1. Bundesliga, 21. SpieltagEin Stück Fußball-NormalitätHamburger SV – FC Bayern München 1:4 (0:2) | ||
Text und Bilder von Sven-E. Hafft 04.05.2010 Einen Spieltag vor Saisonschluss riss die gute Serie des HSV gegen den stark aufspielenden FC Bayern mit 1:4, womit Platz 7 für die Hamburgerinnen feststeht. Die Münchnerinnen behalten ihre Aussichten auf die Verteidigung des 4. Ranges. Der HSV hätte schon gewinnen müssen, um dann allerdings gute Chancen auf den angestrebten 6. Platz zu haben, denn Konkurrent SC Bad Neuenahr hatte mit dem alten und neuen Meister Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt Gegner, die nicht gerade als Punktelieferanten bekannt sind. Doch davor hatten die Fußballgötter noch den FC Bayern gesetzt, für den Ähnliches gilt. Bei herrlichem Sonnenwetter fanden sich – auch begünstigt durch Werbemaßnahmen des HSV – knapp 600 Zuschauer ein. Vor Spielbeginn gab es noch die Auswertung der Zuschauerwahl zur Spielerin der Saison. Es siegte Janina Haye vor Kim Kulig und Maja Schubert. ![]() Kim Kulig im Doppelpack: Vor dem Spiel rührte man die Werbetrommel für die DFB-Schul- und Vereinskampagne TEAM2011 Das Spiel selbst dominierten die Bayern von Beginn an. Hierbei zeichnete sich vor allem Julia Simic aus, die nach 10 Minuten einen Fernschuss gegen den Pfosten setzte. Der HSV mühte sich um Gegenwehr; ein Schuss von Lena Petermann nach Vorarbeit von Maja Schubert ging jedoch am Tor vorbei (13.). Kurz darauf wieder die Gäste. Nach einer Ecke schoss wiederum Simic den Ball unhaltbar ein – 0:1 (17.). Das war abzusehen, denn der HSV hatte doch einige Mühe mit der Überlegenheit des Gegners und dem daraus resultierenden Druck. ![]() HSV-Kapitänin Janina Haye wurde Spielerin der Saison – verdienter Lohn für konstant solide Leistungen In der 22. Minute scheiterte Petermann an der gut reagierenden Kathrin Längert im Bayern-Kasten. Praktisch im Gegenzug hatte Isabell Bachor das 0:2 auf dem Fuß, doch Bianca Weech im HSV-Tor zeigte eine Klasseparade. Die Gastgeberinnen kamen nun auch zu Gelegenheiten, so in der 28. Minute, als Ana Maria Crnogorcevic einen Pass von Schubert an die Latte köpfte; den zurückprallenden Ball beförderte Kim Kulig ebenfalls per Kopf über das Tor. ![]() Stefanie Mirlach (links) sorgte für Betrieb im Hamburger Strafraum – Carolin Simon versucht den Ball abzublocken Die Gäste zeigten die reifere Spielanlage und hatten – zumindest in der ersten Halbzeit – auch deutlich mehr von der Partie. Kurz vor der Pause noch gute Gelegenheiten für beide: Zunächst bekam Crnogorcevic einen Pass von |
Eine Melanie Behringer in den Griff zu bekommen ist keine einfache Aufgabe: Hier versucht es Aferdita Kameraj (rechts), assistiert von Nina Brüggemann | |
Schubert nicht unter Kontrolle (41.), dann zielte die überragende Simic auf der anderen Seite zu genau und setzte einen Schrägschuss denkbar knapp am langen Pfosten vorbei (42.). Doch praktisch mit dem Pausenpfiff noch die Vorentscheidung: Wieder war Simic nach Zuspiel von Vanessa Bürki im Strafraum einen Schritt schneller als die Abwehr am Ball und und schoss unhaltbar ein, zum, wie man so schön sagt, psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt für den Gegner. ![]() Nit möööglich – traumhafte B-Note für Ana Maria Crnogorcevic, doch diesen Ball bekam sie nicht unter Kontrolle. Sandra de Pol ist beeindruckt Im zweiten Durchgang gab es dann ausgeglichenere Verhältnisse. Bereits nach 55 Minuten Generalwechsel beim HSV – für Nina Jokuschies, Kim Kulig und Ana Maria Crnogorcevic kamen neben der wiedergenesenen Aferdita Kameraj noch Imke Wübbenhorst und Nicole Zweigler ins Spiel. Vier Minuten darauf die Entscheidung: Maja Schubert versuchte einen Angriff von Bianca Rech abzuwehren und spielte ihr im Strafraum den Ball weg, rutschte danach aber auch in die Gegenspielerin hinein und es ertönte der Strafstoßpfiff. Diese Chance ließ sich Vanessa Bürki, ein Jahr zuvor in Hamburg Doppeltorschützin, nicht entgehen – es stand 0:3. ![]() Maja Schubert spielt klar den Ball ... ![]() ... rutscht aber auch in die Gegenspielerin hinein – es gab Elfmeter Dann machte auch Günther Wörle vom Wechselrecht Gebrauch und brachte Stefanie Mirlach und Nina Aigner für Sonja Spieler und Vanessa Bürki (68.). Einen weiteren Aluminiumtreffer verbuchten die Gäste durch Carmen Roth, die nach 72 Minuten einen Weitschuss nach abgewehrter Ecke an die Latte setzte. Die Hamburgerinnen hielten weiter aktiv dagegen und liefen dabei oft ins Abseits, das manches Mal, gemessen an den Zuschauerreaktionen, sehr knapp gewesen sein muss. Dennoch eine deutliche kämpferische |
Steigerung der Hanseatinnen, die in der 78. Minute durch Nicole Zweigler eine Großchance zum Ehrentreffer vergaben. Im Gegenzug hatte Nationalspielerin Melanie Behringer eine gute Gelegenheit, fand jedoch in Bianca Weech ihre Meisterin. Elf Minuten vor Schluss wechselte Bayern Carina Wenninger für Isabell Bachor ein. In der 83. Minute war Gästespielerin Stefanie Mirlach vor der herauslaufenden Weech am Ball und brachte ihn zum 0:4 im HSV-Gehäuse unter. Das war nun doch etwas zu hoch; der HSV hatte durchaus den Ehrentreffer verdient. Und tatsächlich: Nach 85 Minuten erwischte Imke Wübbenhorst, die Frau für die späten Tore, den Ball nach Freistoß von Silva Lone Saländer und netzte zum 1:4 ein. Eine klare Niederlage also gegen die Bayern – doch eigentlich weiter nichts als ein Stück fußballerische Normalität. Trotz des nunmehr zementierten 7. Platzes wird der HSV sein letztes Spiel gegen die nach dem 0:13 in Frankfurt eigentlich fast zu bedauernden Berlinerinnen erfolgreich zu gestalten versuchen – die Moral der Mannschaft scheint intakt zu sein; sie hat Potenzial und Zukunft und sollte in der nächsten Saison frühzeitig klarmachen, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird. ![]() Julia Simic (rechts, gegen Silva Lone Saländer) steht scheinbar mit leeren Händen da – in Wahrheit war sie die überragende Spielerin und brachte ihre Mannschaft vorentscheidend mit 2:0 in Front Pikant hingegen die Lage der Bayern. Immerhin könnten sie am letzten Spieltag dem FCR Duisburg noch die Champions-League-Teilnahme verderben, unter Umständen aber auch auf Platz 5 abrutschen.
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