tor zuläuft, erst an Nadine Angerer hängen bleibt und ihren Nachschuss direkt an die Latte hämmert. Acht Minuten später der nächste Lattenschuss. Diesmal aber auf der Gegenseite. Bei einem Freistoß aus 25 Metern haut FFC Spielerin Sara Thunebro den Ball an die Latte. In der 60. Minute dann die schönste Kombination für den HSV in diesem Spiel: Nach einer Passstaffette über Marisa Ewers und Silva Lone Saländer kommt der Ball zu Ana Maria Crnogorcevic, die wieder der Frankfurter Abwehr davon laufen kann, doch, wie schon in einigen Situationen davor, kam sie nicht an Nadine Angerer vorbei.

Die zweite Halbzeit war nicht mehr so spritzig, aggressiv und spannend, wie die erste Halbzeit. Gute Chancen waren jetzt nicht mehr viele enthalten. In der 71. Minute dann die Entscheidung für den 1.FFC Frankfurt - Nach einer Flanke von Svenja Huth, rutscht Nina Brüggemann aus, muss den Ball passieren lassen und der Ball landet bei Del Rio Garcia, die den Ball im Tor unterbringen kann. Trotz des 0:3 Rückstandes gab sich der HSV nicht auf. Gerade Kim Kulig leistete im defensiven Mittelfeld eine engagierte Leistung ab und versuchte alles, was vor der Abwehr war, wie


ein Staubsauger wegzusaugen. Dennoch plätscherte das Spiel nun etwas dahin. Der 1.FFC Frankfurt versuchte nun das Ergebnis zu halten und dem HSV fehlte nun etwas die Kraft.

Dennoch kam Frankfurt noch zweimal vor das Tor der Hamburgerinnen. In der 79. Minute war es Dzsenifer Marozsan, die aus 25 Metern den Ball ans Aluminium knallte. Dann war es Petra Wimbersky, die in der 90. Minute eine Flanke von rechts mit einem artistischem Seitenfallzieher im Tor unterbringen konnte. So endete das Spiel mit 0:4, und nach dem Sieg im Pokal, kann FFC-Trainer Sven Kahlert auch einen Einstand nach Maß in der Bundesliga feiern.

Nach dem Spiel versuchte Achim Feifel, die momentane Situation des HSV aufzuarbeiten: ”Wir stehen nicht in der Krise, wie viele Menschen denken. Wir mussten wichtige Positionen neu besetzen und haben zudem eine der jüngsten Mannschaften in der Bundesliga. Wir haben im heutigen Spiel einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Die Leistung macht Hoffnung auf die kommenden Spiele. Wenn wir so wie im heutigem Spiel, auch in Bad Neuenahr auftreten, ist alles möglich.”
Und man muss dem HSV-Trainer auch Recht geben. Zwar stehen nach dem 5. Spieltag lediglich 3 Punkte auf dem Konto der Hamburgerinnen, doch waren mit dem FCR Duisburg 2001, 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam drei Mannschaften darunter, mit denen sich der HSV in der jetzigen Situation nicht messen kann. Wichtig sind die kommenden Spiele, gegen Mannschaften auf Augenhöhe.

FFC-Manager Siegfried Dietrich

FFC-Manager Siegfried Dietrich kann das Spiel sichtlich genießen. Bisher macht sich seine Entscheidung, den Trainer zu wechseln, bezahlt!

FFC-Trainer Sven Kahlert sieht das Erfolgsrezept seiner Mannschaft ganz einfach: ”Die Mannschaft hat Spaß am Spielen und lernt aus ihren Fehler. Sie haben keine Angst, Fehler zu machen, denn sie wissen, dass Fehler verziehen werden.”
Nun können sich beide Mannschaften auf ihre kommenden Partien vorbereiten. Während der HSV zum Spitzenreiter nach Bad Neuenahr reisen darf, erwarten die Frankfurterinnen zu Hause den FCR Duisburg 2001.



Hamburger SV:
Weech – Freese, Haye, Brüggemann, Schubert – Jokuschies, Ewers (84. Wübbenhorst), Saländer, Kulig, Petermann – Crnogorcevic (74. Lehmann)

1. FFC Frankfurt:
Angerer – Garefrekes, Bartusiak, Lewandowski, Thunebro (76. Zerbe), – Huth (81. Thomas), Smisek, Prinz, Wimbersky – Marozsan, Del Rio Garcia (74. Weber)

Tore:
0:1 Prinz (15.)
0:2 Prinz (38.)
0:3 Del Rio Garcia (71.)
0:4 Wimbersky (90.)

Gelbe Karten: Haye/Lewandowski

Schiedsrichterin:Monique Klauß (Duisburg)
Mit Isabelle Herrmann und Mirka Derlin

Zuschauer: 870


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